Familie

Müttersorgen und Väterfrust - alles "Kinderkacke"?

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Thomas über Gespräche mit Müttern

"Frauen reden alle leider immer nur dasselbe: Wie gut oder schlecht klappt es mit dem Stillen, welche Breisorte bekommt das Kind und wie lange, wann bekommt es Zähne? Als wäre es nicht genug, dass man den ganzen Tag mit dem Kind zusammen ist, als könnte man nicht unter Erwachsenen mal fünf Minuten über was Normales sprechen (...)

Mit Männern ist das glücklicherweise anders. Sie sind nicht so total besessen von der Säugetier-Rolle, und sie verkaufen auch nicht gleich ihre ganze Seele an die Babymilchpulver- oder Windelindustrie. Mit den wenigen Kerlen, die sich auch mal im Krabbelkurs oder auf dem Spielplatz sehen lassen, redet man dann ein bisschen allgemeiner darüber, wie es so ist mit Kind, wie man die Beziehung und den Alltag organisiert (denn es ist ja sonnenklar, dass sie auch noch etwas anderes machen). Und man kann dann auch mal ein paar Worte darüber verlieren, dass Heavy Metal überraschenderweise wieder ziemlich erfolgreich ist. Wenn ich jetzt viel Zeit hätte, würde ich mich darüber wundern, warum der gute alte Feminismus eigentlich so tot ist. Mir ist bekannt, dass Latzhosen und kurze lila Haare sich nicht durchgesetzt haben. Aber ganz ehrlich, wenn ich Frau wäre, wäre ich stinksauer. Warum die Damen so genügsam sind, ist mir schleierhaft. Aber bitte, das ist nun wirklich nicht mein Problem (...)

Die Frauen sind nicht in Vorständen und Ministerien, weil sie alle hier sitzen, im Kindercafé, und einander strahlend mit Geschichten über Windeln und die richtige Ersatzmilch zusülzen. Und nicht eine der Mütter hier kommt auf die Idee, mal ein anderes Thema anzuschneiden und ihre Genossin, der gerade ein Junge an der rechten Brust hängt, einfach mal zu fragen, welche Punkband besser war, die Ramones oder die Pistols. Ob Balzac oder Goethe cooler ist, warum die DFB-Fußballerinnen viel erfolgreicher sind als ihre männlichen Kollegen, warum immer mehr Mädels auf dem Oktoberfest Dirndl tragen müssen, irgendwas, meine Güte, es gibt doch genug Themen! Und sei es nur die Frage, warum eigentlich so wenig Männer zu sehen sind, hier und überall, wo viele Kinder sind. Aber es könnte ja wehtun, wenn man sich das ehrlich vor Augen führen würde. Also doch lieber weiter über Pulvermilch reden!"

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  • von Thorfinn am 10. Dezember 2010, 14:04 Uhr

    ein super buch! ich entnehme den beiden autoren nicht, das sie kinder doof finden, sondern sie stellen fest, das genau diese verlogene gesellschaft keine kindergärten haben möchte, spielplätze verbietet und dergleichen mehr. warum werden die kosten im geburtshaus durch die krankenkasse nicht voll übernommen? warum werden männer die ihre elternzeit nehmmen in betrieben belächelt? das man neben diesen problemen auch plötzlich eine völlig andere situation in der partnerschaft hat, mag stellenweise egoistisch sein. aber jeder der behauptet das man das doch vorher weis, lügt! wer mit so viel ehrlichkeit nicht umgehen kann ist mit dem buch sicher überfordert, ich kann nur feststellen, das viel wahrheit enthalten ist...


  • von Anja am 24. November 2010, 21:38 Uhr

    Es ist einfach ein ziemlich schlauer Marketinggag, dass der Verlag dieses Buch als "das erste ehrliche Elternbuch" beworben hat. Denn es gibt schon Dutzende Bücher, die den exakt selben Inhalt haben: Kinder zu haben ist anstrengend. Die beiden Autoren sind nicht die ersten, die das festgestellt haben. Ich habe das Buch gekauft und war extrem enttäuscht. Es ist weder lustig noch enthält es irgendwelche neuen Gedanken. Ich erfahre lediglich, dass diese beiden ach so hippen Berlin Mitte-Bewohner sich Randgruppen-Gedanken machen, die sich kaum einem normalen Elternpaar stellen: Was bloß tun, wenn meine coolen, kinderlosen Freunde mich jetzt nicht mehr mögen, weil ich Kinder habe(*heul*)? Und wie kriege ich die Kleinen bloß dazu, mich nach einer durchzechten Nacht ausschlafen zu lassen? Lächerlich!


  • von Mumpitz am 20. Juli 2010, 19:06 Uhr

    Gefällt mir gar nicht. Immer wieder dieses Gejammer über die Zeit vorher, dass man nicht mehr in die Disco gehen kann, nur noch auf die Mutterrolle abbonniert ist, die tausend Probleme- das Gerede kenne ich von anderen Müttern zur Genüge. Ich persönlich bin schon früher nicht in die Disco gegangen, lese noch genauso viel wie früher und trauere "den alten Zeiten" nicht hinterher. Ob da Mutter-Kind- oder Eltern-Kind-Abteil steht, ist mir sowas von egal, ich spreche seltenst mit anderen Müttern über Kinderthemen, aber wenn, dann macht mir das genausoviel Spaß wie "intelligente Themen".


  • von Kerik am 8. Juli 2010, 10:32 Uhr

    Die Frage ist doch, wer definiert eigentlich was "cool" ist? In einer Mütterclique ist es wohl "cooler" über Babymilch zu philosophieren als über den neuesten asiatischen Film! Zu alledem kann man wohl getrost das Mütter-Mantra aufsagen: ES IST NUR EINE PHASE! Die Kunst besteht wohl darin, den Wechsel mitzumachen und nicht in der vorigen Phase hängenzubleiben, das wirkt nämlich ganz schnell ziemlich überholt! Und klar, wer glaubt, dass das eigene Leben mit Babys und Kindern leichter wird, der glaubt auch, dass das von der Werbeindustrie propagierte Leben glücklich macht.....


  • von Britta am 7. Juli 2010, 13:43 Uhr

    Hmm... also ich weiß offen gestanden nicht so ganz, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist es sicher richtig, dass auch heute noch gerade viele Frauen dazu neigen, sich eine vermeintlich bessere Zukunft mit Baby vorzustellen. Nicht selten liest man ja leider, dass ein Kind eine Beziehung "retten" sollte, an der nichts mehr zu retten war und durch den Nachwuchs alles sogar nur noch schlimmer wurde.


(23 Kommentare)

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