KOMPAKT-THEMA:

Zahnpflege
Bitte pflegen! Vom ersten Zahn an

Ihr Kind soll gesunde, starke Zähne bekommen? Mit der richtigen Putztechnik ist das kein Problem. Hier finden Sie Zahnpflege-Tipps, die mitwachsen: vom sanften Abrubbeln der ersten Milchzähnchen bis zur richtigen Pflege im Zahnwechsel.

Sollte man ab dem ersten Zahn putzen?

Zahnpflege: Bitte pflegen! Vom ersten Zahn an

Ja. Bereits mit dem Erscheinen des ersten Zähnchens, meist ab dem sechsten Monat, sollten die Eltern beginnen, die Zähne ihres Kindes zu putzen. Konrad Bühler, Zahnarzt aus Eislingen und Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer Stuttgart, empfiehlt, die Zähne täglich mit einer kleinen, weichen Zahnbürste und nur mit Wasser zu reinigen.

Den Umgang mit der Zahnbürste sollte man zunächst spielerisch gestalten, rät Bühler, beispielsweise können die Eltern beim Zähneputzen eine Geschichte erzählen. "Nach und nach entwickelt sich daraus ein Rhythmus, die Zahnreinigung wird zu einem Ritual", erklärt der Zahnarzt. Im Alter von eineinhalb bis zwei Jahren beginnen Kleinkinder mit den ersten eigenen Putzversuchen.

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Die richtige Zahnpflege bis zwei Jahre

  • Einen erbsengroßen Klecks Kinderzahnpasta auf die Bürste drücken. Pro Zahn etwa zehn Sekunden bürsten - fertig.
  • Beim Baby können Sie am besten putzen, wenn es auf dem Wickeltisch liegt. Später setzen Sie sich das Kind dazu auf den Schoß.
  • Möglichst neutral schmeckende Zahnpasta verwenden. Fruchtgeschmack verleitet zum Verschlucken.

Zahnpflege ab dem zweiten Lebensjahr

  • Zweimal täglich putzen: nach dem Frühstück nur mit Wasser oder Zahnpasta ohne Fluorid, vor dem Schlafengehen mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
  • Keine Fluoridtabletten geben, wenn Sie fluoridierte Zahnpasta verwenden - und umgekehrt.

Ab wann können Kinder selber putzen?

"Selber machen" fordern Zweijährige und greifen zur Zahnbürste. Aber: Das bisschen Hin- und Herschrubben, das sie schon zuwege bringen, reicht nicht. Die Eltern müssen hinterher auch noch mal ran. Ab etwas drei Jahren können Kinder die KAI-Technik ausprobieren: Erst die Kauflächen mit kurzen Vor- und Rückbewegungen schrubben. Dann die Außenflächen mit kleinen Kreisbewegungen säubern und am Ende die Innenflächen mit der senkrecht gehaltenen Bürste ausfegen – insgesamt drei Minuten. Was kaum jemand weiß: Erst im Lauf der Grundschulzeit - wenn das Kind die Schreibschrift flüssig beherrscht - ist es motorisch in der Lage, sich selbstständig die Zähne zu reinigen. So lange heißt es: dabei bleiben und nachputzen.

Was ist besser: eine elektrische oder die normale Zahnbürste?

"Ob die elektrische Zahnbürste oder die normale besser ist, hängt vom Kind ab", meint Zahnarzt Dr. Ralf Pineda aus Oberschleißheim bei München. "Zwar lassen sich mit einer elektrischen Bürste die Beläge auf den Zähnen gründlicher entfernen. Aber: Kinder, die beim Putzen sehr stark aufdrücken, sollten besser per Hand putzen. Sie verletzen sonst leicht ihr Zahnfleisch. Für Vier- oder Fünfjährige dagegen, die unbedingt selber die Zähne putzen wollen, obwohl sie es nicht richtig können, eignet sich die elektrische Zahnbürste besser. Ihr Rütteln und Rotieren entfernt mehr Belag als ungeschickte Putzversuche per Hand.

Brauchen Kinder überhaupt spezielle Kinderzahnbürsten?

    Ja, denn Mundhöhle und Zähen sind bei Kindern schließlich kleiner.
  • Wer erst wenige Zähnchen hat, braucht eine Bürste mit kurzen, sehr weichen Borsten und rutschfestem Griff.
  • Wer schon alle Milchzähne hat, braucht Bürsten mit etwas längeren Borsten, schmalem Bürstenkopf und dickem, handlichem Griff – damit die Kinder das Selberputzen üben können.
  • Für Kinder ab etwa fünf Jahren gibt es Bürsten, bei denen die Borsten an der Seite höher und in der Mitte niedriger sind – so kann man beim Putzen gleichzeitig Kau.- und Seitenflächen reinigen.
  • Ab etwa acht Jahren können Kinder Erwachsenen-Zahnbürsten benutzen, Zähne und Mundhöhle sind dann ausreichend groß – und die Kinder geschickt genug, um ihre Zähne selbst zu pflegen.

Welche Zahnpasta soll ich nehmen?

Da sind sich Zahn- und Kinderärzte uneins: Die einen raten, von Anfang an Kinderzahncreme mit Fluorid zu verwenden, die anderen empfehlen fluoridfreie Zahncreme in Kombination mit Fluorid-Tabletten. Neue Studien haben gezeigt, dass Fluorid die Zähne am besten schützt, wenn es direkt auf den Zahn aufgetragen wird. Auf der anderen Seite haben viele Kinderärzte Sorgen, dass die Kleinen die Paste schlucken. „Kleine Mengen schaden nicht“, sagt Zahnärztin Katharina Bücher. Ihre Empfehlung: einmal täglich mit einem erbsengroßen Klecks flouridierter Zahnpasta putzen und einmal ohne. Übrigens: Kinderzahnpaste sollte einen Fluorid-Anteil von 0,5 Milligramm (por Gramm Zahnpasta) haben.

Man soll auch die Zunge putzen - stimmt das?

Das empfehlen viele Zahnärzte. Schon vor dem ersten Zahn sollten Sie mit einem Waschläppchen oder einem Gummi-Fingerling ab und zu die Zunge säubern - ab dem ersten Zahn dann täglich. Denn auch auf der Zunge nisten Kariesbakterien. Regelmäßiges Zungereinigen reduziert das Kariesrisiko und befreit die Zunge außerdem von Speiseresten und überflüssigen Zellen. Die Folge: ein besseres Gefühl im Mund und mehr Freude am Essen. Denn eine gut gepflegte Zunge hat ein feineres Geschmacksempfinden.

Warum zum Kinderzahnarzt?

Alle Zahnärzte können Kinder behandeln. Doch Kinderzahnärzte sind dafür speziell ausgebildet. Sie wissen, wie man mit Kindern und ihren Ängsten umgeht. Sie können Kinder mit Zahnproblemen, die eine aufwändige Therapie erfordern, schonend behandeln. So bieten sie etwa Hypnose an. Oder kooperieren mit einem Anästhesisten, der mit leichten Beruhigungsmitteln bzw. Narkose helfen kann. Behinderte Kinder sind beim Kinderzahnarzt besonders gut aufgehoben. Adressen in Ihrer Nähe finden Sie unter www.kinderzahnaerzte.de.

Wann zum Kinderzahnarzt?

Empfohlen wird für Kinder

  1. Termin: ab dem Durchbruch der Frontzähne, also mit etwa sechs bis neun Monaten.
  2. Termin: wenn die ersten Milchbackenzähne da sind,mit 16 bis 18 Monaten.
  3. Termin: sobald das Milchgebiss vollständig ist, mit etwa 30 Monaten. Danach alle sechs Monate.

Zahnseide auch schon für Kinder?

Egal wie gründlich Kinder oder Erwachsene putzen: Die Zahnbürste erreicht nur 60 Prozent der Zahnflächen. Doch gerade in den Zahnzwischenräumen lagern sich die Speisereste an – ideales Brutgebiet für Kariesbakterien. Auch Kinder sollten schon Zahnseide verwenden sobald das Milchgebiss vollständig ist. Kleine Kinder brauchen dafür die Hilfe der Eltern, die sich die richtige Technik am besten vom Zahnarzt zeigen lassen. Für Kinderzähne am besten einfädige Zahnseide benutzen, weil sie auch in enge Zwischenräume passt.

Zahnwechsel - das große Durcheinander

Jedes Kind hat sein individuelles Zahnungstempo: Manchen verlieren mit vier ihre ersten Milchzähne, andere mit sieben. Beides ist normal. Das vorübergehende Nebeneinander von jungen und alten Zähnen funktioniert allerdings nicht immer reibungslos: In den Zahnlücken können sich Speisereste leicht festsetzen und Karies auslösen. Wichtig: Auch Milchzähne "kurz vor dem Absprung" gut putzen und regelmäßig vom Zahnarzt kontrollieren lassen. Denn Karies ist ansteckend und kann die zweiten Zähne infizieren.

Bei den frisch durchgebrochenen Zähnen ist der Zahnschmelz der Neulinge noch nicht vollständig mineralisiert, das heißt er ist anfälliger für Karies. Jetzt ist besonders sorgfältiges Putzen angesagt! Ab dem ersten neuen Zahn sollten Kinder eine Zahnpasta mit einem höheren Fluoridgehalt verwenden, es ist Zeit für den Umstieg von der Kinderzahnpasta auf eine Juniorzahnpasta.

Von:Benita Wintermantel, Eva Becker