Schadstoffe
Gefahren lauern überall

Pestizide im Gemüse, Schadstoffe im Babybrei, gefährliches Spielzeug - fast jeden Tag werden Studien veröffentlicht, die uns sagen: Eigentlich dürfen wir kaum noch etwas anfassen oder essen. Vor allem Eltern fühlen sich durch die vielen Horror-Meldungen verunsichert. Wie ist das bei Ihnen? Schadstoffe: Gefahr oder Öko-Pest? Ihre Meinung ist gefragt!

Oliver Steinbach, stellvertretender Chefredakteur von ELTERN, ärgert sich über "Öko-Test"

Schadstoffe: Gefahren lauern überall

Oliver Steinbach ist stellvertretender Chefredakteur von ELTERN und Vater von drei Kindern. Er hat seine Wählerstimme mehrfach einer ökologisch orientierten Partei gegeben, trennt zu Hause den Müll und fuhr jahrelang ein 3-Liter-Auto. Was ihm nicht gefällt: wenn mit den Umweltsorgen anderer Menschen Geschäfte gemacht werden.
Lesen Sie hier seinen Standpunkt

Die Schlote qualmen. Der Panik-Industrie in Deutschland geht's gut. Als Redakteur einer Eltern-Zeitschrift darf mal allerdings vor den Folgen nicht die Augen verschließen: Gerade junge Familien sind anfällig für den ungehinderten Ausstoß von Horrormeldungen - sie reagieren mit akuter, oft auch chronischer Verunsicherung.

Einer der größten Angst-Produzenten ist das Magazin "Öko-Test". Unter dem Motto "Richtig gut leben" erklärt die Zeitschrift Monat für Monat, warum es etliche Gründe gibt, sich richtig viel Sorgen zu machen. Unheil lauert überall: in Butter und in Beißringen, in Fußbalsam und Küchenmaschinen, in Tampons und Gewürzgurken.

Positive Testergebnisse gehen in den zahlreichen Alarm-Artikeln allzu oft unter: Dass ökogetestete Brühwürstchen, Kinderstrumpfhosen und Computerspiele gut abgeschnitten haben, tröstet mich nicht wirklich über Bisphenol A im Tierspielzeug, über PAK in Plastik-Clogs und Pestizide in Kindernahrung hinweg. Richtig gut leben? Von wegen: Sich richtig schlecht fühlen!

Wir Eltern kommen der Öko-Test-Redaktion als Zielgruppe gerade recht. Weil Eltern alles richtig machen wollen. Weil es um das Wertvollste geht, was wir haben. Weil wir unsere Kinder keinesfalls giftigem Kindersaft oder belasteten Plastikrasseln aussetzen wollen. Aber auch, weil Meldungen über die Gefahr in scheinbar harmlosen Kinderprodukten immer medienwirksam für Aufmerksamkeit sorgen.

In einem Internetforum schreibt sich Jana ihren Frust nach der Lektüre des Öko- Test-Ratgebers "Kleinkinder" von der Seele: "Wenn man das liest, bleibt nicht mehr viel übrig, was man getrost auf sein Kind loslassen kann. Das ist ein Fass ohne Boden. Wo fange ich an, etwas zu verbessern für meine Kinder?"

Ein Verbraucher-Magazin soll Verbraucher aufklären. Aber bringt es mich wirklich weiter, wenn ich meiner Vierjährigen eine Puppe schenken möchte und erfahre, dass praktisch alle Produkte am Markt für die Tonne sind? Nachdem sie den entsprechenden Puppentest im Öko-Test-Jahrbuch 2008 gesehen hatte, herrschte bei einer ELTERN-Leserin nur noch Ratlosigkeit: "Können Sie mir bei dem Thema weiterhelfen?", schrieb sie an unseren Leserdienst. "Es muss doch eine Babypuppe geben, die man seinem Kind bedenkenlos in die Arme geben kann."



Um es klar zu sagen: Das Anliegen von "Öko-Test" ist wichtig - Missstände anprangern, Firmen auf die Finger schauen, Leser vor negativen Entwicklungen warnen. Wir brauchen Institutionen, die echte Skandale aufdecken. Hier sollen keine Gesundheitsgefahren verharmlost werden.

Aber: Wie skandalös sind Weichmacher in Plastikpuppen denn tatsächlich? Ist wirklich jede Chemikalie, die sich in einem (Kinder-)Produkt nachweisen lässt, die Aufregung wert? Wissenschaftler haben da ihre Zweifel. Pestizide in Babygläschen - hört sich schrecklich an, aber ist es das auch?