KOMPAKT-THEMA:

Impfung
Vor diesen Krankheiten können Sie Ihr Kind schützen

Von Diphterie bis Röteln: Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut, die sich aus namhaften Immunologen zusammensetzt, gibt jedes Jahr eine aktualisierte Impfempfehlung für Kinder heraus. Hier finden Sie Informationen zu den Krankheiten und welche Impfungen die STIKO für Kinder und Jugendliche empfiehlt.

Baby impfen
© Thinkstock - Jovanmandic
Inhalt: 
DiphtherieTetanus (Wundstarrkrampf)KeuchhustenKinderlähmung (Poliomyelitis)HIB (Haemophilus influenzae Typ b)Hepatitis BMasernMeningokokken und PneumokokkenMumpsRötelnWindpocken

Diphtherie

Symptom dieser Krankheit ist Atemnot, die lebensbedrohend werden kann: 1960, vor Beginn der Impfungen gab es in Deutschland jährlich 5.751 Diphtherie-Fälle mit 101 Toten. Heute kommt die Krankheit hierzulande kaum noch vor. Da aber Diphtherie in anderen Ländern der Welt, vor allem in Osteuropa, noch stark verbreitet ist, kann sie auch in Deutschland jederzeit wieder eingeschleppt werden. Vor allem Erwachsene sind gefährdet, da sie häufig nicht daran denken, dass ein sicherer Impfschutz nur gegeben ist, wenn alle zehn Jahre eine Auffrischungsimpfung erfolgt. Es gibt verschiedenen Formen der Diphtherie, die auch unterschiedlich übertragen werden. Die häufigste Form ist die Rachen- und Kehlkopfdiphtherie, die durch Husten und Niesen übertragen wird. Die Nasendiphtherie - an der vor allem Säuglinge erkranken - wird über blutigen Schnupfen übertragen. Die Kutane Diphtherie wird übertragen, wenn die Bakterien auf eine offene Wunde geraten.

So können Sie Ihr Kind schützen: Die Impfung besteht aus vier Teilimpfungen. Die erste Impfung wird mit Ende des zweiten Lebensmonats, die zweite am Ende des dritten Monats, die dritte am Ende des vierten Monats und die letzte am Ende des ersten Lebensjahres gegeben. Die Impfung sollte im Vorschulalter, im Alter von neun bis 17 Jahren und danach alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Die Sporen des Wundstarrkrampf-Erregers leben in der Erde und gelangen bei Verletzungen in den Körper. Auch über kleinste Verletzungen, zum Beispiel ein Stich mit einem Holzsplitter oder einem Dorn, kann eine Infektion verursacht werden. Wundstarrkrampf lähmt die Muskeln. Wenn er eintritt, überleben nur 50 von 100 Betroffenen. Weltweit sterben jedes Jahr über eine Million Menschen an dieser Erkrankung, in Deutschland kommt sie wegen sehr hoher Impfraten jedoch nur sehr selten vor.

So können Sie Ihr Kind schützen: Eine Impfung ist gerade für Kinder sehr wichtig, da sie draußen spielen und häufig kleinere Verletzungen haben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für Säuglinge und Kleinkinder vier Teilimpfungen, die am Ende des zweiten Lebensmonats beginnen und am Ende des 14. Lebensmonats abgeschlossen sein sollten. Im Alter von fünf bis sechs und neun bis 17 Jahren sollte die Impfung noch einmal aufgefrischt werden. Anschließend genügt eine Auffrischung alle zehn Jahre.

Keuchhusten

In Deutschland starben Anfang des 20. Jahrhunderts noch jedes Jahr mehr als 20.000 Kinder an der Infektion. Nach Einführung der Impfung sind die hohen Erkrankungszahlen stark zurückgegangen, trotzdem treten immer noch Erkrankungswellen auf. Für Babys kann diese Krankheit lebensgefährlich werden. Die gefährlichste Komplikation ist eine Gehirnerkrankung, meist verursacht durch den Sauerstoffmangel während der Husten-Anfälle. Zu Beginn dieses Jahrhunderts zeichnet sich ab, dass zunehmend junge Erwachsene betroffen sind, so dass die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Auffrischungsimpfung im Alter von neun bis 17 Jahren empfiehlt. Keuchhusten wird durch Husten und Niesen übertragen, die Bakterien werden sehr leicht weitergegeben.

So können Sie Ihr Kind schützen: Die Impfung besteht aus vier Teilimpfungen. Die erste Impfung wird zum Ende des zweiten Lebensmonats gegeben, die letzte Teilimpfung gegen Ende des ersten Lebensjahres. Eine Auffrischungsimpfung sollte zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr - am besten zeitgleich mit der U9 - und im Alter von neun bis 17 Jahren erfolgen. Die STIKO empfiehlt auch allen Frauen mit Kinderwunsch sowie engen Kontaktpersonen zu Säuglingen eine Impfung, um eine Gefährdung des Neugeborenen zu verhindern.

Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Jeder der drei Typen des Poliovirus greift die Nerven an. Polioviren können Lähmungen auslösen, besonders gefürchtet sind Lähmungen der Atemmuskulatur: Die Betroffenen brauchen oft lebenslang künstliche Beatmung. Noch 1961, im ersten Jahr nach Beginn der Massenimpfungen, gab es in der Bundesrepublik 4.673 Polio-Fälle. 305 Kinder starben an der Krankheit. Dank Schluckimpfung traten in Deutschland seit 1990 keine Polio-Fälle durch das Wildvirus mehr auf. Die Schluckimpfung enthielt abgeschwächte Lebendviren, die jedes Jahr in ein bis zwei Fällen zu einer Impf-Polio geführt haben. Der heute verwendete Totimpfstoff ist aber sehr sicher und nebenwirkungsarm. Im Jahr 2002 hat die WHO ganz Europa für poliofrei erklärt, in einigen Ländern Asiens und Afrikas kommt die Erkrankung aber noch recht häufig vor.

So können Sie Ihr Kind schützen: Die STIKO empfiehlt die erste Teilimpfung gegen Ende des zweiten Lebensmonats. Die letzte Teilimpfung erfolgt im Alter von elf bis 14 Monaten. Im Alter von neun bis 17 Jahren sollte die Impfung noch einmal aufgefrischt werden. Bei Reisen in Endemiegebiete, das heißt in Regionen, in denen Polio-Erkrankungen noch auftreten, wird von der STIKO ebenfalls eine Auffrischungsimpfung empfohlen.

HIB (Haemophilus influenzae Typ b)

Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b verursacht Hirnhautentzündung (Meningitis), Kehlkopfentzündung (Epiglottitis) und Gelenkschäden. Hirnhautentzündungen können bleibende geistige Behinderungen nach sich ziehen: Bei fast einem Drittel der Kinder muss mit Sprachstörungen, Hörstörungen und Krampfanfällen gerechnet werden. Die Bakterien werden durch Husten und Niesen übertragen. Eine Übertragung ist auch über Gegenstände möglich. Hirnhautentzündungen zeigen sich in hohem Fieber, Erbrechen, Krämpfen und Kopfschmerzen. Kehldeckelentzündungen verursachen ebenfalls hohes Fieber, begleitet von Schluckbeschwerden und Atemnot.

So können Sie Ihr Kind schützen: Die Impfung besteht aus mehreren Teilimpfungen. Die Grundimmunisierung sollte am Ende des zweiten Lebensmonats beginnen und zwischen dem elften und vierzehnten Monat abgeschlossen sein.

Hepatitis B

Schätzungsweise 50.000 Menschen infizieren sich in Deutschland jedes Jahr mit Hepatitis B. 150 bis 200 Menschen sterben an der akuten Erkrankung, über 1.000 an den Folgen (Leberzirrhose, Leberkrebs). Bis 1995 wurde die Hepatitis-B-Impfung nur Menschen mit einem besonderen Infektionsrisiko empfohlen. Aufgrund der hohen Neuinfektionszahlen wurde diese Strategie von der Ständigen Impfkommission (STIKO) jedoch geändert. Sie empfiehlt die Impfung seither für alle Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Hepatitis-B-Viren (HBV) können sich in allen Körperflüssigkeiten befinden und werden hauptsächlich auf sexuellem Weg übertragen. Wenn Schwangere infiziert sind, können sie die Infektion während der Schwangerschaft und Geburt auf das Kind übertragen. Dies betrifft jedes Jahr ungefähr 3.000 bis 6.000 Kinder, wobei eine in diesen Fällen vorgesehene Simultanimpfung mehr als 95 Prozent der drohenden HBV-Infektionen verhindert.

So können Sie Ihr Kind schützen: Die Impfung besteht aus vier Teilimpfungen, die gegen Ende des zweiten, dritten, vierten Monats und zwischen dem elften und vierzehnten Monat gegeben werden. Jedes Jahr werden in Deutschland 3.000 bis 6.000 Kinder von Hepatitis B infizierten Müttern geboren. Aus diesem Grund sollten sich schwangere Frauen ab der 32. Schwangerschaftswoche auf Hepatitis B untersuchen lassen. Eine Infektion der Kinder kann fast immer verhindert werden, wenn das Neugeborene sofort nach der Geburt sowohl eine passive als auch eine aktive Impfung erhält.

Masern

Weltweit sterben jedes Jahr mehr als eine halbe Million Menschen an Masern und bei fast sechs Millionen entstehen nach einer Erkrankung Folgeschäden. In Deutschland ist mit dem Anstieg der Masernimpfraten seit dem Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Erkrankungshäufigkeit deutlich zurückgegangen. Da die Durchimpfung jedoch regional sehr unterschiedlich ausfällt, kann es bei regional niedrigen Impfraten auch weiterhin zu räumlich begrenzten Ausbrüchen kommen. Masern-Viren werden durch Husten und Niesen übertragen. Fast jeder Kontakt mit einem Erkrankten führt zu einer Ansteckung, da die Viren sehr leicht übertragbar sind. Bei fünf bis zehn Prozent der erkrankten Kinder kommt es zu Komplikationen, beispielsweise zu einer Lungen- oder Mittelohrentzündung. Bei etwa einem von 1000 Patienten tritt eine Hirnhautentzündung auf.

So können Sie Ihr Kind schützen: Sie können Ihr Kind durch eine zweimalige Impfung wirksam gegen Masern schützen. Die erste Teilimpfung sollte im elften bis 14. Lebensmonat gegeben werden. Die Impfung sollte nicht früher erfolgen, da viele Kinder im ersten Lebensjahr noch durch die Antikörper der Mutter, die während der Schwangerschaft auf das Kind übertragen worden sind, geschützt sind. Dieser so genannte Nestschutz besteht gegen Ende des ersten Lebensjahres nicht mehr, weil die Antikörper dann abgebaut worden sind. Dies gilt auch für gestillte Kinder. Ein sicherer Schutz besteht erst nach der zweiten Impfung, die frühestens vier Wochen nach der ersten und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres gegeben werden sollte. Der Impfstoff ist sehr gut verträglich. In sehr seltenen Fällen treten die so genannten Impfmasern auf, die jedoch sehr leicht verlaufen und nicht ansteckend sind.

Meningokokken und Pneumokokken

Diese Bakterien können schwere, zum Teil sogar lebensbedrohliche Krankheiten auslösen - Meningokokken zum Beispiel Hirnhautentzündung und Blutvergiftung. Von Pneumokokken kann man ebenfalls Hirnhautentzündung bekommen, außerdem Bronchitis sowie Entzündungen der Lunge, des Mittelohrs und der Nebenhöhlen. Neben älteren Menschen sind insbesondere Säuglinge und Kleinkinder gefährdet. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte die Impfung in Deutschland zunächst nur für bestimmte Risikogruppen empfohlen. Aufgrund der Schwere der Erkrankung, der häufigen Komplikationen und der hohen Sterblichkeit hat die STIKO nach sorgfältiger Prüfung der Erfahrungen anderer Länder und der Situation in Deutschland ihre Impfempfehlungen 2006 erweitert.

So können Sie Ihr Kind schützen: Seit Juli 2006 umfassen die Impfempfehlungen eine einmalige Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder ab dem vollendeten 12. Lebensmonat. Die Impfung gegen Pneumokokken wird für alle Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat empfohlen. Hier sind zur vollständigen Immunisierung vier Impftermine notwendig - sie können zeitgleich mit den anderen empfohlenen Impfungen wahrgenommen werden. Aufgrund langjähriger Erfahrungen und sorgfältiger Prüfungen des Impfstoffes können Eltern davon ausgehen, dass die Impfung sehr gut verträglich und nebenwirkungsarm ist. In der Regel werden die Kosten für die von der STIKO empfohlenen Standardimpfungen für Säuglinge und Kleinkinder von den Krankenkassen übernommen. Für die Meningokokken und Pneumokokken-Impfungen für Kleinkinder steht eine einheitliche Regelung jedoch noch aus. Eltern sollten deshalb vorsichtshalber bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob die Kosten übernommen werden.

Mumps

Die Ansteckungsrate bei Mumps liegt bei ungefähr 60 Prozent. Die Mumps-Viren werden durch Husten und Niesen übertragen; in ganz seltenen Fällen ist auch eine Übertragung durch Speichel, der auf Gegenstände gelangt, möglich. Bei 30 bis 40 Prozent der Erkrankten kommt eine ein- oder beidseitige Schwellung der Ohrspeicheldrüse hinzu. Da dieses typische Krankheitszeichen nur bei einem Teil der Erkrankten auftritt, wird Mumps häufig verkannt und für einen eher harmlosen Infekt gehalten. Bei jedem zweiten erkrankten Kind muss mit einer "aseptischen" Hirnhautentzündung gerechnet werden. Fast zehn Prozent der Erkrankten bekommen in Folge der Infektion eine Hirnhautentzündung. In seltenen Fällen tritt auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Entzündung des Hörnervs auf, welche zu bleibenden Hörschäden führen kann. Je älter die männlichen Erkrankten sind, desto häufiger sind sie von einer sehr schmerzhaften Hoden- oder Nebenhodenentzündung betroffen. Dies kommt bei ungefähr jedem vierten erkrankten Jugendlichen vor.

So können Sie Ihr Kind schützen: Durch eine zweimalige Impfung gegen Mumps - In der Regel wird die Impfung in Kombination mit einer Masern- und Röteln-Impfung gegeben. Die erste Impfung sollte zwischen dem 11. bis 14. Lebensmonat und die zweite Wiederholungsimpfung zwischen dem 15. bis 23. Lebensmonat gegeben werden.

Röteln

Für Kinder sind Röteln eine harmlose Krankheit. Steckt sich jedoch eine Schwangere an, bedrohen Blindheit, Taubheit, Herzfehler und Hirnschäden die Gesundheit des ungeborenen Babys. Die WHO strebt eine Ausrottung der Rötelnembryopathie in Europa an. Um dies zu erreichen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine zweimalige Impfung für alle Kinder, auch Jungen, im Alter von elf bis 14 und 15 bis 23 Monaten. Röteln-Viren werden durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch Husten und Niesen übertragen. Während der Frühschwangerschaft können die Viren über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Wenn sich eine schwangere Frau in den ersten vier Monaten der Schwangerschaft mit Röteln ansteckt, treten bei weit über der Hälfte der Ungeborenen Fehlbildungen auf.

Frauen mit Kinderwunsch sollten sich vor einer Schwangerschaft auf Röteln-Antikörper testen lassen, das heißt auf einen Schutz gegen Röteln nach bereits durchgemachter Krankheit, und sich gegebenenfalls impfen lassen.

Windpocken

750.000 Kinder stecken sich schätzungsweise jedes mit Windpocken-Viren an. Sie werden extrem leicht übertragen, so dass fast jeder Kontakt mit einem Erkrankten zu einer Infektion führt. Eine Ansteckung erfolgt über Husten oder Niesen, ist aber auch möglich, wenn man die sehr virenhaltige Flüssigkeit aus den Bläschen des Hautausschlags einatmet. Normalerweise verlaufen Windpocken harmlos. Sehr selten kommt es bei Kindern zu einer Lungen- oder Hirnhautentzündung.

So können Sie Ihr Kind schützen: Die STIKO empfiehlt die Impfung zeitgleich mit der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten. Bei Verwendung eines Kombinationationsimpfstoffes (MMRV) erfolgt nach vier bis sechs Wochen eine zweite Teilimpfung auch gegen Windpocken. Alle Kinder, die weder geimpft sind, noch eine Erkrankung durchgemacht haben, sollten im Alter von neun bis 17 Jahren nachgeimpft werden. Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten sich gegen Windpocken impfen lassen.