Berufliche Neuorientierung
Wie werde ich Tagesmutter?

Sie lieben Kinder? Und suchen ein neues berufliches Standbein? Vielleicht wäre die Arbeit als Tagesmutter etwas für Sie. Wie das geht und was sich in Sachen Steuern für Tagesmütter und -väter geändert hat, erfahren Sie hier.

Was muss ich als Tagesmutter mitbringen?

Spaß an der schönen und verantwortungsvollen Arbeit sowie ein paar weitere Voraussetzungen: Seit Oktober 2005 braucht jeder eine Pflegeerlaubnis, der mehr als 15 Stunden wöchentlich gegen Geld ein oder mehrere Kinder länger als drei Monate betreuen möchte.

Die erteilt das örtliche Jugendamt - das zunächst einiges von Ihnen wissen will, zum Beispiel, warum Sie diesen Beruf ausüben möchten und ob Sie schon ausreichend Erfahrung im Umgang mit Kindern haben.

Was Sie dem Jugendamt vorlegen müssen: ein erweitertes Führungszeugnis aller Personen, die bei Ihnen im Haushalt leben und mindestens 18 Jahre alt sind, einen Erste-Hilfe-Kurs, eine Unfall- und Haftpflichtversicherung (die berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung kostet etwa 90 Euro jährlich und wird komplett vom Amt erstattet). Einige Kommunen verlangen eine Erklärung vom Hausarzt, dass Sie seelisch und körperlich stabil sind.

Aschließend werden künftige Tagesmütter und -väter ein ausführliches Eignungsgespräch mit dem Jugendamt führen. Auf dem Plan stehen außerdme eine Info-Veranstaltung, ein Hausbesuch sowie eine ausreichende Ausbildung

Sind alle Bedingungen erfüllt, dürfen Sie bis zu fünf fremde Kinder bei sich betreuen, nach fünf Jahren muss die Pflegeerlaubnis erneuert werden.

Ist die Pflegeerlaubnis als Tagesmutter zwingend erforderlich?

Ja, auch für Tagesmütter, die sich nicht vom Jugendamt vermitteln lassen wollen. Wer ohne die Erlaubnis Tagesbetreuung anbietet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldbuße bis 500 Euro rechnen.

Wie qualifiziere ich mich als Tagesmutter?

Die Zeiten, in denen Tagesmütter keine Ausbildung brauchten, sind längst vorbei. Heute müssen sie einen Kurs besuchen. Wie umfangreich er ist, hängt vom Bundesland beziehungsweise der Gemeinde selbst ab. Empfohlen wird der 160-Stunden-Lehrplan des Deutschen Jugendinstituts (DJI), der mit einer Prüfung abschließt. Themen sind unter anderem: die Eingewöhnungsphase, frühkindliche Bildung und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Derzeit erarbeitet das DJI einen neuen Lehrplan, der 300 Unterrichtsstunden umfasst - der Kurs soll den steigenden pädagogischen Anforderungen angepasst werden.

Das Bundesfamilienministerium vergibt Gütesiegel an Bildungsträger, die die Tagesmutter-Qualifizierung anbieten. Wer dazugehört, sehen Sie unter www.fruehechancen.de. Übrigens übernimmt das Jugendamt meist einen Teil der Kurskosten.

Wie muss ich als Tagesmutter meine Wohnung umgestalten?

Der Gesetzgeber verlangt, dass Tagespflegepersonen geeignete Räume mit ausreichend Platz zum Spielen haben. Für Babys und Kleinkinder muss ein eigenes Bett vorhanden sein. Mitarbeiter des Jugendamts überprüfen das bei einem Hausbesuch, ebenso, ob Wohnung und Garten, falls vorhanden, kindersicher sind und ob die Hygiene stimmt.

Wie finde ich als Tagesmutter "Kunden"?

Sie können freie Plätze beim Jugendamt anmelden, aber auch bei allen anderen freien Trägern, die Tagesmütter/-väter vermitteln. Oder Sie inserieren in Zeitungen beziehunsgsweise im Internet. Oft braucht es zusätzlich noch ein wenig Mundpropaganda.

Wie viel kann ich als Tagesmutter verdienen?

Je nach Kommune bekommen Sie etwa 3,70 bis 5,50 Euro pro Kind und Stunde, die Hälfte der Sozialabgabe wird Ihnen zudem erstattet. Außerdem ist es gängige Praxis, von den Eltern eine private Zuzahlung von etwa 1,50 bis 2,50 Euro pro Stunde zu verlangen.

Bei rein privater Vermittlung sind etwas höhere Sätze drin - dafür muss die Tagesmutter dann aber auch ganz für die Sozialabgaben aufkommen.

Muss ich als Tagesmutter Steuern zahlen?

Alle Tagesmütter und -väter sind steuerpflichtig. Auch solche, die von den Jugendämtern in den Kommunen bezahlt werden, müssen seit 2009 Steuern bezahlen. Nur der Gewinn muss versteuert werden. Um ihn zu ermitteln, werden die Betriebsausgaben über eine Pauschale von den Einnahmen abgezogen. Diese Betriebskostenpauschale beträgt 300 Euro pro vollzeitbetreutem Kind und pro Monat. Verheiratete Tagesmütter, die nach Abzug der Betriebsausgabenpauschale ein monatliches Einkommen von bis zu 355 Euro haben, können sich über ihren Ehepartner kostenlos krankenversichern. Tagesmütter, die nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen, unterliegen nicht der Rentenversicherungspflicht.

Brauche ich als Tagesmutter wirklich eine Haftpflichtversicherung?

Eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen empfiehlt sich für Tagesmütter unbedingt. Schließlich übernehmen sie für einige Stunden des Tages gegenüber ihren Schützlingen die Aufsichts- und Sorgfaltspflicht. Man kann eine bestehende Haftpflicht dafür erweitern. Manche Jugendämter oder Betreuungsbörsen bieten allerdings auch eine Sammelhaftpflicht-Versicherung an. Wegen dieser oder anderer Versicherungen können Sie auf jeden Fall beim Jugendamt nachfragen.

Übrigens: Kinder in Tagespflege und die Tageseltern sind gesetzlich unfallversichert. Selbständig tätige Tagespflegepersonen müssen sich deshalb innerhalb einer Woche nach Aufnahme der Tätigkeit bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden und sind für ihren gesetzlichen Unfallversicherungsschutz selbst beitragspflichtig.

Sollte man als Tagesmutter mit den Eltern einen Vertrag abschließen?

Er ist nicht vorgeschrieben, aber trotzdem zu empfehlen. Eventuelle Missverständnisse lassen sich mit so einer Vereinbarung von vornherein vermeiden. Wenigstens die wichtigsten Eckdaten sollten in dem Vertrag schriftlich geklärt werden, zum Beispiel die Höhe der Vergütung und wann sie zu zahlen ist, Regelungen im Krankheitsfall beziehungsweise bei Urlaub.

Musterverträge gibt es bei den meisten Jugendämtern und Tagesmutter-Börsen. Auch der Tagesmütter-Bundesverband bietet einen Vertragsentwurf an.

Wo finde ich weitere Infos, wenn ich Tagesmutter werden möchte?

Von:Ulla Arens, Oliver Steinbach