In unserem Schlaf-Barometer finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Kinderschlaf, zugeschnitten auf das Alter des Kindes. Klicken Sie zuerst auf die Altersgruppe, in der sich Ihr Baby befindet und dann auf die Frage, die Sie interessiert.
Geburt bis sechs Monate
- Auch wenn viele Ratgeber es als „Unsitte“ bezeichnen, ein Kind an der Brust einschlafen zu lassen - solange es Ihnen und Ihrem Baby damit gut geht, spricht nichts dagegen. Tipp: Stillen Sie im Liegen mit einem bequemen Kopfkissen. Und: Investieren Sie in gute Hörbücher, falls Sie einen genussvollen Langsamtrinker haben.
Es ist allerdings eine gute Idee, Stillen nicht als einzige Einschlafhilfe zu etablieren - auch Papas sollen ihr Baby ins Bett bringen können. Und dafür ihr eigenes Einschlafritual erfinden.
- Probieren Sie´s einfach - es gibt Babys, die schon sehr früh problemlos allein in den Schlaf finden. Auch von leisem Meckern sollten Sie sich nicht irritieren lassen - das ist oft die Vorstufe zum Einschlafen. Weint Ihr Baby jedoch verzweifelt und haben Sie das Gefühl, Sie müssten ihm helfen, dann nehmen Sie es ruhig hoch - auch wenn manche Ratgeber anderes schreiben. Das Baby braucht Ihre Nähe.
„Die meisten Kinder benötigen Hilfe beim Einschlafen. Das ist völlig normal“, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley. Dass schon kleine Babys lernen sollen, allein einzuschlafen, ist ein Anspruch, den man in den meisten anderen Ländern nicht kennt. Dort gilt es als selbstverständlich, sein Kind in den Schlaf zu begleiten. Also: Tragen, schaukeln, kuscheln Sie Ihr Baby in den Schlaf - in diesem Alter können Sie es noch nicht verwöhnen.
- Möglichst nicht. Wenn kleine Babys sich verlassen fühlen, schreien sie wie in Todesangst. Für Erwachsene wirkt das übertrieben: Mein Baby ist doch in Sicherheit, in seiner Wiege, mit Teddy, und den Eltern direkt nebenan. Aber: Ein Kind weiß in diesem Alter noch nicht, dass seine Eltern, auch wenn es sie gerade nicht sehen kann, trotzdem anwesend sind. Es schreit nicht aus Trotz oder um Sie zu manipulieren, sondern aus Angst und Verzweiflung. Also trösten Sie es und beruhigen Sie es mit Ihrer Anwesenheit.
- Warum nicht? Ein gemeinsames Bett ist eine wunderbare Sache, wenn es den Eltern und dem Kind damit gut geht. Achten Sie auf die Signale Ihres Kindes: Viele Eltern erzählen, dass Ihre Kinder sich im gemeinsamen Bett vertrauensvoll an die Eltern kuscheln und ruhiger und länger am Stück schlafen. Andere berichten jedoch, ihr Baby werde von der Unruhe im gemeinsamen Bett gestört und schlafe in der eigenen Wiege direkt neben dem Elternbett besser.
Übrigens: Es gab US-Studien, die das Familienbett mit einem erhöhten Risiko für den Plötzlichen Kindstod in Verbindung brachten. Neuere Untersuchungen kommen jedoch zu dem Schluss, dass Co-Sleeping dieses Risiko sogar senken kann. Wichtig ist allerdings, dass die Eltern nicht rauchen, nicht alkoholisiert ins Bett gehen, und dass ihr Kind im Schlafsack und auf dem Rücken liegend schläft.
- Das Elternschlafzimmer hat viele Vorteile. Die Gefahr des Plötzlichen Kindstods ist geringer, denn: Das hörbare Atmen der Eltern regt Babys bei kurzen Atemaussetzern zum Weiteratmen an. Außerdem gibt die Nähe der Eltern den Kindern Sicherheit und Geborgenheit. Weiterer Vorteil: Stillende Mütter müssen nachts nicht durch die ganze Wohnung wandern und fühlen sich deshalb morgens nicht so zerschlagen.
Wo genau Ihr Baby am besten schläft, müssen Sie für sich herausfinden. Es braucht viel Ruhe und Platz? Dann ist eine Wiege wohl am besten geeignet. Es will nachts oft an die Brust, ist sehr anschmiegsam und kommt oft nur in Ihrer Nähe zur Ruhe? Dann bietet sich das Familienbett an. Ist Ihnen das zu eng, kann der Babybalkon eine tolle Alternative sein - ein Gitterbettchen, bei dem eine Seite abmontiert wird und das dann auf der passenden Höhe ans Elternbett anschließt.
- Nichts gegen Rituale, nur: Sie dauern oft lang. Wenn ein kleines Baby müde ist, sollte man nicht zu lange warten: ab in den Schlafsack und schnell ins Bett. Ist dieser Punkt verpasst, beginnt oft das Geschrei - und dann fällt das Einschlafen besonders schwer. Viele Eltern haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Babys nach dem für sie aufregenden Ritual mit Gesang und Fingerspielen plötzlich wieder putzmunter waren.
Deshalb: In diesem Alter reicht Tragen oder sanftes Streicheln als Gute-Nacht-Ritual völlig aus. Dabei ein Schlaflied zu singen schadet natürlich nicht.
- Zunächst einmal ist es mit dem Durchschlafen wie mit dem Laufenlernen oder dem Trockenwerden: Jedes Kind lernt es irgendwann, die einen früher, die anderen später. Man soll ein zehn Monate altes Babys nicht hinstellen und zum Laufen zwingen. Eigentlich logisch, dass es dann auch keine gute Idee ist, Durchschlafen erzwingen zu wollen. Aber Eltern können die Grundlage dafür legen, indem das Baby einen klaren Tag-Nacht-Rhythmus spürt. „Tagsüber spielen, spazieren gehen und in normaler Lautstärke reden, auch wenn das Kleine gerade Mittagschlaf macht. Nachts gibt’s Gespräche nur im Flüsterton und höchstens Dämmerlicht, auch beim Füttern und Wickeln“, rät Schlafexperte Jürgen Zulley.
Sechs bis zwölf Monate
>Hilft ein extra sättigender Gute-Nacht-Brei, dass mein Baby endlich durchschläft?
- Durchschlafen hat mit Reife zu tun, nicht primär mit Hunger. Auch satte Kinder wachen nachts auf und weinen, wenn sie beispielsweise Sehnsucht nach Nähe haben. Also Vorsicht bei Kalorienbomben zum Abendbrot: Zu reichhaltige Breie liegen Babys später schwer im Magen - Erwachsene schlafen nach zu schwerem, fettigen Essen ja oft auch schlecht.
- Diese Behauptung liest man zwar immer wieder - sie gilt aber nicht für jedes Baby, das älter als sechs Monate ist. Es ist eine gute Idee, ab jetzt nachts genauer hinzuschauen: Will mein Baby wirklich trinken oder vielleicht einfach nur kuscheln? Wenn Ihr Baby richtig trinkt, dann braucht es die nächtliche Mahlzeit auch. 'Und dann sollten Eltern sie ihm auch geben und nicht auf Statistiken pochen, die besagen, dass es dafür jetzt eigentlich zu alt ist', erklärt Schlafexperte Jürgen Zulley. Nuckelt es nur kurz, können Sie ihm auch anders helfen, wieder in den Schlaf zu finden: Streicheln, wiegen, leise singen reicht oft schon. Ebenfalls ein guter Trick: Sich das Baby auf den Bauch legen, so dass es den Herzschlag von Mama und Papa hören kann. Sehr beruhigend. Und sehr einschläfernd.
- Erstmal: Ihrem Baby macht es überhaupt nichts aus, nachts öfter wach zu werden. Es ist morgens trotzdem ausgeschlafen und fit. Aber klar: Den Eltern, insbesondere der Mutter, gehen die seit Monaten unterbrochenen Nächte an die Substanz. Verständlich, dass da ein Schlafprogramm verlockend erscheint, das Ruhe nach wenigen Tagen verspricht. Aber Vorsicht: Schlaflernprogramme, die auf kontrolliertem Weinenlassen beruhen, sind für Babys nicht geeignet. Sie geraten auch grundsätzlich zunehmend in die Kritik. Schlafexperte Jürgen Zulley spricht im Zusammenhang mit dem Schlaflernprogramm des Ratgebers ”Jedes Kind kann schlafen lernen“ von einem ”unangemessen harten Training“. Sein Haupt-Kritikpunkt: Ignoriert und immer wieder verlassen zu werden gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein kleines Kind machen kann. ”Und gerade, weil Babys von der Zuwendung ihrer Eltern so abhängig sind, erleben sie die Zurückweisung, die mit solchen Programmen verbunden ist, als sehr bedrohlich“, erklärt Schlafexperte Jürgen Zulley. Man sollte auch nicht unterschätzen, was solche Schlaflernprogramme den Eltern abverlangen: Viele stehen selbst weinend vor der Kinderzimmertür, wenn ihr Kind drinnen verzweifelt schreit.
- Schlafexperte Jürgen Zulley rät: „Nicht am gesunden Schlafverhalten des Babys herumdoktern, sondern sich selbst das Leben leichter machen.” Und wie konkret?
- Tagsüber schlafen, wann immer es geht.
- Ruhezeiten im Tagesablauf einführen. Zum Beispiel: Das Rasseltrapez ins Ehebett stellen, Baby drunter, selbst danebenlegen und ein bisschen lesen.
Oder: Baby ins Tragetuch, spazieren gehen und, sobald es eingeschlafen ist, sich auf der Bank am Spielplatz in die Sonne setzen und ein bisschen die Augen zumachen und wegträumen.
- Entlastung organisieren: Eine Stunde Putzhilfe plus zwei Stunden Babysitter die Woche kosten nicht die Welt - und bringen trotzdem eine Verschnaufpause zum Kraft tanken.
- Abends ein, zwei Stunden früher ins Bett gehen - die längste Durchschlafphase haben die meisten Babys in der ersten Hälfte der Nacht.
- Und, ganz pragmatisch: „Das Kind zu sich ins Bett holen und weiterschlafen”, meint Jürgen Zulley.
- Ihr Baby schläft wunderbar an der Brust ein, aber Sie möchten gerne abstillen? Ihr Kind liebt es, in den Schlaf getragen zu werden, sprengt aber bald die 10-Kilo-Grenze? Ganz klar: Es ist Ihr gutes Recht, Ihrem Kind ein lieb gewonnenes Einschlafritual abzugewöhnen. Aber machen Sie es nicht zu radikal: Ersatzlos streichen ist unfair. Wie wäre es mit diesem fairen Deal: schönes altes Ritual gegen schönes neues Ritual. Auf dem Pezziball wippen statt Tragen. Kuscheln und leise Geschichten ins Ohr flüstern statt Stillen.
Es kann sein, dass der Wechsel nicht ohne Tränen funktioniert. Deshalb müssen Sie kein schlechtes Gewissen haben: Es ist okay, wenn ein Baby auch mal weinen muss. Nur: Es ist nicht okay, wenn es dabei alleine ist. Also: Trösten Sie Ihr Kind, bleiben Sie bei ihm, wenn es geht, und helfen Sie ihm dabei, einen neuen Weg in den Schlaf zu finden.
- Das liest man immer wieder. Die Theorie: Das Kind wacht nachts auf und checkt, ob alles in Ordnung ist, das heißt: wie beim Einschlafen. Ist es also mit Teddy eingeschlafen, und der ist noch da, heißt das: Alles okay. Ist es aber beim Stillen eingeschlafen und nachts ist weder Milch noch Mama da, geht das Gebrüll los!
”Das einzige, was daran bewiesen ist: Kinder wachen nachts auf“, erklärt Schlafforscher Jürgen Zulley. ”Meist genügt es ihnen jedoch schon, die Eltern im Schlaf atmen zu hören, um wieder einzuschlafen. Es muss keinesfalls alles wie beim Einschlafen sein - die Situation ist ja auch eine völlig andere. Einmal müssen die Kinder von der Aufregung des Tages runterkommen - das ist richtig schwer. Nachts hingegen geht es nur um eine kurze Rückversicherung: Mama und Papa sind noch da.“
- Ideal ist es, in der Vorbereitung denjenigen, der das Kind später allein ins Bett bringen können soll, mal beim ganz normalen Abendritual dabei sein zu lassen. Erstens, weil das Kind die Person dann schon mal mit Ins-Bett-Gehen verbinden kann. Und zweitens weil die Oma oder der Babysitter hautnah mitbekommt: So fühlt sich Ins-Bett-Bringen hier an.
Dann schreiben die Eltern die Details des Abendrituals am besten auf. Ganz genaue Reihenfolge, und auch Kleinigkeiten sind wichtig. Denn: Gerade, wenn eine Situation ungewohnt ist, weil statt der Eltern jemand anders da ist, geben vertraute Abläufe Sicherheit und Geborgenheit.
Bei älteren Kindern ist es wichtig, die Betreuungsperson zu informieren, wie lange das Gute-Nacht-Ritual in etwa dauert: Sonst verlangen Einjährige manchmal zwei Stunden Dauersingen mit dem Argument „Mama macht das auch immer so.”
Und: Machen Sie der Betreuungsperson klar, dass sie ausdrücklich nicht wollen, dass Ihr Ins-Bett-Geh-Ritual in irgendeiner Weise „optimiert” wird.
Gerade Großeltern haben oft andere Erziehungsvorstellungen als junge Eltern und berichten dann stolz, das Enkelkind habe bei ihnen nun endlich gelernt, dass es allein einschlafen müsse. Beugen Sie solchen Missverständnissen vor und erklären Sie jedem, ob Großmutter oder Babysitter: Für Ihr Kind ist die Situation ohne Eltern ohnehin schon fremd und vielleicht beängstigend, deshalb ist es besonders auf Trost angewiesen.
Deshalb soll es nicht alleine schreiend oder weinend im Bett gelassen werden und bei Bedarf immer wieder getröstet und dazu ausdrücklich auch aus dem Bett genommen werden, wenn es nicht anders geht. Denn: Ausnahmen machen eine gewohnte Routine nicht kaputt.
Zwölf Monate und älter
>Wie kann ich meinem Baby den Abschied aus dem Elternschlafzimmer erleichtern?
- Indem Sie den Übergang stufenweise gestalten. Falls Ihr Baby bisher bei Ihnen im Bett schlief, können Sie nun einen Umzug in den Babybalkon versuchen, der dann zentimeterweise vom Elternbett weggerückt wird. Aber auch wenn Ihr Kind schon gewohnt ist, im Gitterbett zu schlafen, sollte es nicht von jetzt auf gleich auf einmal im Kinderzimmer stehen, sondern Stück für Stück da hin rücken. Loben Sie Ihr Kind gebührend, wenn es eine Nacht mit etwas größerer Distanz geschafft hat. Machen Sie Ihrem Kind klar: Es ist was ganz Tolles, dass es schon so groß ist, alleine schlafen zu können. Auch kleine Bestechungsversuche sind erlaubt: Wer so groß ist, dass er im eigenen Zimmer schlafen kann, darf sich zur Belohnung eine eigene Bob-der-Baumeister-Bettwäsche aussuchen.
Schlafforscher Jürgen Zulley betont jedoch, dass Eltern Ihr Kind nicht zwingen sollten, mit mehr Abstand zu ihnen zu schlafen. Bessere ist es, ihm noch ein wenig Zeit zu geben und es mit dem Auszug später wieder zu versuchen. Eltern, die sich entscheiden, einige Jahre das Familienbett zu praktizieren, erleben häufig eine Überraschung: Mit zwei, drei Jahren wollen die allermeisten Kinder freiwillig ins eigene Zimmer ziehen.
- Anfangs finden es die meisten Mütter praktisch und schön, ihr Baby, das nachts aufwacht, wieder in den Schlaf zu stillen. Es spricht nichts dagegen, das auch nach dem ersten Geburtstag so weiterzuführen. Nur: Viele Mütter haben dann einfach das Gefühl: Jetzt ist genug! Für diese Familien hat der amerikanische Kinderarzt Doktor Jay Gordon ein Programm entwickelt, mit dem Kinder über einem Jahr sanft lernen, nachts ohne Muttermilch klar zu kommen. (Dr. Jay Gordon) Der Weg: Eine Zeitspanne von sieben Stunden in der Nacht definieren, in der Sie nicht stillen wollen. Wacht Ihr Kind in dieser Zeit auf, trösten Sie es, aber ohne es an die Brust zu lassen. Nacht für Nacht erfolgt das Trösten mit etwas weniger Körperkontakt: Anfangs wiegen Sie ihr Kind im Arm, später streicheln Sie es im Liegen und so weiter. Aber: Der Körperkontakt und Trost wird dem Kind nie ganz versagt! Viele Kinder weinen und schreien in dieser Zeit verzweifelt und heftig, aber die Nähe der Eltern hilft ihnen, mit der Umgewöhnung zurechtzukommen und langsam zu lernen, dass sie von nun ab in diesen sieben Stunden durchschlafen sollen.
- Auch im zweiten Lebensjahr bleibt die Haupt-Kritik am ”kontrollierten Weinenlassen“ bestehen: Kleinkinder erleben es als schlimme Zurückweisung, wenn auf ihr verzweifeltes Weinen niemand reagiert. Und wenn sie ihre Eltern nicht dazu bewegen können, bei ihnen zu bleiben, wenn es ihnen mal schlecht geht. Deshalb gilt auch im zweiten und dritten Lebensjahr: Begleiten Sie Ihr Kind in den Schlaf, wenn es das braucht. Helfen Sie Ihm beim Wiedereinschlafen in der Nacht. Und machen Sie sich selbst das Leben mit unterbrochenen Nächten so leicht wie möglich: vorschlafen, nachschlafen, Hilfe im Haushalt organisieren. Und trösten Sie sich: Die einen sind früh soweit, die anderen später - aber irgendwann schläft jedes Kind durch.
- Na gut, noch eine Geschichte. Und noch eine. Und noch eine. Und plötzlich sind sie eineinhalb Stunden beschäftigt, bis Ihr Kind einschläft. Da ist es Ihr gutes Recht, eine Grenze zu ziehen: nur so viel Einschlafritual, dass Sie sich nicht total genervt davon fühlen. Ein Lied und ein Gute-Nacht-Kuss können völlig ausreichen. Es ist nicht lieblos, wenn Sie keine halbe Stunde Programm machen. Das heißt aber nicht, dass Sie Ihr Kind allein im Schlaf- oder Kinderzimmer zurücklassen müssen. “Wenn ein Kind die Nähe seiner Eltern zum Einschlafen braucht, dann ist das in Ordnung - auch nach dem ersten Geburtstag noch”, sagt Schlafexperte Professor Jürgen Zulley. Sie können es sich ja bequem machen - und sich zu Ihrem Kind legen oder einen Sessel ins Kinderzimmer stellen, wo Sie während der Einschlafphase leise ein spannendes Hörbuch hören!
- Die meisten Kinder brauchen ein Nickerchen am Tag, bis sie etwa zwei Jahre alt sind. Manche Mütter wollen sich allerdings auch danach nicht von der lieb gewonnenen Auszeit am Nachmittag verabschieden. Kein Problem - solange Ihr Kind abends trotzdem gut in den Schlaf findet. Quält sich Ihr Kind jedoch abends lange mit dem Einschlafen herum, obwohl Sie ihm die nötige Nähe geben, kann es sein, dass es einfach noch nicht müde genug ist. Dann ist es womöglich ratsam, den Mittagschlaf sanft zu kürzen oder ganz zu streichen - damit das Kind abends richtig müde ist.
Tipp: Auch Kindern, die nachmittags nicht mehr schlafen, tun Ruhepausen gut: zusammen aufs Sofa kuscheln und vorlesen oder eine sanfte Massage - und nach solchen Ruhezeiten noch mal Auspowern auf dem Spielplatz, bevor´s ins Bett geht.
- Es muss bereit dazu sein: Wenn es in echte Panik gerät, sobald Sie den Raum verlassen, ist es einfach noch nicht so weit. Aber: Im zweiten Lebensjahr wissen Kinder bereits, dass Personen und Dinge auch dann weiterexistieren, wenn sie aus dem Blickfeld verschwinden. Sie können also durchaus vorsichtig testen, ob Ihr Kind schon bereit ist, allein einzuschlafen. So können Sie zum Beispiel nach dem Gute-Nacht-Lied sagen, dass Sie noch einmal kurz in die Küche gehen und sich etwas zu trinken holen - und dann aber wirklich nach drei Minuten zurückkommen. Manche Kinder sind dann schon eingeschlafen - geborgen und in der Gewissheit, dass Mama oder Papa garantiert gleich wiederkommt. Sie können Ihrem Kind auch ganz offen erklären: ”Heute probieren wir mal, ob Du allein einschlafen kannst!“ Auch Belohnungen sind okay: einen Schmetterlingssticker in den Kalender an jedem Tag, an dem das Einschlafen allein geklappt hat, und bei 20 Schmetterlingen gibt´s einen Besuch im Spaßbad.
Aber: Ihr Kind muss sich darauf verlassen können, dass Sie da sind, wenn es Sie braucht. Sie können Ihrem Kind nach dem ersten Lebensjahr guten Gewissens vieles vorenthalten: In den Schlaf stillen, in den Schlaf tragen, sieben Gute-Nacht-Geschichten. Aber nicht: Ihre Nähe.
- Bei älteren Kindern ist es wichtig, die Betreuungsperson zu informieren, wie lange das Gute-Nacht-Ritual in etwa dauert: Sonst quengeln ältere Kinder manchmal so lange, bis man bei zwei Stunden Dauersingen angekommen ist.
Und: Machen Sie der Betreuungsperson klar, dass sie ausdrücklich nicht wollen, dass Ihr Ins-Bett-Geh-Ritual in irgendeiner Weise 'optimiert' wird.
Gerade Großeltern haben oft andere Erziehungsvorstellungen als junge Eltern und berichten dann stolz, das Enkelkind habe bei ihnen nun endlich gelernt, dass es allein einschlafen müsse. Beugen Sie solchen Missverständnissen vor und erklären Sie jedem, ob Großmutter oder Babysitter: Für Ihr Kind ist die Situation ohne Eltern ohnehin schon fremd und vielleicht beängstigend, deshalb ist es besonders auf Trost angewiesen.
Deshalb sollte es nicht allein schreiend oder weinend im Bett gelassen werden und bei Bedarf immer wieder getröstet und dazu ausdrücklich auch aus dem Bett genommen werden, wenn es nicht anders geht. Denn: Ausnahmen machen eine gewohnte Routine nicht kaputt.





