Kinderarmut
EU lobt deutsches Sozialsystem

19 Millionen Kinder in Europa leben laut einer aktuellen EU-Studie in Armut oder sind davon bedroht. Im Vergleich zu Großbritannien, Italien oder Spanien sind die Zahlen in Deutschland niedrig. Aber: Die EU-Kommission kritisiert, dass hierzulande die Arbeitslosigkeit der Eltern häufig der Grund für Kinderarmut ist.

Die Zahlen sind alarmierend: Jedes fünfte Kind in Europa ist von Armut betroffen. Das sind insgesamt 19 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter bis 17 Jahre, heißt es in dem Jahresbericht über Sozialschutz und soziale Eingliederung der EU-Kommission. Als arm gilt, wer höchstens 60 Prozent des Durchschnittseinkommens in seinem Land zur Verfügung hat. Für eine deutsche Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern liegt diese Grenze bei 1.596 Euro monatlich.

In Deutschland leben zwölf Prozent der Kinder in armen Familien. Im Vergleich stehen Italien, Großbritannien oder Spanien schlechter da. Sie liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt von 19 Prozent. In Deutschland, so Experten der EU-Kommission, arbeite das Sozialsystem effektiv: Es bewahre durch Arbeitslosengeld, Hartz IV oder Kindergeld viele Kinder (65 Prozent) vor einem Abrutschen unter die Armutsgrenze. Nur in Finnland sei der Sozialstaat noch effektiver. Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland angesichts steigender Kinderarmut heftig über ausreichende Sozialleistungen für betroffene Familien diskutiert. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem eine Erhöhung des Kinderzuschlags von derzeit maximal 140 Euro monatlich.

Kritik an deutscher Arbeitmarktpolitik

Trotz der guten Noten für das Sozialsystem hat die EU-Kommission Deutschland nicht in die Gruppe A, also die Gruppe der Länder, in denen Armut an allen Fronten relativ gut bekämpft wird, eingestuft. Der Grund dafür liegt in dem hohen Anteil von armen Kindern, die in reinen Arbeitslosen-Haushalten aufwachsen. In Deutschland waren das im vergangenen Jahr 9,3 Prozent der Kinder. Im EU-Durchschnitt sind es zehn Prozent. Die EU-Kommission kritisiert, dass diese Familien nicht von dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung profitiert haben. Benachteiligte Familien müssten einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen. Und für die Menschen, die eine Arbeit hätten, müsste der Lohn auch zum Leben ausreichen.

Am erfolgreichsten gehen laut EU-Kommission die skandinavischen Länder, die Niederlande, Österreich, Zypern und Slowenien gegen Kinderarmut vor. Bei ihnen gibt es neben "relativ hohen effektiven Sozialleistungen" auch eine aktive Beschäftigungspolitik und gute Betreuungsangebote für Kinder von berufstätigen Eltern.