Schadstoffe in Schnullern
Wie gefährlich ist Bisphenol A in Schnullern?

Kann ich meinem Baby noch einen Schnuller geben? - Das fragen sich viele Eltern, seit in einer Studie der Umweltorganisation BUND das als gefährlicher Schadstoff geltende Bisphenol A in Schnullern festgestellt wurde. Erst mal: Bitte keine Panik! Eltern.de hat die wichtigsten Informationen zu Bisphenol A zusammengestellt.

Was ist Bisphenol A?

Bisphenol A ist eine vielproduzierte Alltagschemikalie. Die Substanz kann in Gegenständen aus Plastik enthalten sein, wie zum Beispiel in Babyfläschchen, Trinkbecher oder Plastikgeschirr.

Was steht in der Studie von BUND und Global 2000 zu Bisphenol A in Schnullern?

In zehn Schnullern von namhaften Herstellern, wie Avent, Babylove, Babysmile, Baby-nova, Dentistar, MAM und NUK wurde in der Untersuchung Bisphenol A (BPA) festgestellt. Vor allem die Plastikschildchen, die den Schnuller halten, sind damit belastet. Das ist einleuchtend, weil die Schildchen aus Polycarbonat-Kunstoff bestehen, für dessen Herstellung Bisphenol-A verwendet wird. Nicht so schlimm? - Die Babys nuckeln ja nicht am Schildchen, sondern am Sauger. Aber auch die Sauger sind belastet. Und das ist überraschend. Denn: Sauger sind aus Latex oder Silikon. Bei der Herstellung wird kein BPA verwendet. Wie kommt also das Bisphenol A in den Sauger? Der BUND geht davon aus, dass die Chemikalie von den Plastikschildchen in den Sauger wandern kann.

Wie wirkt Bisphenol A auf den Körper?

Bisphenol A hat eine ähnliche Wirkung, wie das weibliche Hormon Östrogen. Es wird im menschlichen Körper schnell in ein Stoffwechselprodukt umgewandelt, verliert dadurch seine hormonelle Wirkung und wird schnell wieder ausgeschieden.

Ist Bisphenol A gefährlich?

Das kommt auf die Konzentration an. Die europäische Gesundheitsbehörde EFSA geht davon aus, dass eine lebenslange tägliche Aufnahme von 0,05 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht unbedenklich ist. Ein Baby wiegt ungefähr vier Kilogramm und könnte somit 0,2 Milligramm pro Tag aufnehmen.
Die Konzentration in den Saugteilen lag laut BUND zwischen 80 und 400 Milligramm je Kilogramm Latex oder Silikon. Das hört sich nach sehr viel an. Ein Sauger wiegt aber nur ungefähr 2 Gramm. So befinden sich also in den Saugern zwischen 0,16 und 0,8 Milligramm Bispenol A.
Um einschätzen zu können, wie gefährlich Schnuller für Babys und Kleinkinder wirklich sind, muss erst geklärt werden in welchen Mengen Kinder Bisphenol A beim Nuckeln aufnehmen. Würde beim ersten Nuckeln gleich das ganze Bisphenol A abgegeben, dann lägen die untersuchten Schnuller über dem zugelassenen Grenzwert. Würde aber nur ein Teil des Bisphenol A nach und nach abgegeben, wären die Gehalte nach der EFSA unbedenklich.

Warum wird Bisphenol A in Schnullern nicht verboten?

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) "besteht keine akute gesundheitliche Gefährdung durch die Aufnahme von Bispenol A". Das staatliche BfR ist dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zugeordnet. Es hat den Auftrag die Bevölkerung über Risiken in Lebensmitteln, Stoffen und Produkten zu informieren. Seit bekannt werden der Studie von BUND und Global 2000 führt das Institut eigene Untersuchungen zum Bisphenolgehalt in Schnullern durch. Bei den bis jetzt durchgeführten Tests liegen die Bisphenol A-Werte um das 10-fache unter denen von Global 2000. Außerdem untersuchen sie, wie viel Bisphenol A Babys beim Nuckeln wirklich aufnehmen. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird das BfR die Bevölkerung informieren, ob BPA in Schnullern für die Gesundheit von Babys gefährlich ist. Sobald dies der Fall ist, werden wir bei eltern.de darüber berichten.

Was sagen die Hersteller?

Eltern.de hat auch bei den Herstellern nachgefragt, was sie zu den Ergebnissen der Studie sagen. Die meisten sind von den Ergebnissen der Studie erstaunt und wollen ihre Silikon und Latex-Saugteile in unabhängigen Labors testen lassen. Damit sich Eltern ganz sicher fühlen können, wollen viele Hersteller die Schnullerschildchen nicht mehr aus Bisphenol A-haltigen Kunststoff herstellen - egal, was die Tests sagen.

Lesen Sie hier die einzelnen Stellungnahmen der Hersteller
zur Stellungnahme von NUK
zur Stellungnahme von Avent
Zur Stellungnahem von dm
zur Stellungnahme von Baby-Nova

Von:Michaela Müller