Mutterschaft
Kind da, Gleichberechtigung weg?

"Ich bin bitter, dass wir genauso wurden wie alle anderen Paare, die ein Kind bekommen, alle, über die ich gelesen habe, alle, die erzählt und bezeugt haben, wie die Gleichberechtigung sich in Luft auflöst, wenn Kinder kommen." Das stammt aus Maria Svelands Roman "Bitterfotze". Hier weitere Auszüge - werden Sie Buchkritikerin und posten Sie Ihre Meinung!

Maria Svelands "Bitterfotze": Provokanter Titel, brisanter Inhalt

Allgemein gilt Schweden als Hort der Gleichberechtigung, in der Männer wie Frauen Beruf und Familie unter einen Hut kriegen. Entsprechend neidisch blicken Familienpolitiker, Mütter und auch Väter in das vermeintliche gelobte Land der familiären Glückseligkeit. Die Journalistin Maria Sveland jedoch nutzt ihr Romandebüt mit dem provokanten Titel "Bitterfotze" zu einer wütenden Attacke auf diesen Mythos.

Sveland, selbst zweifache Mutter, erzählt die Geschichte der 30-jährigen Sara, die im kalten Januar eine Woche ohne Mann und Kleinkind auf Teneriffa verbringt. Dort grübelt sie über ihr Leben als Frau und Mutter nach: Warum es immer noch die Frauen sind, die sich zwischen Familie und Karriere aufreiben. Warum es auch bei vermeintlich modernen Paaren spätestens nach der Geburt des ersten Kindes keine wirkliche Gleichberechtigung gibt. Und warum die meisten Frauen irgendwann resignieren - eben "bitterfotzig" werden.

Heraus kommen dabei ebenso trotzige wie treffende Gedanken - und zwar durchaus aus einer feministischen Perspektive. Manch einer davon ist durchaus geeignet, einmal kritisch auf das eigene Leben zu blicken und sich zu fragen: Habe ich mir das wirklich so vorgestellt?

Wir sind gespannt, ob Ihnen das auch so geht. Deshalb stellen wir hier einige Auszüge aus dem Roman (entnommen aus Maria Sveland: Bitterfotze. Kiepenheuer & Witsch Verlag 2009, 8,95 Euro) vor. Und dann brauchen wir Sie als Buchkritikerin: Schreiben Sie in einem Kommentar unter diesen Artikel, was Sie von Svelands Texten halten.

Einige Leseproben:

Eine glückliche Ehe - gibt es das überhaupt?

"Es ist nicht so, dass ich Johan nicht liebe, das habe ich immer getan (außer in dem einen Jahr, in dem es in unserer Ehe kriselte), aber die Wahrheit war, ich konnte nicht dazu stehen, verheiratet zu sein.

Ich ertrug den schmutzigen Ballast nicht, der unweigerlich mit der Ehe folgt. Den schlechten Geschmack im Mund, wenn ich daran dachte, wofür die Ehe steht. Jahrhunderte der Unterdrückung, Millionen unglücklicher Menschen, die im Hintergrund rumoren.

Ich weiß nicht, wie ich mit meinem zwiespältigen Gefühlen umgehen soll, dass ich verheiratet sein will, obwohl ich keine einzige glückliche Ehe kenne. Es ist wie eine Blase auf der Zunge, die man ständig betastet. Obwohl sie brennt. (...)

Ich kenne keine glücklichen Familien oder Ehen. Keine. Keine in meiner Nähe, Großmütter, Großväter, Mutter, Vater, Tanten, Onkel, Freunde. Alle unglücklich verheiratet. Betrogen vom Mythos der Liebe."

Der Vater - ein moderner Held?

"Ich wünschte mir, ich könnte so frei lieben, wie Männer und Väter es können. Die Einsicht, wie schuldbeladen die Mutterrolle ist, mit welcher Selbstverständlichkeit alle möglichen Forderungen gestellt werden, verglichen mit der Vaterrolle, lässt mich neidisch und bitterfotzig werden. Ich möchte auch Mann sein und erleben, wie es sich anfühlt, wenn die ganze Gesellschaft Beifall klatscht, weil ich knapp zwei Monate Elternzeit nehme, während niemand nur eine Augenbraue hebt, wenn meine Frau die restlichen zwölf nimmt. Ich will auch Mann sein und erleben, wie die Gesellschaft meine Liebe und meine Aufopferung als etwas Fantastisches, geradezu Außerordentliches beklatscht."

Das Baby - eine Besatzermacht?

"Mein Leben hat sich total verändert. Mein Körper hat einen Krieg durchgemacht, und jetzt ist er von einer fremden Mach besetzt. Und der Mann, von dem ich glaubte, er sei mein Verbündeter, erweist sich als Verräter. Er lässt mich im Stich und ist mit etwas anderem beschäftigt. Und ich versuche es zu verstehen. (...)

Es ist erst vier Tage her, dass wir aus dem Krankenhaus gekommen sind, und alles ist so neu und überwältigend. Ich mache mir Sorgen, dass das Stillen nicht klappt. Ich mache mir Sorgen, weil ich seit sechs Nächten nicht richtig geschlafen habe. Ich mache mir Sorgen, weil die Operationsnarbe weh tut.

Ich mache mir Sorgen, weil ich spüre, dass Johan ganz woanders mit seinen Gedanken ist. (...)

Ich will gar nicht daran denken, dass Johan abgehauen ist. Dass er einfach gegangen ist, obwohl ich ihn bat zu bleiben. Ich tippe an das Ungeheure, lasse es dann doch wie eine sorgfältig eingekapselte Eiterbeule in Ruhe. (...)

Spät abends kommt Johann endlich nach Hause. Voller Schuldgefühle und Angst.

"Ich habe den ganzen Tag an euch gedacht", sagt er mit Tränen in den Augen.

Das hilft mir überhaupt nicht, dass du den ganzen Tag an uns gedacht hast, denke ich.

Aber ich sage es nicht. Ich bin so matt und habe solche Schmerzen, dass ich nicht einmal wütend sein kann."

Auf der folgenden Seite lesen Sie weitere Auszüge aus "Bitterfotze". Dort geht es um den vermeintlichen Gegensatz von Feminismus und Mutterschaft und den Druck, den Mütter aufeinander ausüben.