Stillen in der Öffentlichkeit
Stillen verboten?

In der Werbung sind nackte Brüste etwas ganz Alltägliches. Wenn es aber ums Stillen eines Säuglings geht, fühlen sich manche Menschen belästigt. Aber warum rufen stillende Mütter in der Öffentlichkeit immer noch Empörung hervor?

Stillen in der Öffentlichkeit: Stillen verboten?
© Thinkstock, Brian McEntire

Immer wieder hört man solche Geschichten: Eine stillende Mutter wird von einem Eisdielenbesitzer aufgefordert, das Café zu verlassen. Begründung: Andere Gäste fühlen sich belästigt. Eine Aufsicht im Museum rechtfertigt den Rausschmiss einer stillenden Mutter mit dem Satz: "Im Museum ist Essen verboten!" ELTERN online fragt sich, warum in unserer Gesellschaft das Stillen eines hungrigen Säuglings der Erregung öffentlichen Ärgernisses gleichkommt?
 

Nackte Brüste sieht man überall

Erstaunlich ist diese Empörung vor allem, weil die nackte weibliche Brust in der Öffentlichkeit Werbeplakate ziert oder aber im Fernsehen stets präsent ist. Auch an die Oben-ohne-Kultur am Strand hat sich unsere Gesellschaft längst gewöhnt. An Frauen, die ihre Babys auf der Parkbank oder in einem Café stillen, nicht. Laut dem Deutschen Hebammenverband e.V. vermeiden es junge Mütter zunehmend, ihr Baby außerhalb der eigenen vier Wände anzulegen.
 

Früher war Stillen eine Selbstverständlichkeit

Stillen in der Öffentlichkeit: Stillen verboten?
© Thinkstock, claudiodivizia

In den bewegten Zeiten der 68er-Generation war es eine Selbstverständlichkeit, sein Baby in der Vorlesung oder auf einer Party an die Brust zu legen. Anfang der 80er Jahre stillten sogar mehr als 80% der Mütter ihre Kinder, wenn auch oft nur kurz. In der DDR existierten bis zur Wende sogar Muttermilchsammelstellen. Heute empfiehlt die WHO, Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats voll zu stillen.
 

Ein Gesetz zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit

In anderen Ländern gibt es bereits Gesetze zum Schutz des Stillens in der Öffentlichkeit, wie etwa in Großbritannien. 2010 wurde dort ein Gleichheitsgesetz verabschiedet, das verbietet, stillende Mütter zu diskriminieren. So ein Gesetz wäre laut Bundesverband der Hebammen auch für Deutschland wünschenswert, weil es den Menschen, denen das Stillen in der Öffentlichkeit ein Dorn im Auge ist, jede Argumentationsgrundlage für Ihre Zurechtweisungen entziehen würde. Zu einer familien- und kinderfreundlichen Gesellschaft gehört schließlich mehr als eine Krippenplatzgarantie. Wer sich durch Zurechtweisungen von Museumsaufsichten, Eisdielenbesitzern und anderen Menschen beschämt und gekränkt fühlt, verliert schnell die Lust am Familienleben.
 

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Stillen Sie in der Öffentlichkeit?
Von:Christina Amin, Michaela Müller