"Schlichtes Blau und Vichy-Kleider beruhigen mich"
Wunsch oder Wirklichkeit, das ist hier die Frage. Ich fange mit dem Wunsch an: Er kommt zweimal im Jahr per Katalog von einer nordfranzösischen Firma für Kindermode in meinen Briefkasten - und macht mich glücklich: Denn ich sehe da Zopffrisuren mit stoffbezogenen Klämmerchen, dunkelblaue Twillhosen mit maritimer Note, geringelte T-Shirts mit U-Boot-Ausschnitt, Riemchenschuhe mit viel Leder, dafür ganz ohne Hello-Kitty. Die Katalogkinder tragen auch Kleider mit Vichykaro und kleinen Bubikragen, viele Mädchen haben Pagenköpfe, viele Jungs haben ordentliche Scheitel - und manche, ja!, Matrosenkragen. Und alle Kinder haben keine Totenkopftattoos auf dem Unterarm.
Doch, in Kleiderfragen bin ich konservativ: ein bisschen Franzosenlook, ein bisschen Matrosenlook, gerne auch mal Schottenröckchen. Warum das so ist? Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Vielleicht handelt es sich um ein nie aufgearbeitetes Defizit aus meiner Kindheit, die ich auf einem niedersächsischen Bauernhof verbrachte: meist mit Lederhosen, Gummistiefeln, klämmerchenresistenter Kurzhaarfrisur und verpflasterten Knien. Und jetzt übertrage ich meine Kleidersehnsüchte auf meine Kinder.
Vielleicht ist es auch so, dass schlichtes Blau und Vichy-Kleider mit übersichtlichem Karo mich beruhigen im allzeit vom Chaos bedrohten Alltag mit zwei Kindern. Oder: Ich will meinen Kindern ganz einfach Stil beibringen, einen Sinn für Qualität, klassische Formen, Ästhetik. Und nebenbei den Produktdesignern eins auswischen: Weil die sich alle vier Wochen eine neue Mode ausdenken und uns mit ihren Merchandisingprodukten das Geld aus der Tasche ziehen.
Das Blöde ist bloß: Meine Mädels spielen das Stil-Spiel nicht mehr mit. Stattdessen tun sie das, was fast alle Mädchen tun, die sechs und neun sind: doof finden, was ihre Mama nicht doof findet. Und schön finden, was alle anderen Mädchen in ihrem Alter auch schön finden.
In unserem Fall bedeutet das: Sie mögen keine Matrosen, keine Franzosen, keine Schotten und keine Bubis - weder am Kopf noch am Kragen. Stattdessen lieben sie Röhren und Hängerkleidchen aus Schweden, wild Gebatiktes aus Bangladesch, Ohrringe aus Billigstrass und Lagenlook aus aller Herren Länder. Und die Wahrheit ist: Meine Töchter sehen nicht im Entferntesten so aus wie meine Sehnsuchtskinder aus dem Katalog.
Das, was ich ihnen hinlege, ziehen sie nämlich nur an, wenn ich sie zwinge. Oder besteche: etwa mit dem neuesten Kitsch-Comic vom Kiosk, das als Beigabe - ja genau - die grässlichen Strassohrringe hat.
Wie es mir damit geht? Ich leide: an all dem hässlichen, schrillen, schlampig genähten, das mich umgibt. Ich warte: darauf, dass meine Kinder zur Vernunft kommen. Und darauf, dass der neue Herbstkatalog in meinem Briefkasten liegt und mit ihm die bretonischen Fischerjacken aus dunkelblauer Walkwolle. Manchmal übe ich auch ein bisschen: Bleib locker, sage ich mir, sei lässig, sei offen für Neues. Neulich zum Beispiel habe ich den Mädchen Dirndl gekauft: Okay, auch die hatten ein paar ordentliche Karos. Aber Uli, du hast recht: Es müssen ja wirklich nicht immer Matrosenhosen sein!
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Meiner Meinung nach spricht nichts gegen schicke Kleidung für Kinder - es sollte aber kein Hype daraus werden. Wichtig ist die Passform der Kleidung. Bequem sollte sie sein und am besten noch nützlich.
Hübsch und praktisch ist beispielsweise ein Aufdruck mit dem Namen des Kindes (z.B. unter www.mein-name.info)
Fazit: Gegen schicke Kleidung spricht nichts, aber der Schönheitsfaktor ist nicht das entscheidende Kriterium bei Kinderkleidung!
M. E. liegt die Wahrheit mal wieder in der Mitte. Chice Kinder sind okay, das darf schon auch sein, aber kunterbunt und durcheinander sollte auch sein dürfen. Bei Kindern im Designer-Dress habe ich immer ein bischen die Angst, daß sie sich nicht "schmutzig" machen dürfen. Am wichtigsten scheint mir zu sein, daß die Kinder sich wohl fühlen und in Ihrer Bewegung, Ihrem Sein und Tun nicht eingeschränkt sind durch das was sie tragen. Spaß heisst die Devise, schliesslich ist man nur einmal so klein,...
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