Experteninterview

Baby Blues oder Depression?

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Eltern.de: Woran erkennt man eine postpartale Depression?
Eleonore Poensgen: Die postpartale Depression geht einher mit Schlaflosigkeit und Niedergeschlagenheit, aber auch mit Selbstzweifeln und Panikattacken. Es fällt den Betroffenen sehr schwer, Freude an ihrem Kind zu haben. Sie haben das Gefühl, sie könnten das Kind nicht lieben. Die Depression muss nicht direkt auf die Geburt folgen. Sie kann auch bis zu einem Jahr nach der Geburt auftreten. Meistens geht sie nach ein paar Wochen oder Monaten vorbei, es sei denn, die Betroffene ist von ihrer Persönlichkeit her vorbelastet.

Worin sehen Sie die Ursachen?
Eine wichtiger Aspekt, sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen wir leben. Die jungen Mütter sind nach der Geburt acht bis zwölf Stunden mit den Säuglingen alleine. Das ist völlig unnatürlich. Bei Naturvölkern werden die Frauen, die frisch entbunden haben, ständig von Nachbarsfrauen oder Familienmitgliedern betreut. Bei der täglichen Babypflege haben sie Hilfe. Sie leben in Gemeinschaft, können sich helfen lassen und sich an ihr Baby und ihrer neue Lebenssituation gewöhnen.

Warum sind familiäre Strukturen so wichtig?
Viele Mütter in Deutschland vermissen Netzwerke wie Großfamilien, die es ihnen erleichtern, mit der neuen Lebenssituation zurecht zu kommen. Eine junge Mutter braucht Zeit, um das neue, gemeinsame Leben zu planen. Wenn diese Zeit fehlt, kann es schnell zu Überforderung und Unsicherheit kommen. Isolation kann die Krankheit auch verstärken. Oft müssen junge Mütter sich nach der Geburt ihres ersten Kindes ein neues soziales Netz aufbauen. Vor allem nach Umzügen, wie sie bei Nachwuchs oft anstehen, werden sie aus ihrem sozialen Netz gerissen.

Spielt die Persönlichkeit der Mütter auch eine Rolle?
Ja. Häufig erkranken Frauen, die sehr große Erwartungen an sich selbst stellen und in ihrer Mutterrolle perfekt sein wollen. Sie erwarten von sich als Mutter, Partnerin und Hausfrau alles alleine und richtig zu machen. Wenn sie dann merken, dass sie nicht alles selbst schaffen, bestrafen sie sich dafür. Solche Frauen haben Schwierigkeiten, sich einzugestehen, dass sie Hilfe brauchen. Weitere Auslöser für eine postpartale Depression können aber auch hormonelle Umstellungen nach der Geburt sein und Schlafmangel.

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