Das Klischee von den kinderlosen Akademikerinnen
Es war eines der gültigen Erklärungsmuster in der Diskussion um den Geburtenrückgang in Deutschland: Vor allem hochqualifizierte Frauen bekommen viel zu selten ein Kind. Die Gründe dafür schienen nachvollziehbar: Hatten die Frauen doch viel Zeit und Energie in ihre Ausbildung und ihren Job gesteckt und identifizierten sich mit ihrer Arbeit. Dass sie diese meist gut bezahlte Berufstätigkeit nicht für eine mehrjährige Auszeit als Hausfrau und Mutter mit anschließender Teilzeit-Beschäftigung ohne jede Aufstiegschance eintauschen wollten, schien logisch.
Daneben, so war immer wieder zu lesen, sei es für gebildete Frauen auch schwer, überhaupt einen potenziellen Kindsvater zu finden. Untersuchungen belegten mit schöner Regelmäßigkeit, dass sich zwar der Arzt mit der Krankenschwester zusammentut, aber weder Ärztin noch Pfleger einander attraktiv finden: Sprich: Da Männer sich bei der Partnersuche in Sachen Sozialprestige durchaus nach "unten" orientieren, Frauen aber noch immer eher nach "oben", bleibt für die Frauen aus dem oberen Segment einfach kein Mann übrig, mit dem sie eine Familie gründen könnten.
Sollte sich wider Erwarten doch einmal ein männliches Exemplar aus ihrer Schicht finden, so legten diverse Studien die Sorge nahe, dass es sich bei diesem um ein ebenso karriere- wie genussorientierten Typus handele, der sich mehr für sein Konto und seinen nächsten Marathon interessiert als für die Familienplanung.
Qualifizierte Frauen werden mittlerweile öfter Mutter
Müssen sich also Uni-Absolventinnen den Vorwurf gefallen lassen, nur auf ihre Karriere versessen und bei der Partnerwahl zu wählerisch zu sein? Nein, sagt Professor Rainer Hufnagel vom Institut für Ökonomische Bildung an der Rheinisch-Westfälischen Universität Münster. In einer neuen Studie, die in der Zeitschrift "Hauswirtschaft und Wissenschaft" der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft veröffentlicht werden soll, sieht der Experte sogar einen genau gegenläufigen Trend.
Für seine Untersuchung wertete Hufnagel statistische Daten aus den Jahren 1996 bis 2002 aus. Und kommt zu dem Schluss: Das Bild von der kinderlosen Akademikerin und der kinderreichen "Unterschichts-Familie" entsprach tatsächlich der Realität - allerdings nur bis Anfang der 90er-Jahre. Seitdem habe sich der Trend komplett umgekehrt, so der Wirtschaftswissenschaftler. Mittlerweile bekämen gut ausgebildete Frauen sogar mehr Kinder als weniger gut qualifizierte. "Je gebildeter die Frau, desto mehr Kinder bringt sie auf die Welt", fasst der Forscher seine Ergebnisse zusammen. Einen ähnlichen Effekt konnte er auch bei den Vätern nachweisen: Diese sind mehrheitlich ebenfalls hoch qualifiziert.



Was man zum Elterngeld noch sagen sollte: Die 1800 Euro sind für hochqualifizierte Eltern eher ein Witz - und haben zudem die Wirkung einer Herdprämie. Wer nicht wirklich arbeiten will oder muss, wird sehr oft zu dem Ergebnis kommen, dass Teilzeitarbeit in Elternzeit abzüglich der Betreuungskosten finanziell nicht lohnend ist. Also bleibt man zu Hause, was dazu führt, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter 1 Jahr nicht ordentlich erhoben wird, Teilzeitarbeit weniger praktiziert und somit nicht gesellschaftlich anerkannt wird ... und und und. So wird sich nichts ändern!
Ich finde nicht, dass die Zeiten vorbei sind. Ich bin eine Akademikerin in einer hochbezahlten Führungsposition und habe mir den Luxus erlaubt, vor zehn Monaten ein Kind zu bekommen. Seit der Kleine vier Monate alt ist, arbeite ich wieder, um meinen Job zu behalten. Mir und meiner Familie geht es grundsätzlich gut damit aber wir werden von allen Seiten angefeindet. Auch beruflich würde ich gerne einen Tag in der Woche frei haben, was mir mein Chef mit dem Hinweis darauf, dass es keine Teilzeit-Führungskräfte gäbe, verweigert. Theoretisch justiziabel - praktisch ...?
Bis man als Akademikerin also in Ruhe Beruf und Kind(er) vereinbaren kann, muss noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen!
Wenn man als Akademikerin im Kulturbereich nur mit Zeitverträgen beschäftigt und dann ungeplant schwanger wird, ist das Kind zwar ein persönlicher Glücksfall, alles andere jedoch eine Misere.
Nach der Geburt folgten Halbtagsstellen, Arbeitslosigkeit, Aushilfsjobs und Teilzeitbeschäftigungen für Geringqualifizierte...
...ein trauriger Zustand ohne Aussicht auf Besserung.
Möglicherweise stimmt die These, dass gut ausgebildete Frauen mehr Kinder bekommen. Ich bezweifle jedoch, dass sie sich damit beruflich einen Gefallen tun. Ich bin Rechtsanwältin, war in den letzten acht Jahren angestellt in Teilzeit. Mit der Geburt unseres dritten Kindes änderte sich alles schlagartig. Mein Arbeitgeber signalisierte sehr deutlich, dass er nicht damit rechnen würde, dass ich noch einmal an meinen Arbeitsplatz zurückkehren würde. Dazu muss ich sagen, dass ich beabsichtigte, die vollen drei Jahre Elternzeit zu nehmen. Das war jedoch zumindest karrieretechnisch eine Fehlentscheidung: Mein Arbeitgeber hat mich sofort nach Beendigung der Elternzeit gekündigt. Seither bin ich arbeitslos und arbeitssuchend. Es versteht sich von selbst, dass eine Mutter, die drei Jahre ausgesetzt hat, ein wenig Zeit benötigt, wieder in ihrem alten Beruf Fuß zu fassen. Jedoch hat sie in der Zwischenzeit eine Unmenge an anderen Kompetenzen erworben und ist in der Regel hoch motiviert.
Bei uns sieht die Lage so aus: Mein Mann arbeitet Vollzeit für unseren Lebensunterhalt und ich war bis zur Geburt unseres Sohnes Studentin der Medizin. Bis August bin ich noch in Elternzeit, die nur ich nehmen konnte, weil wir ohne das volle Gehalt von meinem Mann nicht über die Runden kämen. Ab August gehe ich halbtags ins PJ, den praktischen Ausbildungsteil, für den man aber KEINERLEI Bezahlung erhält. Auf der anderen Seite brauchen wir für diese Zeit eine Kinderbetreuung. Die Kinderkrippen sind bei uns gnadenlos überfüllt, so dass wir auf eine Tagesmutter zurückgreifen mussten. Diese kostet uns, trotz Unterstützung durch das Jugendamt, ca. 400€ im Monat – und das bei nur 5 Stunden Betreuung täglich! Nicht vergessen möchte ich aber den Punkt, dass ich mein Kind mit gerade 11 Monaten auch noch nicht 9 Stunden täglich weggeben würde! Momentan bin ich als Vollzeitmami sehr glücklich, ausgelastet und mir fehlt nichts!
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