Post aus Berlin
Auch Bundesfamilienministerin Renate Schmidt begrüßt die Initiative "Mehr Kinder. Mehr Leben." Ihren Brief an die ELTERN-Chefredaktion veröffentlichen wir hier:
Deutschland braucht mehr Kinder. Weniger Kinder bedeuten weniger Lebensqualität. Weniger Kinder heißt aber auch weniger Innovationsfähigkeit, weniger Wachstum und weniger Wohlstand.
Im Durchschnitt wünschen sich die 29- bis 34-Jährigen zwei Kinder. Doch Kinderwünsche und tatsächliche Familiengründung klaffen auseinander. Deutschland hat nicht nur eine der niedrigsten Geburtenraten in der Welt, sondern auch eine der höchsten Kinderlosenquoten in der Europäischen Union.
Es sind nicht die Lebenswünsche junger Menschen oder gar ein Verfall von Werten, die zu unserer kinderentwöhnten Gesellschaft führen. Es sind vielmehr die Bedingungen, die ein Leben mit Kindern nicht immer leicht machen und die Entscheidung dafür erschweren.
Junge Frauen wollen nicht zwischen Familie oder Beruf wählen. Und viele junge Männer wollen nicht auf die Rolle des Brötchenverdieners reduziert werden, sondern das Aufwachsen ihrer Kinder begleiten.
Wir brauchen ein öffentliches Klima, in dem Kinder willkommen sind. Ein Klima, in dem aus Kinderwünschen "Kinderwirklichkeiten" werden. Ich betreibe eine Politik, die das ermöglichen will.
Wir setzen unsere Schwerpunkte neu beim Ausbau der Kinderbetreuung besonders für die unter Dreijährigen, bei einer besseren Balance von Familie und Arbeitswelt und bei neu zentrierten finanziellen Leistungen. Damit meine ich zum Beispiel den Kinderzuschlag, den ab Januar 2005 Eltern in prekären Einkommensverhältnissen erhalten.
Von den Erfahrungen anderer europäischer Länder können wir lernen, etwa was ein zeitlich befristetes Elterngeld mit Lohnersatzfunktion angeht.
Mit unserer neuen, nachhaltigen Familienpolitik kommen wir auch der Gleichstellung von Männern und Frauen näher. Es ist auch an der Zeit, die Diskussion über "Rabenmütter" zu beenden.
Wie Sie zu Recht feststellen, gibt Deutschland vergleichsweise viel Geld für Familien aus: Im EU-Vergleich liegen wir im oberen Drittel. Betrachtet man aber die Geburtenrate, die Frauenerwerbstätigkeit oder die Familienarmut, so hat dieses viele Geld wenig bewirkt.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass dort, wo es mehr Kinderbetreuungsangebote gibt, die Entscheidung für Kinder offensichtlich leichter fällt und Familien ihren Lebensstandard sichern können.
Wir sollten uns auch einig sein, dass wir eine bessere Betreuung, Bildung und Erziehung unserer Kinder brauchen, um Eltern in ihrem Alltag zu stützen.
Der Ausbau der Kinderbetreuung soll uns ab Anfang 2005 auf das bedarfsgerechte Niveau heben, das andere europäische Länder schon seit Jahren auszeichnet. Ein entsprechendes Gesetz habe ich in die Beratungen von Bundestag und Bundesrat eingebracht.
Staatliches Handeln allein reicht aber nicht. Ich habe deshalb im vergangenen Jahr die "Allianz für die Familie" ins Leben gerufen, in der sich starke Partner aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft engagieren. In über 200 Kommunen und Gemeinden sind schon lokale Bündnisse gegründet worden oder werden mit Unterstützung meines Ministeriums vorbereitet. Dabei geht es darum, bessere Angebote für Kinderbetreuung zu machen - und sie genauer auf Arbeitszeiten und Pläne für öffentliche Verkehrsmittel abzustimmen.
Ich bin mir sicher, dass Familienfreundlichkeit ein ausgesprochenes Trendthema wird. Mein Ziel ist es, diesen Prozess zu beschleunigen. Unsere Zukunft wird besonders stark von dem Mut und der Zuversicht junger Menschen abhängen, sich ihre Kinderwünsche zu erfüllen. Dort, wo es uns gelingt, mehr Aufmerksamkeit auf die Familien zu lenken, helfen wir der Gesellschaft insgesamt. Hierfür gibt es eine gemeinsame Verantwortung, und es gibt gemeinsame Chancen. Deshalb begrüße ich die Initiative Ihrer Zeitschrift, "Mehr Kinder! Mehr Leben."!








Jetzt Wissens-Punkte sammeln!
