Mieter
Spielende Kinder sind kein Kündigungsgrund

Spielende Kinder auf dem Garagenhof machen Lärm. Das ist aber nach Ansicht des Landgerichts Wuppertal kein Grund für die fristlose Kündigung des Mietvertrags der Eltern. Haben Sie auch schon Erfahrungen mit familienfeindlichen Nachbarn oder Vermietern gemacht? Schreiben Sie uns!

Wohnung gekündigt, weil die Kinder auf dem Garagenhof spielen?

Ein familienfreundliches Urteil: Wenn Kinder auf dem Garagenhof spielen, kann der Vermieter ihren Eltern nicht unter Berufung auf den dadurch entstehenden Lärm fristlos den Mietvertrag kündigen. Das entschied jetzt das Landgericht Wuppertal. Eine Kündigung des Mietvertrags komme erst dann in Betracht, wenn die Nachbarn wegen unzumutbaren Lärms ihre Miete berechtigt mindern dürften.

Mit dem Urteil nahm die Zivilkammer in zweiter Instanz eine Entscheidung des Amtsgerichts Wuppertal zurück. Dort hatten die Richter im Januar einer Räumungsklage des Vermieters gegen ein Elternpaar stattgegeben, dessen fünfjähriger Sohn mit anderen Kindern immer wieder auf dem Garagenvorplatz gespielt hatte. Ältere Nachbarn hatten sich über den Lärm beschwert.

Zwar liegt ein kleiner Spielplatz für die Kinder des Wohnhauses direkt neben dem Garagenhof, aber er ist auch nur über diesen erreichbar. Nach Feststellung des Landgerichts lag im vorliegenden Fall keine Verletzung mietvertraglicher Pflichten vor, wenn die Kinder trotz eines Verbotsschildes auch auf dem Garagenhof und nicht nur auf dem Spielplatz herumtollten. Deshalb müssten Nachbarn einen "nicht über das übliche Maß hinausgehenden Spiellärm" hinnehmen, solange keine "unzumutbare Beeinträchtigung" der Wohnqualität vorliege.

"Ein Garagenhof fordert Kinder geradezu heraus, mit Bobbycars dort zu spielen", sagte der Vorsitzende Richter Rolf Wilden in der mündlichen Verhandlung. Im vorliegenden Fall sei der von den spielenden Kindern ausgegangene Lärm weder über die Abendstunden hinaus gegangen noch habe er die Nachtruhe der Anwohner gestört. Darüber hinaus müssten Mieter, die in eine Wohnsiedlung zögen, dort grundsätzlich auch mit Lärm von Kindern rechnen.

Das Urteil (AZ: 16 S 25/08) ist rechtskräftig. Eine Revision ließ die Kammer nicht zu.

Kennen auch Sie kinderfeindliche Nachbarn und Vermieter?

Traurig, dass immer wieder Familien vor Gericht um das eigentlich selbstverständliche Recht ihrer Kinder, unbeschwert in der Wohnung oder draußen zu spielen, kämpfen müssen. Zum Glück stoßen missliebige Nachbarn und Vermieter bei den Richtern dabei meist auf wenig Verständnis, wie weitere Urteile zeigen.

Haben Sie auch schon schlimme Erfahrungen mit zänkischen Nachbarn oder kleinlichen Vermietern gemacht? Oder fühlten Sie sich als Familie bei der Wohnungssuche schon einmal benachteiligt? Kommentieren Sie diesen Artikel und schildern Sie uns Ihre Erfahrungen!

Von:Jennifer Litters/ddp