Familie
Müttersorgen und Väterfrust - alles "Kinderkacke"?

Julia über das Elterndasein

"Wer Kinder hat, muss, da herrscht Konsens, urplötzlich umsichtig, vernünftig, immer diskussionswillig sein. Und man stets bereit sein, sich auf Zuruf unterm Sofa zu verstecken oder ein Legoschiff zu bauen, weil den lieben Kleinen gerade danach ist. Auch wenn man vielleicht gerade einen dampfenden Kaffee und den Kulturteil der Zeitung zur Hand genommen hat und sich darauf freut, nach einem anstrengenden Tag einmal ein paar Minuten im Sessel sitzen zu können. So wie man es im vorherigen Leben auch gemacht hätte (...) Im Grunde wollen wir alle liebevoll mit unseren Kindern umgehen. Wir wollen sie nicht anschreien und schon gar nicht schlagen. Wir wollen auch als Elternpaar nicht vor ihnen streiten, weil wir wissen: Das Kind denkt gewisse, es sei schuld daran, dass Mama und Papa jetzt böse aufeinander sind. Und das ist das Letzte, was wir modernen Eltern beabsichtigen. Stattdessen wollen wir uns lieber in sie hineinversetzen und immerzu signalisieren: 'Ich bin da. Du kannst dich auf meine Zuwendung verlassen.' Doch zu all dem braucht es Geduld und Nerven. Und die sind oft schnell erschöpft (...) Natürlich würde ich gegenüber meinen Kindern immer gern perfekt reagieren. Und nicht nach Tagesform. Aber das ist unmöglich! Schon als Single besaß ich leider keine magischen Fähigkeiten: Auch da gab es gute und miese Tage, nur durfte man dann auch mal übellaunig im Bett liegen bleiben und sich einen Tag lang von der Außenwelt zurückziehen. Oder bei der Arbeit eben mal etwas weniger reden. Damals war das alles o.k."

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