Brief an mein Sternchen
Mein kleiner Stern,
am 23.12.04 haben Dein Daddy und ich erfahren, dass uns das Schicksal ein Geschenk macht.
Nach drei Jahren bin ich von dem Mann, den ich über alles liebe schwanger geworden.
Wir haben schon gar nicht mehr damit gerechnet, dass Du noch den Weg zu uns finden könntest.
Die Überraschung war riesig. Auch kamen uns Gedanken wie… schaffen wir das, unser Leben wird sich verändern, wie soll das nun weiter gehen… und viele weitere in den Sinn.
Weihnachten 2004 war das schönste Fest, an dass ich mich erinnern kann Daddy und ich haben von innen heraus gestrahlt. Deiner Oma ist sofort aufgefallen, dass etwas anders ist und als wir ihr sagten, dass wir ein Kind bekommen werden, hat sie vor Freude fast geweint.
Auch alle anderen, denen wir von unserem Glück erzählten waren voller Zuversicht und Freude für uns. Deine Schwester Larissa hat sich ganz besonders gefreut.
In der Silvesternacht schauten Dein Daddy und ich uns tief in die Augen und wir freuten uns auf das Jahr, das vor uns lag. Es sollte unser und Dein Jahr werden.
Am 12. Januar war der erste gemeinsame Termin mit Daddy bei der Frauenärztin geplant.
Ich lag auf der Liege, der Ultraschall begann wir schauten wie gebannt auf den Bildschirm um Dich endlich zu sehen. Die Ärztin wurde unruhiger, schallte in alle Richtungen, schaute uns an und sagte. „Das sieht nicht nach einer intakten Schwangerschaft aus.“ Ich werde diese Worte nie vergessen. Es war, als ob man mir den Boden unter den Füssen weggezogen hätte.
Die Ärztin bat uns in zwei Tagen wieder zu kommen.
Als wir aus der Praxis gingen, hielten wir uns in den Armen und begannen zu weinen.
Das konnte doch nicht wahr sein. Ein Fünkchen Hoffnung. Bitte – Gott, Schicksal oder wer auch immer. Warum? Bitte nicht. Zeig Dich doch bitte in zwei Tagen. Bitte, alles soll in Ordnung sein.
Ich war zwei Tage wie gelähmt. Ich hoffte, weinte, betete, weinte, verzweifelte, hoffte und weinte. Bitte !!!
Am Freitag morgen war der zweite Termin. Voller Anspannung schaute ich auf den Bildschirm. Ich wollte nicht hinschauen, ich konnte nicht, ich musste…. Ich wollte Dich sehen, wollte hören – alles ist in Ordnung.
Der Blick der Ärztin sagte alles.
Ich wollte Dich nicht gehen lassen ohne dass ein weiterer Arzt die Diagnose bestätigte. – Die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch auch hier – Du warst nicht zu sehen.
Am gleichen Tag bin ich mit Daddy ins Krankenhaus gefahren. Um 14:45 kam ich in den OP. Kurz bevor die Narkose zu wirken begann, legte ich meine Hände auf meinen Bauch und verabschiedete mich von Dir. Nach 20 Minuten war alles „erledigt“. Was heißt erledigt – es fing erst richtig an.
Als ich wach wurde wusste ich – ich bekomme kein Baby – ich bin nicht mehr schwanger – du bist nicht mehr bei mir. Tränen liefen mir über mein Gesicht. Ich weinte um Dich, um mich, um unser Kind, um Deinen Daddy.
Schicksal – Warum ich, warum Du warum hat es nicht sein sollen.
Um 18:00 war ich wieder zu Hause. Ich legte mich in mein Bett, weinte und wünschte mir, diesen Tag niemals erlebt zu haben. Heute vier Tage danach ist der Schmerz nicht kleiner geworden.
Obwohl ich Dich nie in meinen Armen halten durfte, Dich nie berühren durfte, Dich nie sehen oder riechen konnte – Du fehlst mir so sehr.
Mein Stern, ich schreibe Dir diesen Brief und werde ihn in unserem Garten unter den Rosen vergraben. Vielleicht hilft mir dass, meine Trauer um Dich zu bewältigen.
Wann immer ich in den Sternenhimmel schauen werde – mein Kind ich denke an Dich und ich werde Dich nie vergessen.
In Liebe
Mama
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***Der Veränderung die Tür verschließen, hieße das Leben selber aussperren .*** Walt Whitman, (1819 - 1892)
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