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Alt 08.11.2004, 01:20
Isis-69 Isis-69 ist offline
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Standard Für Luisa +22.05.2000 *18.10.2000 und David *12.05.2004

"Steh nicht weinend an meinem Grab,
ich bin nicht dort unten,
ich schlafe nicht.

Ich bin tausend Winde, die weh´n,
ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee,
ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn,
ich bin der sanfte Regen im Herbst.

Wenn Du erwachst in der Morgenfrühe,
bin ich das schnelle Aufsteigen der Vögel
im kreisenden Flug.
Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht.

Steh nicht weinend an meinem Grab,
ich bin nicht dort unten,
ich schlafe nicht."

(American Indian)

- für unsere beiden Engelchen, nie vergessen, für immer geliebt, ganz fest in unseren Herzen!!!

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Anfang Jan. 2000 wurde ich zum fünften Male schwanger. Da hatte ich schon vier Kinder zwischen acht und knapp zwei Jahren. Mein Mann hat von Anfang an gesagt, es wären Zwillinge, zwei eineiige Mädchen. Ich hab ihn nur ausgelacht, und fühlte mich auch noch bestätigt, als ich in der 7. SSW vom FA kam, mit einem US- Bildchen in der Tasche, das ganz eindeutig nur ein Baby zeigte. Er ließ sich davon aber nicht abbringen und nannte mich/uns weiter "seine drei Hübschen" :-). In der 12. Woche hatte ich dann wieder einen Termin....die FÄ sah lange, lange auf den Bildschirm und sagte gar nichts. Ich sah auch und guckte und guckte...und irgendwas war da anders als bei den anderen. Wieviele Arme und Beinchen wuselten denn da über den Bildschirm?? Endlich fragte sie mich, ob mir nichts auffiehle - doch sagte ich strahlend, das sind zwei!! Ja, wir haben uns wirklich vom allerersten Augenblick auf die beiden gefreut, und jeder hat uns für besch.... erklärt, der das hörte. Die SS lief gut, außer dass ich schneller rund wurde, war nichts auffälliges dabei. Aber ich dachte mir nichts dabei, es war bisher bei jeder SS ein bisschen schneller gegangen, dass der Bauch wuchs - und diesmal waren es ja sogar zwei. Ab der 17. SSW wuchs mein Bauch dann rasant - nach zwei Wochen Osterferien fielen die Erzieherinnen im KiGa fast um als sie mich sahen - da sah ich wirklich schon aus wie hochschwanger. Und auch an anderen Orten fragte man mich öfters, wann es denn soweit sei. Jetzt hatte ich auch schon die ersten Kindsbewegungen, die sich ein bisschen so anfühlten wie jede Menge Seifenblasen in meinem Bauch. War das auch in den anderen SS so, hätte mir nicht da schon was auffallen müssen - wie oft hab ich mich das später gefragt. Auch waren die Bewegungen irgendwie meistens nur an einer Seite des Bauches zu spüren. Aber ich hatte schon viel gelesen über Zwillings-SS, von Frauen mit Bauchumfang von 1,40 m am Ende der SS, und davon, dass oft ein Kind lebhafter als das andere ist. Die Vorsorgeuntersuchung bei meiner Hebamme verlief auch diesesmal - in der 20. Woche - gut, die Herztöne beider Kinder waren OK, nur bei einem mußte sie ziemlich lange suchen, um es klar hören zu können. Aber alles nicht besorgniserregend, und voller Vorfreude waren wir auf die nächste Woche, wo der große US im KH anstand. Montag, ganz früh, wurde ich mal wieder wach, und ich dachte, ich müßte, wie so oft zur Toilette. Blieb erst ein Weilchen auf der Bettkante sitzen, strich über meinen Bauch....und da kam aufeinmal links oben ein großer "Knubbel" heraus, größer als meine Hand - und ich legte sie darüber, streichelte mein Kind und hab mich noch toootal gefreut - es war das Kind, das ich bisher so wenig gespürt hatte, und dachte noch: "Hallo mein Kleines, endlich spüre ich Dich auch mal so richtig, und dann noch gleich so intensiv!" und ich war sooo voller Liebe und Glück in diesem Moment, hab sie gestreichelt, fast (so sehe ich das jedenfalls heute) in meinen Händen gehalten! Dann ging dieser Knubbel wieder weg, ich zur Toilette - und war noch ganz erstaunt, dass ich gar nicht mußte (warum war ich dann wach geworden??). Vergeblich versuchte ich noch, sie nochmal zum schmusen einzuladen - dachte mir aber wieder nichts dabei, als nichts passierte. Den nächsten Tag dann ging es mir, ganz unerwartet, ganz plötzlich, so was von hundeelend. Ich wußte nicht wieso - körperlich war nichts, ich war eindeutig nicht krank, nichts im Anmarsch. Auch psychisch war ich eigentlich total gefestigt, und am nächsten Tag sollte doch auch schon der US sein. Ich konnte mir das einfach nicht erklären, es war einfach ein so sonderbares Gefühl in mir. Heute denke ich, dass das was ich in der Nacht erlebt habe, der Todeskampf meiner Tochter war - und sie hat mich geweckt, weil sie nicht einfach so gehen wollte, still und leise. So hat sie all meine Liebe gehabt, all meine Gedanken und ich habe sie in meiner Hand gehalten, als sie ging.... Dann bekam ich am gleichen Tag auch noch eine Absage für den US-Termin; er wurde dann auf zwei Tage später verlegt. Ganz kurzfristig (und wie ich jetzt sagen kann, Gott sei Dank) konnte mein Mann sich doch noch freimachen und mitkommen. Denn was uns dort erwartete, damit hätten wir nie, niemals gerechnet! Der Arzt sagte lange gar nichts, und ich konnte auch nicht viel erkennen und zuordnen auf dem Bildschirm -hab nur gedacht, kein Wunder wenn er erstmal nichts sagt, es gibt ja auch doppelt soviel zu sehen. Mein Mann hat aber wohl sofort gespürt, dass etwas nicht stimmt. Ja, und dann mußte der Arzt uns sagen, dass eins von unseren Babys nicht mehr lebte, gestorben wohl nur wenige Tage zuvor. Ich habe das erst gar nicht verstanden, verstehen wollen - und während er weiter erklärte, seinen Verdacht erläuterte und die weitere Vorgehensweise zum Schutz unseres zweiten Kindes - da hab ich immer wieder nur gedacht, alles Quatsch was der da erzählt, komm Baby, zeigs ihnen, mach doch was, ich weiß, dass Du lebst!! Aber als wir irgendwann dann im Büro des Chefarztes saßen, da brach ich dann zusammen, habe geheult wie ein Schloßhund. Es war so eine Sch..... :-((. Es war höchstwahrscheinlich das sog. Fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS) - eine relativ seltene Plazentamissbildung, die nur bei eineiigen Zwillingen vorkommt. Sie haben dann in der Plazente gemeinsame Blutgefäße, wodurch Blut von dem einen Kind zu dem anderen fließt. Das eine wird dadurch permanent unterversorgt, hat zuwenig FW, kann sich nicht richtig entwickeln (meine Kleine war in der 21. Woche auf dem Stand der 17.!!), das andere hat im Prinzip zuviel Blut und pieselt ständig, um die erhöhte Körperflüssigkeit loszuwerden. Dadurch erhöht sich die FW-Menge ständig (und darum auch mein immens dicker Bauch und das Seifenblasengefühl), was die Gefahr eines vorzeitigen Blasensprungs durch den enormen Druck drastisch erhöht. Also mußte bei mir eine FW-Punktion vorgenommen werden - ich hatte ca. 2 1/2 l FW!!! - was aber auch mit dem Risiko von einem Blasensprung und/oder Wehen in sich barg. Ich wollte das alles doch nicht, ich hatte solche Angst, dieses Kind auch noch zu verlieren - und doch blieb mir überhaupt keine andere Wahl. Lt. den Äzten hatten wir sogar noch ein unfassbares Glück, weil in den allermeisten Fällen beide Kinder kurz nacheinander sterben. Wenn das eine Kind gestorben ist, fließt dann nämlich das Blut von dem lebenden wieder zu dem toten - und dann stirbt es auch. Bei mir war es wohl nur ein kleines Blutgefäß, dass die beiden gemeinsam hatten, und das hat sich sofort nach Luisas Tod wohl verschlossen - so wurde vermutet, eine andere Erklärung gab es einfach nicht. Es waren dann danach die härtesten Monate meines Lebens. Einerseits die Erleichterung und Dankbarkeit, dass wenigstens das eine Kind (noch) lebte, es bis dahin geschafft hatte und es mit Glück auch wirklich ins Leben schaffen würde. Und andererseits die unermessliche Trauer, der Schmerz um den Verlust ihrer Schwester, und die Angst, das zweite Kind womöglich doch noch zu verlieren. Ich wurde engmaschig überwacht, Carolin entwickelte sich bilderbuchmäßig, und Luisa blieb wo sie war und machte damit eine normale Geburt möglich. Diese sollte im KH stattfinden, da ich als Risikoschwangere galt. Aber ich hatte da schon zwei Hausgeburten hinter mir, mit einer wirklich supertollen, absolut verantwortungsvollen Hebamme, die ich sehr schätzte und zu der ich uneingeschränktes Vertrauen hatte. Und sie hat mir die ganze Zeit gesagt, wenn wir das wollen, dann würde sie auch dieses Mal mit uns eine Hausgeburt machen. Ich war mir lange Zeit nicht klar darüber, ob ich das wirklich wollte - aber je näher der ET rückte, desto sicherer wurde ich mir. Schlußendlich habe ich Carolin dann sogar noch 14 Tage übertragen - nach all der Angst, sie würde zu früh kommen, nach all der Angst, sie auch noch zu verlieren, konnte ich dann wohl nicht loslassen. Zwei Wochen lang hatte ich jeden Abend Wehen, aber alle Versuche, sie herauszulocken, schlugen fehl. Am 13. Tag über ET hatte ich dann eine absolute Krise, und nachdem mein Mann die Hebamme gerufen hatte, gab die mir etwas homöopathisches und das Rezept für den sog. Wehencocktail. Das zusammen hat dann endlich gewirkt, und am 14. Tag über ET, um 00.10 h war sie dann endlich da. Von der ersten Wehe an - und diese Geburt ging wirklich Schlag auf Schlag - war all das, was in meinem Bauch loswar, was noch auf mich zukommen würde, nicht mehr präsent. Das wurde es erst wieder, als Carolin dann da war und ich nach einer Weile wieder Wehen bekam. Erst da wurde mir bewußt: jetzt kommt ja noch ein zweites Kind, ein Kind, dass Du seit über 20 Wochen tot in Deinem Bauch hattest. Aber es hat mir komischerweise gar keine Angst gemacht, ich war ganz ruhig und konzentriert....und dann kam...die Plazenta...aber kein weiteres Kind. Die Plazenta war größer als bei einem einzelnen Kind, und auf einer Seite befand sich ein handtellergroßer, heller Fleck. Aber kein Kind, noch nichteinmal etwas das kindliche Konturen gehabt hätte. Anfangs war ich erleichtert darüber, doch nicht mit ihrem Aussehen konfrontiert worden zu sein. Aber nicht lange nach Carolins Geburt kam dann doch die Sehnsucht....wie gern hätte ich auch Luisa in meinen Armen gehalten, wie gern hätte ich auch an sie irgendeine Erinnerung, ein Foto, irgendetwas.... Es war nicht einfach, alles an Carolin hat mich an Luisa erinnert, und überall in meinem Leben wimmelte es nun von Zwillingen. Egal ob fiktiv in Büchern oder Filmen, oder im realen Leben...beim Einkaufen, spazierengehen....überhall begegneten sie mir, stolze Mamas mit ihrem Doppelpack, und sogar im Rückbildungskurs waren gleich zwei Zwillingsmütter. Was hat das wehgetan, zuhören zu müssen, wenn sie sich voller Begeisterung über ihre Kinder austauschten. Wie oft wäre ich dann am liebsten schreiend rausgelaufen, hätte mir die Ohren zu gehalten...irgendetwas, nur nicht zuhören müssen!!! Und hart waren z. T. auch die Reaktionen meiner Mitmenschen, auch schon während der SS, nach der schrecklichen Diagnose. Mehrfach konnte ich mir anhören, ich solle froh(!) sein, mit einem Kind (zusätzlich zu den vieren die ich ja schon hatte) würde eh alles leichter. Oder ich wäre meinen Kindern mit Zwillingen eh nicht gerecht geworden usw. usw.. Das war sooo bitter, hat soooo wehgetan - ich dachte immer nur, wie kann ich bitteschön FROH sein - mein Gott, ich habe doch MEIN KIND verloren!!! Von anderen wurde sie auch einfach totgeschwiegen, keiner sprach mehr über sie, es war nie wieder die Rede davon, dass es ja ursprünglich zwei waren. Das hat man mir ja nie angesehen, die Kinder waren ja noch gar nicht "richtig" da - aber ich habe immer nur gedacht: gut, sie ist tot - aber warum muss sie dann auch TOTGESCHWIEGEN werden??....

Wir haben dann im Nov. 2002, ganz ohne Komplikationen, noch eine Tochter bekommen; sie ist unser Nesthäkchen. Und wenn so manches anders gelaufen wäre, dann wäre sie wohl jetzt ganz frisch große Schwester. Denn trotz Verhütung bin ich im Februar d. J. noch einmal schwanger geworden. Es war das erste Mal, dass bei uns ein Kind nicht geplant, sondern durch einen derartigen "Unfall" entstanden ist. Es hat sich einfach eingeschlichen, und als ich den positiven Test in den Händen hielt war ich schon erstmal geschockt. Wer rechnet schon damit, eine von zwei Frauen zu sein, bei der - lt. Pearlindex - das Verhütungsmittel versagt?? Aber dieser Schock ist dann wirklich ganz ganz schnell einer großen Freude gewichen, innerhalb von Tagen ging das - und ich war selig, als der US in der 10. Woche ergab, dass mit unserem kleinen Einschleicher alles in Ordnung war. Am 08. April sind wir dann nach längerer Zeit nochmal zusammen ausgegangen - es war mein Geburtstag und wir haben uns einen richtig schönen Abend gemacht bis wir gg. Mitternacht total KO (ich zumindest ;-) ) ins Bett fielen. Etwa um zwei wurde ich wieder wach - und noch bevor ich so ganz bei mir war, wußte ich, das stimmt etwas nicht. Schlagartig war ich ganz wach, wie ein Schock durchfuhr es mich, als ich registrierte, dass meine Schlafanzughose zwischen den Beinen ziemlich naß war. Ich fühlte nach, und selbst die Matraze hatte es schon erwischt. Ich habe dann an meinen Fingern gerochen, weil ich Angst davor hatte, Licht zu machen und was ich dann da zu sehen bekommen würde. Es roch nach Blut...und mir wurde eiskalt. Ich hab dann meinen Mann geweckt, der auch dann nachsah, und mir bestätigte, was ich ja eigentlich schon wußte. Oh man, und ich war doch schon in der 12. Woche und hatte mich und mein Kleines in Sicherheit gewähnt!!! Aber jetzt war alles vorbei für mich, schlagartig, ich wußte...soviel Blut, da KANN einfach nichts mehr sein! Ich wollte auch nicht ins KH, noch nicht, wollte bis zum morgen warten, und verbrachte endlose wache Stunden, bewegungslos, aus lauter Angst, es finge dann wieder an zu bluten, hatte die Hände auf meinem Bauch, um zu fühlen, wann wohl Wehen kämen, redete gleichzeitig zu meinem Kind - obwohl ich doch überzeugt war, es ist tot. Es war verrückt.... Morgens dann sind wir doch ins KH gefahren, nachdem mein Mann mich mit Engelszungen überredet hatte, doch aufzustehen. Auf der Toilette kam dann noch mal ein Schwall Blut...und dann war Ruhe. Und dann im KH, der US - ich konnte es kaum glauben - da strampelte unser Krümelchen munter in meinem Bauch herum!! Die Ärztin wollte mich natürlich am liebsten dabehalten - aber ich hasse KH`s, ich hab gedacht, wenn ich da nur liege und die weißen Wände anstarren muß, dann krieg ich einen Psychose! Also hat sie mich auf mein eigenes Risiko wieder nach Hause entlassen; es waren glücklicherweise Ferien und mein Mann konnte sich um die Großen und den Haushalt mitkümmern, und außerdem hatten wir da noch ein Aupair. So lief die weitere SS erstmal unauffällig weiter, und in der 15. Woche sollte ich die nächste Vorsorge bei meiner Hebamme haben. Die fand dann - trotz langem Suchen - keine Herztöne (was in diesem SS-Alter wohl ein Grenzfall ist), und fand außerdem meine Gebärmutter etwas klein für die SSW, wollte also in der nächsten Woche nochmal nachsehen. Das hat mich schon ein bisschen hibbelig gemacht, weil ich sie sehr gut kenne und weiß, dass sie solche Sachen wirklich nur dann äußert, wenn sie handfeste Gründe dafür hat. In der nächsten Woche kam sie dann zu uns nach Hause - und es war wieder das gleiche. Also nahm sie mich mit ins KH, und nach langem Warten war ich endlich an der Reihe. Es wurde ein US gemacht - und es war wie ein Deja-Vu - der Arzt sah mich mitleidig an, und sagte mir dann, dass mein Baby nicht mehr lebte - gestorben schon in der 13. SSW - und ich dachte ich sei schon in der 16., hatte sogar schon auf die ersten Kindsbewegungen gewartet!! Dann sprach er davon, dass ich das Kleine ganz normal zur Welt bringen solle...auf ein paar Tage käme es jetzt nicht an...aber auf jeden Fall würde die Geburt eingeleitet werden. Einerseits war ich froh, dass mein Kind mir nicht unter Vollnarkose entrissen würde, zerstückelt und auf den Müll geworfen. Aber andererseits war mir auch nicht bewußt gewesen, dass so früh in der SS schon keine Ausschabung mehr gemacht wird, und ich hatte einfach eine Heidenangst, was da auf mich zukommen würde. Eben dachte ich noch, ich bin schwanger - und im nächsten Moment....alles kaputt, alle Träume in Scherben... Meine Hebamme war mir in diesen Momenten ein großer Halt...aber den Schmerz konnte auch sie mir nicht nehmen. Wie in Trance bin ich dann nach Hause gefahren, habe meinen Mann angerufen und gesagt was ist. Er kam dann auch und konnte es auch nicht fassen. Gemeinsam haben wir dann überlegt, wann wir es hinter uns bringen sollen - ich wollte es am liebsten so weit wie möglich vor mir herschieben, wollte mein kleines Baby nicht hergeben. Aber er meinte ich solle mich nicht noch mehr quälen, es so bald wie möglich hinter mich bringen, anstatt mir womöglich noch eine schalflose Nacht anzutun - zumal meine Hebamme eh den Tag im Kreißsaal war und am Wochenende in Urlaub fahren wollte. Also hab ich schließlich all meinen Mut genommen und wir sind dann doch noch am gleichen Tag ins KH gefahren. Dort legte mir meine Hebamme dann ein Zäpfchen, und nach einem Spaziergang ging es dann erst ganz langsam, aber schließlich total heftig zur Sache. Ich hatte hammerharte Wehen, die aber erstmal kaum etwas bewegten, der MuMu öffnete sich kaum, zuwenig selbst für dieses kleine Wesen. Gleichzeitig lief im benachbarten Kreißsaal ebenfalls eine Geburt, ich schrie und stöhnte mit dieser Frau um die Wette - aber irgendwann hörte man von dort ein Baby weinen....und das war so hart, so bitter :-(.... Nach vier Stunden konnte ich nicht mehr, und nach einem schmerzlindernden Zäpfchen schlief ich dann auch tatsächlich ein, und es kamen erstmal keine Wehen mehr. Ich habe dann das Zeitgefühl verloren, weiß nicht ob ich ein oder zwei oder drei Stunden geschlafen habe. Hatte nur einen Riesenhorror, dass es am nächsten morgen dann weitergehen würde, ohne Erbarmen, so kam es mir wenigstens vor. Gg. halb drei wurde ich dann wieder wach, auf der Seite liegend, und merkte, dass ich blutete - und dann irgendwas aus mir rausflutschte. Ich konnte auf dieser Seite kaum noch liegen, alles tat mir weh - aber ich hatte irgendwie auch Angst mich umzudrehen, dachte, was wenn das nun mein Kind war?? Irgendwann hab ich dann meinen Mann wachgemacht, er rief die diensthabende Hebamme (meine war nach Hause gefahren, da keiner mer damit gerechnet hatte, dass sich in der Nacht noch was tut), und sie sah dann nach und meinte dann, dass unser Baby wirklich da sei. Ich war dann ganz ruhig, wollte es mir sofort ansehen - und da lag es dann: auf der Plazenta, ziemlich dunkel - aber ganz eindeutig ein kleiner Mensch! Winzig, unendlich zart und gerade mal so groß wie meine Handfläche - aber perfekt, Zehen, Fingerchen...alles dran!! Kurz darauf kam dann auch meine Hebamme wieder; wir legten den Kleinen dann in eine Pappschachtel; er wurde nicht einfach weggeworfen - wovor ich auch Angst gehabt hatte - nein, wir durften ihn mit nach Hause nehmen. Zu dem Zeitpunkt hatte mein Kind noch kein Geschlecht für mich, es war da auch nicht wichtig für mich - ich dachte es sei eh noch zu früh, das erkennen zu können, es war auch OK so - und da er die Beinchen aufeinander liegen hatte, konnte man auch gar nichts sehen - und ich traute mich einfach nicht, dieses zarte Wesen anzufassen. Es wurde dann noch eine Ausschabung gemacht, und als ich das gut überstanden hatte, fuhr mein Mann dann nach Hause zu unseren Kindern. Vormittags, mir ging es gut, auch psychisch, konnte er mich dann abholen....und das war schon komisch, mit dieser Schachtel auf meinem Schoß, in dem mein Sohn lag - und er sollte doch eigentlich noch sooo viele Wochen in meinem Bauch sein! Zu Hause habe ich ihn neben mein Bett gestellt, und ihn mir noch etliche Male angesehen, ihn jetzt auch berührt. Und dabei gingen irgendwann dann die Beinchen auseinander, und ich sah den kleinen Zipfel. Gut, ich wußte, dass das Anfangs Jungs und Mädchen haben, und sich das Geschlecht erst später differenziert. Aber jetzt ließ mich der Gedanke doch nicht mehr los: habe ich nun eine Tochter oder einen Sohn?? Abends haben wir ihn dann in unserem Garten beerdigt; und auch dabei ging es mir erstaunlich gut. Ich habe wirklich gedacht, diesmal holt es mich nicht so ein, diesmal verkrafte ich das alles besser. In den nächsten Tagen ahbe ich dann im Internet geforscht, und da einige Seiten gefunden, wo stand, dass das Geschlecht sich schon in der 10./11. Woche sichtbar ausprägt...und mein Kleiner war ja erst in der 13. Woche gestorben....ab da stand dann für mich fest: wir haben einen kleinen Sohn, und er bekam dann den Namen David, das heißt "der Geliebte". Ich habe ihm später dann noch eine rote Rose gekauft und auf seinem Grab eingepflanzt - und noch immer bin ich oft bei ihm draußen und halte Zwiesprache mit ihm. Natürlich hat mich der Schmerz dann nach zwei, drei Wochen doch eingeholt, mit aller Macht, und bis heute tut es mir oft genug weh, wenn ich eine Hochschwangere oder eine Mutter mit ihrem Neugeborenen sehe. Vor acht Tagen hätte ich ET gehabt, und heute wäre er ganz sicher schon bei uns.... Wäre er...wenn es da nicht so etwas wie Schicksal gäbe, das uns entgegen jeder Statistik ein Kind schenkte...so unerwartet, wie er dann doch wieder gegangen ist.... Mitleid hatten wir diesmal von kaum einer Seite - wer so verrückt ist, auch noch ein siebtes Kind in die Welt setzen zu wollen, verdient das wohl nicht :-(... Aber glücklicherweise gehören die beiden wenigstens für unsere Kinder ganz selbstverständlich zu unserer Familie dazu, sie sprechen ganz normal über sie, da wo andere Erwachsene anscheinend eine Scheu davor haben und ganz schnell das Thema wechseln, wenn es in diese Richtung geht. Aber mittlerweile kann ich damit umgehen, es tut nicht mehr so weh, es kann mich nicht mehr aus der Bahn werfen. Ich sage immer, ich habe mich verändert nach diesen Erfahrungen, ich bin - aus meinem tiefsten Inneren heraus - nicht mehr die Gleiche wie vorher. Und es ist eine absolut positive Veränderung, die ich durchgemacht habe - und das ist ein Geschenk, das mir meine beiden Engelchen mitgebracht haben, ohne sie wäre ich nicht die, die ich heute bin und wo ich heute bin, und dafür bin ich ihnen sehr, sehr dankbar! Und dankbar bin ich ihnen auch dafür, dass ich sie wenigstens ein Stück ihres Weges begleiten und ein kleines Weilchen ihre Mama sein durfte!!!

Ganz liebe Grüße von

Martina mit Valerie, Frederic, Christoffer, Vincent, Carolin und Elisa an der Hand, und Luisa und David ganz fest im Herzen!!
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"Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen NEIN!" (Tucholsky)
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