Gefahren im Netz
 
Cybermobbing: Wie kann ich mein Kind davor schützen?

Hänseleien unter Kindern gab es schon immer. Aber beim Cybermobbing, also Mobbing im Internet, haben es die Täter besonders leicht und die Opfer besonders schwer. Hier die wichtigsten Infos, und wie Du Dein Kind schützen kannst.

Junge weinend am Smartphone
iStock, ClarkandCompany
Inhalt: 
Was ist Cybermobbing?Warum ist Cybermobbing so besonders schlimm?Gibt es Cybermobbing nicht erst unter Jugendlichen?Werden bestimmte Kinder und Jugendliche eher zum Opfer?Wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es gemobbt wird?Mein Kind wünscht sich ein Smartphone. Was können wir tun, damit ihm so etwas nie passiert?Wo bekomme ich mehr Infos?

Was ist Cybermobbing?

Beim Cybermobbing benutzen der oder die Täter Smartphones und/oder Internet, besonders soziale Netzwerke und Plattformen, Chatgruppen und Videoportale, um ein Opfer über längere Zeit zu beleidigen, zu bedrohen, bloßzustellen oder zu verleumden.
Zwar kann der Täter meist anonym bleiben, trotzdem kennen Opfer und Täter einander aber meist aus dem persönlichen Umfeld, etwa der Schule, der Nachbarschaft oder dem Sportverein. Die Opfer haben deshalb fast immer einen Verdacht, wer der anonyme Peiniger sein könnte. Das Cybermobbing kann sich auf die direkte Kontakte im Alltag ausweiten oder umgekehrt: Herkömmliches Mobbing kann sich aus der Klasse ins Netz verlagern.

Warum ist Cybermobbing so besonders schlimm?

Hier nur stichpunktartig die wichtigsten Gründe:

  • Anders als bei Hänseleien auf dem Schulhof (die beim Cybermobbing ja oft noch dazukommen) gibt es für das Opfer keine Zeit und keinen Ort mehr, an dem es sich sicher fühlen kann. (Dafür müsste es komplett auf Telefon und Internet verzichten. Aber auch dann können die Täter das Opfer ja weiterhin lächerlich machen und ausgrenzen.) 
  • Das Opfer weiß nicht sicher, wer alles zum Täterkreis gehört und kann niemandem mehr trauen.
  • Das Publikum für die Erniedrigungen und Beleidigungen kann sich im Netz rapide vergrößern. Vielleicht lacht schon die ganze Klasse, die ganze Schule?
  • Die Beleidigungen lassen sich nicht mehr vollständig aus dem Netz tilgen und können immer wieder auftauchen, selbst bei Schulwechsel oder Umzug.

Gibt es Cybermobbing nicht erst unter Jugendlichen?

Bei Jugendlichen kommt Cybermobbing eher vor, aber grundsätzlich ist es überall dort möglich, wo eine Gruppe Zugang zu sozialen Plattformen und Netzwerken im Internet hat. Laut KIM-Studie 2016 besitzt ein knappes Drittel aller 6- bis 13-Jährigen ein eigenes Smartphone – das sind 7 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Und 77 Prozent benutzen zumindest ab und zu einen Laptop oder PC.

Werden bestimmte Kinder und Jugendliche eher zum Opfer?

Kinder, die mobben wollen, werden immer einen Anlass finden. Meist suchen sie Altersgenossen aus, die sich schlecht wehren können, weil sie zum Beispiel ohnehin schon wenig Freunde haben, sehr schüchtern sind oder sich auf irgendeine Weise von den Wortführern der Klasse oder Gruppe unterscheiden. So haben sie leichtes Spiel und müssen auch kaum fürchten, dass jemand aus der Gruppe das Opfer verteidigt.

Wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?

Je nach Temperament können betroffene Kinder ganz unterschiedlich regieren. Sie ziehen sich zurück und sind niedergeschlagen, zeigen Krankheitssymptome, leiden unter Kopfschmerzen, mögen nicht mehr essen oder werden aggressiv. Wieder andere würden am liebsten gar nicht mehr das Haus verlassen. Auffällig kann auch sein, dass ein Kind nach anfänglicher Begeisterung plötzlich gar nichts mehr mit dem Internet zu tun haben will oder soziale Netzwerke sofort schließt, sobald jemand anders dazukommt.
Für Eltern, Lehrer, Kinder und Jugendliche hat die Kriminalpolizei einen Leitfaden zum Erkennen von Mobbing und einen Selbsttest ins Netz gestellt.

Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es gemobbt wird?

Das Allerwichtigste: Kühlen Kopf bewahren, auch wenn es schwer fällt! Also weder das eigene Kind auffordern, sich doch endlich mal zu wehren, das Smartphone abzugeben oder die Sache doch nicht so ernst zu nehmen. Aber auch nicht wutentbrannt die Eltern des vermeintlichen Täters zur Rede stellen. Besser: Expertenrat in Anspruch nehmen (siehe die Links ganz unten) und dem Kind zeigen, dass Ihr als Eltern es genauso liebt, wie es ist, und hundertprozentig hinter ihm steht.

Mein Kind wünscht sich ein Smartphone. Was können wir tun, damit ihm so etwas nie passiert?

  • Drück Deinem Kind das Smartphone nicht einfach in die Hand – selbst wenn es den Eindruck macht, als wüsste es besser als Du, wie man damit umgeht. Trefft gemeinsam altersgerechte Abmachungen, wann und wie es dieses Handy benutzen darf – inklusive der Folgen, sollte es sich mal nicht an die Abmachungen halten. Ein praktisches Baukastensystem bietet die Website www.mediennutzungsvertrag.de für Eltern und Kinder. Achtet dabei besonders auf die Vereinbarungen, die Cybermobbing betreffen. Sie bilden eine gute Gesprächsgrundlage.
  • Lass Dein Kind als Voraussetzung für die Handynutzung den Internet-Surfschein machen, Ihr findet die Fragen auf www.internet-abc.de. Für Jugendliche bietet www.handysektor.de alles rund ums Thema Cybermobbing.
  • Schau Dir die Familientarife und Jugendschutz-Möglichkeiten der Telefonanbieter an. Hier lohnt es sich, keine Mühe zu scheuen und genau das Angebot herauszusuchen, das zum eigenen Kind passt. Auch Betriebssysteme bieten gute Kinderschutz-Möglichkeiten. Wenn Du Dich mit dem Betriebssystem des Handys intensiv vertraut machst, kannst Du diese Schutzmöglichkeiten ausschöpfen. Wichtig: Das Passwort, mit dem Du die Einstellungen sicherst, darf das Kind natürlich nicht erfahren oder erraten können. Mehr zum Beispiel unter www.surfen-ohne-risiko.de, www.klicksafe.de/smartphone und www.schau-hin.info.
  • Wichtiger noch als jede Sperre und jeder Filter ist ein vertrauensvolles Familienklima und das Wissen: Ich kann mit allem, was ich im Netz erlebe, zu meinen Eltern kommen – sie werden mir helfen und mich nicht bestrafen. Letzteres ist besonders wichtig. Denn wenn Eltern damit drohen, dem Kind das Smartphone wegzunehmen, falls es gegen Abmachungen verstößt, riskieren sie, dass das Kind auch dann schweigt, wenn ihm im Netz etwas Schlimmes widerfährt.

Wo bekomme ich mehr Infos?

Viele medienpädagogische Websites bieten Informationen zu Cybermobbing. Besonders klar und alltagstauglich macht das Klicksafe mit einem eigenen Cybermobbing-Ratgeber. Klicksafe hat sogar mit Jugendlichen eine kostenlose Erste-Hilfe-App für Mobbingopfer entwickelt, außerdem ein Cybermobbing-Unterrichtsmodul für Schulen.
Auch empfehlenswert: das Extra-Thema Cybermobbing – Terror im Netz von von Schau-hin.info.
www.handysektor.de spricht mit seinen Videos zum Thema Cybermobbing vor allem Jugendliche an.