Ein Tag zwischen Hörsaal und Spielplatz
"Ich wollte immer Kinder, aber eigentlich erst nach meinem Studium. Fabius war also nicht geplant. Ich studiere Medizin in Halle an der Saale. Eigentlich bin ich im zwölften Semester, also kurz vor dem Abschluss. Doch weil ich wegen meines Sohnes noch nicht alle nötigen Scheine beisammen habe, bin ich im Grunde erst im zehnten.
Im Moment bin ich quasi allein erziehend, weil mein Freund - er ist Pharmazeut - in Jena arbeitet und wochentags dort auch wohnt. Damit bleibt natürlich fast alles an mir hängen. Nach der Uni hole ich Fabius aus dem universitätseigenen Kindergarten ab, dann wird eingekauft. Wenn ich noch die Kraft habe, gehen wir anschließend auf den Spielplatz oder bauen riesige Türmchen zu Hause. Dann wird gegessen und gegen 19 Uhr geht der Kleine ins Bett. Den Haushalt muss ich auch noch irgendwie bewältigen - das zieht sich dann oft bis in die späten Abendstunden. Mit dem Kind zuhause lernen ist kaum möglich, deshalb muss ich mir noch Arbeitsphasen in der Bibliothek freischaufeln. Da ich gerade an meiner Doktorarbeit schreibe, sind diese Zeiten für mich natürlich immens wichtig.
Ach ja, und dann singe ich auch noch einmal in der Woche im Chor - die Zeit dafür schaufele ich mir auch noch frei. Das geht aber auch ganz gut, weil der Chor total kinderfreundlich ist: Die Kleinen dürfen sogar mit zur Probe!
Von der Kita ins Seminar und wieder zurück
Im Prinzip habe ich direkt nach Fabius' Geburt weiterstudiert, anfangs habe ich allerdings nur fünf Wochenstunden belegt. Ich habe das auch mit meiner Koordinatorin abgesprochen, dass ich die Scheine dann nachhole. Im folgenden Semester bin ich dann wieder voll eingestiegen, nächstes Semester werde ich versuchen, die Scheine nachzuholen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn die Seminar - und Praktikumszeiten sind einfach nicht sehr kinderfreundlich. Manche Seminare oder Praktika beginnen erst um 19 Uhr.
Problematisch ist es auch, wenn ein Dozent mal zu spät kommt und die Zeit anschließend hinten dran hängt - wobei die meisten Verständnis dafür haben, wenn ich dann eher gehen muss, um Fabius abzuholen. Aber spätestens wenn das Kind einmal krank ist, verpasst man ganz schnell so viel von einem Kurs, das man ihn wiederholen muss.
Anfangs hatten wir noch nicht einmal einen Krippenplatz für den Kleinen. Zum Glück haben meine Eltern und auch ab und zu mal meine Großeltern auf den Filius aufgepasst haben. Jetzt haben wir zum Glück einen Platz in der Kita vom Studentenwerk. Die Erzieherinnen dort sind schon nett und bemühen sich auch, die Kinder so gut wie möglich zu fördern. Die Kita hat auch von 6.30 Uhr morgens bis um 17 Uhr geöffnet, das ist ja schon mal gut. Aber dann sollten die Kinder schon auch pünktlich abgeholt werden - darauf wird auch hingewiesen. Wenn man vorher anrufen und Bescheid sagen würde, dass es ein wenig länger dauert, wäre das jedoch in Ordnung. Kürzlich gab es eine Umfrage unter den Eltern, ob sie längere Öffnungszeiten befürworten würden. Aber ich glaube nicht, dass die kommen werden.



Liebe Nadine,
ich verstehe auch, dass ich nicht die einzige bin, der es "schlecht" geht. Es ging hier in diesem Artikel zum Teil auch darum einmal zubeleuchten, wie es Studenten geht, da diese in der Eltern - Kind - Politik auch selten erwähnt werden.
Natürlich bekomme ich finanzielle Unterstützung, aber kein Bafög, sondern nur einen Zuschuss von meinen Eltern. Das ist aber auch nicht so viel, ich habe immerhin noch 2 Geschwister, die auch versorgt werden müssen und so muss ich halt sehen, wo das Geld bleibt und versuchen alles gut zu handhaben.
Liebe Nesrin,
es mag sein dass du es schwer hast, aber andere haben es genauso schwer und da tut der Staat auch nichts!
Nimm zum Beispiel die alleinerziehenden- wo ist da die Unterstützung von seiten des Staates?
Ich arbeite auch jeden Tag und bin nebenbei selbstständig, mache den Haushalt und kümmere mich um mein Kind. Ich bekomme ebenfalls nichts geschenkt.
Das Geld fehlt hinten und vorne und die Zeit auch und das geht nicht nur Studenten so. Das wollte ich zum Ausdruck bringen. Die Kitaferien stimmen auch nicht mit meinen Urlaubszeiten überein und ich muss sehen wo mein Kind bleibt.
Du erhälst doch mit Sicherheit finanzielle Unterstützung oder? Wir erhalten die nicht. Es soll kein Angriff sein, aber es geht den meisten Menschen heutzutage "schlecht", weil sie Kinder haben. Sehr traurig.
Wie schon gesagt jeder muss sich organisieren nicht nur Studenten mit Kind.
Wenn ich aufhöre zu arbeiten, kann ich auch kein Geld verdienen- logisch oder?
An Nadine:
Ich glaube, dass hier etwas falsch verstanden wurde. Es ist zum Beispiel oft so, dass "normal arbeitende mit Kind" nach der Arbeit nach Hause kommen und dann auch wirklich zu Hause sind. Ich komme nach der Uni nach Hause (bin etwa 6 - 10 h dort) und muss mich zu Hause für den nächsten Tag vorbereiten (lernen, Vorträge ausarbeiten, Hausarbeiten schreiben) zusätzlich noch das Haus sauber halten, ab und an dann auch noch arbeiten gehen! und mich - ach ja - so ganz nebenbei noch um mein Kind kümmern.
Und ja, es ist schon wichtig das Kind mal mit in die Uni nehmen zu können - nämlich dann, wenn der Kindergarten schon zu hat oder es krank ist (natürlich nicht so krank, dass es im Bett liegen muss).
Ach ja, was für Ermäßigungen? Die Dinge, wofür es Ermäßigungen gibt - Freibad, Theather... - dafür hat man ja als Student mit Kind keine Zeit.
Freisemster kann man natürlich jederzeit einplanen, d.h. aber auch, dass das Geldverdienen wieder in weite Ferne ruckt.
Ich persönlich finde, dass es Studenten mit Kind nicht schlechter trifft als normal verdienende Mütter.
Ich hatte bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und habe auch schon fast 3 Jahre in meinem Job gearbeitet, als ich schwanger wurde.
Jetzt nach dem Erziehungsurlaub geht es mir nicht besser als einer Studentin mit Kind.
Ich finde das Argument, dass man sein Kind nicht mit in den Hörsaal bringen zählt nicht. Ich kann mein Kind schließlich auch nicht mit zur Arbeit nehmen. So ist das eben. Studenten genießen doch auch sonst alle möglichen Ermäßigungen etc.
Die Reformen bezüglich des Elterngeldes bringen mir als normalverdienende Mama auch keinerlei Vorteil.
Ebenso weniger kann ich ein Freisemester einplanen um weiteren Nachwuchs einzuplanen.
Das ist halt der ganz normale Wahnsinn einer berufstätigen Mutter ob nun Studentin oder nicht.Alle müssen ihren Alltag organisieren!
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