Mädchen und Jungs

Der kleine Unterschied

Weiterleiten Drucken

 © Ilike - Fotolia.com

Rosa oder Hellblau? Blumenröckchen oder Latzhose? Bagger oder Puppenwagen? Die eigene Zugehörigkeit zum jeweiligen Geschlecht entdecken, sich selber erkennen als Mädchen oder Junge - das sind wichtige Entwicklungsschritte, die man Kindern nicht vorenthalten kann. Um zu verstehen, wo sie hingehören, übertreiben sie im Alter zwischen drei und fünf die Geschlechterrolle: kein Kinderkostümfest ohne Tüll-Prinzessin und Sheriff mit angemaltem Bart. Eltern muss das nicht schrecken. Tüll und Knarre landen irgendwann in der Kiste auf dem Speicher - und die Kinder werden ihre eigene Geschlechterrolle finden. Frauen und Männer legen sich nicht mehr automatisch auf eine Rolle fest. Das können sie sich auch gar nicht leisten. "In unserer Gesellschaft werden Frauen und Männer benötigt", sagt die Pädagogikprofessorin Lilian Fried aus Dortmund, "die, wenn es darauf ankommt, sowohl fürsorglich als auch durchsetzungsfähig sein können."

Viele junge Eltern arbeiten bereits daran, Familie und Beruf zu vereinbaren, sie teilen sich viele Aufgaben. Wenn Kinder mit diesem Vorbild aufwachsen, gehen sie gut vorbereitet in die moderne Gesellschaft.

Wer kuschelt lieber?

Mädchen - wahrscheinlich, weil sie es beigebracht bekommen. Forscher sagen: Mit weiblichen Babys wird mehr gekuschelt, Mädchen bekommen mehr Streicheleinheiten als kleine Jungen. Offenbar werden Mädchen unbewusst zärtlicher behandelt, nicht nur von den Eltern, sondern auch von anderen Familienmitgliedern und Erwachsenen. Das kann der Grund dafür sein, dass manche Jungen, wenn sie älter werden, körperliche Zuwendung nicht ganz so gern annehmen.
Wer einen kleinen Kuschelmuffel zu Hause hat, kann versuchen, ihn unauffällig zu ködern: Mit Jungs kommt man leichter über das Toben zum Kuscheln. Kitzeln, balgen, sich gemeinsam ins Gras werfen – das mögen sie sehr.

Wer wirft mit Sand?

Jungs messen gern ihre Kräfte, Mädchen sind fürsorglich. Ein Vorurteil?
Nein, sagen Entwicklungsforscher: Mädchen und Jungen verhalten sich im Umgang mit anderen Kindern und beim Spielen tatsächlich unterschiedlich.
Untersuchungen zeigen: Mädchen bemühen sich eher, mit anderen gut auszukommen und sich zu verständigen, sie helfen auch schneller. Jungen benehmen sich häufiger angriffslustig, behaupten sich erfolgreicher.
Ein Erbe unserer Menschheitsgeschichte, das wir offensichtlich nicht so schnell loswerden: Der Mann eroberte neue Gebiete, stritt mit Widersachern, verteidigte Familie und Besitz. Frauen kümmerten sich um warmes Essen, Kleidung und gute Laune für alle.

Wer schreit lauter?

Von allen Babys, die in Schreiambulanzen vorgestellt werden, sind fast 70 Prozent Jungen. Ganz genau weiß niemand, woran das liegt. Die Anpassungsschwierigkeiten an das Leben außerhalb des Mutterleibes könnten damit zusammenhängen, dass das Nervensystem von Jungen bei der Geburt weniger ausgereift ist als von Mädchen. Bekannt ist auch, dass viele männliche Babys stressanfälliger sind als die meisten weiblichen: Sind sie einer leichten, aber andauernden Belastung (etwa durch Lärm) ausgesetzt, steigt ihr Kortisolspiegel stark an, bei den Mädchen erhöht sich die Menge dieses Stresshormons durch eine geringe Aufregung eher nicht.

Weiterleiten Drucken

Eltern.de User, die sich für Schwangerschaft, Geburt, Babys und alle weiteren Familien-Themen interessieren, treffen sich im Eltern.de Forum.

Fruchtbarkeitskalender, mobile Website und ganz neu die Eltern.de-App: Eltern.de für unterwegs.

 
  • von nadja** am 14. Februar 2012, 13:21 Uhr

    Ich habe einen Sohn von einem Jahr und ich muss sagen, dass man dem Kind zwar automatisch eine Richtung vorgibt, z.B.Latzhosen anziehen,blaues Kinderzimmer o.Ä., aber er sucht sich auch automatisch "Jungssachen" aus, er spielt am liebsten mit Autos und findet alle möglichen technischen Geräte toll.Gestern beim Arzt hat er auch wieder sofort ein Feuerwehrauto aus der Spielzeugkiste im Wartezimmer gesucht, obwohl es da so viele andere Sachen gab.Und wenn er im Kinderwagen sitzt, dann quietscht er vor Freude, sobald ein Auto vorbei fährt.Hunde findet er auch super,die sind so lebhaft. Ich finde es gut, dass er ein kleiner Junge ist und man das auch merkt. Ich würde ihm nie verbieten, z.B. mit Puppen zu spielen, wenn er das möchte. Aber trotzdem ist es doch schön und richtig, wenn Jungs wie Jungs sind und Mädchen wie Mädchen. Irgendwie.


  • von Eosin am 6. Januar 2010, 14:10 Uhr

    Da können die Emanzen und 68er Pädagogen noch so schreien, das Testosteron und seine Folgen lassen sich nicht wegdiskutieren. Damit möchte ich (Mutter von 3 Söhnen) nicht sagen, dass es nicht auch schüchterne, zarte, liebevolle Jungs und wilde, brutale Mädchen gibt. Aber rein statistisch sind die Tendenzen deutlich. Und daher braucht jedes Kind eine ganz individuelle Behandlung, um auch die Seiten zu fördern, die weniger stark ausgeprägt sind.


  • von Elke am 8. April 2009, 23:19 Uhr

    @Karin
    Nein ich habe tasächl. noch nie eine Benachteiligung aufgrund meines Geschlechtes erfahren. Selbstverständlich gibt es weltweit gesehen eine massive Benachteiligung der Mädchen. Aber wie kommt es dann, dass sich Eltern in D fast ausschließlich Mädchen wünschen? Jungs haben einfach eine schlechte Presse und dagegen habe ich tatsächlich etwas. Mittlerweile habe ich 2 tolle Jungs und musste mir allen Ernstes schon anhören "2 Jungs, da sind sie ja wirklich nicht zu beneiden". Hallo, ist das zu fassen? So ein Spruch, einfach nur, weil sie Jungs sind. So was in der Art kam leider schon mehrfach vor. Vielleicht verstehst du, dass ich in meinem ersten Kommentar etwas aufgewühlt reagierte. Wenn in den Medien etwas über Jungs verbreitet wird, dann doch fast ausschließlich negativ. Denn auch die vielen klasse Jungs die es gibt, werden damit ja in einen Topf geworfen. Das hat absolut nichts damit zu tun, dass ich etwas gegen Mädchen hätte, wie sollte ich auch, ich bin doch selber eines :-)


  • von Laura am 8. April 2009, 13:36 Uhr

    Ich finde den Artikel ganz interessant, auch wenn ich natürlich das ein oder andere anders sehe.
    Wir sind stolze Eltern von zwei Jungs. Mit Geschrei und Krankheiten etc. haben wir sicherlich nicht mehr zu tun als Mädcheneltern, aber ansonsten bin ich häufiger schier überwältigt, dass manches doch tatsächlich in den Genen stecken muss (Stichworte Auto, Ball).
    Nichtsdestotrotz bin ich davon überzeugt, dass vieles anerzogen ist - und wenn man sich noch so Mühe gibt, keine Klischees vorzuleben. Das passiert automatisch. Nicht nur zu Hause, sondern natürlich auch von der Gesellschaft, Werbung etc.
    Jeder, der schon mal Kinderklamotten gekauft hat, weiß, dass man für Mädchen (fast) nur rosa und Rüschen bekommt, und für Jungs (fast) nur Kleidung mit großen Applikationen (Zahlen, Fahrzeuge, ...). Es ist echt eine Kunst, die Jungs nicht schon wie kleine Racker anzuziehen; das regt mich manchmal echt auf!


  • von Andreas Möllenhoff am 4. Januar 2009, 13:34 Uhr

    Das einzige, was ich an diesem Artikel wirklich bemerkenswert finde, ist die so offensichtliche rote politische Einfärbung. Die längst überkommenen pseudowissenschaftlichen "Thesen" der 68er-Ideologen entpuppen sich doch jedem selbstdenkenden Menschen schnell als linkes Propagandamittel. Statt die natürlichen biologischen Gegebenheiten zu akzeptieren, kämpft für den geschlechtslosen sozialistischen Einheitsmenschen.


(19 Kommentare)

Kommentar schreiben »
Name
E-Mail

Kommentar (max. 1000 Zeichen)

Bild hochladen (optional)


* Bitte geben Sie eine gültige E-Mail Adresse ein. Diese wird später nicht auf unserer Seite zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink. Einfach anklicken und schon ist ihr Beitrag online.