Angstgefühle
Warum Fremdeln wichtig ist

Neulich hat Ihr Schatz die Dame an der Fleischtheke noch angestrahlt - und auf einmal ist er wie ausgewechselt und sehr reserviert gegenüber weniger vertrauten Personen. Keine Sorge, das Fremdeln ist ganz normal. Ja, sogar ein wichtiger Entwicklungsschritt!

Woran erkennt man Fremdeln?

Angstgefühle: Warum Fremdeln wichtig ist

Das "Fremdeln" tritt häufig um den achten Monat auf, oft über Nacht. Das fremdelnde Baby wendet den Blick ab, klammert und vergräbt seinen Kopf an Mamas Schulter. Die Körpersprache ist eindeutig: "Komm mir bloß nicht zu nah!" Nur engste Vertraute, wie die Eltern können das verängstigte Kind dann beruhigen.

Fremdeln: ein Systemabsturz im Gehirn

Babys Gehirn meldet: da passt was nicht zusammen

Die Ursachen sind nicht hundertprozentig geklärt. Einig sind sich die Wissenschaftler aber darin, dass Fremdeln ein wichtiger Punkt in der gesunden Entwicklung. Also weder die Folge mangelnder Pflege oder eines Erziehungsfehlers.
Forscher vergleichen die Fremdel-Panik mit einer Art Systemabsturz im Gehirn: Im ersten Dreivierteljahr seines Lebens hat das Kind mit seinen Eltern bereits eine sehr feine Form der Verständigung entwickelt - eine sinnliche Sprache aus Gesten, Lauten, Mimik, Gerüchen, Berührungen.

Diese Sprache funktioniert aber nur im eingespielten Team. Ein Unbekannter kann sich noch so viel Mühe geben und Mamas Gesten oder Papas Worte imitieren; sein Geruch, seine Stimme, sein Aussehen - all das weicht vom gewohnten Muster ab. Und genau dies können Kinder mit acht Monaten langsam erkennen. Ihr Gehirn meldet: Da passt was nicht zusammen. Aber sie wissen noch nicht im Geringsten, wie sie auf diese neue Erfahrung reagieren sollen.

Nicht alle Kinder fremdeln gleich stark

Wie stark Kinder fremdeln ist auch eine Frage des Temperaments

Meist sind es plötzlich auftretende Panik-Attacken, die einige Wochen, manchmal Monate anhalten können - allerdings mit großen individuellen Unterschieden. Nicht alle Kinder fremdeln gleich stark: Einige sind nur ein bisschen zurückhaltender als sonst, andere dagegen weinen schon, wenn Opa nur "Hallo" sagt.

Das ist vor allem eine Frage des Temperaments. Manche Babys reagieren eben auch sonst mit heftigem Gefühl, ein anderer Teil ist grundsätzlich etwas cooler. Auch Erfahrungen spielen eine Rolle: Kinder, die häufigen Besuch gewöhnt sind, gewöhnen sich schneller an unbekannte Gesichter.

Und was tun bei fremdelnden Kindern? Trösten und ganz viel Nähe! Lesen Sie weiter auf Seite 2!