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Mit den Händchen sprechen

Schon die Kleinsten wollen sich mitteilen - und sind oft frustriert, wenn das nicht gelingt. Ein Kurs in Zeichensprache hilft: Denn wer "Winke-Winke" macht, kann noch viel mehr "sagen"! Außerdem: Experteninterview zum Thema Zeichensprache.

Interview: Zeichensprache für Babys -was bringt das?

Darüber sprach ELTERN-Autorin Antje Helms mit Etta Wilken, Professorin für Sonderpädagogik an der Universität Hannover und Expertin für Sprachentwicklung und Sprachförderung.

Was sind die Vorteile der Zeichensprache?
Bevor Kinder anfangen zu sprechen, können sie schon Dinge und Handlungen unterscheiden. Sie mit Zeichen benennen oder Bedürfnisse äußern zu können, ist ein Erfolgserlebnis für Kinder. Sie sind seltener frustriert, weil sie verstanden werden. Gebärden sind für sie natürliche Helfer - wie für uns im Ausland, wenn wir die fremde Sprache nicht beherrschen.

Was macht Zeichensprache so kindgerecht?
Die meisten Gebärden sind sehr anschaulich - wie etwa der Affe, der sich unter den Achseln kratzt oder der Vogel, der mit den Flügeln flattert. Kinder können diese einprägsamen, einfachen Handzeichen leicht imitieren, weil ihre Motorik - im Gegensatz zur Sprache - schon weiter entwickelt ist. Im Zusammenhang mit Fingerspielen und Liedern merken sie sich Gebärden wie im Fluge. Der Spaß dabei ist das Wichtigste. Falsch wäre es, das Ganze als Lernprogramm zu verstehen.

Welches Alter ist günstig, um mit Gebärden zu beginnen?
Ein guter Zeitpunkt ist, wenn das Kind zum Beispiel "Winke-Winke" nachmacht. Davor sollte man nicht beginnen.

Für welche Kinder empfehlen Sie gebärden-unterstützte Kommunikation besonders?
Für alle, die nicht oder noch nicht sprechen können. Dem Kleinkind von acht Monaten gibt es großes Selbstbewusstsein, wenn es ausdrücken kann, was es beschäftigt. Existenziell sind Gebärden natürlich für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen oder Down-Syndrom, die sich ohne Gebärden nur sehr eingeschränkt und spät äußern können.

Verzögert die Babyzeichensprache die normale Sprachentwicklung?
Im Gegenteil: Die Sprachentwicklung wird gefördert, weil die Kinder lernen, dass es Bezeichnungen für Dinge gibt. Das ist eine Grundlage für den Spracherwerb. Zudem aktiviert die visuelle Wahrnehmung andere Teile im Gehirn als die gesprochene Sprache; dadurch entstehen vielfältige, netzartige Verbindungen. Sobald das Kind die zunächst gebärdeten Wörter sprechen kann, verzichtet es von allein auf die Handzeichen.

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