Kinderbetreuung

Kitaplatz, wo bist du?

16. Februar 2009 Weiterleiten Drucken Bookmarks
Kinderbetreuung : Kitaplatz, wo bist du?

2013 ist noch weit entfernt! Oder nicht?

Der Countdown läuft unerbittlich: Noch vier Jahre, dann haben Eltern in Deutschland gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren. Um dem gerecht zu werden, so haben die Experten errechnet, muss dann für jedes dritte Kleinkind ein Betreuungsplatz vorhanden sein. In Zahlen bedeutet das: Bis 2013 müssen 750.000 neue Plätze in Kitas und bei Tagesmüttern geschaffen werden.

Wir ziehen eine Zwischenbilanz

Vier Jahre, das wissen nicht nur Eltern, vergehen im Fluge. Zeit also, mal etwas genauer hinzugucken: Wird man das schaffen? Vier Jahre können aber auch Lichtjahre bedeuten - für die Eltern nämlich, die aktuell oder in einem Jahr eine Betreuungsmöglichkeit brauchen. Deswegen schauen wir hin: Was hat sich bis jetzt schon getan? Anhand von aktuellen Daten des statistischen Bundesamts vom Dezember 2008 und Analysen des Deutschen Jugendinstituts in München ziehen wir hier eine Zwischenbilanz.

Die gute Nachricht zuerst: Es passiert etwas

Alle reden von mehr Betreuung - und keiner tut was? Dieser Vorwurf trifft nicht zu. Denn betrachtet man den Anstieg der Plätze in Tageseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren, dann sieht man: Es bewegt sich sehr wohl etwas. So ist die Zahl der dort betreuten Kinder ist von 2007 auf 2008 (Stand: März) bundesweit um 12,4 Prozent gestiegen, auf rund 313.000. Besonders deutlich ist der Anstieg in den westdeutschen Bundesländern: Hier werden 21,8 Prozent mehr Kinder unter drei Jahren in Tageseinrichtungen betreut - also fast 30.000 Kleinkinder mehr als 2007. Übrigens: In den ostdeutschen Bundesländern fällt der Ausbau geringer aus - dort haben aber heute bereits über 35 Prozent (mehrheitlich sogar über 40 Prozent) der Kinder einen Betreuungsplatz.

Zuwachs bei Kindertagespflege: 72 Prozent!

Neben der Betreuung in den Tageseinrichtungen gibt es ja auch die Kindertagespflege, also die Betreuung durch Tagesmütter. Und hier hat sich seit 2006 Wesentliches verändert: Die Zahl der unter Dreijährigen in Tagespflege ist in den westdeutschen Bundesländern von 2006 auf 2008 um 72 Prozent gestiegen. In den ostdeutschen Bundesländern (mit Berlin) gab es einen Anstieg von fast 25 Prozent. Die Zahl der Tagesmütter ist übrigens nicht so stark gewachsen: von rund 25.500 in 2006 auf 31.000 in 2008 (Westdeutschland) - das sind 21,1 Prozent.

Dringend noch einen Gang höher schalten

Sollen wir die Korken schon knallen lassen? Das Deutsche Jugendinstitut in München ist da eher zurückhaltend. In einem aktuellen Bericht zur Lage der Kinderbetreuung in Deutschland betonen die Experten: "Dies ist eine Entwicklung in die richtige Richtung, allerdings noch mit zu geringem Volumen." Denn sollen bis 2013 tatsächlich 35 Prozent der Kleinkinder betreut werden können, dann fehlen allein bei den Tagesmüttern noch 20.000 neue Angebote pro Jahr!

Es geht voran, aber zu langsam

Schauen wir uns doch die Anstrengungen für das Ziel 35 Prozent in 2013 noch einmal etwas genauer an: Innerhalb von zwei Jahren wurden in den westdeutschen Bundesländern 66.000 zusätzliche Angebote in Tageseinrichtungen und Kindertagespflege für unter Dreijährige geschaffen (Stand: März 2008). Damit hatten 4,2 Prozent mehr Kinder einen Betreuungsplatz - nämlich 12,2 Prozent der unter Dreijährigen insgesamt. Bis 2013 soll die Quote auf 35 steigen; dass da beim Ausbau noch einmal ordentlich Tempo gemacht werden muss, ist ziemlich deutlich!

Sie möchten wissen, wie in Ihrem Bundesland der Ausbau bisher klappt? Die folgende Tabelle zeigt es. Wichtig ist vor allem die dritte Spalte, denn sie zeigt, wie weit die einzelnen Länder auf dem Weg zu 35 Prozent schon sind.

BundeslandBetreute Kinder 2008Veränderung zu 2007 in ProzentBetreuungsquote (in Prozent) 2008
Baden-Württemberg38.58216,813,7
Bayern42.80721,913,2
Berlin35.9664,140,5
Brandenburg24.9033,844.8
Bremen2.07822,512,8
Hamburg11.0275,522,9
Hessen22.44813,714,3
Mecklenburg-Vorpommern16.9201,144,9
Niedersachsen18.19028,49,2
Nordrhein-Westfalen42.63233,29,4
Rheinland-Pfalz14.68823,515,1
Saarland3.12314,914,2
Sachsen35.1646,036,5
Sachsen-Anhalt26.9861,752,7
Schleswig-Holstein8.14638,311,7
Thüringen19.5303,838,9
Deutschland gesamt364.19013,317,8
Westdeutschland ohne Berlin203.72122,312,2
Neue Länder ohne Berlin124.5033,642,4

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Hat es bei Ihnen mit dem Krippenplatz gut geklappt? Oder stehen Sie noch auf der Warteliste und ärgern sich über fehlende Angebote? Wir sind gespannt auf Ihre Berichte!

Autor

Eva Becker
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Kommentare zu diesem Artikel
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  • von holtenau am 17. Februar 2009, 15:07 Uhr

    Ich hab meinen Sohn schon vor der Geburt anmelden wollen, was nicht ging (Aberglauben?), und also gleich danach alles in die Wege geleitet. Im März wird er 3 und steht noch immer ohne Kindergartenplatz da. So ist das hier im Raum Bodensee - in einer der grösseren Städte! Ich bin stinksauer und mein Sohn traurig, er will so gerne in den Kindergarten. Ich bezahle derweil eine private Kinderbetreuung, die ins Haus kommt, und gebe mein ganzes Gehalt dafür aus.


  • von jolle am 17. Februar 2009, 12:20 Uhr

    ich muss sagen, bisher hatte ich immer Glück und konnte rechtzeitig Betreuungsmöglichkeiten für meine Kinder finden. Mein großer Sohn war zunächst bei einer Tagesmutter, die ich mir selbst gesucht hatte, dann kam er in eine Krippe, deren Anzeige ich per Zufall in der Zeitung gefunden hatte. Unser zweiter Sohn kam da dann auch zunächst hin, allerdings war die finanzielle Seite für uns dort sehr schwierig, weil ich als Studentin kein Einkommen habe und mein Mann als Bundeswehrsoldat nun auch nicht gerade reich ist. Wir bekamen kaum Unterstützung von der Gemeinde, weil die Krippe nicht in der Gemeinde lag und sonst auch nicht öffentlich unterstützt wurde zunächst. Allerdings muss ich dazu sagen, dass unsere Gemeinde keine Krippenplätze hat. Mittlerweile geht mein gr. Sohn in die Kita, die leider nur bis 13:30 Uhr geht, aber danach geht er noch zur Tagesmutter, bei der jetzt auch mein kl. Sohn ist. Die Kosten betragen für uns aber lediglich 170 € für die Tagesmutter.


  • von Anna am 17. Februar 2009, 11:37 Uhr

    Ich habe mich über die schlechte Situation in unserer Gegend (ländlich, B-W) schon viel zu oft aufgeregt. Bisher ist es mir noch nicht gelungen für meinen ungeborenen Sohn einen Platz ab 05/2010 zu finden, damit ich wieder voll berufstätig sein kann. Entweder schließen die Krippen über Mittag, oder wir fallen nicht ins Einzugsgebiet und werden nicht mal auf die Liste gesetzt! Dabei wären wir schon bereit 30km pro Strecke zu fahren, oder einen höheren Betrag zu zahlen. Es ist wohl eine Änderung des Einzugsgebietes geplant, aber ob das noch klappt?! Einer Tagesmutter möchte ich mein Kind nicht anvertrauen, mal abgesehen davon, dass die pro Monat 700€-800€ verlangt.
    Sicherlich ist hier schon viel passiert, aber immer noch zu wenig, wenn man die Zahlen aus Thüringen, Sachsen oder Meck.-Pom. anschaut!
    Wie soll ich mich nach der Geburt bezüglich der Dauer der Elternzeit festlegen, wenn ich mein Kind erst 6 Monate vor Ablauf der Elternzeit verbindlich anmelden kann?


  • von Katja am 17. Februar 2009, 11:02 Uhr

    Selbst in den Niederlanden, wo es meist genügend Krippenplätze gibt, ist es normal, dass man ein Baby VOR der Geburt anmelden muss. Ist ja auch logisch, wenn das Baby nach dem Mutterschutz in die Krippe soll. Normalerweise meldet man das Kind an, wenn man im 4. Monat schwanger ist. Wenn man dann auch einen Platz bekommt, finde ich das nicht weiter schlimm.


    (4 Kommentare)

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