Reise
 
Was packen wir ein? – Familien-Reisevorbereitungen für´s Ende der Welt

Lisa (33) und Markus Harmann (42) sind auf eine Hochzeit in Mexiko eingeladen. Welche Abenteuer sie mit ihrer Tochter (fast 9) und ihren Zwillingsjungen (6) im Land der Sombrero-Hüte erleben, schreiben sie ab heute in einer vierteiligen Serie auf ELTERN online.

Reise: Was packen wir ein? – Familien-Reisevorbereitungen für´s Ende der Welt
Lisa Harmann

Zum Aufwachen fragt der Mann, ob ihm wohl der kleine Rucksack reichen würde, für die Reise. Morgen geht es los, morgen fliegen wir zwölf Stunden lang mit unseren drei Kindern um den Erdball – nach Mexiko. Wir bleiben zweieinhalb Wochen. Der kleine Rucksack! Ich atme tief ein. Er redet weiter: Ich brauche ja eigentlich nur acht T-Shirts und… Stopp! „Frau, warum sagst Du nichts?“Nun, seit einer Woche (oder zweien) renne ich gefühlt von A nach B, um zwischen Schulabschlussfesten, Sportveranstaltungen und letzten Job-Aufträgen alles Erdenkliche für diese Reise heranzuschleppen. Ich habe 91,84 Euro in der Apotheke ausgegeben für Elektrolyte bei potentiellem Durchfall, für Halsschmerztabletten und antiallergische Sonnencreme in 50+.

Reise: Was packen wir ein? – Familien-Reisevorbereitungen für´s Ende der Welt
Lisa Harmann

Nach Mexiko soll man ja nicht reisen im Juli – zu heiß. Tja, wir reisen ja auch nicht „freiwillig“. Wir folgen einem Ziel: Meinen Bruder mit seiner mexikanischen Verlobten zu verheiraten. Wir kennen sie noch nicht, bei Facebook sieht sie aber sehr sympathisch aus. Fünf Tage haben wir Zeit, sie von uns zu überzeugen. Fünf Tage hat sie aber vor allem auch Zeit, uns von ihr zu überzeugen – schließlich sollen wir am fünften Tage unserer Reise ihre Trauzeugen werden, wenn sie meinem Bruder das Ja-Wort gibt. Nur: Welche Kleider nehmen wir mit? Welche sind festlich aber nicht zu heiß? Und darf man zu einer mexikanischen Hochzeit mit FlipFlops auftauchen?

Nehmen wir mal lieber zwei Paar Schuhe pro Person mit, man weiß ja nie. Der kleine Rucksack! Der Mann braucht ja nicht viel. Die Schwimmflossen des Nachwuchses binde ich mir einfach mit Schnüren um den Rücken. Kein Problem! Wenn die Kinder dazu noch am Flughafen LaCucaracha singen (Cucaracha heißt übrigens Kakerlake auf Deutsch) und ihre Sombrero-Hüte aufsetzen, werden wir womöglich gefilmt und klammheimlich zu Youtube-Stars. Wer weiß!   

Reise: Was packen wir ein? – Familien-Reisevorbereitungen für´s Ende der Welt
Lisa Harmann

Zeit zum Träumen bleibt eben auch während der Packerei. Nicht nur von LaCucaracha-Szenen am Flughafen, sondern auch von Palmen und Stränden. Jaaa, die Reise ist zwar nicht freiwillig, aber höchst willkommen! Ich liebe Lateinamerika, seit ich im Schüleraustausch ein Jahr dort verbracht habe. Die Sprache! Die Mentalität! Ich freue mich, meinen Kindern das zeigen zu dürfen. Auch wenn das hier natürlich anders wird, als mein Austausch damals, als ich mit Schuluniform und Gastfamilie irgendwie dazugehörte. Dieses Mal: All Inclu-Urlauber. Oh weh.

Mein Bruder lebt seit eineinhalb Jahren in Mexiko, er ist der Liebe wegen hingezogen. Als wir ihn fragen, ob wir ihn am Abend unserer Ankunft noch sehen, sagt er: Tja, ich darf als Einheimischer leider nicht zu Euch ins Hotel…

Ich schaue mir also die Hotel-Homepage noch einmal genauer an und rufe: „Mann! Du musst auch noch eine lange Hose in Deinen kleinen Rucksack packen.“ Auf der Website steht nämlich, dass die Herren gebeten werden, bei den „Themenbuffets“ (was auch immer das sein mag) lange Hosen zu tragen.      Ich suche die Kinderpässe zusammen. Huch. Da sind ja leider noch Babyfotos drin. Ob das die Zollbeamten stört? Unsere Kinder sind mittlerweile fast neun, sechs und sechs Jahre alt… Erkennen kann man sie auf den Bildern nicht mehr. Aber was kann ich dafür, dass der Pass zehn Jahre gültig ist? Nicht mein Problem. Ich packe sie schnell in den kleinen Rucksack des Mannes – bevor der doch noch zu voll wird.

Reise: Was packen wir ein? – Familien-Reisevorbereitungen für´s Ende der Welt
Lisa Harmann

Und dann male ich mir aus, wie das alles wird, wenn die Kinder ganztags in die Kinderdisco gehen und ich mit einem Tequila Sunrise auf der Poolliege… nein verkehrt. Ich habe andere Pläne: Ich werde abnehmen! Ich nutze die Chance dieses All-Inclusive-Urlaubs, um endlich keine Dosen-Ravioli mehr essen zu müssen und keine schnellen, fettigen Leberkäs-Semmeln vom Metzger mehr, die wir uns im Alltagschaos zwischen Schwimmunterricht und Fußballtraining viel zu oft reinpfeifen. Nein, ich werde mich ergötzen am reichhaltigen Al-Inclu-Salatbuffet, an den grünen knackigen Blättern, die ich nicht selbst zupfen und waschen musste. Ich werde zum Frühstück Melone und Ananas essen und als Getränk das Sprudelwasser mit einer echten Zitrone erfrischen. Ich werde mich bei der H2O-Gym im Pool bei Scooter-Musik anmelden und immer fein mein Workout machen. So weit das Vorhaben... Wir sehen uns dann beim Eier-mit-Bacon-Showkochen am Frühstücksbuffet. Oder bei der Eisbombe, die an der Poolbar serviert wird. Und danach werde ich platt wie ein Walfisch auf der Strandliege liegen – mit den drei dicken Büchern, die ich mir extra für den Urlaub gekauft habe… Und die Kinder? Die gehen bestimmt doch nicht so gern in die Disco. Die bleiben schön bei uns sitzen und hauchen uns fünfminütlich ein „Mir ist langweilig“ in die Ohren.

Ob das so kommt?

Wir werden darüber berichten. Jetzt geht es erstmal auf Reisen. Der kleine Rucksack darf bestimmt auch mit. Aber nur als Handgepäck! So viel ist sicher.    

ELTERN Abo