Ergebnis 1 bis 5 von 5
  1. #1
    fabi2303 ist offline old hand
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    Unglücklich Ratlos... Elvanse oder nur VT

    Hallo,
    ich war seeeehr lange nicht mehr hier, aber momentan weiß ich einfach nicht weiter und hoffe, dass ihr mir hier mit euren Erfahrungswerten vielleicht helfen könnt, etwas klarer zu sehen.
    Also es geht um meinen achtjährigen Sohn. Er war schon immer ein "anstrengendes" Kind (wie schon einige geschrieben haben, habe ich auch erst bei meinem jüngeren Sohn gemerkt, wie anders und pflegeleicht Kinder auch sein können). Also der Große war in seinem ersten Lebensjahr ein Schreikind mit allem was dazu gehört. Als er dann größer wurde, ging es los mit "problematischem Sozialverhalten". Als er sechs Jahre alt war, waren wir das erste Mal bei einer Beratungsstelle. Mit den Tipps konnten wir die Aggressionen in der Schule etwas in den Griff kriegen. Die hinzugezogene Schulpsychologin sah damals keinen weiteren Handlungsbedarf. Im August diesen Jahres waren wir nach einigen Vorfällen im SPZ, wo er getestet wurde. IQ bei 125, Störung der Impulskontrolle, Konzentrationsschwierigkeiten, oppositionelles Verhalten; niedrige Frustrationstoleranz. Für das SPZ waren wir kein Fall, aber eine Verhaltenstherapie wurde empfohlen. Dann hatten wir jetzt 5 Sitzungen bei einer psychologischen Psychotherapeutin, die das Ganze auch recht gut angeht. Gestern im Gespräch sagte sie mir dann, dass sie neben einer Langzeittherapie auch die Gabe von Elvanse empfiehlt. Der Kinderarzt, mit dem ich dann telefoniert habe, meinte, dass er das grundsätzlich auch empfehlen würde. Für weitere Schritte muss erst einmal ein EKG gemacht werden und wir müssen zu einem Psychiater.
    Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich ratlos. Mit der Empfehlung zu Medikamenten habe ich einfach nicht gerechnet. Mir ist klar, dass es ihm dann mit Gleichaltrigen leichter fällt und er seine Intelligenz auch anders einsetzen kann. Aber seine Noten sind gut und Freunde hat er auch. Und allein der Kampf mit den Hausaufgaben, seine Probleme beim Spielen und seine Dominanz schaffen für mich derzeit noch nicht genug Leidensdruck, Medikamente zu probieren. Vorallem wenn ich von den ganzen Nebenwirkungen lese.
    Ich wäre sehr froh, wenn ihr mir vielleicht einfach mal aus eurer Sicht schreibt, wie ihr die Situation händeln würdet.
    Ratlose Grüße, Fabi

  2. #2
    Fairie ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: Ratlos... Elvanse oder nur VT

    Bei all diesen Problemen willst du unbedingt ohne Medikamente weiterwurschteln? Keine gute Idee! Ich hab selbst zwei Kinder mit ADHS. Ohne oppositionelles Verhalten und ohne Aggression. Und das ist ein wichtiger Unterschied. Verhaltenstherapie mit oppositionellem Verhalten ist nun wirklich nicht einfach. Und das Risiko für Kriminalität in der Pubertät ist ziemlich gross. Es kann richtig schieflaufen. Sei froh, dass du die Möglichkeit hast, ich musste vor vielen Jahren noch sehr drum kämpfen. Meine Tochter bekam auch die Diagnose so spät, dass sie dann erst mit 16 Diagnose und Medizin bekam. Da hatte sie schon eine Esstörung (laut Psychiaterin hätte sie die nicht bekommen, wenn ihr ADHS behandelt worden wäre). Und Nebenwirkungen haben weder ich noch meine beiden Kinder. Jedenfalls nichts gravierendes. Tochter hat wohl etwas weniger Appetit. Sohn und ich hatten anfänglich mehr Tics als sonst. Dass es eine lange Liste mit Nebenwirkungen gibt, bedeutet ja nicht, dass besonders viele diese haben. Die meisten kommen sehr selten vor.

  3. #3
    DominaNocturna ist offline Stranger
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    Standard Re: Ratlos... Elvanse oder nur VT

    Hallo!
    Keine Ahnung, ob du dich schon zu einer Entscheidung durchgerungen hast...
    Mein Sohn ist 10 und sonst deinem ähnlich. Er nimmt seit längerem Elvanse. Angefangen haben wir mit Ritalin, da seine Impulsdruchbrüche aber mehr und mehr zum Problem wurden, sind wir dann bei Elvanse gelandet. Er bekommt 15mg einmal täglich. Das liegt noch unter der geringsten Dosis, die man fertig kaufen kann. Bei ihm sind die Nebenwirkungen aber so krass, dass seine Psychiaterin sich für diese Dosis entschieden hat.
    Aus meiner Sicht ist Elvanse mit Vorsicht zu genießen. Wenn es zu hoch dosiert wird, dann hat man tatsächlich ein ruhiggestelltes Roboterkind. Auch bei geringerer Dosis sind bei uns die Nebenwirkungen noch immer sehr ausgeprägt. Auf der anderen Seite ist es eine echte Hilfe bei der Impulskontrolle. In unserem Fall ist es unverzichtbar.
    Ich würde dir raten, auf dein Bauchgefühl zu hören. Hole dir so viele Infos, wie möglich. Mach auch ruhig einen Termin bei einem Psychiater. Lass die beraten. Aber vertraue trotzdem deinem Bauchgefühl, wenn du die Entscheidung treffen tust.
    Ich wünsche dir und deinem Sohn alles Gute!

  4. #4
    fabi2303 ist offline old hand
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    725

    Standard Re: Ratlos... Elvanse oder nur VT

    Danke für eure Antworten. Habe mich vorerst gegen Elvanse entschieden. Haben endlich die Kostenübernahme für die Langzeittherapie. Wenn ich dann nach 25 Stunden null Fortschritt sehe, kann ich das mit Elvanse nochmal neu bewerten. Mein Sohn ist sehr anstrengend und "anspruchsvoll", aber unser Leidensdruck ist noch nicht groß genug, denke ich.
    LG Fabi

  5. #5
    rabenmammi ist offline enthusiast
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    Standard Re: Ratlos... Elvanse oder nur VT

    Hallo Fabi,

    meine Geschichte ist Deiner sehr, sehr ähnlich (hoher IQ, Störung des Sozialverhaltens, Impulsivität). Du machst das schon richtig, in dem Du versuchst, erst alle Alternativen zu Medikamenten durchzuspielen. Haben wir auch getan.

    Ich kann Dir aus eigener Erfahrung aber auch sagen, wenn Dein Sohnemann gerade wegen der neurologischen Fehlfunktion, die ja das ADHS verursacht, nicht in der Lage ist, seine Impulse zu steuern, wird es ihm auch entsprechend schwerfallen, die Ansätze der VT umzusetzen. Ich kann nur empfehlen, seine Fortschritte in der Therapie sehr genau zu beobachten. Wir haben jetzt - nach einem Jahr erfolgloser Therapie, weil einfach falsche Therapeutin und falscher Therapieansatz - eine sehr gute Therapeutin. Die meint, dass Verhaltenstherapie bei Kindern schon nach 5 Stunden anschlagen sollte, es aber therapeutisch keinen Sinn macht, wenn in jeder Sitzung ein neuer "Vorfall" aus der Schule oder irgendwo sonst her, bearbeitet werden muss. Sie empfielt deshalb eine Unterstützung durch Medikamente. Ist also ganz wie bei Euch.

    Der Schritt in Richtung Medikamente ist nicht leicht. Ich wollte anfangs nicht wahrhaben, das mein sehr intelligentes Kind in Punkto Konzentration und Sozialverhalten einfach keinen Boden unter die Füße bekommt. Da er aber letztlich immer der Leidtragende ist, wenn er z.B. in der Schule Ärger bekommt, wenn er zu Hause aus wirklich unerfindlichen Gründen oppositionell und aggressiv ist, wenn er keine richtigen Freunde hat usw. habe ich nach ZWEI JAHREN beschlossen, dass es einfach nicht darum gehen kann, ob ich will, dass er Medikamente bekommt oder nicht, sondern darum, dass er eine Chance hat, sein Potential zu entfalten und glücklich zu sein. Der Weg dahin war lang und traurig, aber wichtig, weil Ich ja letztlich auch dem Kind erklären muss, warum es jeden Morgen eine Pille schlucken muss. Und das klappt gerade bei recht intelligenten Kindern besser, wenn du selbst hinter der Entscheidung stehst, und nicht, weil die Psy es empfohlen hat.

    Jetzt habe ich mit ihm gemeinsam entschieden, dass es einen Versuch wert ist mit den Medikamenten, obwohl er Pillen jeglicher Art hasst.

    Also alles Gute für Euch. Lasst Euch nicht drängen und erst recht nicht von der negativen Presse zu "Ritalin und Co." einschüchtern. Aber wartet auch nicht zu lange.

    Liebe Grüße von Rabenmammi
    Also ich kann Dir sehr genau erklären, welche Probleme ich habe. Ich habe ... ey, schau mal ein Vogel!!








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