Beatrice Confuss
 
Die Sache mit dem Naschwerk

Muss es denn eigentlich immer was Süßes geben? Überall? Immer? Ich würde mich nicht dogmatisch nennen. Meine Kinder dürfen ein süßes Frühstück essen. Allerdings wollen sie meistens viel lieber Wurst! Ich mache auch gerne Pfannkuchen mit Honig oder Milchreis. Ich gebe zu nicht ganz uneigennützig.

Blog Beatrice Confuss Naschwerk
Beatrice Confuss

Insgesamt würde ich sagen, haben wir einen lockeren Umgang mit Naschwerk. Das einzige, was ich allerdings kaufe, ist tatsächlich Nussnougatcreme (hauptsächlich zu meinem eigenen Vergnügen) und Kekse (auch hauptsächlich zu meinem eigenen Vergnügen, heimlich in mich hinein gefuttert wenn keiner hinguckt, so zum Kaffee.) Backwaren und Speiseeis. Letzteres kann man aber auch prima zuckerfrei aus gefrorenem Obst machen. Das mögen die Kinder auch! Und zwar mit Wunsch nach Nachschlag!
Die gängigen Süßigkeiten-Regale in Supermärkten lockten mich noch nie sonderlich. Mittlerweile wird mir sogar eher schlecht bei der Menge, die da Pfeil geboten wird. Lustigerweise kann ich meisten auch mit den Kindern ohne Murren durch diese Regale laufen.
Die Riegel, Bonbons, Fruchtgummies etc finden ihren Weg von ganz alleine in unser Haus. Im Rheinland wird man ja leider an Karneval überschüttet mit „Leckerreien“. Die Menge würde für zwei Jahre täglichen Zuckergenuss reichen! Diese Kamellewerferei war mir als Kind schon zu viel. Man maß sich zwar daran, wer wieviele Tüten voll nach Hause getragen hatte, aber gegessen hat man es dann doch nicht. Man sortiert das Beste heraus und der Rest flog auf den Müll. Und das sind gut und gerne 80% von dem ganzen Kram. Weniger wäre mehr. Wer braucht den Mist? Man lässt es aber auch nicht auf der Straße rumliegen und platt fahren.
Das andere Zeug kommt dann an den einschlägigen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten und Co. Da habe ich schon an alle Verwandten die Losung ausgeteilt, nicht für jedes Kind einen 5 Kilo Süßigkeitenteller zu machen UND noch eine Tüte zum Nachfüllen dazu. Sondern einen schönen Teller für alle. Reicht! Auf allen Kindergeburtstagen gibt es auch Kuchen und Süßigkeiten satt. Das ist ok. Das soll ja so sein.
Besucher bringen aber ebenfalls gerne mal etwas zum Naschen für die Kinder mit. Und liebe Besucher, seid mir nicht böse, wenn ich kann, konfisziere ich diesen Süßkram und esse das Meiste davon selbst, damit die Kinder es nicht alles essen! Manchmal schmeiße ich auch was weg. Ja, das ist die Wahrheit. Ich schmeiße ungern etwas weg, aber was zu viel ist, ist zu viel. Die Kinder bekommen genug Süßzeug. Die werden nicht knapp gehalten. Und wenn sie keinen Raffinadezucker bunt eingefärbt sehen, dann essen die sogar richtig richtig gerne OBST!
 
Was mir zunehmend gehörig nervig auffällt ist, dass es ja kaum noch eine Gelegenheit gibt, bei der Kinder kein Naschwerk zugesteckt bekommen.
Trifft man die Nachbarin im Treppenhaus, bekommen alle Kinder Schokoriegel in sämtliche Taschen und Greifer geklemmt, dass sie es kaum tragen können. Geschweige denn aufessen. Zum Glück wohnen wir jetzt wo anders. Ich kann nämlich kein Russisch. Und das war das Einzige, was diese an sich sehr süße alte Dame verstand.
Geht man in die Apotheke….Traubenzucker. Geht man in die Drogerie….Traubenzucker. Geht man zum Bäcker…Lollies oder Kekse für jeden. Geht man über die Straße, zücken wildfremde Omis mit leuchtenden Augen aus der Handtasche Schokoriegel und halten es den Kindern ausgepackt vor die Nase! Alles schon erlebt!
Und jetzt kommt´s: Ich war neulich bei einer Schneiderei meine Jacke abgeben! Das Knöpfchen begleitete mich. Beim Schneider. Da gibt es Stoffe, Stoffreste, Garne, Nadeln, Scheren, Schnittmuster, Fusselbürsten, Bügeleiesen, Stoffkreiden, Umkleidekabinen, Maßbänder, Stecknadeln, Sicherheitsnadeln, Nähmaschinen, ….UND Lollies! Ich dreh durch. Bevor ich intervenieren konnte, hatte das Kind einen Lolli im Mund stecken. Na herzlichen Glückwunsch.
Da machst te nix mehr.
 
Ich finde es auch anstrengend ständig sagen zu müssen: „Nein, bitte nicht! Keine Süßigkeiten!“ Die nette Variante ist ja, wenn man wenigstens vorher leise gefragt wird, ob das Kind was Süßes darf. Manch einer ist sogar so klug dabei nicht schon den bunten Strauß Zahnkiller vorzuzeigen. Wenn das Zeug aber von den Kindern gesichtet wurde, muss man ganz resolut ablehnen. Die Kinder verstehen das dann besser, als die anbietenden Person, die beinahe beleidigt ist.
 
Ganz schlimm finde ich wirklich, wenn das Zeug ungefragt einfach verteilt wird. Das wieder weg zu nehmen kommt dem Versuch gleich, einem Hund einen Knochen zu entwenden.
 
Wirklich. Überall wird über gesunde Ernährung und Zahngesundheit gesprochen und in jedem Laden bekommen Kinder Zucker zugesteckt. Dabei kommen Kinder schon gerne immer wieder, wenn es eine Spielecke gibt. Beim Schneider könnte es eine spannende Spieluhr zum anschauen geben. Oder in der Apotheke ein kleines Pixibuch. Oder auch einfach mal nichts! Dass man immer und überall belohnt werden muss! Für mich ist das keine Werbung und keine Kundenbindung. Für mich ist das ein Spießrutenlauf!
 
Und mal so als Ansage: Ich möchte nicht, dass wildfremde Leute meine Kinder ständig „belohnen“. Das würde ich gerne selbst tun. Denn als Eltern sagt man schon oft genug ständig NEIN. Da möchte man mal JA sagen und selbst Süßkram verteilen. Und zwar, wenn ich es möchte und nicht mitten beim Einkaufen, wo es ohne Genuss verschlungen wird!
 

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