Familie

Besser leben ohne Kinder?

1. August 2008 Weiterleiten Drucken Bookmarks
Familie: Besser leben ohne Kinder?

Warum Corinne Maier lieber keine Kinder hätte

Familienfreundliches Steuersystem, gute Betreuungsmöglichkeiten - Frankreich scheint für Eltern das gelobte Land zu sein. Und die Franzosen danken es dem Staat und bekommen gerne viele Kinder. Alle Franzosen?

Nein! Corinne Maier, Politologin, Volkswirtin, Psychoanalytikerin und zweifache Mutter, genießt ihre Elternschaft offensichtlich nicht besonders. Sonst hätte die Autorin sicher nicht die Polemik "NO KID - 40 Gründe, keine Kinder zu haben" verfasst. Danach besteht vor allem die Mutterschaft aus üblen Schmerzen bei der Geburt, dem Verzicht auf sämtliche Lebensfreude, der Dauerbelastung durch Job, Haushalt und das Erziehen kleiner Egoisten sowie dem geradezu zwangsläufigen Verdummen und Verfetten.

Wie gesagt, die Autorin hat selber zwei Kinder! Deshalb möchten wir von Ihnen wissen: Ist das Leben mit Kindern wirklich so schlimm? Hier präsentieren wir Ihnen einige Auszüge aus "NO KID" (entnommen aus: NO KID von Corinne Maier. Copyright (C) 2007 by Éditions Michalon, Paris; Copyright (C) 2008 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg) - betätigen Sie sich als Buchkritiker und schreiben Sie in Ihrem Kommentar, was Sie von Corinne Maiers Äußerungen halten.

Einige Leseproben:

Die Entbindung als Foltermethode

"Die Darstellung der Entbindung als überaus freudiges Ereignis ist ziemlicher Humbug. Für einige wenige Frauen, deren Körper dem Vorbild einer Tube nachempfunden ist, mag das vielleicht zutreffen, doch allen anderen Frauen bereitet eine Geburt Schmerzen. Ganz entsetzliche Schmerzen sogar. Es ist völlig richtig, dass eine PDA die Schmerzen beträchtlich lindert, doch selbst dadurch ist so eine Entbindung ganz gewiss kein Spaziergang. Ich persönlich habe in meinem ganzen Leben nichts erlebt, das mir so weh getan hätte. Frauen, die daherkommen und behaupten: "Die Geburt meines Kindes war der schönste Moment meines Lebens", sind mir überaus suspekt, denn seit ich selbst entbunden habe, weiß ich, dass sie lügen. Andere wiederum sind da vorsichtiger und sagen bloß: "Ich kann mich an nichts mehr erinnern", was oft bedeutet: "Ich möchte darüber nicht sprechen."

In Wahrheit dauert eine Entbindung mehrere Stunden, manchmal gar einen ganzen Tag; man wird wie ein dicker Käfer fixiert und bekommt zu diesem Zweck eine Röhre in den Rücken gebohrt; bei den Wehen hat man das Gefühl, der Bauch würde gleich von innen her aufreißen ... Eine Entbindung bedeutet Schmerz, Blut und Müdigkeit (und auch Kacke, aber das ist dann ein ganz besonderes Geschenk für die Hebamme oder den Arzt). Haben Sie im Film Alien die Szene gesehen, in der sich aus dem Körper einer der Darsteller ein Monster herauszwängt und ihm dabei den Bauch zerfetzt? Wissen Sie, weshalb diese Szene weltberühmt ist? Weil sie den Umständen einer Geburt erschreckend nahe kommt, natürlich (...)"

Auf der folgenden Seite lesen Sie, wie Corinne Maier über das Stillen denkt und wie ein Kind ihrer Meinung nach das Leben seiner Mutter verändert.


 
 
Kommentare zu diesem Artikel
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  • von Petra am 11. Dezember 2009, 14:52 Uhr

    Ich finde das Buch klasse und habe beim Lesen sehr viel gelacht. Es ist Polemik und Ironie und so sollte frau das Buch auch verstehen beim Lesen.
    Eine kleine Anekdote: Eine Mutti mit zwei Grundschulkindern kam mir auf dem Fahrradweg vor einer unübersichtlichen Kurve auf der falschen Straßenseite entgegen. Ich konnte gerade noch eine Vollbremsung hinlegen um einen Zusammenstoß zu verhindern. Auf meinen Hinweis, dass sie sich auf der falschen Strassenseite befindet, war ihre Antwort: !Ich habe zwei Kinder". Einen Kommentar erspare ich mir :-)


  • von Gelöschter Benutzer am 1. Dezember 2009, 22:36 Uhr

    Natürlich handelt es sich bei diesem Buch um eine Polemik - und ist mit Sicherheit mit Absicht übertrieben und einseitig formuliert.

    Ich muss aber sagen, dass ich selbst sehr lange auf ein Kind warten musste bis es endlich geklappt hat. Und ich muss echt sagen, dass ich ohne Kind wesentlich unglücklicher war als mit - und ja, daran können auch alle negativen "Nebenwirkungen" des Elternseins nichts ändern: Ich bin einfach glücklich darüber, dass ich mein Kind habe.

    Und zwar auch dann, wenn ich übernächtigt, gestresst und total mit den Nerven am Ende bin.

    Für mich klingt diese Frau als würde sie es bedauern je Kinder bekommen zu haben. Und das finde ich bedenklich - für ihre Kinder.

    Auch ich mag mal überfordert und total deprimiert sein, aber soweit dass ich jetzt sagen würde "nie wieder Kinder" - soweit komme ich hoffentlich nie!!!

    Ursache dieses Buches kann für mich sein: Einerseits wird einem von der Gesellschaft abverlangt bloß keine Übermutter zu sein - auf der anderen Seite wird dann wieder verlangt, allen gesellschaftlichen Verpflichtungen davon was eine Mutter zu leisten hat (zum Beispiel, auf jeden Fall arbeiten zu gehen - weil ja das Kümmern um Kinder noch keine Leistung ist solange man kein Geld dafür kassiert...) Der Druck auf Mütter ist enorm und in diesem Buch entlädt sich das offensichtlich wie in einem emotionalen Vulkanausbruch.

    Für mich ist mein Kind ein echtes Wunder.

    Einfach weil es da ist.

    Nicht, weil ich durch sein Dasein nicht auch mal Stress und Probleme hätte!!!

    Für mich hat diese Frau wirklich ein ernsthaftes Problem und sollte sich wegen des offensichtlich vorhandenen Burn-Out-Syndroms und einer offenkundigen Depression behandeln lassen.


  • von mama am 12. September 2009, 11:44 Uhr

    Interessant, was für ein Aufschrei der eltern.de-Userinnen hier die Runde macht. Es scheinen sich hier ein paar Super-Mamas angesprochen zu fühlen. Bleibt locker, auch die Autorin liebt ihre Kinder, aber das, was sie schreibt, entspricht einfach den Tatsachen. Das heißt nicht, dass die Frau ihre Kinder nicht liebt. Sie sieht die Situation schlichtweg realistisch. Dass man überfordert ist, darf man in unserer Gesellschaft ja kaum zugeben, das hat gleich was von einem Loser. Traurig, dass es so ist. Die vielen emotionalen Reaktionen auf die Text-Passagen (!!) zeigen jedoch, dass sie mit den Aussagen einen Nerv der Zeit getroffen hat. Also Bestseller verdächtig ;-)


  • von Stefanie@karotten am 10. September 2009, 14:19 Uhr

    Ich weiß ja nicht, wo und wie Frau Maier genau entbunden hat und welche Ursache hinter ihrer ungeheuren Abscheu vor den Geburten stecken, aber ich hatte schmerzhaftere Ereignisse in meinem Leben als die Geburten meiner Kinder. Nämlich Nierenkoliken und die Behandlung einer entzündeten Zahnwurzel.
    Denkt Frau Maier eigentlich gar nicht an ihre eigenen Kinder? Was für ein Gefühl wird dieser Verriss bei ihnen hinterlassen, wenn sie lesen, dass ihre Mutter sie am liebsten zurückgegeben hätte?! Ich finde dieses Werk absolut unverantwortlich und habe den Eindruck, dass weniger Tatsachen dahinter stecken, sondern viel mehr eine Möglichkeit gesucht wurde, auf reißerische Art möglichst viele Menschen zu erreichen und entsprechend viel Geld mit diesem Werk zu verdienen.


  • von Katja am 7. August 2009, 11:16 Uhr

    Eine Polemik ist nie politisch korrekt und immer provokant.Doch das Augenzwinkern muss man hier doch sehen, oder etwa nicht? Und wenn man auf em Büchermarkt schaut, welche Bücher Corinne Maier noch geschrieben hat, weiß man ihre ehrliche, pardauzige Art zu deuten.

    Im Grunde hat sie doch Recht - auch wenn sie an einigen Stellen übertreibt bzw. dramatisiert.

    Und ganz sicherlich fallen mir für jeden ihrer 40 Gründe gegen Kinder 40 weitere [b]FÜR[/b] Kinder ein. Und das ist gut so! Trotzdem muss man respektieren, dass es Menschen gibt, für die die 40 Gründe von Corinne Maier im Vordergrund stehen - und es nicht verwerflich ist, sich gegen Kinder entscheiden.

    Mich würde nur mal interessieren, wann sie dieses Buch ihren eigenen Kindern zu lesen gibt und ob sie dann im Alter ohne sie da steht. ;o)


(219 Kommentare)

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