Geld verdienen, Kinder erziehen, Haushalt: Wie Alleinerziehende das alles schaffen

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Allein erziehen ist heute eine weit verbreiteten Lebensform: Seit den 70er Jahren hat sich die Zahl in Deutschland verdreifacht - 1999 lag sie bei 1,9 Millionen. Und - nicht überraschend - 82 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Die meisten Frauen und Männer planten ursprünglich, ihr Kind gemeinsam aufzuziehen. Nur 14 Prozent entscheiden sich ohne Druck und aus freien Stücken für die Einelternfamilie. Die anderen 86 Prozent haben eine oft schmerzhafte Trennung hinter sich: 47 Prozent trennen sich schon während der Schwangerschaft, 24 Prozent innerhalb der ersten sechs Monate und 29 Prozent gehen später auseinander. Dabei werden 30 Prozent von ihrem Partner verlassen und 54 Prozent ergreifen die Eigeninitiative. Da sind oft Konflikte, Schmerz, Verzweiflung und Wut mit im Spiel. Hinzu kommt das Gefühl, es als Paar nicht hingekriegt zu haben und die Kinder vor einer Trennung nicht bewahrt zu haben. Wie gehen getrennte Paare mit dieser neuen Situation um? Was belastet sie, was genießen sie?

Eine Trennung kann erleichtern. Viele schätzen es, Dinge allein entscheiden zu können. Zu der Kehrseite jedoch gehört die alleinige Verantwortung für das Kind - und das belastet die meisten Alleinerziehenden. Auch wenn ein Drittel der Befragten wieder in einer Partnerschaft lebt oder weiterhin einen guten Kontakt zum anderen Elternteil des Kindes hat, lastet bei 61 Prozent der Alleinerziehenden die Verantwortung schwer auf ihren Schultern. Was tun, wenn das Kind krank wird und man selbst zur Arbeit muss? Wenn das Kind einen Wutanfall bekommt oder in der Schule etwas nicht versteht? Solche Situationen ganz allein in den Griff bekommen zu müssen, ist nicht leicht.

Gerade weil Alleinerziehende keinen Partner haben, brauchen sie andere Menschen: Freunde und Familie, die helfen, den Alltag zu organisieren und offen für Sorgen sind. Und den meisten Alleinerziehenden gelingt es, sich Unterstützung von außen zu holen: Laut Studie sind es ganze 93 Prozent der Alleinerziehenden, die Hilfe von Familie und Freunden haben. Rückendeckung bekommt man aber auch von Menschen, die in der gleichen Situation sind wie man selbst: Kontakte zu anderen Alleinerziehenden sind hilfreich. Anschluss finden alleinerziehende Mütter und Väter über Vereine, Selbsthilfegruppen oder aber auch über den Kindergarten und die Schule ihrer Töchter und Söhne. Nicht nur Unterstützung von außen hilft Alleinerziehenden - auch das Kind gibt Kraft zum Weitermachen: Das Zusammenleben mit dem Kind ist für fast alle Mütter und Väter bereichernd. Die meisten befragten Männer und Frauen können sich ein Leben ohne Kind nicht mehr vorstellen. Unabhängig von der weiteren Lebenssituation sehen sie den Alltag und Unternehmungen mit Kind als positiv. Stolz auf die Entwicklung ihres Kindes zu sein, tut Alleinerziehenden gut. Schließlich haben sie es allein geschafft.

Auch wenn Alleinerziehende ihre Lebenssituation nicht als belastender einschätzen, gibt es einzelne problematische Aspekte: Das größte Problem für Alleinerziehende ist, Kindererziehung und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Fast 50 Prozent der Paare trennen sich noch vor der Geburt des Kindes oder während der ersten drei Lebensjahre. Für Alleinerziehende ein Dilemma: Sie können weder auf ein zweites Gehalt noch auf regelmäßige Unterstützung bei der Betreuung ihres Kindes zurückgreifen. Unterhaltszahlungen sind nur in wenigen Fällen die Haupteinkommensquelle. Viele Alleinerziehende (59 Prozent) sind mit ihrer finanziellen Situation unzufrieden (nur 28 Prozent der verheirateten Mütter empfinden ebenso). 70 Prozent der Befragten gehen arbeiten, viele Vollzeit. Das monatliche Einkommen liegt im Durchschnitt auf mittlerer Einkommenskategorie (2000 bis 3500 im Monat), trotzdem verfügen 27 Prozent nur über maximal 2000 Mark im Monat. Diese Situation trifft hauptsächlich Mütter, die kleine Kinder haben. Aber auch für andere entsteht der Druck, einen Job, die Erziehung des Kindes, Haushalt und eigene Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Das geringe Angebot von Kinderkrippenplätzen macht die Situation besonders schwer: So nutzen zwar 80 Prozent der Alleinerziehenden öffentliche Betreuungsangebote, empfinden diese jedoch als unzureichend. Der Organisationsaufwand ist sehr hoch, aber eine private Betreuung bedeutet gleichzeitig eine größere finanzielle Belastung. Der größte Wunsch Alleinerziehender ist, so die Studie, eine flexible und bedarfsgerechte Kinderbetreuung, die eine Vereinbarkeit von Kind und Beruf ermöglicht.

Auch wenn sich viele Mütter und Väter schwer von dem Gedanken der glücklichen und trauten Kleinfamilie ? bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kinder - verabschieden können, weiß man heute: Eine gelungene Trennung ist für die Kinder besser als Eltern, die sich ständig streiten. Wenn die Kinder regelmäßig Kontakt zum anderen Elternteil halten können, tut das allen Beteiligten gut. Aber auch Kinder, die den Papa oder die Mama nicht regelmäßig sehen, müssen keine Nachteile haben: Sie haben, so hat es die Studie herausgefunden, die gleichen Entwicklungschancen wie Kinder aus Familien, deren Eltern nicht getrennt sind. Alleinerziehende müssen jedoch akzeptieren, dass ihr Kind vieles ohne sie macht: In der Krippe, im Hort, bei Großeltern, Freunden oder beim anderen Elternteil: Hier heißt es loslassen können. Kinder von Alleinerziehenden werden früher selbständig: Einerseits ein Segen - andererseits müssen Mutter und Vater schon auch mal kräftig schlucken.

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