KOMPAKT-THEMA:

Plötzlicher Kindstod
So schläft Ihr Baby sicher

Der plötzliche Kindstod oder auch SIDS ist die häufigste Todesart im ersten Lebensjahr eines Babys. Doch das individuelle Risiko ist für einen gesunden Säugling äußerst gering. Vor allem wenn Eltern ein paar simple Dinge beherzigen.

Plötzlicher Kindstod - So schläft Ihr Baby sicher
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Inhalt: 
Häufigkeit und Ursachen des plötzlichen KindstodsSo schläft Ihr Baby sicherEin Babyschlafsack ist idealVier unbewiesene Hypothesen über den plötzlichen Kindstod

Häufigkeit und Ursachen des plötzlichen Kindstods

Allein die Vorstellung, ihr Baby könnte eines Tages nicht fröhlich brabbelnd aufwachen, macht Mütter und Väter beklommen. In Deutschland wird die Furcht vor diesem Schicksalsschlag für etwa 160 Elternpaare pro Jahr bittere Realität. Ihr Säugling stirbt plötzlich und unerwartet an einem Phänomen, das Ärzte den plötzlichen Kindstod oder SIDS nennen, eine Abkürzung des englischen Fachbegriffs Sudden Infant Death Syndrom.
Der plötzliche Kindstod ist die häufigste Todesart bei Babys im ersten Lebensjahr und kommt ganz vereinzelt auch noch im zweiten Lebensjahr vor. Doch das individuelle Risiko ist für einen gesunden Säugling zum Glück sehr gering. Dabei beträgt das Verhältnis Jungen zu Mädchen 3 : 2. Meist trifft es Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten, mit einer Häufung zwischen der fünften und elften Lebenswoche.
Die genauen Ursachen für den stillen Tod, der stets im Schlaf kommt, ist noch immer unbekannt. Zwar diskutieren Wissenschaftler verschiedene Hypothesen, aber keine ist bislang bewiesen. Diese Unklarheit macht es für Eltern nicht leichter, mit den Ängsten umzugehen, die dieses Thema anrührt - vor allem, wenn bereits ein Kind in der Familie oder im Freundeskreis betroffen war. Da ist es gut zu wissen, dass Wissenschaftler sich einig sind, dass sich der plötzliche Kindstod durch einfache Schutzmaßnahmen verhüten lässt.

So schläft Ihr Baby sicher

Es sind einige Risikofaktoren bekannt, die den plötzlichen Kindstod provozieren können. Eltern können diese weitgehend minimieren, beziehungsweise sogar ausschalten. Die Deutsche Gesellschaft der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt:

Babys lieben Nichtraucher. Säuglinge sollten sowohl vor als auch nach ihrer Geburt in einer rauchfreien Umgebung aufwachsen. Rund 40 Prozent der plötzlich verstorbenen Säuglinge stammen aus Raucherhaushalten. Für Neuseeland wurde berechnet, dass die Kindstodrate sich um 26 Prozent verringern könnte, wenn rauchende Mütter ihre Kinder nicht bei sich im Bett schlafen lassen würden.
Die Atemwege der Kinder von rauchenden Müttern sind oft vorbelastet und ihr Immunsystem ist schwächer. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) machten Forscher eine interdisziplinäre Untersuchung an 17 Universitäten und zwei regionalen Instituten in Deutschland. Sie analysierten bis zum Oktober 2001 fast 500 Fälle von plötzlichem Kindstod und verglichen sie mit den Daten von 1.100 gesunden Kontrollkindern. Aus den Daten filterten die Wissenschaftler die bedeutendsten heraus: Das Risiko für SIDS steigt demnach um das sechsfache, wenn das Baby im Bett der Eltern schläft und die Mutter Raucherin ist. Rauchte sie bereits während der Schwangerschaft steigt das Risiko um das dreifache.
Tipp: Es fällt vielen Menschen nicht leicht, mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchende Schwangere und Mütter bekommen unter der Telefonnummer 0180/ 50 99 555 (12 Cent pro Minute) Informationen und Hilfe. Persönlich sind Berater Dienstags, Mittwochs, Donnerstags von 8 bis 10 Uhr zu sprechen, sowie am Dienstag Nachmittag von 16 bis 18 Uhr.

Auf dem Rücken schlafen Säuglinge am gesündesten. Eltern, deren Baby vom plötzlichen Kindstod betroffen ist, finden es meist auf dem Bauch liegend und stark verschwitzt. Sein Gesichtchen hat es oft mit der Bettecke, dem Kissen, einem Schmusetuch oder Stofftier bedeckt. Möglicherweise atmen die betroffenen Kinder das ausgeatmete Kohlendioxid dadurch wieder ein und werden somit bewusstlos. Es ist noch ungeklärt, warum bei diesen Kindern die lebensrettende Schnappatmung nicht oder nicht ausreichend einsetzt.
Zum Glück ist es einfach, Babys vor dieser Situation zu schützen: Am besten schlummert Ihr Baby im ersten Lebensjahr ohne Kopfkissen auf dem Rücken liegend auf einer festen luftdurchlässigen Matratze. Das Schlafen in Bauchlage erhöht das Risiko für SIDS dagegen um das sechsfache. Auch beim Schlafen in Seitenlage ist das Risiko noch erhöht.
Eine Ausnahme gibt es allerdings: Babys, die zu früh auf die Welt kommen und mit dem selbstständigen Atmen noch Mühe haben, liegen in ihren ersten Lebenswochen besser auf dem Bauch. Sie sollten spätestens eine Woche vor der Krankenhausentlassung auf dem Rücken zum Schlafen gelegt werden. Denn gerade bei Frühgeborenen ist die Bauchlage dann mit einer besonders starken Erhöhung des SIDS-Risikos behaftet.

Ein Babyschlafsack ist ideal

Damit ihr Baby sich Decke, Kissen, Schmusefell, Stofftier oder Schmusetuch gar nicht erst über das Gesicht ziehen kann, sollten diese Dinge im ersten Lebensjahr nicht im Kinderbett liegen. Ein Babyschlafsack ist eine ideale Alternative zu einer Bettdecke. Möglicherweise ist die extrem niedrige Kindstodrate in Holland vor allem auf die dort übliche Verwendung von Schlafsäcken zurückzuführen. Ein unter die Bettdecke rutschen des Gesichtes ist damit unmöglich. Der Babyschlafsack hat zudem den großen Vorteil, dass es älteren Babys schwer fällt, sich damit im Schlaf auf den Bauch zu drehen.

Das Babybett ins Elternschlafzimmer stellen. Eltern schützen ihr Baby auch, wenn sie es im ersten Lebensjahr im elterlichen Schlafzimmer aber im eigenen Bettchen schlafen lassen. Aus Neuseeland wurde 1996 erstmals berichtet, dass das SIDS-Risiko für Kinder, die im eigenen Bett, aber im gleichen Zimmer wie die Eltern schliefen, im Vergleich zu allein schlafenden Kindern auf ein Fünftel reduziert war. Diese Daten wurden kürzlich in einer englischen Untersuchung bestätigt: dort hatten allein schlafende Kinder gegenüber solchen, die bei ihren Eltern im Zimmer schliefen, sogar ein zehnfach erhöhtes SIDS-Risiko. Dabei ist es indessen kein Problem, mit dem Baby noch im Elternbett zu kuscheln, es zu stillen und dort auch einschlafen zu lassen. Aber anschließend sollte es auf jeden Fall in seinem eigenen Bett schlafen.
Warum diese einfache Maßnahme vor dem plötzlichen Kindstod schützt, ist noch nicht klar. Wissenschaftler vermuten zwei Einflussfaktoren: zum einen könnte es sein, dass die Eltern rechtzeitig aufwachen, weil sie über ganz feine, unbewusste "Antennen" im Schlaf wahrnehmen, dass etwas mit ihrem Kind nicht stimmt. Und: die Temperaturbedingungen für das Baby sind vermutlich gesünder. Denn viele Eltern neigen dazu, ihr Kind zu warm einzupacken und das Babyschlafzimmer zu sehr zu heizen.

Säuglinge mögen es nicht zu warm. Die optimale Raumtemperatur in Babys Schlafzimmer liegt bei 16 bis 18 Grad Celsius. Denn Babys, die Opfer des plötzlichen Kindstods werden, haben möglicherweise Probleme mit der Wärmeregulation - vermutlich hemmt die Überwärmung dann ihren Atemantrieb. Sowohl in der neuseeländischen als auch in zwei britischen Studien war ein Zudecken der Kinder mit stark wärmedämmenden Decken daher mit einem signifikant erhöhten SIDS-Risiko verbunden. Auch wenn das Schlafzimmer des Kindes über Nacht geheizt wird oder es im Schlaf eine Mütze trägt, steigt das Risiko, denn Säuglinge können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren.
Weil Lammfelle sehr wärmen, sollten sie deshalb zur Sicherheit nicht im Bettchen, sondern nur beim winterlichen Spaziergang oder als Kälteschutz auf Steinfußböden zum Einsatz kommen. Und auch wenn Eltern und Kind das Familienbett als kuschelig und geborgen empfinden, so wird es hier für ein Baby häufig zu warm. Ob Ihrem Baby zu heiß ist, spüren Sie, wenn Sie die Haut zwischen seinen Schulterblättern fühlen. Ist diese Stelle angenehm warm und schwitzt ihr Kind hier nicht, ist alles in Ordnung.

Stillen macht kleine Menschen stark. Muttermilch scheint vor SIDS zu schützen. Dieser Effekt wird darauf zurück geführt, dass gestillte Kinder einen besseren Immunschutz aufbauen und dadurch seltener und weniger schwere Infektionen der oberen Atemwege durchmachen. Weil diese die Atmung behindern, könnten sie gemeinsam mit anderen Risikofaktoren den plötzlichen Kindstod initiieren.

Vier unbewiesene Hypothesen über den plötzlichen Kindstod

Es steht fest, dass sich das Risiko entscheidend durch die oben beschriebenen Präventionsmaßnahmen senken lässt. Immer wieder geistern aber Thesen zur Ursachenforschung durch die Presse, die Eltern meist mehr verunsichern als dass sie nutzen:

Keine Angst vor Impfungen. Leider trifft der erste Häufigkeitsgipfels des plötzlichen Säuglingstodes zwischen dem 2.-4. Lebensmonat zeitlich mit den ersten Impfzeitpunkten zusammen. Manche Eltern fürchten daher, dass Impfen den Plötzlichen Säuglingstod auslösen könnte. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) hat sich nach gründlicher Analyse klar gegen diese Annahme positioniert und geht davon aus, dass kein erhöhtes Risiko erkennbar ist. Ähnlich hat sich die Akademie für Kinderheilkunde geäußert. Und in einer englischen Studie wurde sogar nachgewiesen, dass geimpfte Säuglinge ein geringeres SIDS-Risiko hatten als noch nicht geimpfte Säuglinge. Eine amerikanische Untersuchung zum Pneumokokkenimpfstoff ergab das gleiche Ergebnis.
Impfgegner sollten sich klar machen, wie der natürliche Verlauf von Krankheiten sein kann, gegen die heute geimpft werden kann. Eine Infektion mit dem Tetanus-Erreger verläuft beispielsweise zu hundert Prozent tödlich, wenn sie ausbricht. An den Spätfolgen von Kinderlähmung leiden heute noch 70jährige, weil sie nicht durch die Impfprogramme geschützt wurden. Um Komplikationen bei der Impfung zu vermeiden, sollten Eltern mit ihrem Kinderarzt vor jeder Spritze nach den wenigen Kontraindikationen und nach Hinweisen für akute Infekte fahnden. Gemeinsam mit dem Kinderarzt können sie dann den günstigsten Zeitpunkt für die Impfung finden.

Das Bakterium Helicobacter Pylori. Das Bakterium Helicobacter Pylori kann Magengeschwüre auslösen und ist mit einem Antibiotikum gut behandelbar. Dass es auch für den plötzlichen Kindstod verantwortlich sein könnte, ist eine unbewiesene Hypothese. Deren Grundlage ist eine Forschungsarbeit, die Dr. Jonathan Kerr an der Universität Manchester 1999 durchgeführt hat. Er hat 32 plötzlich verstorbene Babys untersucht und bei 28 von ihnen Hinweise auf eine Infektion mit dem Bakterium gefunden. Bei acht gesunden Kindern seiner Kontrollgruppe, fand er nur bei einem entsprechende Hinweise. Eine Studie mit so wenigen Fallzahlen hat jedoch keinen Aussagewert.

Schnullern. Das SIDS-Risiko für Kinder, die nie einen Schnuller bekommen haben, scheint nicht höher zu sein als das von Kindern, die einen Nucki bekommen. Dennoch wird dem Schnullern immer wieder ein schützender Effekt zugeschrieben. Allerdings sind die Daten dazu bislang noch unklar, so dass keine eindeutige Empfehlungen gegeben werden kann. Möglicherweise haben Schnuller einen protektiven Einfluss. Aber weil an ihnen Keime gut haften können, erhöhen sie wiederum auch das Risiko für das Auftreten von Infekten der oberen Atemwege.

Wetterwechsel. Im Winter sterben doppelt so viele Kinder am plötzlichen Kindstod wie im Sommer. Es ist unklar, warum das so ist. Eine Studie von Gisela Molz vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich will einen Zusammenhang zwischen dem plötzlichen Kindstod und der Wetterlage nachgewiesen haben. Von 728 untersuchten Fällen von Kindstod in der Schweiz traten laut Gisela Molz 94 Prozent auf, nachdem sich die Außentemperatur über Nacht um mehrere Grad Celsius erhöht hatte. So herrschten am 11. Januar 1991 Wetterverhältnisse wie im Frühling und innerhalb weniger Stunden starben drei Babys in der Region Zürich. Zum selben Zeitpunkt war im nur 150 Kilometer entfernten Freiburg ein weiteres Baby betroffen. Gisela Molz brachte diese Beobachtung mit der Hypothese in Verbindung, dass Säuglinge einen raschen Temperaturanstieg vor allem im Winter nicht gut genug ausgleichen können und daraufhin überhitzen.
Allerdings fehlt eine statistische Auswertung dieser Beobachtungen. Solange das nicht geschehen ist, kann aus den Beobachtungen keine wissenschaftliche Einschätzung gezogen werden. Denn die Babys können auch rein zufällig zum gleichen Zeitpunkt gestorben sein.

Hier finden Eltern weitere Hilfe

Seit gut zwei Jahren gibt es ein bundesweites Info- und Beratungstelefon zur Prävention des Plötzlichen Kindstods. Unter 0180/ 50 99 555 (12 Cent pro Minute) bekommen Eltern per Bandansage rund um die Uhr Information zum gesunden Babyschlaf. Eine persönliche telefonische Beratung von Kinderärzten erhalten sie jeden Donnerstag (außer an Feiertagen) zwischen 18.30 und 20.30 Uhr.

Rauchende Schwangere und Mütter finden ebenfalls unter der Telefonnummer 0180/ 50 99 555 (12 Cent pro Minute) Information und Unterstützung. Persönlich sind die Ärzte Dienstags, Mittwochs, Donnerstags von 8 bis 10 Uhr zu sprechen, sowie am Dienstag Nachmittag von 16 bis 18 Uhr.

GEPS - Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod. Rheinstraße 26, 30519 Hannover, Tel./ Fax.: 0511/ 8386202, email: geps-Deutschland@t-online.de

www.babyschlaf.de

www.babyhilfe-deutschland.de

Von:Sabine Laerum
Fachliche Beratung:
Professor Dr. med. Christian Poets
Tübinger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie und Neonatologische Intensivmedizin