Australien
Am schönsten Ende der Welt

Mit kleinen Kindern nach Australien? Klingt ein bisschen verrückt. Ist es aber nicht - wenn man lange genug spart und vor Ort die richtigen Ziele wählt. ELTERN-Autorin Bettina Laude über Babybecken, Bio-Burger und Beuteltiere auf einem faszinierenden Kontinent.

Mit Kindern Australien entdecken? Am besten im Wohnmobil!

Australien ist fast so groß wie Europa. Klar, dass man in ein paar Wochen nicht das ganze Land erobern kann. Andererseits fliegt man nicht ans entgegengesetzte Ende der Welt, um dort an einem einzigen Ort Hotelurlaub zu machen. Was also tun? Vor sieben Jahren, als wir Niklas (knapp vier Jahre) und Johann (ein Jahr) noch nicht hatten, waren wir als Backpacker unterwegs. Das wäre heute mit den beiden keine so gute Idee. Daher hieß unsere Lösung schließlich: drei Wochen mit dem Wohnmobil durch den Südwesten Australiens fahren und dann drei Wochen an der Ostküste verbringen - rund um unsere Lieblingsstadt Sydney. Wer nicht so viel Zeit hat, entscheidet sich am besten für eine der beiden Regionen.

Vier gute Gründe sprechen für eine Rundreise am Südwestkap mit Start und Ziel in Perth, der Hauptstadt von Western Australia. Der erste: die großartige Natur. Der zweite: die kurzen Distanzen. Maximal 70 Kilometer legen wir mit unserem Wohnmobil pro Tag zurück. Dritter Grund: Obwohl der Bundesstaat etwa ein Drittel des Kontinents umfasst, leben dort weniger Menschen als in Berlin. Deshalb gibt es jede Menge Platz, zugleich ist die Infrastruktur so gut, dass Supermärkte und im Notfall auch Ärzte jederzeit erreichbar sind. Nicht zuletzt spricht für den Südwesten, dass hier - anders als im tropischen Norden Australiens - keine lebensgefährlichen Tierarten leben. Von ein paar Giftschlangen in der Wüste mal abgesehen. Aber da wollen wir sowieso nicht hin.

Dafür können unsere Jungs auf Penguin Island Zwergpinguine in freier Wildbahn beobachten. Auf dem Campingplatz von Pemberton werden wir vom Gekreisch der Papageien und Kakadus geweckt. Und während wir durch weites Buschland fahren, sehen wir Emus durch das ockergelbe Gras laufen. Der Höhepunkt für Niklas und Johann ist aber die Delfin-Forschungsstation in Bunbury (Infos unter www.dolphindiscovery.com.au). Zusammen mit anderen Touristen stehen wir morgens um neun Uhr am Strand und starren auf den Indischen Ozean. "Um diese Zeit schwimmen eigentlich immer ein paar Delfine bis an den Strand", erklärt uns einer der freiwilligen Helfer des Dolphin Discovery Centre. Er hat recht, kurz darauf ruft jemand: "Es geht los!"

Wir nehmen die Jungs auf den Arm und waten bis zu den Oberschenkeln ins 24 Grad warme Wasser der seichten Bucht, wo sich schon die erste Rückenflosse direkt auf uns zubewegt. Es dauert nicht lang, bis einen Meter vor unseren Beinen mehrere Delfine ruhig ihre Kreise ziehen.

Je weiter wir uns von Perth entfernen, desto winziger werden die Orte. Wild campen auf einem Strandparkplatz? "No worries", sagen die Surfer an den Stränden von Margaret River. Kein Problem. Also trauen wir uns. Parken mit dem Wohnmobil neben einem bunt bemalten VWBus, grillen unsere Würstchen auf einer der kostenlosen Grillstellen, die es überall gibt, waschen uns in dem blitzblanken Waschhaus (an jedem Strand steht so eins) - und fühlen uns surfermäßig cool dabei.

In Denmark campen wir hinter riesigen Dünen im Ocean Beach Park. Als wir unseren Klapptisch aufgebaut haben und essen, tauchen plötzlich drei Kängurus auf. Auf der Fahrt hierher hatte Niklas immer wieder konzentriert nach ihnen Ausschau gehalten - vergeblich, trotz der gelben Känguru-Warnschilder am Straßenrand. Und jetzt stehen die Beuteltiere in der Abenddämmerung direkt vor unserem Wohnmobil. Offenbar hat sie das saftige, gut gewässerte Gras des Campingplatzes angelockt. Die Kinder sind mucksmäuschenstill. Wir schauen, die Kängurus schauen - dann knabbern alle zufrieden weiter.

Australiens lebendigste Metropole: Sydney

Sydney bleibt auch mit Kindern unsere Lieblingsstadt!
In Perth geben wir unser Wohnmobil ab und steigen ins Flugzeug nach Sydney. Rund vier Stunden später sind wir an der Südostküste. Bei unserem ersten Besuch vor sieben Jahren fanden wir, dass die Hauptstadt von New South Wales zu den lebenswertesten Metropolen der Welt gehört. Ob wir das mit Kindern immer noch finden?

Tun wir. Auch als Familie lebt es sich hier ganz entspannt. Klar, wir verbringen unsere Zeit jetzt mehr auf Strandspielplätzen als in tollen Bars. Und achten mehr als früher auf einen geregelten Tagesablauf - was aber leichtfällt, weil wir ein Zwei-Zimmer-Apartment mit Küche gemietet haben. Zuerst zehn Tage in Downtown Sydney und dann noch mal zehn Tage im Strandvorort nahe Bronte Beach.

Das Besondere an Sydney: Die Stadt ist rund um einen einzigartigen Naturhafen gebaut. Eine weitverzweigte Wasserlandschaft mit zwei mächtigen Felsen als Torwächtern, die man am besten mit der Fähre erkundet. Wir gehen jeden Tag an Bord (Tipp: den Travelpass Red kaufen!), lassen uns den Wind um die Nase wehen und steigen aus, wo es interessant aussieht. Manchmal bleiben wir auch einfach sitzen. Zählen, wie oft wir schon unter der Harbour Bridge hindurchgefahren sind. Staunen, aus wie vielen weißen "Segeln" Sydneys Wahrzeichen, das Opernhaus, besteht. "Können wir da mal reingehen?", fragt Niklas. Aber ja! Am besten zum "Babies Prom". Die liebevoll inszenierten Musiktheaterstücke finden regelmäßig vormittags statt (Termine unter www.sydneyoperahouse.com).

Vom Opernhaus ist es auch nicht weit zum historischen Stadtviertel The Rocks, wo 1788 Captain Arthur Phillip mit seiner Flotte vor Anker ging, um eine Kolonie mit britischen Strafgefangenen und ihren Aufsehern zu gründen. Eine Bucht weiter, in Darling Harbour, steht die originalgetreue Nachbildung des Schiffs, mit dem James Cook 1770 Australien entdeckte (der Dreimaster ist auch begehbar!).

Kleine Kinder brauchen regelmäßige Mahlzeiten. Das gilt auch auf Reisen, finden wir. Aber weil wir viel unterwegs sind - ob am Strand oder in der Stadt -, können wir unseren Jungs nicht immer etwas kochen. Andererseits wollen wir auch nicht ständig essen gehen. Zum Glück ist Ernährung auf die Hand in Australien oft gesund und günstig. Püriertes Obst mit Honigjoghurt, Wraps und Burger in Bio-Qualität und frische Thai-Gerichte gibt's an jeder Ecke.

Australiens berühmtester Strand ist Bondi Beach im Osten Sydneys. Besser gefällt uns der nicht so überlaufene benachbarte Bronte Beach. Niklas beobachtet stundenlang die Surfer, die sich dort in die krachende Brandung stürzen. Unser Kleiner findet es dagegen großartig, im seichten Wasser des Rockpools, eines von Felsen geschützten, natürlichen Babybeckens am Rande der Bucht, ausgiebig matschen zu können.

Außerdem gibt es am Bronte Beach noch einen Park mit kostenlosen Grills, Spielplätze mit Sonnensegeln und ein paar nette Cafs (Tipp: das leckere Eis im "Pure Bronte Pistachio" probieren!). Es gäbe noch viele andere schöne Orte aufzuzählen: die kleine Schnorchelbucht in Clovelly, den köstlichen Kinderwagentreffpunkt "clodeli fine foods" in der Clovelly Road, den ruhigen Balmoral Beach mit Superblick auf die Hafeneinfahrt und den besten Fish & Chips-Läden der Stadt. Weil die Liste so lang ist, bleibt Sydney auch mit Kindern unsere Lieblingsstadt.

Infos und Tipps für Ihre Australien-Reise

Touristeninformationen rund um Australien

www.westernaustralia.com

www.australiassouthwest.com

www.sydney.com (viele Tipps findet man unter dem Menüpunkt "Things to do", Stichwort "Family Holidays")

Beste Reisezeit

Im australischen Spätsommer (Februar bis April) oder im Frühling (Oktober, November)

Hinkommen

Mit Qantas , Singapore Airlines oder Emirates. Tipp: Mit Baby Plätze in der vordersten Economy-Reihe reservieren! Dort kann man ein Bettchen (Bassinet) an der Trennwand anbringen. Emirates hat Gläschen, Windeln, Kindermenüs und Spielzeug an Bord. Beim Buchen darauf achten, dass der Stopover nicht zu lang dauert.

Herumkommen:

Der Inlandsflug von Perth nach Sydney kostet ab ca. 135 Euro pro Erwachsenem. Der Inlandsflug von Perth nach Sydney ist am günstigsten mit JetStar und Virgin Blue

Ein Wohnmobil mit vier Schlafplätzen (zum Beispiel Kea Flip Top Campervan) kann man beim deutschen Veranstalter Australia Tours mieten. Tel. 0 83 74/2 32 36 27, www.australiatours.de

Übernachten

Oaks Hotels: Ideal für Downtown sind die Apartments der Oaks Gruppe, ab 109 australische Dollar pro Nacht, www.oakshotelsresorts.com
Preisklasse: €€

Stayz: Mehr-Zimmer-Apartments mit modernem Design finden Sie unter www.stayz.com.au
Preisklasse: €

Sonnenschutz
Unverzichtbar sind Hüte oder Kappen mit Nackenschutz, langärmlige Shirts oder Schwimmanzüge mit UV-Schutz. Jeder Surfshop bietet sie ab 30 Dollar in guter Qualität an. Unbedingt auch Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Impfungen
Für den Süden Australiens (Perth, Melbourne, Sydney) sind keine vorgeschrieben.

Versorgung vor Ort
Baby- und Kinderbedarf wie Windeln, Gläschen etc. gibt es in jedem Supermarkt. Bei Gläschen darauf achten, dass "organic" auf dem Etikett steht. Windeln sind etwas teurer als bei uns. Sonnenschutzmittel, Wundschutzcreme, Fieberzäpfchen etc. bekommt man in den Drogerien. Trotzdem von zu Hause eine umfangreiche Reiseapotheke mitnehmen.

Preiskategorien

€€€€ Luxusklasse €€€ Mittleres Preisniveau €€ Preiswert € Sehr günstig

Von:Bettina Laude