Selbstständig und schwanger

Worauf Unternehmerinnen achten müssen

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Schwanger? Das sollten sie als Selbstständige wissen:


Eine Frau, die bereits seit längerem selbstständig und gut im Geschäft ist, war meistens in der Lage, ausreichende Rücklagen zu bilden und kann einer Auszeit für Schwangerschaft und Geburt in Ruhe entgegensehen. Während einer Existenzgründung oder bei unsicherer Auftragslage können selbstständige Frauen durch eine Schwangerschaft jedoch schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Was Selbständige wissen sollten:

Mutterschutzfrist

Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt hat der Gesetzgeber Arbeit verboten. Diese Schutzfristen gelten zwar nicht für Geschäftsführerinnen. Aber in der Zeit nach der Geburt ist auch eine Unternehmerin schutzbedürftig und wird nicht voll einsatzfähig sein.

Freiwillige Mitglieder von gesetzlichen Krankenkassen sollten sich deshalb rechtzeitig - also schon vor der Schwangerschaft! - so krankenversichern, dass ihnen Krankentagegeld zusteht. Über die Höhe der Beiträge gibt die Krankenkasse Auskunft. Dann erhalten sie mehr als nur die 13 Euro pro Arbeitstag, die sonst bezahlt werden.

Für Geschäftsführerinnen gilt kein Mutterschutz

Viele private Krankenkassen schließen Tagegeld in der Mutterschutzfrist von vornherein aus, manche zahlen ein einmaliges Mutterschaftsgeld in Höhe von durchschnittlich etwa 200 Euro.

Die Monate nach der Geburt

Wenn die junge Mutter in den Wochen und Monaten nach der Geburt sich um das Baby kümmern will, werden die Einnahmen mit Sicherheit verringert sein oder ganz ausbleiben. Für den Verdienstausfall durch eine Schwangerschaft gibt es keine Versicherung. In so einem Fall sollte die Mutter beim Sozialamt einen Antrag auf Hilfe in besonderen Lebenslagen stellen.

Für das Unternehmen wird jedoch nichts bezahlt. Es gibt keine Zuschüsse für Miete, Strom, Telefon und eventuelle Gehälter. Privat versicherte Frauen müssen ihre vollen Krankenkassenbeiträge auch während Mutterschutzfrist und Elternzeit weiter bezahlen. Einige private Kassen versichern die jungen Mütter allerdings in den ersten sechs Monaten nach der Geburt beitragsfrei.

Elterngeld und Kindergeld

Auch für selbstständig tätige Frauen gibt es Elterngeld in Höhe von 67 Prozent des Einkommens. Die Ausrechnung erfolgt nach dem erlösten Gewinn nach Abzug der Steuern. Als Grundlage dient der letzte Steuerbescheid. Liegt dieser aus irgendwelchen Gründen noch nicht vor, gibt es aber sicher bereits eine Einnahmen-Ausgaben-Überschussabrechnung.

Diese wird dann für die Ausrechnung des Elterngeldes herangezogen, bis der aktuelle Steuerbescheid nachgereicht werden kann. Da Selbstständige ihr eigener Arbeitgeber sind und daher kein Mutterschaftsgeld erhalten, wird das Elterngeld gleich nach der Geburt bezahlt - anders als bei Angestellten, die es erst nach den acht Wochen Mutterschutzfrist bekommen.

Das Kindergeld ist nach wie vor einkommensunabhängig. Für die ersten beiden Kinder gibt es jeweils monatlich 184 Euro, für das dritte 190 Euro ab dem vierten 215 Euro.

Der Vater kann im Unternehmen seiner Partnerin einspringen

Das Elterngeld wird bei Paaren maximal zwölf Monate lang bezahlt, Alleinerziehende erhalten es 14 Monate lang. Ist der Vater mit einer Unterbrechung seiner Berufstätigkeit einverstanden, erhält er ebenfalls Elterngeld für zwei Monate in Höhe von 67 Prozent seines Nettoeinkommens.

Es ist auch durchaus möglich, dass beide Eltern gleichzeitig in Elternzeit gehen. Dann gibt es zwar nur Elterngeld, bis das Kind sieben Monate alt ist, aber jeder Elternteil erhält dann 67 Prozent seines Nettoverdienstes. Da der Gesetzgeber in der Elternzeit eine Berufstätigkeit von maximal 30 Stunden pro Woche gestattet, könnte der Vater wenigstens für eine Weile im Unternehmen der Mutter einspringen, bis diese wieder voll einsatzfähig ist. Angestellte Väter brauchen dazu aber die Genehmigung ihres Arbeitgebers.

Die Ausrechnung des Elterngeldes würde dann so erfolgen: Betrug der Verdienst vor der Elternzeit 1.800 Euro netto, während der Elternzeit jedoch nur noch 1.200 Euro netto, ist die Differenz 600 Euro. Von dieser Differenz gibt es 67 Prozent, also 402 Euro Elterngeld. Zusammen mit den 1.200 Euro aus dem Verdienst der Teilzeittätigkeit hat dann Mutter oder Vater ein Einkommen von 1.602 Euro.

Wichtig: Lebens- und Rentenversicherungen anpassen

Sprechen Sie mit Ihrem Versicherungsvertreter. Es besteht die Möglichkeit, Versicherungen für bis zu zwei Jahre zu 70 oder 90 Prozent beitragsfrei zu setzen, um die monatlich anfallenden Kosten zu verringern. Später können Sie die Beitragszahlungen wieder aufnehmen. Daneben können Beiträge auch voll gestundet werden. Dann müssen sie allerdings plus Zinsen nachgezahlt werden. Bei voller Arbeitslosigkeit ist eine Stundung bis zu sechs Monaten möglich.

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  • von Analena Ratke am 28. März 2014, 20:34 Uhr

    Hallo liebe Mütter und Väter,

    ihr arbeitet selbstständig vielleicht bisher in einem eigenen Büro oder ihr seid auf der Suche nach einer Arbeitsplatzlösung die flexibel, günstig und vielleicht sogar kinderfreundlich ist?
    Oder du wirst Mama und überlegst schon, wie deine Arbeit in der ersten Zeit bis zur Kita organisiert werden kann?
    Oder ihr seid Eltern und seid ziemlich aufgeschmissen, da eure Kinder öfter krankgeschrieben sind und nicht in die Kita dürfen, ihr aber arbeiten müsst?

    Dann möchten wir euch auf eine Projektidee aufmerksam machen und bitten euch um eure Meinung.

    Bitte klickt auf den beigefügten Link um mehr zu verfahren und eure Meinung zu diesem Thema kundzutun.

    Link: http://www.winnerkids.de/neu-ruhiges-arbeiten-mit-kind-klick/

    Liebe Grüße, Analena Ratke von WinnerKids!


  • von Frederike am 16. September 2013, 09:30 Uhr

    Sie schreiben: "Ist der Vater mit einer Unterbrechung seiner Berufstätigkeit einverstanden, erhält er ebenfalls Elterngeld für zwei Monate in Höhe von 67 Prozent seines Nettoeinkommens." Ist es aber nicht vielmehr nur eine von vielen Möglichkeiten und so, dass Vater und Mutter 14 Monate Elterngeld unter sich aufteilen können, solange keiner der beiden über 12 Monate insgesamt bezieht? Uns wurde erklärt, dass die Mutter z. B. 6 Monate Elterngeld beziehen kann und der Vater 8. (6+8=14).


  • von steffi riediger am 30. Juli 2012, 12:22 Uhr

    also das mit dem erlterngeld is ja ne gute sache aber wie kann es sein das ich einen monat ohne geld auskommen sollß???geh im aug wieder arbeiten lohn gibt es also erst anfang sep d.h juli und aug muss ich irgendwie über die runden kommen:((


  • von jenny am 8. Juni 2012, 12:56 Uhr

    staatliche hilfen für selbständige? mein mann ist bei mir angestellt. ich kann meine tätigkeit zum broterwerb niemandem übertragen- da kreativ-das budget reicht grad so für uns beide. wenn ich nun also ein kind bekäme, es wär für mich als selbständige höchstwahrscheinlich der finanzielle ruin. nirgendwo sind wir abgesichert- da das einkommen eben nicht reicht. 10 jahre kein urlaub, und burn out- und trotzdem weitermachen.... allerdings wenn ich die leute so beobachte- hartz 4 und ein kind am anderen, wieso werden die meist perspektivlosen zöglinge incl. ihrer eltern unterstützt- während diejenigen- welche ihren kindern werte vermitteln könnten (arbeiten fürs geld...wortschatz, ehrlichkeit usw.) wohl fallen gelassen werden wie eine heiße kartoffel? kinderwunsch, ein rein biochemischer instinktiver prozess- dem ich nun auch erliege,aber den ich aus noch mehr existenzängsten nicht erfüllen kann.vielleicht stirbt ja irgendwann die art der selbsternährer aus? weils kein kind mehr lernt?


  • von Frank Glück am 14. Januar 2012, 20:22 Uhr

    Ist doch ganz einfach, jeder bekommt Elterngeld. Bemessungsgrundlage sind 12 Monate vor der Geburt. Arbeiten darf man in der Elternzeit. Aber das Geld was man in der Elternzeit verdient wird mit dem Elterngeld verrechnet also vorsicht, sonst zahlt man nachher alles wieder zurück.


(12 Kommentare)

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