Kindergeld
Das sind dem Staat Kinder wert

Kindergeld und Kinderfreibetrag sind für viele Familien ein wichtiger Posten in ihrer Budgetplanung. Lesen Sie hier, ob Sie Anspruch auf Kindergeld haben, wann sich der Kinderfreibetrag lohnt und wie viel Geld Ihnen zusteht.

Kindergeld
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Inhalt: 
Wer bekommt Kindergeld?Wie hoch ist das Kindergeld?Wo stelle ich den Antrag auf Kindergeld?Was ändert sich mit Volljährigkeit, Ausbildung und Arbeitssuche?Bekommen Alleinerziehende und Hartz-IV-Empfänger Kindergeld?Kindergeld nur noch mit Steuer-ID?Wo bekomme ich weitere Informationen zum Kindergeld?Was ist der Kinderfreibetrag?

Das sollten Sie über Kindergeld und Kinderfreibetrag wissen

Für viele Familien ist das Kindergeld (beziehungsweise der Kinderfreibetrag) ein wichtiger Posten im Haushaltsbudget. Doch wer bekommt eigentlich Kindergeld? Und wie beantragt man es?
Hier haben wir alle Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Kindergeld und Kinderfreibetrag zusammen gestellt:

Wer bekommt Kindergeld?

Kindergeld können alle Eltern erhalten, die ihren Hauptwohnsitz in der Bundesrepublik haben.
Kindergeld gibt es für:

  • alle Kinder unter 18 Jahren.
  • Kinder in der Ausbildung unter 25 Jahren (plus Zivil- oder Wehrdienst, währenddessen besteht aber kein Anspruch).
  • Kinder, die wegen einer Behinderung außerstande sind sich selbst zu unterhalten - zeitlich unbegrenzt.
  • Kinder ohne Ausbildungsplatz und ohne berufsqualifizierenden Abschluss unter 25 Jahren.
  • Kinder ohne Arbeitsplatz unter 21 Jahren.

Wie hoch ist das Kindergeld?

Zum 1. Januar 2016 wurde das Kindergeld um 2 Euro monatlich erhöht. Eltern erhalten dann für das erste und zweite Kind monatlich 190 Euro, für das dritte Kind monatlich 196 Euro und für das für das vierte und jedes weitere Kind 221 Euro im Monat.
 

Wo stelle ich den Antrag auf Kindergeld?

Eltern können das Kindergeld schriftlich bei der zuständigen Familienkasse beantragen, von der es auch ausgezahlt wird. Angehörige des Öffentlichen Dienstes und Empfänger von Versorgungsbezügen stellen den Antrag auf Kindergeld bei der mit der Bezügefestsetzung befassten Stelle des jeweiligen öffentlich-rechtlichen Arbeitgebers beziehungsweise Dienstherrn. Eine rückwirkende Leistung kann für das gesamte Kalenderjahr beantragt werden; in bestimmten Fällen sogar bis zu vier Jahren rückwirkend.

Tipp: Noch einfacher können Sie mit dem "Kindergeld Online", einem Service der Bundeagentur für Arbeit, das Kindergeld jetzt auch im Internet beantragen. Dazu müssen Sie sich nur kurz unter https://formular.arbeitsagentur.de registrieren. Anschließend können Sie bequem von zuhause aus das Antragsformular ausfüllen und abschicken. Auch spätere Änderungen sowie eine Abfrage des Bearbeitungsstandes ist auf diesem Wege möglich.
Falls Sie schon einen neuen Personalausweis sowie das dazugehörige Lesegerät besitzen, können Sie auch ihn nutzen, um Ihre Kindergeldanträge online zu bearbeiten.

Was ändert sich mit Volljährigkeit, Ausbildung und Arbeitssuche?

Teenager beim Job
© Thinkstock, runzelkorn

Für ein volljähriges Kind kann bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres Kindergeld gezahlt werden, solange es sich in einer Ausbildung befindet. Die Ausbildungsmaßnahmen  müssen auf ein bestimmtes Berufsziel ausgerichtet sein. Dazu gehören der Besuch allgemeinbildender Schulen und eine betriebliche Ausbildung. Mit Beendigung der Ausbildung endet auch die Zahlung des Kindergeldes.
 
Über das 25. Lebensjahr hinaus wird für Kinder in Schul- oder Berufsausbildung, im Studium oder in einer Übergangszeit Kindergeld nur gezahlt, wenn sie Grundwehrdienst oder Zivildienst geleistet haben, sich freiwillig zum Wehrdienst verpflichtet haben oder als Entwicklungshelfer tätig waren. Auch Kinder, die den Bundesfreiwilligendienst leisten, werden bei Kindergeldzahlungen berücksichtig.
 

Bekommen Alleinerziehende und Hartz-IV-Empfänger Kindergeld?

Bei Hartz-IV-Empfängern wird das Kindergeld in voller Höhe angerechnet

Für ein und dasselbe Kind kann immer nur eine Person Kindergeld erhalten. Die Auszahlung des Kindergeldes erfolgt an den Elternteil, in dessen Haushalt das Kind überwiegend lebt. (Anspruch auf Kindergeld können jedoch nicht nur die leiblichen Eltern haben, sondern zum Beispiel auch die Groß-, Pflege- oder Stiefeltern, wenn sie dem Kind beispielsweise anstelle der leiblichen Eltern Unterhalt gewähren.)
Bei Kindern, die Unterhaltsvorschussleistungen bekommen, wird davon die Hälfte des Kindergeldes wieder abgezogen. Unter sechs Jahren werden monatlich 140 Euro ausgezahlt, für Sechs- bis Zwölfjährige besteht Anspruch auf 188 Euro pro Monat. Ab 2016 wird dieser Betrag erhöht. Kinder unter sechs Jahren erhalten dann 144 Euro, Sechs- bis Zwölfjährige 194 Euro.
Auf die Höhe des Arbeitslosengeldes (I) wirkt sich das Kindergeld nicht aus, Hartz-IV-Empfängern wird es jedoch in voller Höhe angerechnet und die Summe, die bezogen wird, entsprechend gekürzt.

Kindergeld nur noch mit Steuer-ID?

Termin für Steuererklärung
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In den sozialen Medien herrscht Aufruhr: Schon in wenigen Wochen werde das Kindergeld gestrichen, wenn Eltern nicht umgehend handeln und die Steuer-Identifikationsnummer ihres Kindes an die Familienkasse übermitteln, heißt es bei Facebook und Co. Doch was steckt hinter dem Gerücht?
Tatsache ist, dass Eltern ab 1. Januar 2016 dazu verpflichtet sind, die eigene und die Steuer-ID ihres Kindes bei einem Neuantrag auf Kindergeld anzugeben. So wollen die Behörden vermeiden, dass Kindergeld doppelt ausgezahlt wird. Für Eltern, die das erste Mal einen Kindergeldantrag ausfüllen, bedeutet das nichts anderes, als den Antrag vollständig auszufüllen.
Was aber, wenn Sie bereits Kindergeld beziehen und sich nicht sicher sind, ob sie die Steuer-Identifikationsnummern bereits angegeben haben? Auch dann müssen Sie nicht in Panik geraten. Im Laufe des Jahres 2016 wird sich die für Sie zuständige Familienkasse mit Ihnen in Verbindung setzen. Natürlich können Sie dem auch zuvor kommen und einfach sicherheitshalber die Steueridentifikationsnummern schriftlich einreichen. Sorge, dass das Kindergeld gestrichen wird, müssen Sie aber nicht haben. Erst wenn nach Ablauf des Übergangsjahres auch 2017 noch keine Angaben zu den Steuer-IDs gemacht wurden, droht eine Unterbrechung der Zahlungen. Das Kindergeld würde in einem solchen Falle erst wieder gezahlt werden, wenn alle notwendigen Daten an die Familienkasse übermittelt wurden.

Wo finde ich die Steuer-Identifikationsnummer?
Ihre eigene Steuer-Identifikationsnummer finden Sie auf der Lohnsteuerbescheinigung Ihres Arbeitgebers oder aber auf Ihrem Einkommenssteuerbescheid vom Finanzamt. Das Bundeszentralamt für Steuern sendet Ihnen die ID für Ihr Kind kurz nach seiner Geburt per Post zu.
Wenn Sie beides verlegt haben, können Sie die Steuer-IDs über dieses Eingabeformular erneut anfordern. Die Bearbeitungszeit beträgt ca. sechs Wochen.
 

Wo bekomme ich weitere Informationen zum Kindergeld?

Ausführliche Informationen rund ums Thema Kindergeld finden Sie im Merkblatt Kindergeld des Bundesministeriums für Familie.

Was ist der Kinderfreibetrag?

Anstelle des Kindergeldes kann auch ein Kinderfreibetrag in Anspruch genommen werden. Der Steuerfreibetrag beträgt derzeit 7.152 Euro im Jahr. Ab 2016 wird der Betrag auf 7.428 Euro angehoben. Bei getrennten Eltern wird für jeden Elternteil der halbe Kinderfreibetrag angesetzt: 3.576 Euro. Diese Beträge werden vom zu versteuerndem Einkommen der Eltern abgezogen, sodass sich eine neue, reduzierte Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Einkommensteuer ergibt. Wird ein Kind nicht im Januar sondern etwa im August geboren, so wird im Geburtsjahr der Kinderfreibetrag nur anteilig gewährt.
Im Regelfall ist der Steuerfreibetrag allerdings nur für die Eltern interessant, die ein höheres Einkommen beziehen (Eheleute mit einem Bruttoeinkommen von mehr als rund 67.000 Euro oder Alleinerziehende mit einem Bruttoeinkommen von mehr als 35.000 Euro). Denn nur dann ist die steuerliche Entlastung durch den Freibetrag im Allgemeinen höher als das Kindergeld. In der Regel prüft das Finanzamt bei der Einkommenssteuererklärung, welche Variante im Einzelfall die günstigere ist.

Von:Margarete Arlamowski, Merle Gith, Renate Korn