Allergien vorbeugen
Lass es Dir schmecken, Baby!

Hier mal am Zwieback lutschen, da mal von Papas Himbeereis kosten oder von Mamas Kürbissuppe - das macht Babys nicht nur Spaß, es wappnet sie offenbar auch gegen Allergien. Wir haben für Dich das Wichtigste aus der aktuellen deutschen "Leitlinie zu Allergieprävention 2014" zusammengestellt.

Inhalt: 
Wer steht hinter dieser Kehrtwende bei den Ernährungs-Empfehlungen?Was gilt für Schwangere und Mütter in der Stillzeit?Welche Milch für nicht gestillte Babys?Was ist mit Fisch?Sind glutenhaltige Lebensmittel für Babys schädlich?Und wie ist es mit Fingerfood statt Brei für Babys?Wo kann ich mehr über die Empfehlungen lesen?
Allergien vorbeugen: Lass es Dir schmecken, Baby!

Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass bestimmte Nahrungsmittel Allergien fördern.Während der Schwangerschaft und Stillzeit und bei kleinen Essanfängern galten deshalb viele und strenge Regeln – angefangen bei Eiern, Kuhmilch und Milchprodukten, über Weizen und Nüsse bis hin zu Karotten, Sellerie und Fisch. Jetzt gehen Experten vom Gegenteil aus und propagieren einen frühen Kontakt mit verschiedenen Lebensmitteln – und zwar mit dem Ziel, Allergien zu verhindern. Der Gedanke, der dahinter steht: Der frühe Kontakt (auch im Mutterleib und später dann über die Muttermilch) mit kleinen Mengen verschiedener Lebensmittel führt dazu, dass sich der Körper an diese Nahrungsmittel gewöhnt und sie toleriert. Für Eltern heißt das: Sie können ihr Baby ganz entspannt an die meisten der Nahrungsmittel herausführen, die sie selbst essen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer steht hinter dieser Kehrtwende bei den Ernährungs-Empfehlungen?

Wer steht hinter dieser Kehrtwende bei den Ernährungs-Empfehlungen?
Die Ernährungs-Leitlinien 2014 sind unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie, dem Ärzteverband Deutscher Allergologen und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin erarbeitet worden.

Was gilt für Schwangere und Mütter in der Stillzeit?

Was gilt für Schwangere und Mütter in der Stillzeit?
Im Hinblick auf Allergien keine Ernährungseinschränkungen mehr für werdende Mütter und Frauen in der Stillzeit. Stillen bleibt wichtig, die Vollstillzeit kann jedoch kürzer sein: Muttermilch ist weiterhin die beste bekannte Babynahrung für die ersten vier Monate. Es gibt aber keine Belege dafür, dass längeres Vollstillen – bisher waren sechs Monate empfohlen – den Ausbruch von Allergien verhindert. Die WHO empfiehlt weiterhin volles Stillen bis Ende des sechsten Lebensmonats. Dies gilt vor allem für Entwicklungsländer, in denen es schwierig ist, sauberes Trinkwasser zu bekommen. Dort ist Muttermilch der beste Schutz von lebensgefährlichen Durchfällen bei Babys.
Beikost und Probierportionen dürfen also mit Beginn des fünften Monats eingeführt werden.

Welche Milch für nicht gestillte Babys?

Welche Milch für nicht gestillte Babys?
Für viele Babys, die nicht gestillt werden, geht auch normale Anfangsnahrung im Fläschchen. Nur Risikokinder sollten in den ersten vier Monaten hypoallergene Nahrung (HA-Milch) bekommen, bei der die Eiweißbestandteile so klein gespalten sind, dass sie vom Körper nicht als Allergene erkannt werden. Risiko heißt, dass mindestens ein Elternteil oder Geschwister Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis hat.

Was ist mit Fisch?

Was ist mit Fisch?
Stillende Mütter und Babys dürfen Fisch essen. Bisher stand das gesunde Lebensmittel unter Allergie-Generalverdacht. Neue Forschungen legen nahe, dass Fisch in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und als Beikost im ersten Lebensjahr sogar einen allergieverhütenden Effekt haben kann.

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Sind glutenhaltige Lebensmittel für Babys schädlich?

Sind glutenhaltige Lebensmittel für Babys schädlich?
Nein, im Gegenteil: Glutenhaltige Nahrungsmittel aus Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Dinkel können – zwischen dem fünften und siebten Lebensmonat in kleinen Mengen gefüttert – wie eine Impfung gegen Zöliakie wirken. Bei der genetisch bedingten Krankheit reagiert der Darm auf den Eiweißbaustein Gluten mit Entzündungen. Zur Vorbeugung einen Löffel Getreideflocken in Gemüse- oder Obstbreie rühren, dem Baby eine Zwiebackecke, etwas Keks oder ein Brotstückchen zum Lutschen anbieten – wird bestimmt gern genommen.

Und wie ist es mit Fingerfood statt Brei für Babys?

Und wie ist es mit Fingerfood statt Brei für Babys?
Die Methode, die auch "Baby-led Weaning" (vom Baby geführte Entwöhnen) genannt wird, ist aus Allergie-Sicht kein Problem, kleine Kostproben von ganz verschiedenen Lebensmitteln scheinen den Körper eher vor Allergien zu schützen. Ernährungswissenschaftler raten allerdings davon ab, ein Baby strikt nur essen zu lassen, was es mit den Fingern erwischt und in in den Mund steckt. Es besteht die Gefahr, dass es zu einem Nährstoffe und Energie abbekommt. Besser: Fingerfood und Brei kombinieren. Hier gibt' mehr Infos zum "Baby-led Weaning": Kann ein Baby selbst entscheiden, was es isst?

Wo kann ich mehr über die Empfehlungen lesen?

Allergien vorbeugen: Lass es Dir schmecken, Baby!

Wo kann ich mehr über die Empfehlungen lesen?
Zum Beispiel im Buch "Allergien vorbeugen" von Dr. Imke Reese und Christiane Schäfer, systemed Verlag, 9,99 Euro. Imke Reese ist Ernährungswissenschaftlerin und Mitautorin der "Leitlinie zu Allergieprävention 2014".

Von:Benita Wintermantel