Dieser Artikel ist nicht mehr verfügbar.

Von Krippenplätzen und Gebärmaschinen

Weiterleiten Drucken
: Von Krippenplätzen und Gebärmaschinen

Es ist nicht zu fassen, was sich dieses Land derzeit für eine Diskussion leistet. Da werden Frauen zu Gebärmaschinen erklärt, über die "arbeitsgerechte Familienwelt" nachgedacht statt über die familiengerechte Arbeitswelt und der Ausbau der Krippenplätze verteufelt, als sei es Misshandlung, wenn man sein Kind in eine Tagesbetreuung gibt. Die Debatte ist an Unsachlichkeit nicht zu überbieten und geht an den wirklichen Wünschen und Nöten von Eltern vollkommen vorbei. Wir plädieren für einen Blick in die Realität.

Hier mal die Fakten.

  • Zuerst einmal: Es geht um einen Ausbau der Krippenplätze auf 35%, bis 2013! Hallo? Das bedeutet, dass gerade mal ein Drittel der unter 3-jährigen dann einen Platz fände. Demgegenüber steht der Wunsch der Eltern nach einem Krippenplatz: 36 % bundesweit von unter Dreijährigen. Davon 13 % im ersten Lebensjahr, 31 % im zweiten Lebensjahr, nahezu 60 % nach dem zweiten Geburtstag im dritten Lebensjahr.
  • Damit sind wir beim nächsten Punkt: Niemand, auch nicht die Eltern wollen ihre frisch entbundenen Säuglinge scharenweise in eine Krippe abschieben. Wie die obigen Zahlen zeigen, ist die Betreuungslücke vor allem eine bei den Zweijährigen.
  • Und auch da geht es nicht um eine fünf-Tage-von-7-bis-17-Uhr-Betreuung. Die meisten Eltern (Mütter) in Deutschland arbeiten Teilzeit. Tageweise oder halbtags. Sie brauchen eine Betreuung für vier bis fünf Stunden täglich oder zwei bis drei Tage pro Woche. Weil es die aber nicht ausreichend gibt, bleiben die Frauen ganz zu Hause und schneiden sich damit immer weiter vom problemlosen Weg zurück ins Berufsleben ab. Ganz zu schweigen von ihren Vorsorgemöglichkeiten fürs Alter.
  • 84 % der nicht erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 3 Jahren, streben eine Berufstätigkeit an. Für gut die Hälfte unter ihnen (55 %) sind ausschließlich die fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten der Grund, warum sie ihre beruflichen Pläne nicht verwirklichen können. Das ist ein Skandal.
  • Solange man sich in Westdeutschland für einen Krippenplatz anstellen muss, wie zu DDR-Zeiten für ein Auto, kann man nicht wirklich von Wahlfreiheit sprechen. Ein Armutszeugnis für einen modernen, demokratischen Staat.
  • In den letzten Jahren haben sich die Bedürfnisse der jungen Mütter drastisch verändert. Wollten 1999 "nur" 48 % ihr Zweijähriges fremd betreuen lassen, waren es 2004 schon 61 %. Für die Einjährigen stieg die Zahl von 23 % auf 34 %. Spätestens Anfang nächsten Jahres, wenn die erste "Generation" des neuen Elterngeldes keine staatliche Förderung mehr bekommt, wird es den nächsten Schub geben. Die Frauen werden reihenweise fragen: "Und jetzt? Ich soll zurück in den Job und wohin mit dem Kind?" Fraglich, ob da ein Ausbau der Krippen auf 35 % (bis 2013) den tatsächlichen Bedarf decken wird.
  • Wenn wir schon von Qualität in der Kinderbetreuung sprechen: Wer sagt, dass die Betreuung in der Krippe schlechter ist, als bei der Mutter zu Hause? Vor einem halben Jahr haben wir noch darüber diskutiert, wie schlecht gebildet Deutschlands Kinder sind. Wie viel mehr Wert wir auf frühkindliche Bildung legen müssen, wie die Finanzmittel aus den übergeförderten Hochschulen in den unterfinanzierten Bereich der Kindergärten und Grundschulen gezogen werden können.

    Eine gute Krippe mit ausgebildeten Erziehern kann für ein Kind eine Bereicherung sein. Nicht nur für Kinder aus Problemvierteln, die zu Hause mit Cola und Chipstüte vor dem Fernseher geparkt werden.
Weiterleiten Drucken
 
Kommentar schreiben

Name
E-Mail

Kommentar (max. 1000 Zeichen)

Bild hochladen (optional)


* Bitte geben Sie eine gültige E-Mail Adresse ein. Diese wird später nicht auf unserer Seite zu sehen sein. Um Missbrauch zu vermeiden, senden wir Ihnen jedoch eine Mail mit einem Aktivierungslink. Einfach anklicken und schon ist ihr Beitrag online.









ELTERN Heft & Abo
Jetzt online ins aktuelle ELTERN-Heft reinblättern.
Abo, Probeabo, Geschenkabo oder Empfehlung: immer mit Prämie!