Mädchen und Jungs
Der kleine Unterschied

Jungs und Mädchen verhalten sich häufig unterschiedlich - warum ist das so? Weil wir sie unterschiedlich behandeln. Aber es gibt auch genetische Gründe. Wie sich das im Alltag auswirkt, lesen Sie hier.

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Rosa oder Hellblau? Blumenröckchen oder Latzhose? Bagger oder Puppenwagen? Die eigene Zugehörigkeit zum jeweiligen Geschlecht entdecken, sich selber erkennen als Mädchen oder Junge - das sind wichtige Entwicklungsschritte, die man Kindern nicht vorenthalten kann. Um zu verstehen, wo sie hingehören, übertreiben sie im Alter zwischen drei und fünf die Geschlechterrolle: kein Kinderkostümfest ohne Tüll-Prinzessin und Sheriff mit angemaltem Bart. Eltern muss das nicht schrecken. Tüll und Knarre landen irgendwann in der Kiste auf dem Speicher - und die Kinder werden ihre eigene Geschlechterrolle finden. Frauen und Männer legen sich nicht mehr automatisch auf eine Rolle fest. Das können sie sich auch gar nicht leisten. "In unserer Gesellschaft werden Frauen und Männer benötigt", sagt die Pädagogikprofessorin Lilian Fried aus Dortmund, "die, wenn es darauf ankommt, sowohl fürsorglich als auch durchsetzungsfähig sein können."

Viele junge Eltern arbeiten bereits daran, Familie und Beruf zu vereinbaren, sie teilen sich viele Aufgaben. Wenn Kinder mit diesem Vorbild aufwachsen, gehen sie gut vorbereitet in die moderne Gesellschaft.

Wer kuschelt lieber?

Mädchen - wahrscheinlich, weil sie es beigebracht bekommen. Forscher sagen: Mit weiblichen Babys wird mehr gekuschelt, Mädchen bekommen mehr Streicheleinheiten als kleine Jungen. Offenbar werden Mädchen unbewusst zärtlicher behandelt, nicht nur von den Eltern, sondern auch von anderen Familienmitgliedern und Erwachsenen. Das kann der Grund dafür sein, dass manche Jungen, wenn sie älter werden, körperliche Zuwendung nicht ganz so gern annehmen.
Wer einen kleinen Kuschelmuffel zu Hause hat, kann versuchen, ihn unauffällig zu ködern: Mit Jungs kommt man leichter über das Toben zum Kuscheln. Kitzeln, balgen, sich gemeinsam ins Gras werfen – das mögen sie sehr.

Wer wirft mit Sand?

Jungs messen gern ihre Kräfte, Mädchen sind fürsorglich. Ein Vorurteil?
Nein, sagen Entwicklungsforscher: Mädchen und Jungen verhalten sich im Umgang mit anderen Kindern und beim Spielen tatsächlich unterschiedlich.
Untersuchungen zeigen: Mädchen bemühen sich eher, mit anderen gut auszukommen und sich zu verständigen, sie helfen auch schneller. Jungen benehmen sich häufiger angriffslustig, behaupten sich erfolgreicher.
Ein Erbe unserer Menschheitsgeschichte, das wir offensichtlich nicht so schnell loswerden: Der Mann eroberte neue Gebiete, stritt mit Widersachern, verteidigte Familie und Besitz. Frauen kümmerten sich um warmes Essen, Kleidung und gute Laune für alle.

Wer schreit lauter?

Von allen Babys, die in Schreiambulanzen vorgestellt werden, sind fast 70 Prozent Jungen. Ganz genau weiß niemand, woran das liegt. Die Anpassungsschwierigkeiten an das Leben außerhalb des Mutterleibes könnten damit zusammenhängen, dass das Nervensystem von Jungen bei der Geburt weniger ausgereift ist als von Mädchen. Bekannt ist auch, dass viele männliche Babys stressanfälliger sind als die meisten weiblichen: Sind sie einer leichten, aber andauernden Belastung (etwa durch Lärm) ausgesetzt, steigt ihr Kortisolspiegel stark an, bei den Mädchen erhöht sich die Menge dieses Stresshormons durch eine geringe Aufregung eher nicht.