Dave *+ 13.09.2005 (Vorsicht, lang)
Hallo ihr lieben,
habe schon längere Zeit im Eltern-Forum unter Hurra, ich bin schwanger mitgeschrieben und muss nun leider hierher wechseln. Finde es aber schön, hier Gedanken auszutauschen und sich vielleicht auch gegenseitig etwas zu helfen.... Hier meine Geschichte:
Ich hatte ja in der Nacht von Sonntag auf Montag nachts Schmerzen im Unterleib, mir war übel. Ich habe auf eine Magenverstimmung/Darmprobleme getippt, da ich am Abend auch etwas gegessen hab, wo ich nach der Hälfte dachte, dass es irgendwie nicht mehr gut war.. Morgens waren die Schmerzen eigentlich weg (bin dann auch nachts wieder eingeschlafen), nur auf der Toilette dann eine ganz leichte Blutung..
Bin dann also mit Bus und U-Bahn zur FÄ gefahren und hab schon auf dem Weg dahin gedacht, boah, den Rückweg schaffst du so nicht mehr... Musste auch recht lange bei der FÄ warten, es wurde auch ein CTG geschrieben. Die Ärztin wollte mich dann auf dem Stuhl untersuchen, ohne vorher irgendwas zu spekulieren. Nach einem kurzen Blick auf den vaginalen Ultraschall hat sie gleich gesagt, das sieht nicht gut aus, sie müssen umgehend in die Klinik, die Fruchtblase würde sich ihr schon entgegenwölben!! Waaaaaaas? Ich? Ich war doch noch nie im KKH, bin doch noch hergefahren und alles... Nein, ich sollte mich sofort hinlegen, durfte gsd noch meinen Mann informieren, dann kam auch schon der Krankenwagen, der mich mit Blaulicht und Sirene ins nahe KKH gefahren hat. Es war wie im Film...
Dort wurde ich dann mit Bauch-US und auf dem Stuhl untersucht, Zugänge gelegt, alles sooo schnell. Der Arzt meinte auch gleich, dass es nicht gut aussieht, dass der MuMu so gut wie vollständig geöffnet wäre und sich die Fruchtblase trichterförmig durchschiebt. Als erste Maßnahme wollte man dann einen Wehenhemmer geben (erst in Tablettenform, dann plötzlich doch als Tropf), weiter noch Magnesium und strengste Bettruhe mit Beckenhochlagerung.
Dann kam auch mein Mann und wir waren erst einmal geschockt. Der Arzt hat uns gesagt, dass das Baby bei 21+4 SSW keine Chance haben würde (was mir auch schon vorher klar war) und dass man ab 24+0 mit einer minimalen Chance rechnen könnte. Man wollte am nächsten Tag versuchen, eine Cerclage zu machen.
Nachmittags hieß es dann plötzlich, man würde jetzt sofort versuchen, die Cerclage zu legen. Ratzfatz kam ich in den OP, Spinalanästhesie, hab dann nur ein Ruckeln und Ziehen im Bauch gemerkt... Erst später auf dem Zimmer wurde uns gesagt, dass sie nichts machen konnten, da die Fruchtblase bereits einen Riss hätte... Es würde eigentlich nur ein Wunder helfen.. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir jedoch auch körperlich schon so schlecht (Puls 115, Blutdruck 100/50 von dem Wehenhemmer, Fieber, erhöhte Entzündungswerte) dass ich eigentlich nur wollte, dass jetzt alles möglichst schnell vorbei ist.. Es kamen auch immer wieder Wehen und ich merkte, dass immer wieder Fruchtwasser abgeht.
Abends um 22 Uhr hieß es dann, man würde den Wehenhemmer jetzt abnehmen, da es keinen Sinn mehr hat. Ich konnte dann auch zu meinem Mann mit ins Doppelbett (wie hatten ein Vorwehenzimmer bekommen und er durfte über Nacht bei mir bleiben). Ich hatte so eine Angst, Davie auf normalen Weg zu bekommen, vielleicht nicht einmal zu merken, wenn er auf die Welt kommt... Wir haben uns auch einstimmig entschieden, dass wir ihn nicht sehen möchten, sondern ihn in unserem Herzen behalten, den Anblick könnten wir nicht ertragen.
In der Nacht kamen die Wehen - mit denen ich garnicht umzugehen wusste - auch immer regelmäßiger und stärker. Ich bekam Schmerzmitte-Infusionen und später auch eine PDA, sollte Pressen. Dienstag morgen hieß es, dass die Ärzte wollen, dass das Baby in 2 Std. auf der Welt ist, so dass man sich schließlich entschloss, den kleinen im OP zu holen und dann eine AS zu machen.
Und dieses Erlebnis war für mich sehr sehr traumatisch: Mein Mann durfte nicht mit rein, keine Schwester war bei mir zum reden oder Händchen halten (wie am Vortag), es wurde nicht einmal diese senkrechte Sichtschutz-Tuch gespannt... Ich spürte, wie die Ärztin mit sehr viel Kraft auf meinem Bauch herumdrückte, irgendwann in den Raum fragte "Hat jemand noch eine Idee?" Und der schlimmste Spruch kam von der Hebamme: "Ihr Kind ist hartnäckig" Ja natürlich ist er das, er wollte ja auch nicht gehen! Es kam alles erst hinterher durch, wie traumatisch dieser Spruch und dieses verzweifelte herumdrücken für mich war. Schließlich gelang es ihnen doch, mir meinen Davie wegzunehmen... Am nachmittag stand ich sehr neben mir, es war alles so unwirklich und drang noch nicht richtig durch. Es kam auch eine Psychologin zu uns, hörte zu, gab Ratschläge. Mein Mann konnte auch schon weinen.. ich nicht. Erst abends, als ich auf Station verlegt wurde und mein Mann nach Hause gehen musste, ging es richtig los.
Ich wollte daraufhin auch unbedingt gestern nach Hause und bei meinem Mann sein. Die Psychologin bot auch an, dass wir noch einmal mit der Hebamme über den traumatischen Spruch reden sollten, aber das wollte ich nicht. Sie empfahl uns auch weiterhin, unseren Sohn anzusehen, damit wir richtig Abschied nehmen können, aber wir können es nicht. Wir haben einen Umschlag mit seinen Hand- und Fußabdrücken und einen Umschlag mit Fotos und werden die Umschläge bestimmt eines Tages öffnen, aber jetzt noch nicht!
Ganz ganz schwer war es - obwohl ich unbedingt nach Hause wollte - unseren Davie in der Klinik zurückzulassen, mit diesem Gefühl hatte ich nicht gerechnet... Zu Hause konnten wir auch weinen, was ja auch wichtig ist. Die ganzen Geschenke, gekaufte Kleidung, Rasseln, Stofftiere und die Wiege haben wir bei der SchwiMu zwischengelagert, können uns aber bei den meisten Sachen nicht vorstellen, sie jemals einem anderen Kind anzuziehen. Ich kann mir (wahrscheinlich normal) zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht vorstellen, zu einem weiteren Baby irgendwann eine so starke Bindung aufzubauen, wie wir sie jetzt schon zu Davie hatten... Ich denke auch, dass wir uns bald psychologische Hilfe nehmen werden.
Wir werden Davie in einer vom KKH zelebrierten Beisetzung auf dem nebenliegenden Friedhof beisetzen lassen - dort gibt es 2 x jährlich eine Sammel-Urnen-Beisetzung für alle kleinen Babys, die es nicht geschafft haben. Mein Mann wollte das erst nicht, aber ich glaube, es ist gut einen Platz zu haben, wo wir auch mal hingehen und trauern können. Ob wir an der Zeremonie im November teilnehmen, können wir dann immer noch entscheiden.
Nun müssen wir erstmal zusammen durch die erste sehr schlimme Zeit kommen, leider redet mein Mann momentan noch wenig, ich hoffe, das gibt sich noch. Entschuldigt bitte, dass es so lang geworden ist, aber das schreiben hilft irgendwie sehr!
Wir werden auch bald auf unserer Homepage noch eine letzte Seite für Davie einrichten und überlegen, ihm einen Stern zu "kaufen". Ich weiß mich momentan nicht wirklich zu beschäftigen, kann aber auch nicht arbeiten gehen.. Ich fühle mich so leer, mein Bauch ist leer, ich vermisse diese kleine Kugel auf die ich sooo stolz war... Und ich vermisse jetzt schon diesen kleinen Jungen, der in meinem Kopf schon mit Playmobil-Eisenbahnen gespielt hat und beim Opa im Garten in der Sandkiste sitzt...
Ich weiß nur, dass eine weitere SS irgendwann nie wieder sooo sorgenfrei verlaufen wird, wie diese es war. Ich war sooo zuversichtlich, dass alles gut wird, mir ging es ja auch gut, außer einem Pilz hatte ich keine Beschwerden. Meine FÄ hat mir auch leider wenig Hoffnung gemacht, dass ich den wirklichen Grund je erfahren werde... Ein Pilz, GV oder auch das Tragen einer Tasche (wie am WE geschehen) seien jedenfalls kein Grund für diesen Fruchtblasenprolaps (so nennt sich das im Fachkreis), es wird aufgrund der Blutwerte und Fieber eine Infektion vermutet.
Ich finde es auch schlimm, dass in meinem Mutterpass nicht steht "Tot geboren", sondern "Spätabort", denn es war kein Abort, mein Davie wollte nicht gehen...
Dieses war der Text, den ich auch im Hurra-Forum hinterlassen habe. Da ich ganz stark mit mir gehadert hab, ob es richtig war, Davie nicht zu sehen, haben wir heute die beiden Umschläge geöffnet - und es war gut so! Unser kleiner sah schon sehr mitgenommen aus (verfärbtes Köpfchen) so dass ich froh bin, ihn lieber 3 Tage später nicht doch zu sehen, der Anblick wäre glaub ich sehr furchtbar... Aber es ist schön, die Fotos zu haben und Abdrücke seine winzigen Hände und Füße! Unser Sohn ist am 13.09.2005 um 10:48 Uhr zur Welt gekommen, hatte 435 g und ein stattliches Mass von 30 cm!
Liebe Grüße
Nina mit Davie im Herzen (*+ 13.09.2005)
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Liebe Grüße
Nina mit Davie im Herzen (*+ 13.09.2005 / 22. SSW) und Kjell Morten im Arm (* 09.07.2006 / 29+0 SSW)
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