Stillen in der Öffentlichkeit

Stillen verboten

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Stillen in der Öffentlichkeit: Stillen verboten

Immer wieder hört man solche Geschichten: Eine stillende Mutter wird von einem Eisdielenbesitzer aufgefordert, das Café zu verlassen. Begründung: Andere Gäste fühlten sich belästigt. Eine Aufsicht im Museum rechtfertigt den Rausschmiss einer stillenden Mutter mit dem Satz: "Im Museum ist Essen verboten!" Und bei einer Abstimmung im Bundestag musste jüngst eine stillende Abgeordnete der SPD ihren Platz räumen, weil die CDU sich gestört fühlte. Ich frage mich: Was läuft falsch in einer Gesellschaft, in der das Stillen eines hungrigen Säuglings der Erregung öffentlichen Ärgernisses gleichkommt?

Nackte Brüste sieht man überall

Umso erstaunlicher finde ich diese Empörung, weil die nackte weibliche Brust überall sonst im öffentlichen Raum zur Schau gestellt werden kann, ohne dass sich jemand darüber aufregt: Plakatwerbung an der Bushaltestelle, Seite-1-Mädchen in der Tageszeitung, Oben-ohne-Kultur am Badestrand - an diese Bilder haben wir uns längst gewöhnt. An Frauen, die ihre Babys auf der Parkbank stillen, nicht. Ganz im Gegenteil: Junge Mütter vermeiden es zunehmend, außerhalb ihrer eigenen vier Wände ihr Baby an die Brust zu legen. Und wenn sie es doch tun, tragen sie diskrete Still-Shirts oder legen sich ein Tuch über die Brust - um bloß keine bösen Blicke auf sich zu ziehen.

Früher war stillen eine Selbstverständlichkeit

In den bewegten Zeiten der 68er-Generation war es eine Selbstverständlichkeit, sein Baby in der Vorlesung oder auf einer Party an die Brust zu legen. Heute stillen junge Mütter vor lauter Unbehagen so früh wie möglich ab oder greifen zur Milchpumpe. Eine aktuelle Umfrage auf Eltern.de bestätigt das: Nur etwa die Hälfte der abstimmenden Frauen gibt an, ihr Baby völlig selbstverständlich in der Öffentlichkeit anzulegen. Die andere Hälfte tut dies nur, "wenn es unbedingt sein muss" oder eben "überhaupt nicht". Ich behaupte: Wir könnten sehr viel mehr Frauen davon überzeugen, ihr Baby - wie von der WHO empfohlen - ein halbes Jahr voll und auch danach noch zu stillen, wenn das Stillen in der Öffentlichkeit selbstverständlicher wäre.

Ein Gesetz zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit

In anderen Ländern, zum Beispiel in den USA und in Großbritannien, gibt es ein Gesetz zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit. So ein Gesetz wäre auch für Deutschland wünschenswert. Weil es den Menschen, denen das Stillen in der Öffentlichkeit ein Dorn im Auge ist, jede Argumentationsgrundlage für Ihre Zurechtweisungen entziehen würde. Mir ist klar, dass die Forderung nach so einem Gesetz politisch augenblicklich nicht durchsetzbar ist. Dennoch betone ich: Es ist Aufgabe der Regierung, das Stillen - auch das Stillen in der Öffentlichkeit - konsequent zu fördern. Zu einer familien- und kinderfreundlichen Gesellschaft gehört mehr als eine Krippenplatzgarantie. Wer sich durch Zurechtweisungen von Museumsaufsichten, Eisdielenbesitzern und anderen stillfeindlichen Menschen beschämt und gekränkt fühlt, verliert schnell die Lust am Familiesein. Dagegen müssen wir etwas tun!

Was halten Sie von Stillen in der Öffenlichkeit

Haben Sie sich schon einmal von einer stillenden Mutter gestört gefühlt oder sind sie selbst eine stillende Mutter, die gebeten wurde das Cafe zu verlassen. Brauchen wir ein Gesetz zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit?

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Kommentare zu diesem Artikel
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  • von Doriana am 8. Februar 2012, 18:33 Uhr

    Ich denke, ein Gesetz für stillende Mütter ist übertrieben. Die Aktzeptanz in der Bevölkerung durch Aufklärung herstellen halte ich für sinnvoller. Ich selbst bin noch nicht angeeckt, im Gegenteil, nicht mal im Nobelrestaurant hat man sich daran gestört - allerdings bevorzuge ich auch die Tuchmethode, weil ich mich ehrlich gesagt daran störe, wenn mir einer auf die Brust glotzt. Ich hab auch schon im Rewe an der Obsttheke gestillt, weil mein Sohn sonst den ganzen Laden zusammengebrüllt hätte (das schafft erst Aufmerksamkeit) - ist ja auch nicht so schön. Ansonsten finde ich die STillecken neben dem WC eine wahre Geruchsbelästigung. Ich bin stolz darauf, dass mein Sohn gesund durch meine Milch zwei Grippewellen fast ohne Symptome überstanden hat, ich hab keine Probleme mit Brüllerei, nirgens und die Babynahrung ist sauber verpackt sofort zur Stelle. Tja und was die Anstößigen Bemerkungen betrifft - der Mensch tratscht und regt sich wohl auf so lange es ihn schon gibt.


  • von Jo Hannes am 14. Oktober 2011, 16:52 Uhr

    Aktuell wieder diskutiert, ich denke der Gesetzgeber sollte wirksam werden, wie in Schottland:
    http://www.wunschfee.com/inhalt/finanzen-recht/artikel/stillen-in-der-offentlichkeit


  • von wynka am 4. August 2011, 14:07 Uhr

    ich bin gestern am Frankfurter Flughafen von eine Mitarbeiterin des Flughafens in einen so genannten Babyroom geschickt worden als ich mein Baby bereits stillte. ich war etwas entsetzt weil ich dachte es sei vielleicht verboten am Flughafen zu stillen,nun entfernte ich mein Baby von der Brust und lief ewig lang dahin,der so genannte babyroom war in der toillette mit zugang zu damen wie herren wc,eine sehr kleine an der wand hängende sitzmöglichkeit,wo nur die hälfte meines Hinterteils drauf passen würde,bin wie eine Furie wieder raus,die frau suchen,habe sie gefunden und gefragt ob es verboten sei das Baby zu stillen wo ich vorher sass,sie sagte nein aber es sei ihr Job die Leute zu informieren dass es diesen babyroom gibt,nun sie hat mich nicht darüber informiert sondern dahin geschickt sonst hätte ich mit sicherheit nicht mein hungriges baby baby von der brust genommen und mich so geärgert.


  • von Katrin am 25. März 2011, 20:16 Uhr

    Wir leben in den USA, wo ich neulich in einem Krankenhaus gebeten wurde, die Cafeteria zu verlassen, weil ich dort meinen 6 Wochen alten Sohn gestillt habe. Meine Freundin, die wir besucht haben, hat es in ihrem Blog (auf Englisch) festgehalten:
    http://www.clothmother.com/2011/03/breastfeeding-is-not-crime.html
    und der Blog danach:
    http://www.clothmother.com/2011/03/breastfeeding-is-not-crime-part-2.html
    In den USA gibt es zwar in den meisten Staaten Gesetze, die das Stillen in der Oeffentlichkeit regeln (von strafbar zu stillen bis hin zu strafbar, eine Frau vom Stillen abzuhalten, je nach Staat), aber der Blogeintrag zeigt, dass das nicht jedem bekannt ist und es auch nicht zu einer groesseren Akzeptanz des Stillens in der Oeffentlichkeit fuehrt. Offensichtlich ist in unserer "modernen" Gesellschaft das Wissen verloren gegangen, wofuer die Brueste einer Frau eigentlich im Laufe der Evolution entstanden sind!


  • von Anonym am 15. März 2011, 09:59 Uhr

    Ich hatte auch so ein tolles Erlebnis. Ich musste in einem Kaufhaus stillen und die Umkleidekabine war besetzt. Da kam der Hausdetektiv, beschimpfte mich und wollte uns hinauswerfen. Daraufhin habe ich mich beim Marktleiter und in der "Chefetage" beschwert. Außerdem hab ich mich an die Zeitung gewandt. Oh Wunder: Nach Erscheinen des Artikels kamen 3 (!) Entschuldigungsschreiben. Außerdem gibt es im "Wickelraum" (= im Behindertenklo) jetzt auch einen Stuhl zum Stillen. Juchu.


(116 Kommentare)

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