Usergeschichten
Familien, die im Ausland leben!

In Frankreich ist die Betreuung von Kleinkindern super geregelt, in China wird der Nachwuchs verhätschelt und in den USA ist es kein Thema drei Kinder und mehr zu haben. So die gängigen Klischees. Aber wie lebt es sich wirklich mit Familie im Ausland? Wie fühlt es sich an, im Gegensatz zu Deutschland? User berichten.

So meistern unsere User ihr Leben im Ausland:

Forum Familien im Ausland
Forum Familien im Ausland
© Thinkstock

Oh dear - als deutsche Mutter auf dem englischen Land
von Julia Wohlgemuth
  
Als ich vor vielen Jahren in der Schule Englischvokabeln paukte, ahnte ich noch nicht, dass es mich eines Tages mit einem richtigen Engländer und drei kleinen Halbengländern auf's englische Land verschlagen würde.
 
Als Schwangere und Mutter musste ich mich erst an einiges in meinem Gastland gewöhnen: Die im Vergleich zu Deutschland minimale medizinische Betreuung bei risikoarmen Schwangerschaften. Oder wenn man mit Wehen im Krankenhaus anruft und gesagt bekommt "Nehmen Sie doch erst noch ein paar Paracetamol und entspannen Sie sich". Die Schuluniformen, die sogar die Farben der Socken vorschreiben. Die kleinen Mädchen, die mitten im Winter mit Socken und kurzen Röckchen in die Schule laufen.
 
Sehr vieles sieht man hier entspannter als in Deutschland. Meiner Erfahrung nach laufen Kinder hier im Alltag eher einfach so mit als in Deutschland. Eltern verbiegen sich weniger, um ihre Freizeit kindertauglich zu machen. Vielleicht ist die Geburtenrate in Großbritannien deshalb höher als in Deutschland. An der guten Kinderbetreuung liegt es wahrscheinlich weniger. Obwohl Krippenplätze einfacher zu bekommen sind als in Deutschland, sind sie auch sehr teuer, was natürlich bei mehreren Kindern besonders ins Gewicht fällt. Für mich hat sich zum Beispiel nach dem zweiten Kind eine Rückkehr ins Büro finanziell nicht mehr gelohnt.
 
Mütter untereinander scheinen hier weniger im Konkurrenzkampf der verschiedenen Erziehungsstile zu stehen. Voll gestillt oder die Flasche gegeben? Darf das Kind fernsehen oder nicht? Dafür muss man sich hier auf dem Spielplatz nicht rechtfertigen.
 
An viele Dinge habe ich mich inzwischen gewöhnt und manches kommt mir mittlerweile in meinem Heimatland komisch vor. Nach wie vor gewöhnungsbedürftig finde ich jedoch den zeitigen Schulbeginn. Mein mittlerer Sohn beispielsweise wird im Juli vier Jahre alt. Im September beginnt er mit der Schule und strukturiertem Lernen. Dann muss er von Montag bis Freitag in seiner kleinen Schuluniform Lesen und Rechnen lernen, statt im Freien zu spielen, wie ich das für ein vierjähriges Kind angemessen fände.
 
Und trotzdem: Ich lebe gern hier, unter lauter Engländern, für die ich natürlich "the typical German" bin und bleibe, die ihren Kindern im Winter Strumpfhosen anzieht und andere merkwürdige Sachen macht. In meinem Blog schreibe ich übrigens viele meiner Erlebnisse auf (http://mitschirmcharmeundwindeln.blogspot.com).
 

Namibia
von Christin Zingelmann
  
Wir haben für 3 Jahre in Namibia, in der Haupstadt Windhoek, gelebt, geheiratet und unser erstes Kind zur Welt gebracht.
Die Schwangerschaft war unkompliziert in der Betreuung und ohne jegliche Sonderuntersuchungen. Der Ultraschall wird beim einem "Ultraschaller" (Studium am Polytechnicum) gemacht, der macht die Nackenfaltenuntersuchung nicht als Sonderbehandlung, sondern ist in der Vorsorge mit drin.
Ich wurde noch von einer Hebamme zusätzlich betreut, da wir eine Hausgeburt planten - nicht weil die Krankenhäuser so schlecht sind, sondern weil ich Angst vor Krankenhäusern hab und ja auch nicht krank war. Einen Geburtsvorbereitungskurs gab es auch, den ich sehr gut und informativ fand. zusätzlich gab es eine Stunde Pilates wöchentlich dazu.
Geburt verlief ohne Probleme und danach hat man ähnliche Untersuchungen wie hier, in den selben Abständen. Der Rückbildungskurs war auch super, wieder mit Pilates.
2 Monate hat man nach der Entbindung zuhause, dann müsste man wieder arbeiten. Glücklicherweise hatte meine Arbeitsstelle einen Betriebskiga (das Kindermädchen, welches sonst die Kinder der Chefs betreut hat)10 m vom Büro entfernt. So konnte ich weiter vollstillen nach Bedarf.
Ich glaube ab einem Jahr gibt es dann auch Kinderkrippen, bzw. dann Kindergarten. Die "weiße" Bevölkerung nutzt meist private Angebote.
Von meinen Freunden mit älteren Kindern weiß ich dann aber wie umständlich es ist, wenn die Kinder in Kiga oder Schule gehen, ab 12 ist da nämlich Schluss und dann muss man sich wieder selbst um die Betreuung kümmern. Und nervig, da es keinen ÖPNV gibt und bspw. Windhoek jetzt auch nicht die Radelstadt ist, dass man zu allen Hobbies und auch von und zur Schule/ Kiga mit Auto bringen muss.
Generell wäre ein "Kinder spielen auf der Straße" nicht denkbar, dafür war es zu gefährlich - bzw. ist man dann mit Kinderwagen spazieren gegangen, sprachen einen "weiße Einheimische" an, ob man Tourist sei, dass sei doch zu gefährlich... Toi toi toi uns ist nix passiert, waren wir doch aber auch aufmerksam und trugen keine Wertsachen groß mit uns rum.
Die Einwohner an sich, sind Kindern und Schwangeren durch und durch positiv gestimmt. Beide werden auf Händen getragen und man kommt schnell ins Gespräch.
Da haben wir uns dann doch sehr wohl gefühlt. Und nicht zu toppen sind die größten Sandkästen der Welt: Namib und Kalahari :-)) Ein Traum!
Ich könnte noch ewig weiterschreiben, aber das ist erstmal ein Überblick.