Sorgerecht im Kino
Kampf ums Kind: "Der entsorgte Vater"

Ein Kind macht eine Liebe perfekt. Es ist das größte Glück auf Erden, da sind sich Eltern einig. Und sie kämpfen dafür, dass ihre Familie zusammenbleibt. Traurig: Manchmal klappt es nicht, die Liebe verblasst, die Beziehung zerbricht. Besonders schlimm, wenn dann die Kinder zur Waffe im Trennungskonflikt werden. Beim Streit ums Sorgerecht verlieren viele Väter den Kontakt zu ihren Kindern ganz. Um ihr Schicksal geht es in dem Kinofilm "Der entsorgte Vater".

Ein Kind braucht beide Eltern

Sorgerecht im Kino: Kampf ums Kind: "Der entsorgte Vater"
© Joachim Gern

Die Augen vom Papa, das Näschen von Mama: Eltern lieben es, an ihrem Kind Ähnlichkeiten mit sich selbst zu suchen. 50 Prozent Mutter und 50 Prozent Vater - es ist doch ein Wunder, dass aus der Liebe zweier Menschen ein neues Wesen entsteht! Aber nicht nur für die Zeugung, auch für die Entwicklung ihres Kindes sind beide Elternteile ganz wichtig. Dass das bei einer Trennung leider manchmal verleugnet wird, zeigt der sehr traurig stimmende Dokumentarfilm von Douglas Wolfsperger. Nach jahrelanger Auseinandersetzung hat der Filmemacher selbst keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter - ein Gericht hat es so angeordnet. Mütter, die ihre Kinder zur Waffe im Trennungsstreit machen, bekommen vom Staat Hilfe, Väter werden entsorgt. Das ist die drastische Botschaft des Films.

Kinostart: 11. Juni 2009
Regie: Douglas Wolfsperger
www.der-entsorgte-vater.de

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Im Kino: Der entsorgte Vater, wütend und ohnmächtig

"Ich will dich nicht sehen"

Szene 1: Ein Vater und seine Tochter arbeiten an einer Schule. Sie als Praktikantin, er als Lehrer. Sie begegnen sich vermutlich auf dem Flur, aber sie sprechen kein Wort miteinander. Er hat sie seit elf Jahren nicht gesehen, noch nicht mal ein Foto bekommen, deswegen er erkennt sie nicht.
Szene 2: Ein Vater erhält ein Paket. Aber er freut sich nicht. Denn darin sind Geschenke, die er seinen Kindern geschickt hat. Annahme verweigert - sie haben sie zurückgeschickt.
Szene 3: Ein Vater hält einen Brief seiner Tochter, neun Jahre alt, in der Hand. Es ist eine Kinderschrift, aber sind es ihre Worte?: " …ich will dich nicht sehen. Und ich möchte auch nichts mit dir unternehmen. Und ich möchte auch nicht, dass das Gericht mich zu irgendwas zwingt."
Drei von fünf Vätern, deren Geschichte der Film "Der entsorgte Vater" erzählt. Ein Film, der traurig macht, weil alle fünf Schicksale zeigen, wie sehr eine Trennung die Psyche von Eltern und Kindern belasten kann. Der irritiert, weil er aufzeigt, dass Gerichte und Jugendämter zur Entfremdung zwischen Kindern und Vätern beitragen können. Der wütend macht, weil man nachfühlen kann, wie schlimm es ist, wenn die Ex-Frau nicht nur sagt: "Du wirst dein Kind nicht mehr sehen" - sondern den Worten auch Taten folgen lassen kann.

Kinder werden zur Waffe im Trennungsstreit

Jedes Jahr sind circa 150.000 Kinder durch Scheidungen betroffen. Dazu kommen Trennungskinder aus nichtehelichen Beziehungen. Eine Trennung ist kein zwangsläufiger Weltuntergang und muss die Kinder auch nicht traumatisieren (siehe Interview mit Remo Largo: "Müssen Scheidungskinder leiden?") Aber leider wird die Frage, wer die Sorge für das Kind trägt, manchmal überschattet von Wut über den zerstörten Lebensentwurf, von Rachegefühlen und seelischen Verletzungen. Unbewusst, manchmal auch bewusst, werden die Kinder zur Waffe, mit der dem anderen Schmerz zugefügt wird. Und in den meisten Fällen sind es die Väter, die aus diesem Kampf als Verlierer herausgehen. Und die Kinder, die nur noch einen Elternteil lieben dürfen.

Den Vater ablehnen, um sich der Liebe der Mutter sicher zu sein

Wie geht ein Kind mit dem Druck um, den die Eltern in einem langen und harten Trennungsstreit aufbauen? Schwer. Denn sie werden gezwungen, sich für eine Seite zu entscheiden. Nur so, denken sie, können sie sich zumindest der Liebe eines Elternteils ganz sicher sein. Entfremdet ein Elternteil das gemeinsame Kind bewusst vom anderen, spricht die Forschung vom "Parential Alienation Syndrom". Wenn etwa die Mutter ihrem Kind immer wieder einredet, der Umgang mit dem Vater sei nicht gut oder er störe den Familienfrieden, wird das Kind früher oder später den Vater ablehnen, um die Liebe der Mutter nicht zu verlieren. Gerade deswegen fühlen sich viele Väter allein gelassen: Sie müssen mit ansehen, wie die Mütter ihre Kinder gegen sie aufhetzen - und ihnen gerichtlich dann auch noch "Recht" gegeben wird. Zum vermeintlichen Schutze der Kinder.

Im Film kommen fast nur die Väter zu Wort

Douglas Wolfspergers Film ist bewusst subjektiv: Nur die Väter können hier ihre Sicht der Dinge darstellen, deren Ex-Frauen oder gar die Kinder kommen nicht zu Wort - sie haben es abgelehnt, sich zu äußern. Die entsorgten Väter halten sich mit wütenden Kommentaren über die Frauen nicht zurück: "Ich tät sie alle auf den Mond schießen", "Wir Väter werden reingelegt" oder "Frauen fühlen sich als Kinderbesitzerinnen". Dazu passt auch der Kommentar von Birgit Laub, der einzigen Frau, die im Film die weibliche Sicht vertritt: Die zweifache Mutter findet, Väter seien nicht so wichtig, letztlich doch nur "Erzeuger"!