Vorsätze - Adé
 
Süßkram bis zum Abwinken

Kindergeburtstage setzen alle guten Erziehungsvorsätze außer Kraft - das musste auch unsere Autorin Verena Fischer feststellen.

Vorsätze - Adé: Süßkram bis zum Abwinken

Mein vierjähriger Sohn Janosch war kürzlich mal wieder zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Die dritte Veranstaltung dieser Art innerhalb von zwei Wochen. Inzwischen rege ich mich nicht mehr auf. Ich habe kapituliert vor Süßigkeitenbergen und überaus wohlmeinenden Gastgeberinnen.

Dabei war ich diesbezüglich mal sehr idealistisch. Klar, mein Kind darf schon mal ein Stück Schokolade oder eine Kugel Vanilleeis essen, erklärte ich noch vor nicht allzu langer Zeit einer Freundin. Abgesehen von den Querschüssen unserer Nachbarn, die Janosch immer wieder ungefragt Bonbons schenkten, kam ich auch ganz gut durch mit meiner Strategie des unauffälligen Rationierens. Janosch war glücklich und zufrieden mit seinen fünf abgezählten Gummibärchen, solange ein Grünes dabei war. Bis mein Sohn das erste Mal zu einem Kindergeburtstag eingeladen war.

Neue Sitten

Ein anständiger Geburtstagskuchen muss aus Schokolade und mindestens mit Smarties dekoriert sein, dafür habe ich vollstes Verständnis. Und Topfschlagen macht auch nur Spaß mit der Aussicht auf was Süßes. Genau wie Sackhüpfen oder Eierlaufen. Schließlich ist es ja ein Kindergeburtstag und ich erinnere mich heute noch gerne daran, wie aufregend es war, so viele Schokoküsse zu essen, bis einem schlecht wurde.

Aber nachdem sein Magen schon komplett mit Zucker ausgekleidet war, bekam Janosch wie alle anderen Gäste zum Abschied noch ein Geschenk überreicht. Genauer gesagt eine ganze Tüte. Voll mit Kaubonbons, Lutschern, Schokoriegeln und als Krönung ein kleiner Spielzeugbagger. Mein Sohn war selig und ich gelinde gesagt konsterniert.

Wir bedankten uns höflich, doch insgeheim verfluchte ich die Mutter. Wie konnte sie mir und meiner Erziehung so in den Rücken fallen? Wenn die Supermarktkassiererin meinem Kind einen Kaugummi schenkt, dann weiß sie es vielleicht nicht besser, weil sie selber keine Kinder hat, um deren Zähne sie sich sorgen müsste. Aber eine Mutter?

Bei der nächsten Geburtstagsfeier das gleiche Spiel, nur dass diesmal in der Tüte Glitzerstifte anstelle eine Baggers waren. War Janosch egal - Hauptsache, es waren Lutscher mit drin. Lutscher! Der größte Feind des Milchzahns!

Wann bitte schön hat dieser Brauch mit den gesundheitsgefährdenden Abschiedspräsenten angefangen? Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich als Kind jemals so reich beschenkt eine Geburtstagsfeier verlassen hätte.

Die dritte Einladung - diesmal gab es zu den Süßigkeiten noch einen Block mit Buntstiften - bestätigte meine Befürchtung: Wer als Mutter was auf sich hält, drückt jedem Kind zum Abschied eine Tüte in die Hand.

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