Julia über das Elterndasein
"Wer Kinder hat, muss, da herrscht Konsens, urplötzlich umsichtig, vernünftig, immer diskussionswillig sein. Und man stets bereit sein, sich auf Zuruf unterm Sofa zu verstecken oder ein Legoschiff zu bauen, weil den lieben Kleinen gerade danach ist. Auch wenn man vielleicht gerade einen dampfenden Kaffee und den Kulturteil der Zeitung zur Hand genommen hat und sich darauf freut, nach einem anstrengenden Tag einmal ein paar Minuten im Sessel sitzen zu können. So wie man es im vorherigen Leben auch gemacht hätte (...)
Im Grunde wollen wir alle liebevoll mit unseren Kindern umgehen. Wir wollen sie nicht anschreien und schon gar nicht schlagen. Wir wollen auch als Elternpaar nicht vor ihnen streiten, weil wir wissen: Das Kind denkt gewisse, es sei schuld daran, dass Mama und Papa jetzt böse aufeinander sind. Und das ist das Letzte, was wir modernen Eltern beabsichtigen. Stattdessen wollen wir uns lieber in sie hineinversetzen und immerzu signalisieren: 'Ich bin da. Du kannst dich auf meine Zuwendung verlassen.' Doch zu all dem braucht es Geduld und Nerven. Und die sind oft schnell erschöpft (...) Natürlich würde ich gegenüber meinen Kindern immer gern perfekt reagieren. Und nicht nach Tagesform. Aber das ist unmöglich! Schon als Single besaß ich leider keine magischen Fähigkeiten: Auch da gab es gute und miese Tage, nur durfte man dann auch mal übellaunig im Bett liegen bleiben und sich einen Tag lang von der Außenwelt zurückziehen. Oder bei der Arbeit eben mal etwas weniger reden. Damals war das alles o.k."
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ein super buch! ich entnehme den beiden autoren nicht, das sie kinder doof finden, sondern sie stellen fest, das genau diese verlogene gesellschaft keine kindergärten haben möchte, spielplätze verbietet und dergleichen mehr. warum werden die kosten im geburtshaus durch die krankenkasse nicht voll übernommen? warum werden männer die ihre elternzeit nehmmen in betrieben belächelt? das man neben diesen problemen auch plötzlich eine völlig andere situation in der partnerschaft hat, mag stellenweise egoistisch sein. aber jeder der behauptet das man das doch vorher weis, lügt! wer mit so viel ehrlichkeit nicht umgehen kann ist mit dem buch sicher überfordert, ich kann nur feststellen, das viel wahrheit enthalten ist...
Es ist einfach ein ziemlich schlauer Marketinggag, dass der Verlag dieses Buch als "das erste ehrliche Elternbuch" beworben hat. Denn es gibt schon Dutzende Bücher, die den exakt selben Inhalt haben: Kinder zu haben ist anstrengend. Die beiden Autoren sind nicht die ersten, die das festgestellt haben. Ich habe das Buch gekauft und war extrem enttäuscht. Es ist weder lustig noch enthält es irgendwelche neuen Gedanken. Ich erfahre lediglich, dass diese beiden ach so hippen Berlin Mitte-Bewohner sich Randgruppen-Gedanken machen, die sich kaum einem normalen Elternpaar stellen: Was bloß tun, wenn meine coolen, kinderlosen Freunde mich jetzt nicht mehr mögen, weil ich Kinder habe(*heul*)? Und wie kriege ich die Kleinen bloß dazu, mich nach einer durchzechten Nacht ausschlafen zu lassen? Lächerlich!
Gefällt mir gar nicht. Immer wieder dieses Gejammer über die Zeit vorher, dass man nicht mehr in die Disco gehen kann, nur noch auf die Mutterrolle abbonniert ist, die tausend Probleme- das Gerede kenne ich von anderen Müttern zur Genüge. Ich persönlich bin schon früher nicht in die Disco gegangen, lese noch genauso viel wie früher und trauere "den alten Zeiten" nicht hinterher. Ob da Mutter-Kind- oder Eltern-Kind-Abteil steht, ist mir sowas von egal, ich spreche seltenst mit anderen Müttern über Kinderthemen, aber wenn, dann macht mir das genausoviel Spaß wie "intelligente Themen".
Die Frage ist doch, wer definiert eigentlich was "cool" ist? In einer Mütterclique ist es wohl "cooler" über Babymilch zu philosophieren als über den neuesten asiatischen Film! Zu alledem kann man wohl getrost das Mütter-Mantra aufsagen: ES IST NUR EINE PHASE! Die Kunst besteht wohl darin, den Wechsel mitzumachen und nicht in der vorigen Phase hängenzubleiben, das wirkt nämlich ganz schnell ziemlich überholt! Und klar, wer glaubt, dass das eigene Leben mit Babys und Kindern leichter wird, der glaubt auch, dass das von der Werbeindustrie propagierte Leben glücklich macht.....
Hmm... also ich weiß offen gestanden nicht so ganz, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist es sicher richtig, dass auch heute noch gerade viele Frauen dazu neigen, sich eine vermeintlich bessere Zukunft mit Baby vorzustellen. Nicht selten liest man ja leider, dass ein Kind eine Beziehung "retten" sollte, an der nichts mehr zu retten war und durch den Nachwuchs alles sogar nur noch schlimmer wurde.
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