10 häufigsten Stillprobleme
 
Wie stille ich mein Baby richtig?

Stillen, die natürlichste Sache der Welt, aber nicht unbedingt die einfachste. Warum es sich trotzdem für Dich und Dein Baby lohnt, nicht gleich zur Flasche zu greifen, liest Du hier.

Inhalt: 
Wie kann ich richtig stillen?Wie lange soll ich stillen? Wie oft muss ich mein Kind anlegen?Alkohol und Tabak: Dein Baby trinkt mitRechts oder links? Wo gehts jetzt weiter?Warum weint mein Baby beim Trinken?10 Stillprobleme - und was man dagegen tun kann
Stillprobleme und was man dagegen tun kann
Thinkstock - Arman Zhenikeyev/Fuse

Mutter und Baby in inniger Symbiose – das ist unsere Erwartung ans Stillen. Gut, wenn es sich so auch für Dich anfühlt. Aber nicht selten, fühlen sich Mütter auch unwohl damit. Manchmal sind die Brustwarzen wund oder sogar blutig. Manchmal beißt Dein kleiner Barrakuda mitten beim Stillen zu und nicht jede Mutter genießt es, die Allein-Ernährerin für den Säugling zu sein. Bist Du deshalb eine schlechte Mutter? Nö. Du bist auch eine gute Mutter, wenn Du nicht stillst.

Und trotzdem wollen wir Euch Mut machen, es erst mal auszuprobieren. Denn einige Unannehmlichkeiten lassen sich mit einer guten Stillberatung aus den Weg schaffen und Dein Baby genießt die vielen Vorteile Deiner Milch. Es gibt auch Mütter, die das Stillen beim ersten Kind schnellstmöglich abgebrochen haben, weil es nicht optimal lief, und dann aber beim zweiten Kind auf einmal das Stillen genießen, weil es da entspannter läuft. Holt Euch Hilfe, bevor Ihr Euch gegen die Muttermilch entscheidet. Es geht schließlich um einiges.

Beliebte Stillpositionen

Vorbereitung ist alles

Schon während der Schwangerschaft stellen sich Dein Körper und Dein Ungeborenes aufs Stillen ein. Noch im Bauch übt das Baby bereits zu saugen und zu nuckeln. Manchmal sieht man Blasen im Ultraschall oder wie es sein Händchen in den Mund steckt. Hormonell ist Dein Körper auch bereits auf Ernähren eingestellt. Gegen Ende der Schwangerschaft tritt bei vielen Frauen schon ein bisschen Milch aus. Unmittelbar nach der Geburt kannst und solltest Du daher Dein Baby anlegen. Es wird empfohlen, innerhalb der ersten zwei Lebensstunden Deines Babys die ersten Stillversuche zu machen. Auch wenn es nicht gleich klappt und Dein Neugeborenes nicht friedlich nuckelnd an Deinem Busen saugt: Gib nicht auf! Bis der Milcheinschuss kommt, also für Dich spürbar die richtige Muttermilch aus Deinen plötzlich sehr prallen Brüsten fließt, können 1-5 Tage vergehen. In dieser Zeit wird Dein Baby die Vormilch trinken und darüber ausreichend versorgt. Oft sind die Säuglinge nach der Geburt so erschöpft, dass sie stundenlang schlafen. Es kann daher passieren, dass Du Dein Baby in den ersten Tagen sogar wecken musst, weil es schon seit mehreren Stunden nichts getrunken hat. Das Gewicht der Neugeborenen wird eng überwacht und nur wenn Dein Kleines zu viel Gewicht verliert, braucht es mehr als Vormilch. Damit das Baby dann nicht gleich wieder an Deinem Busen wohlig einschläft, hilft es, es etwas auszuziehen. Durch den kleinen Kältereiz bleibt es wach und schafft es, länger zu saugen. Besprich Dich mit Deiner Hebamme dazu. Auch Deine Milchbildung freut sich über häufiges Anlegen. Denn durch das Saugen kommt der Kreislauf der Stillhormone in Gang, die Milchbildung wird so weiter angeregt.

Wie kann ich richtig stillen?

isStock, SolStock

Steig gleich von Anfang an mit richtigem Stillen ein, aber ohne allzu großen Druck. Stillen ist zwar die natürlichste Sache der Welt, aber nicht die einfachste. In Krankenhäusern gibt es Stillberaterinnen, die Dir zu Beginn über die Schulter schauen können, ob Du Dein Baby richtig anlegst. Auch Deine Wochenbett-Hebamme steht Dir mit Tipps zur Seite und kann Dir noch viele Stillpositionen zeigen, die Du ausprobieren kannst.

Manchmal sind es nur diese Kleinigkeiten und die Milch läuft wieder. Hier kommen unsere Still-Tipps:

  • Es gibt viele Stillpositionen. Probier mal aus, Dein Baby im Liegen trinken zu lassen oder verändere mal den Winkel, in dem Du es angelegst.
  • Nicht nur die Spitze der Brustwarze muss in den Mund des Babys, sondern er soll den gesamten Burstwarzenhof umfassen. Am besten eignet sich hier der C-Griff. Forme mit Deinem Daumen und Deinem Zeigefinger ein C um Deinen Busen. So kannst Du Deinem Kind die gesamte Brustwarze besser in den Mund stecken beim anlegen.
  • Wenn Dein Baby nicht von alleine den Mund aufsperrt, kitzel seinen Mundwinkel entweder mit Deiner Brustwarze oder Deinem (sauberen) Finger. Reflexartig sperren die Kleinen den Mund ein wenig auf, wenn sie nicht gerade schlafen.
  • Sorge bitte immer dafür, dass Du eine bequeme Sitzposition hast und der Arm, in dem Du das Baby hältst mit einem Stillkissen oder ähnlichem unterstützt wird.
  • Nicht Du musst Dich zum Baby hinbeugen, sondern das Baby so legen, dass es an Deinen Busen kommt, ohne dass Du krumm, schräg oder vorne übergebeugt ungemütlich sitzt. Auch ein normales Kissen stützt Deinen Arm, so dass Du aufrecht sitzt. Sonst bekommst Du schnell Verspannungen und Rückenschmerzen. Kann Dir das Stillen gründlich verleiden!
  • Gerade zu Beginn ist es für Mütter oft angenehmer, sich für die Brustmahlzeiten erst mal zurückzuziehen und nicht unter voller Beobachtung den Säugling anzulegen.
  • Gib Euch beiden Zeit, Euch aufeinander einzuspielen. Im Wochenbett bist Du für nichts anderes zuständig als zu kuscheln, Dich auszuruhen und Dein Kind regelmäßig anzulegen.
  • Keiner erwartet, dass Du zum Wochenbettbesuch schon wieder wie aus dem Ei gepellt aussiehst und Dein Kind souverän vor Tanten, Onkeln, Freunden anlegst.
  • Es ist wichtig, dass Du Dich gut und sicher beim Stillen fühlst, das überträgt sich auch auf Dein Kleines. Und dann wartet die Verwandtschaft eben solange, bis Ihr zwei aus dem Schlafzimmer nach der Milchmahlzeit wieder rauskommt. Bis dahin kann Papa die Runde unterhalten oder die älteren Geschwister stehen mal im Mittelpunkt.
  • Ein wenig Still-Tee wirft die Milchproduktion auch noch mal gut an. Das bitte auch erst nach Absprache mit der Hebamme oder Ärztin.

Sofern Dein Baby noch recht schwach ist, weil es vielleicht zu früh geboren wurde, können Euch Stillhilfen unterstützen. Deine Hebamme, Ärztin oder Stillberaterin weiß, was Dir und Deinem Baby jetzt den Still-Start leichter macht. Genauso kannst Du mit diesen Fachleuten besprechen, wie sich Dein Familien- oder Berufsleben gut mit den vielen Stillzeiten verbinden lässt.

Stillhilfen

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Muttermilch ist praktisch und umsonst

Das Milchfläschchen gibt es von Papa!
iStock, Halfpoint

Muttermilch enthält alles für Dein Baby, was es für seine Ernährung und Entwicklung braucht. Sie ist praktisch, denn Du (als Mutter) hast sie immer dabei. Du brauchst keine Fläschchen säubern, kein Pulver im richtig temperierten Wasser anrühren und das alles auch unterwegs mit sauberen Fingern hinkriegen. Deine Muttermilch ist immer fertig, bereit zum Andocken. Und sie kostet nichts! Sie passt sich dem Alter Deines Kindes an. Sogar ihre Zusammensetzung während des Trinkens variiert.
 Tipp: Wusstest Du, dass zu Beginn einer jeden Still-Session Dein Baby erst eher dünne, durstlöschende Milch trinkt,  zum Schluss die fett- und energiereiche und somit auch sättigendere Milch fließt? Daher lass Dein Kind nicht zu kurz trinken, bevor Du zur anderen Seite wechselst.
Und damit auch stillende Mütter nicht ununterbrochen beim Baby sein müssen, kann man die Muttermilch abpumpen und so dem Partner, Oma oder Opa mal das Füttern überlassen.

Wie lange soll ich stillen?

Für Säuglinge, die gesund sind, empfiehlt die Nationale Stillkommission eine Stillzeit von sechs Monaten. Die ersten vier Monate sollte Dein Baby wirklich nichts anderes essen als Muttermilch oder Milchersatznahrung. Erst ab dem fünften Monat kann man mit der Beikost starten. Der Beikoststart heißt aber nicht, dass Du abstillen sollst. Im Gegenteil, es ist wichtig, dass Du noch weiterstillst, um Deinem Kind die Umstellung auf den Brei zu erleichtern. Laut Empfehlungen für die Einführung der Beikost fängst Du nicht vor dem 5. Lebensmonat, aber bis zum 7. Lebensmonat damit an.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nach Einführung der Beikost eine Gesamtstilldauer von bis zu 24 Monaten oder darüber hinaus. Wie lange eine Frau stillt, richtet sich individuell danach, wie es ihr und dem Baby damit geht. Nicht danach, was sie umgebende Mütter oder nicht-Mütter dazu sagen!

Wenn Du, aus welchen Gründen auch immer, weniger stillen möchtest und die Milchmahlzeiten durch Brei ersetzten willst, dann schau Dir unseren Beikostplan an. Darin siehst Du, wie Du Schritt für Schritt die Ernährung Deines Kindes umstellst. Nach und nach wird eine Stillmahlzeit so durch Brei ersetzt.
Wichtig: Auch Teilzeitstillen ist wertvoll! Wenn Du nicht voll stillen kannst oder möchtest ist das ok. Dein Baby profitiert von jeder eingenommenen Stillmahlzeit, auch wenn es immer wieder mal ein Fläschchen trinkt. 

Wie oft muss ich mein Kind anlegen?

Einfach Stillen nach Bedarf ist das Motto

Vertrau hier auf Dein Gefühl und Dein Baby. Es wird Dir zeigen, wie oft es Hunger hat. Anfänglich kann das alle zwei Stunden sein. Später fordert es nur noch 3-4 mal am Tag Milch ein. Das Gute ist, auch darauf stellt sich Dein Körper ein. Dein Körper wird immer soviel Milch produzieren, wie Dein Baby verlangt. Und es gibt keine feste Anzahl, wie oft ein Kind angelegt werden soll oder wie viel Zeit vergangen sein muss, seit der letzten Stillzeit.

Alkohol und Tabak: Dein Baby trinkt mit

Über Deine Muttermilch erhält Dein Kind alles, was es benötigt. Es lernt den Geschmack von allem kennen, was Du isst. Allzu scharfes Essen kommt auch in der Milch an und kann einen roten Po beim Baby hervorrufen. Auch Alkohol oder Nikotin überträgst Du so. Verzichte in der Stillzeit auf beides,  Deinem Baby zuliebe. Denn die Promille gehen nicht nur ins Blut, sondern auch direkt in die Muttermilch.
Nikotin wird ebenfalls über die Muttermilch aufgenommen und kann sogar die Milchproduktion nachteilig beeinflussen. Viele Krankenkassen unterstützen bei dem Angang, sich das Rauchen abzugewöhnen. Hier findest Du umfassende Informationen, wie Du nach der Geburt rauchfrei wirst.

Wenn Du aufs Rauchen nicht verzichten kannst, dann:

  1. Stille dennoch weiter. Trotz der Schadstoffbelastung profitiert Dein Baby von vielen positive Auswirkungen Deiner Milch.
  2. Rauche unmittelbar nachdem Du Dein Kind gestillt hast, damit die Schadstoffe in der Muttermilch bis zum nächsten Mal sich etwas abgebaut habe.
  3. Selbstverständlich solltest Du nicht in Räumen rauchen, in denen sich auch Dein Kind aufhält.

Rechts oder links? Wo gehts jetzt weiter?

App mit Stillfunktion
istock, Halfpoint

Ein Griff an den Busen und schon spürst Du, welche Seite zu prall ist und wo das Kleine als nächstes angelegt werden soll. Man kann auch einen Ring von der linken zur rechten Hand wechseln oder eine Markierung am BH-Träger haben.
Kennst Du schon unsere Baby-App mit Stillfunktion? Neben Informationen zu allen wichtigen Entwicklungsschritten, persönlichen Notizen, Bildern Deines Babys und viel Unterhaltsamen findest Du dort auch eine Stillfunktion, mit der Du genau mittracken kannst, wann, wie lange und wo Dein Baby das letzte Mal getrunken hat. Natürlich können auch Milch-Fläschchen-Portionen dort festgehalten werden. Unsere Baby-App ist kostenlos und für Android und iOs erhältlich.

Warum weint mein Baby beim Trinken?

Um diese Frage zu beantworten ist es wichtig, den Zeitpunkt, wann das Baby weint, genau zu beobachten.
Weint das Baby vorm Trinken?

  • Eigentlich klappt es mit dem Stillen schon ganz gut, aber neuerdings weint Dein Baby, wenn Du es anlegen willst, obwohl es bestimmt Hunger hat? Das könnte darauf hindeuten, dass es durch irgendwas irritiert ist. Vielleicht nimmt es einen ungewohnten Duft wahr? Ein neues Waschmittel, Deodorant oder Duschgel? Versuche folgendes: Dusche vor dem Stillen ohne Duschgel und trage danach Kleidung, die ohne Waschmittel gewaschen wurde. Wenn das Baby danach wieder ruhig trinkt, weißt Du, dass es an einem ungewöhnlichen Duft gelegen hat.
  • Größere Babys streiken manchmal, wenn sie vom Zufüttern Verstopfung haben. MIt etwas Birnenmus kannst Du die Verdauung Deines Kindes unterstützen. Wenn das nichts ändert, hör vorübergehend auf mit dem Zufüttern und frage Deine Stillberaterin oder Kinderärztin um Rat.
  • Hast Du schon mal etwas vonSaugverwirrung gehört? An der Brust zu trinken erfordert für Babys eine andere Technik als an einem künstlichen Sauger zu nuckeln. Bietet man dem Kind mal die Brust, mal einen Nuckel an, kann das die Mundmotorik gehörig durcheinanderbringen, sodass es den Anschein hat, das Baby käme mit der Brust nicht mehr zu Recht. Um dies zu vermeiden, sollte man kleinen Babys gerade in den ersten Lebenswochen nur die Brust anbieten und auf alle künstlichen Sauger verzichten. Solange das Baby nicht trinkt, kannst Du die abgepumpte Muttermilch mit einem Löffelchen einträufeln. Nach ein oder zwei Tagen wird sich die Saugverwirrung legen und das Baby trinkt wieder normal.

Weint es während des Trinkens?

  • Dann kann das damit zusammen hängen, was Du gegessen hast. Der Geschmack Deiner Muttermilch kann z.B. aufgrund von scharfen Gewürzen unangenehm für Dein Baby sein. Iss etwas vanillehaltiges, das neutralisiert den Geschmack und gefällt Deinem Baby bestimmt wieder.
  • Babys die Schnupfen haben, haben Schwierigkeiten beim Trinken nebenbei zu atmen, wenn die Nase verstopft ist. Versuch etwas Muttermilch in die Nasenlöcher zu spritzen. Das hilft tatsächlich.
  • Vielleicht hörst Du es beim Trinken auch schon Grummeln im kleinen Bäuchlein? Starke Darmbewegungen verursachen manchmal Bauchweh beim Baby. Trag Dein Kind im Fliegergriff oder leg ihm ein lauwarmes Körnerkissen auf den Bauch, so gehen die Bauchweh bald weg und die körperliche Nähe beim Tragen beruhigt es.
  • In seltenen Fällen kann es sein, dass Dein Baby eine Lieblingsseite beim Stillen hat. Weil die Milch aus einer Brust besser fließt oder die Brustwarzen unterschiedlich groß sind. Beginne dann mit dem Stillen an der "ungünstigeren" Seite. Zu Beginn hat Dein Baby noch großen Hunger und genug Saugkraft. Zum Ende hin wird Dein Baby schon müde, daher beende das Stillen an der Schokoladenseite.

Weinen nach dem Stillen
Vermutlich hat Dein Baby Luft im Bauch und beschwert sich darüber. Versuch Dein Baby nach jeder Stillzeit ein Bäucherchen machen zu lassen, um nicht allzu viel Luft im Magen zu haben.

10 Stillprobleme - und was man dagegen tun kann

1. Zu wenig Milch
Ursache: Kinder, die beim Stillen nicht satt werden, weinen oftmals an der Brust, sind quengelig, unzufrieden und wollen schon nach kurzer Zeit wieder gestillt werden. Wenn der Appetit des Babys größer ist als das Milchangebot der Frau, macht es wahrscheinlich gerade einen Entwicklungsschub.
Das kann man tun: Lege das Baby häufig an, wenn möglich auch nachts. Wechsel dabei die Stillpositionen, damit möglichst alle Bereiche des Busens stimuliert werden. Nach wenigen Tagen intensiven Stillens hat sich die Milchproduktion auf die gesteigerte Nachfrage eingestellt. Mit Milchbildungstees bitte zurückhaltend sein. Sie sind pflanzliche Arzneimittel, die nur sparsam eingesetzt werden sollten. Zuviel davon kann sogar die Milchbildung hemmen! Trink ganz normal, wenn Du durstig bist und stelle Dir während des Stillens ein Glas Wasser in Reichweite. Gutes Gefühl, gleich was nachschütten zu können. Zum Trinken zwingen solltest Du Dich nicht.
 
2. Milchstau
Ursache: Ein Spannen der Brust und harte, schmerzhafte Stellen, deuten auf einen Milchstau hin. Ein Milchstau entsteht durch gestaute Milch in einem Milchgang. Wenn die Milch nicht abfließen kann, kommt es zu einer erhöhten Bakterienkonzentration, die der Körper mit Fieber und der Produktion von weißen Blutkörperchen beantwortet. Ein Milchstau tritt häufig dann auf, wenn sich der Stillrhythmus des Babys verändert hat: Das Baby schläft nun plötzlich durch und überspringt eine Mahlzeit. Manchmal führt aber auch ein zu enger Büstenhalter oder das Anlegen des Kindes in immer der gleichen Position zu einem Milchstau.
Das kann man tun: Wichtig ist, dass die Milch abfließt, sonst bleibt der Erzündungsherd erhalten. Deshalb solltest Du das Baby zu Beginn einer Mahlzeit an der schmerzhaften Seite anlegen. Der Unterkiefer des Kindes sollte in die Richtung zeigen, in der sich die harte Stelle befindet. Ist das zu schmerzhaft, kann man auch die Brust erwärmen und die gestaute Milch ausstreichen oder abpumpen. Bei heißen, geröteten Stellen auf der Brust hilft ein Quarkwickel:

  • Kalten Quark fingerdick auf eine Binde streichen und in den BH kleben.
  • Wenn der Quark hart geworden ist, abnehmen.
  • Vor dem Stillen die Brust dann wärmen, um die Milchgänge zu weiten, danach kühlen, um die Milchgänge wieder zusammenzuziehen.
  • Leichter gesagt als getan: Aber gönne Dir viel Ruhe und Schlaf und versuche, Stress und Hektik so gut es geht zu vermeiden.

 
3. Wunde Brustwarzen
Ursache: In den ersten Tagen nach der Geburt wird sich Deine Brustwarze an das häufige Saugen gewöhnen. Das tut oft weh, da die empfindliche Haut der Brustwarze diese regelmäßige Beanspruchung nicht gewohnt ist. Brustwarzen können richtig wund werden und kleine Blutkrusten haben. Sind die Brustwarzen nach einigen Wochen immer noch wund und empfindlich, kann dies auch vom ungünstigen Anlegen kommen, oder weil Du die Stillposition nicht oft genug gewechselt hast.

Das kann man tun: Lass auf der wunden Haut einige Tropfen Muttermilch eintrocknen, das fördert den Heilungsprozess – an der Ursache ändert dies jedoch nichts. Deshalb solltest Du Deine Anlegetechnik verbessern: Lege das Baby Bauch an Bauch zu Dir. Und jetzt die Unterlippe des Kindes mit der Brustwarze kitzeln. Das löst beim Baby einen Reflex aus und es öffnet seinen Mund ganz weit. Führe dann das Kind so zur Brust, dass die Brustwarze in der Mitte des Mundes ist. Das Kind sollte so nicht nur die Spitze der Brustwarze erfassen, sondern möglichst viel vom Warzenhof im Mund haben.
Tipp: Führe immer das Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind. So vermeidest Du verkrampfte Fehlhaltungen und Rückenschmerzen. Und sei experimentierfreudig und probiere auch andere Stillpositionen aus, dadurch werden alle Bereiche der Brust und der Brustwarze beansprucht.
 
4. Unregelmäßige Trinkzeiten
Ursache: Kurze Trinkabstände sind bei Neugeborenen ganz normal. Der Magen des Kindes ist noch sehr klein (wie eine Murmel bei Neugeborenen, etwa so groß wie ein Tischtennisball bei einem acht Wochen alten Baby) und die Muttermilch passiert schnell den Magen-Darm-Trakt, sodass die Kinder bald wieder Appetit bekommen. Andererseits kann vermehrter Appetit auch auf einen Entwicklungsschub hindeuten, den das Kind gerade durchmacht. Aber auch längere Abstände sind bei Kindern, die gut gedeihen kein Grund, sich zu sorgen. Manche Kinder sind sehr genügsam, sie äußern sich nicht sofort und kommen auch mit längeren Abständen zwischen den Mahlzeiten gut zurecht.
Das kann man tun: Wenn Du das Gefühl hast, Dein Baby ist sehr genügsam und schreit nicht, wenn es Hunger hat, dann achte bei ihm auf frühe Hungeranzeichen. Das können Saugbewegungen, das "Suchen", Bewegungen der Hand zum Mund, Unruhe, sanfte Laute oder Seufzer sein. Normal sind bei Neugeborenen 8 bis 12 Stillmahlzeiten in 24 Stunden. Übrigens: Es stimmt nicht, dass Babys Bauchweh bekommen, wenn unverdaute Milch auf verdaute Milch stößt. Ohne Einschränkungen gilt: Stille nach Bedarf und geh auf die Bedürfnisse des Kindes ein.
 
5. Kind spuckt
Ursache: Nach den Mahlzeiten hast Du den Eindruck, dass Dein Kind mehr ausspuckt, als es behalten kann? Nur keine Angst: Solange Dein Baby wächst und gedeiht, ist das ganz normal und vielmehr ein Wäscheproblem als ein medizinisches Problem. Bei manchen Babys schließt der Magenpförtner nicht richtig, gerade diese Kinder trinken dann ganz gerne ein bisschen über den Durst hinweg. Nimmt das Baby aber nicht zu und wächst auch nicht, solltest Du den Kinderarzt aufsuchen, um die Ursachen abklären zu lassen.
Das kann man tun: Lass Dein Baby nach jeder Brust aufstoßen und vermeide zu viel Bewegung. Schaukeln könnte das Spucken nur fördern. Lager den Kopf des Babys etwas höher als den Körper. Das kann den Drang zum Spucken etwas abmildern.
Manchmal kommt es auch vor, dass die Milch beim Anlegen sehr stark spritzt und das Baby so zu viel Milch auf einmal trinkt. Du kannst dann das Kind nach dem Einsetzen des Milchspendereflexes kurz von der Brust nehmen, die Milch in ein Handtuch spritzen lassen und danach erneut anlegen.
Wie viel spucken bei Speibabys normal ist, liest Du hier.
 
6. Säugling hat Blähungen
Ursache: Über die Ursachen der abendlichen Schreistunden gibt es viele Spekulationen: Die Ernährung der Mutter, Stressbewältigung und die Verarbeitung von Eindrücken werden genannt oder auch das empfindliche Verdauungssystem, das sich auf seine Arbeit erst einstellen muss.
Das kann man tun: Viel Nähe, sanftes Streicheln, Nuckeln und Herumgetragen werden  helfen dem Baby. Und auch wenn das Bauchweh dadurch nicht gleich verschwindet, das Kleine spürt die Nähe und Geborgenheit. Bauchweh-Kinder zeigen häufig eine Überempfindlichkeit auf Kuhmilchproteine. Um abzuklären, ob dies eine Ursache für die Blähungen ist, solltest Du zwei Wochen auf Kuhmilchprodukte verzichten. So lange dauert es, bis die Proteine aus der Kuhmilch den Körper verlassen haben und nicht mehr in die Muttermilch übergehen. Wenn die Blähungen des Babys dadurch weniger werden, hast Du zumindest eine mögliche Ursache ausfindig machen können.
 
7. Kind lehnt die Brust ab
Ursache: Es kann vorkommen, dass Babys die Brust kurze Zeit ablehnen, weil sie eine negative Erfahrung gemacht haben. Manche Säuglinge lehnen aber auch die Brust ab, weil sie mit etwas Attraktiverem Bekanntschaft gemacht haben: Das kann eine Flasche sein, aus der ohne große Mühe die Milch sprudelt, oder ein Nuckel, der sich schön anfühlt.
Eher selten treten Babys in einen richtigen Stillstreik: Etwa drei bis fünf Tage lang lehnen sie dann die Brust ab, zeigen dabei auch deutlich, dass sie sich dabei nicht wohl fühlen und unglücklich sind.
Das kann man tun: Unlust beim Anlegen hat häufig äußere Ursachen wie stark riechende oder schmeckende Kosmetika. Versuche auf Deo und Cremes zu verzichten und biete dem Kleinen immer wieder die Brust an. Du kannst die Milch auch mit Pipette oder Löffelchen geben. Häufig hilft es auch, das Baby im Halbschlaf anzulegen, da die Gegenwehr dann nicht mehr so groß ist.
Wichtig: Versuch, über Löffelchen oder einem kleinen Becher die Milch zu geben, biete in dieser Zeit aber keinen Schnuller und auch keine Flasche an. Es gibt einen natürlichen Saugtrieb, dem es nachgehen will – und dazu gibst Du ihm nur die Brust.
 
8. Besondere Form der Brustwarzen
Ursache: Flachwarzen, Hohlwarzen, eine große oder eine kleine Brust: Die Bandbreite an unterschiedlichen Gegebenheiten ist groß – das ist normal, denn unsere Körper sehen nun mal alle anders aus. Meist sind es die Mütter, die damit ein Problem haben. Und diese Bedenken projizieren sie oft aufs Kind.
Das kann man tun: Ein Neugeborenes erwartet nichts, weil es noch keine Erfahrungen gemacht hat. Im Idealfall kennt ein Baby in den ersten sechs Lebenswochen nur die Brust seiner Mutter und die ist eben so, wie sie ist. Bei sehr kleinen Brustwarzen kann man die Warzen vorher durch Zupfen etwas stimulieren, damit sie sich besser hervorheben. Ansonsten gilt: Zum Milch geben braucht man nur eine Brust, einen Säugling und etwas Beharrlichkeit – sonst nichts.
 
9. Säugling bevorzugt die Flasche
Ursache: Muttermilch abpumpen und mit der Flasche zu einem späteren Zeitpunkt geben ist praktisch und muss manchmal auch sein. Manche Kinder erkennen den Unterschied sehr schnell und verlangen bald nur noch nach der Flasche, da hier die Milch ohne große Anstrengung sprudelt. Die Brust, an der es vielleicht mehr Mühe macht zu trinken, lehnen sie dann ab.
Das kann man tun: Versuch ganz klar zu trennen: Wenn Du daheim bist, stillst Du und die Flasche bekommt es, wenn Du nicht da bist. So lernt das Kind: Bei Papa gibt es Flasche, bei Mama die Brust.
 
10. Ich muss Medikamente einnehmen
Ursache: Manche Frauen, die an einer chronischen Krankheit leiden, gehen davon aus, dass sie nicht stillen können. Auch Mütter, die einen chirurgischen Eingriff vornehmen lassen müssen oder eine Spritze beim Zahnarzt bekommen, haben Angst, nicht mehr stillen zu können. Und Schmerzmittel, Antibiotika usw. brauchen eben auch stillende Mütter.
Das kann man tun: Halte Rücksprache mit Deinem Arzt und frag nach, wenn Du im Beipackzettel etwas liest, was Dich beunruhigt. Denn was viele nicht wissen: Für die meisten Medikamente gibt es auch stillverträgliche Alternativpräparate.
Mach den Anästhesisten vor der Operation darauf aufmerksam, dass Du stillst. In der Regel gilt die Faustformel: Sobald die Frau nach einer Narkose wieder in der Lage ist, das Kleine selbst anzulegen, kann sie auch wieder stillen.
Wer unsicher ist, kann über eine Stillberaterin einen medizinischen Beirat anrufen. In ihm sind auch Fachleute vertreten, die Auskunft über Medikamente und ihre Stillverträglichkeit geben.
Nähere Informationen über Stillberaterinnen in Deiner Nähe findest Du unter www.lalecheliga.de.

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Darf ich stillen, wenn ich krank bin?

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