Elterngeld

Ausbau der Vätermonate auf Kosten der Mütter?

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Die klassische Elterngeld-Aufteilung: Sie bleibt zwölf Monate zuhause, er zwei


Zwölf Monate lang bekommt ein Elternteil seit dem 01. Januar 2007 nach der Geburt des Kindes Elterngeld. Meist sind es die Mütter, die sich mindestens für das erste Lebensjahr ihres Kindes eine berufliche Auszeit nehmen. Um aber auch die Väter vermehrt in die Betreuung des Nachwuchses einzubinden, erhalten Paare, bei denen der andere Partner mindestens zwei Monate lang ebenfalls eine Jobpause einlegt (daher auch der umgangssprachliche Begriff "Vätermonate"), 14 Monate lang Elterngeld.

Wie das Statistische Bundesamt feststellte, nehmen mittlerweile fast 24 Prozent aller Väter diese Partnermonate in Anspruch. Die meisten von ihnen nehmen allerdings tatsächlich nur diese zwei Monate. Damit sind es nach wie vor die Frauen, die den Löwenanteil der Kinderbetreuung übernehmen - und die daher unter Umständen auch im Beruf größere Schwierigkeiten haben, weil Vorgesetzte bei ihnen längere berufliche Auszeiten einkalkulieren als bei den Männern.

Sind vier Vätermonate der Bundesregierung zu teuer?

Im Koalitionsvertrag hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung deshalb noch festgelegt, dass die Elterngeld-Regelung ausgebaut werden sollte. Im Gespräch war dabei vor allem die Erhöhung der bisher zwei Vätermonate auf vier. Die Mütter hätten weiterhin zwölf Monate lang Anspruch auf Elterngeld gehabt.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" jetzt berichtete, hat Familienministerin Kristina Schröder (CDU) diese Pläne nun gestoppt. Die Zeitung beruft sich auf Abgeordnetenkreise, denen zufolge diese Pläne die Kosten des Elterngeldes erhöht hätten. Derzeit liegen die Kosten bei etwa vier Milliarden Euro pro Jahr.

Mehr Vätermonate, aber weniger Elterngeld für die Mutter - eine Alternative?

Rein theoretisch gibt es jedoch noch einen anderen Weg, um die Vätermonate auszuweiten. So könnte die Bundesregierung etwa eine andere Aufteilung der 14 Monate beschließen - zum Beispiel zwei Monate mehr für die Väter bei gleichzeitiger Reduizierung der Ansprüche der Mutter um eben diese beiden Monate. Die Mutter könnte dann zehn Monate lang Elterngeld beziehen, der Vater hätte vier Monate lang einen Anspruch - wenn er sich in dieser Zeit um das Kind kümmert, während die Mutter wieder berufstätig ist. In einigen skandinavischen Ländern ist das längst üblich.

Nur: Wären die Mütter überhaupt bereit, eher wieder in den Job zurück zu kehren, damit ihr Mann sich ein paar Monate länger um das Kind kümmern kann? Ist nicht für viele junge Mütter die Vorstellung, bereits nach einem Jahr nicht mehr ständig bei ihrem Kind sein zu können, schwierig? Und wird es nicht auch finanziell schwierig, wenn noch länger nur noch rund zwei Drittel des Gehalts des Mannes, der ja meist der Hauptverdiener ist, in die Familienkasse fließt? Nicht zuletzt würde eine solche Kürzung ja auch Familien treffen, in denen der Mann überhaupt keine Vätermonate nehmen kann oder will - auch bei ihnen würde die Frau in einem solche Szenario weniger lang Elterngeld beziehen.

Die Union glaubt die Antwort auf diese Fragen bereits gefunden zu haben: Nein, eine Kürzung des Elterngeldes könne man den Müttern nicht zumuten, finden diese der "Süddeutschen Zeitung" zufolge. Aber haben Sie Recht? Uns interessiert, wie die Mütter und Väter auf Eltern.de darüber denken. Machen Sie mit bei unserer - zugegebenermaßen zumindest derzeit hypothetischen - Umfrage. Wir sind sehr gespannt aus das Ergebnis!

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Den bisherigen Anspruch der Mütter auf zwölf Monate Elterngeld kürzen, damit die Väter mehr Partnermonate nehmen können - was halten Sie davon?

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  • von Jera am 14. April 2011, 10:39 Uhr

    Es ist wirklich schade, dass immer wieder versucht wird auf Kosten von Familien zu sparen. Wenn die Vätermonate ausgebaut werden sollen, dann doch bitte nicht dadurch, dass das Geld für die Mütter gekürzt wird. Es müsste eher überlegt werden, wie der Anreiz erhöht werden könnte, dass Väter in Elternzeit gehen wollen und können, finanziell ist das ja meist kaum machbar, weil Frauen zu wenig verdienen.


  • von Marit Schäfer am 12. April 2011, 13:03 Uhr

    Das wären doch voll aufgezwungene Vätermonate. Mein Mann war vor der Geburt Studentund verdient jetzt voll beim Elterngeld heißt, dass aber runter auf 300€ und nicht 67% vom aktuellen Gehalt, für uns finanziell unmöglich. Wen der Mann zuhause bleiben möchte kann er dass ja jetzt auch tun ohne es allen Familien aufzwingen zu müssen. Leider sind die Männer in unserer Gesellschaft immer noch Hauptverdiener und dass ändert sih auch nicht durch Vätermonate.


  • von diana13 am 12. April 2011, 10:04 Uhr

    Tatsache bleibt weiterhin, dass es sich die wenigsten Familien leisten können, über Monate auf einen Teil des Einkommens des Vaters zu verzichten bzw. die Mutter als Hauptverdienerin nicht ausreicht. Somit erübrigt sich dann die Frage, ob Vätermonate überhaupt genommen werden, geschweige denn, diese auszuweiten.


  • von piccolina am 11. April 2011, 22:28 Uhr

    Liebe Eltern-Redaktion,
    ich finde die Frage falsch gestellt. Die hier beschriebene andere Aufteilung der 14 Monate ist doch auch ohne jegliche Gesetzesänderung längst möglich. Es steht doch nirgendwo geschrieben, dass Väter nur diese zwei "Väter"-Monate nehmen dürfen. Die 14 Monate können flexibel unter beiden Partnern aufgeteilt werden, dafür brauch es keinen Beschluss der Bundesregierung. Der einzige Punkt in Ihrem Bericht, der tatsächlich neu wäre, ist die Tatsache, dass dann Familien, in denen nur ein Partner Elterngeld bezieht, weniger Bezugsmonate zustehen würden. Also handelt es sich hier keineswegs um einen Ansatz, die Väter stärker einzubeziehen (denn das ist nach der bisherigen Regelung auch schon möglich), sondern um ein reines Sparprogramm auf Kosten junger Familien.


    (4 Kommentare)

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