Zwillinge
 
15 Fragen, die Eltern haben

5. Wie kann ich beiden gerecht werden?

Indem Sie sich selbst und den Kindern Möglichkeiten schaffen, die einzelnen Personen statt der "Zwillingshälften" zu sehen. Drei Tricks:

  • Konsequent mit Namen ansprechen. Also nicht "Könnt ihr beide den Tisch decken?", sondern: "Melanie, deck du bitte die Teller, und du, Chiara, das Besteck!"
  • Klar: Man kann immer nur einen Zwilling anziehen, kämmen oder in den Autositz schnallen, der andere muss warten. Auch klar: Ihnen ist egal, wer zuerst drankommt. Aber Ihren Kindern nicht. Während Sie denken, "Ein Zwilling nach dem anderen", denkt Maxim: "Warum durfte Phillip heute schon dreimal zuerst?" Deshalb: Immer abwechselnd gehört jedem Kind ein Tag, an dem es bei allem zuerst drankommt. Also ganz bewusst: erst Phillip. Dann Maxim. Oder andersrum.
  • Jedes Kind in seinen Interessen fördern. Aber was sind die? Dass ihre beiden am liebsten zusammen Duplo spielen, wissen Sie zwar. Aber dass Clara sich so für das Xylofon im Kindergarten begeistert, erfahren Sie erst, wenn Sie mal mit ihr allein spazieren gehen. Während Papa mit Tommi einkauft - und nebenbei erfährt, dass der einen neuen Berufswunsch hat: Zirkusdirektor. Also: auch mal was mit den Kindern getrennt unternehmen. Zweiter Schritt: Clara zur musikalischen Früherziehung anmelden, Tommi zum Kinderzirkus bei der Volkshochschule.

6. Kriegen wir doppeltes Elterngeld?

Eine gute Nachricht für Zwillingseltern: Bislang galt: Für ein Kind wird der normale Elterngeld- Satz, abhängig vom Einkommen, berechnet, fürs zweite gibt's pauschal den Mindestsatz von 300 Euro dazu.

Das Bundessozialgericht hat diese Praxis nun für rechtswidrig erklärt. Künftig hat deshalb jedes Kind bis zu seinem 14. Lebensmonat einen Anspruch auf Elterngeld. Voraussetzung: Beide Eltern sind vollberufstätig - und beide Eltern bleiben gemeinsam zuhause.

Geklagt hatte ein Paar aus Bayern. Sowohl der Vater als auch die Mutter hatten für je einen ihrer Zwillinge zwölf Monate Elterngeld beantragt und zwei weitere Monate für das andere Kind. Das Amt hatte dies zunächst abgelehnt und nur 14 Monate für beide Eltern und beide Kinder zusammen genehmigt.

Das Bundessozialgericht hat dies nun gekippt. Sogar den Geschwisterbonus dürfen nach Meinung der Richter beide Eltern für jeweils ein Kind beantragen. Einzige Einschränkung: Dem Vater wurden nur elf Monate zugestanden, da die Mutter in den anderen drei Monaten noch im Mutterschutz war - und der gelte ausschließlich für die Frau.

Wer mehr als zwei Mehrlinge zu versorgen hat, profitiert allerdings nicht von dem Richterspruch. In der Urteilsbegründung heißt es ganz klar: "Ein mehrfacher Einkommensersatz für denselben Berechtigten wird ausgeschlossen".

7. Wo finde ich tatkräftige Unterstützung und Kontakt zu anderen Zwillingseltern?

Erst mal: Nehmen Sie ohne schlechtes Gewissen jede Hilfe an. Stolz ist hier fehl am Platz: Großeltern, Nachbarn, Freunde, Bekannte - alle, die es anbieten, einspannen! Am besten mit ganz konkreten Arbeitsaufträgen. Dann: nicht am falschen Ende sparen! Gegen geringen Aufpreis können Sie sich oft Einkäufe liefern lassen, und eine Putzhilfe muss auch nicht die Welt kosten. Und schließlich: In besonders schweren Situationen, etwa wenn die Zwillinge krank sind: Beantragen Sie bei der Krankenkasse Familienpflege. Wohlfahrtsorganisationen wie die Caritas schicken Ihnen eine Helferin, die den Haushalt weiterführt. Gut zu wissen: Mütter von Zwillingen gelten als besonders belastet und haben deshalb gute Chancen, eine Mutter-Kind-Kur bewilligt zu bekommen. Nähere Infos unter www.mutter- kind.de. Sehr zu empfehlen: Kontakt zu Eltern, denen es ähnlich geht. In vielen Städten gibt’s extra Familienstammtische, Krabbelgruppen und regelmäßige Treffs für Eltern mit Zwillingen. Kennenlern-Tipp Nummer eins ist allerdings mittlerweile das Internet: Rat und Austausch mit Zwillingseltern aus Deutschland und anderswo gibt’s zum Beispiel hier: www.zwillingsforum.de, www.zwillingsecke.de, unter dem Link "Stammtisch und Vereine" gibt’s eine gute Auflistung regionaler Gruppen, denen Sie sich anschließen können. Und schließlich: Auch auf www.eltern.de gibt’s ein spezielles Unterforum für Mehrlingseltern.

8. Sollen wir - ganz gerecht - alle Spielsachen doppelt kaufen?

Das ist nicht nötig: Auch andere Geschwister müssen Spielzeug teilen. Wichtig: klare Regeln vereinbaren - was ist deins, was meins, was unseres? Zwillinge haben meistens kein Problem damit, Bauklötze, Spielautos und Co. zu teilen - solange sie sich drauf verlassen können: Meine Puppe gehört mir ganz allein und mein Bobbycar auch.

9. Wie lange kann ich für meine Zwillinge Erziehungszeit nehmen?

Bis zu fünf Jahre! Der Grund: Seit Januar 2004 haben alle Eltern das Recht auf Elternzeit bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres - pro Kind. Das ist für Zwillingseltern erst mal natürlich ungeschickt: Die beiden werden ja gleichzeitig drei. Der Clou: Nach der neuen Regelung dürfen zwölf Monate der Elternzeit pro Kind später genommen werden, und zwar bis die Kinder acht Jahre alt sind. 3+1+1 = 5 Jahre, die nur Ihnen und Ihren Zwillingen gehören. Das heißt im Klartext: Für jedes Kind kriegen Sie noch ein Jahr extra! Der Haken: Der Chef muss zustimmen - also früh das Gespräch suchen! Die genaue Regelung finden Sie in einer Broschüre des zuständigen Ministeriums, als PDF abrufbar unter www.bmfsfj.de.