Familienpolitik
Babys in die Tagesschau!

Dorothee Bär, familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU Bundestagsfraktion stellte sich den Fragen der Redaktion. Sie beantwortete auch die Fragen, die Sie uns über das Forum und unsere Facebook-Seite zukommenließen. Die 34-jährige Politikerin ist Mutter von drei Kindern ( 6 ½, 2, 5 Monate). Betreuungssorgen kennt sie also von innen. Was Dorothee Bär vor allem schaffen möchte: Wahlfreiheit. Jede Familie soll selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder fremdbetreuen lässt oder Vater oder Mutter sich zu Hause um die Kleinen kümmern. Das Betreuungsgeld ist in den Augen der Politikerin ein guter Schritt zur Wahlfreiheit.

Familienpolitik: Babys in die Tagesschau!

200 Milliarden Euro lässt sich der deutsche Staat Familien kosten. Viel Geld, wenig Wirkung. So nüchtern ist das Fazit der Spiegel-Titelgeschichte von dieser Woche. Ist das mehr oder weniger gerechte Verteilen von Geld Ziel guter Familienpolitik? Oder gibt es auch andere Ansätze, so lautete die erste Frage an Dorothee Bär.

"Familienpolitik muss für mich den Anspruch haben, Lust auf Kinder und Familie zu machen". Und wie soll das gehen? Dorothee Bär will zum Beispiel noch Kinderlosen zeigen, wie wunderbar Babys sind. "Warum nicht Babybilder als Rausschmeißer aus der Tagesschau?" Der Politikerin ist es wichtig, Kinder nicht als teure Last, als Spaßbremse, als Hindernis bei Karriere und Selbstverwirklichung darzustellen. Und: "„Es kann doch nicht sein, dass man in Deutschland mit mehr als einem oder zwei Kindern irgendwie verdächtig ist."

Von sich selbst sagt Dorothee Bär, sie sei nach der Geburt ihres ersten Kindes eine bessere Politikerin geworden. Entspannter und mit schärferem Blick auf das Wesentliche.

Für welches Mutterbild steht die CSU?

Für welches Mutterbild steht die CSU?

"Jede Mutter und jeder Vater soll selbst entscheiden dürfen, ob das Kind früh in professionelle Betreuung soll oder erst einmal zu Hause aufwachsen. Diese Wahlfreiheit ist meiner Partei wichtig. Und: Keine Frau, kein Mann, soll sich ständig für das eigene Modell rechtfertigen müssen. Es steht dem Staat nicht zu, ein Modell als ideal anzusehen und alle Förderung da hinfließen zu lassen. Das Betreuungsgeld ist ein Schritt zu echter Wahlfreiheit für Eltern", so fasst Dorothee Bär die Haltung ihrer Partei zusammen.

Fruchtbarkeit als Schulfach?

Fruchtbarkeit als Schulfach?

Dorothee Bärs Idee für die Lehrpläne: Jugendlichen im Biologie-Unterricht nicht nur beibringen, wie man Kinder nicht macht. Sondern Aufklärung über Fruchtbarkeit, besonders über die schwindende Fruchtbarkeit mit zunehmendem Alter der Frau. "Die meisten Frauen leben in den Gefühl, mit 35 ist es früh genug an Kinder zu denken. Und wenn es bis 40 nicht geklappt hat, hilft die Fruchtbarkeitsmedizin. In Wahrheit hat man nicht alle Zeit der Welt. Genau das sollte im Fach Biologie deutlich angesprochen werden. Mit 40 sind die Eizellen 40 Jahre alt. Da kann die Frau noch so jugendlich wirken. Ich persönlich finde es gut, die Kinder jung zukriegen. Ich war 28 beim ersten und fand das gerade richtig. Obwohl ich mir im Geburtsvorbereitungskurs manchmal vorkam, als hätte ich eine Teenager-Schwangerschaft gewagt. Kinderkriegen unter 30 darf aber nicht länger ungewöhnlich sein!"

Welche nächsten Maßnahmen soll Familienpolitik angehen?

Welche nächsten Maßnahmen soll Familienpolitik angehen?

Dorothee Bär möchte Frauen den Wiedereinstieg nach der Familienpause erleichtern. Frauen sollen nicht länger Manövriermasse auf dem Arbeitsmarkt sein. Deshalb: Flexibler Wiedereinstieg. Und: Sind die Kinder dann größer, sollten Frauen Anspruch auf Vollzeitbeschäftigung haben und nicht im Teilzeitjob klebenbleiben müssen.

Auch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist Dorothee Bär ein wichtiges Anliegen. Frauen (und Männer), die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern, sollen eine staatlich geförderte Pause vom Beruf machen können.

Und der dritte Punkt der nächsten Maßnahmen: "Eine Euphoriebewegung in Sachen Familie." Ob das nun die Babys in der Tagesschau sein könnten oder der Auftrag an die Politiker im Fernsehrat, für ein besseres TV-Familienbild zu sorgen.

Das sagt Dorothee Bär zu Eltern.de-Userfragen

Das sagt Dorothee Bär zu Eltern.de-Userfragen

Frage: Warum gibt es das Betreuungsgeld erst für Kinder, die ab dem 1. August 2012 geboren wurden? Was machen Mutter, die ihre Kinder davor gekriegt haben? Und die keinen Krippenplatz haben?
Dorothee Bär: Der Stichtag klingt in der Tat ungerecht. Aber ohne Zeitregelung wäre das Betreuungsgeld komplett gescheitert.

Frage: Warum hält die CDU/CSU am Betreuungsgeld fest und verhindert so den Ausbau weiterer dringend benötigter Krippenplätze?
Dorothee Bär: Das stimmt so nicht, denn es wurden 580 Millionen zusätzlich für den weiteren Krippenausbau zur Verfügung gestellt. Wichtig ist, dass der tatsächliche Bedarf bei den Kommunen nachgefragt wird. Und Krippenplätze gezielt da geschaffen werden, wo man sie wirklich braucht.

Frage: Wie sollen Eltern, die in sozialen Berufen arbeiten, mit den Öffnungszeiten der KiTas zurechtkommen? Wohin mit dem Kind, wenn der Frühdienst im Altenheim um 6 Uhr beginnt und der Kindergarten um 7.30 erstaufmacht? Und auch der Vater des Kindes Schicht arbeitet?
Dorothee Bär: Man muss sich den Einzelfall anschauen. Für flexible Öffnungszeiten lohnt es sich zu kämpfen. Mit den Betreuungseinrichtungen, die rund um die Uhr geöffnet haben, kann ich mich aber nicht so recht anfreunden. Man muss doch an die Kinder denken.

Frage: Hortplätze für Schulkinder sind immer noch Mangelware. Wann wird das endlich besser?
Dorothee Bär: Es ist schon viel geschehen in den letzten Jahren. Sicher ist noch nicht alles perfekt, aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Ein Motto für die Familienplanung?

Ein Motto für die Familienplanung?

"So viele Frauen und Männer warten auf den richtigen Moment, um eine Familie zu gründen. Es gibt ihn aber nicht, den genau richtigen Moment. Es gibt immer Gründe, warum es jetzt nicht passt. Mein Fazit, auch aus eigener Erfahrung: Weil es den perfekten Moment nicht gibt, gibt es nur richtige Momente."

Von:Rosemarie Wetscher