Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 13
  1. #1
    MamavonJeremias ist offline Legende
    Registriert seit
    18.09.2008
    Beiträge
    10.174

    Standard Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Samstag abends, nachdem der gröbste Teil unseres Umzugs geschafft war, saßen mein Mann, meine Mama (die beim Umzug geholfen hatte) und ich noch zusammen im neuen Wohnzimmer und redeten ein wenig. So gegen Mitternacht machten wir uns dann auf den Weg ins Bett (wir wollten am Sonntag morgen gleich noch den restlichen Kram holen und die wichtigsten Sachen einräumen) und da hatte ich schon leichte Wehen und so ein gefühl, als würde sich da etwas tun.

    Um 2 Uhr wurde ich von einer Wehe wach, 10 Minuten später kam die nächste. Es war sehr schwer einzuschätzen, wie stark sie wirklich waren, denn ich hatte jedes Mal geträumt ich hätte Wehen und als ich dann wach wurde, war es nur undeutlich auseinander zu halten was jetzt Traum und was echte Wehe gewesen war. Ich begnügte mich also erst einmal damit, die Abstände zu beobachten. Die nächsten Wehen kamen dann auch jeweils erst eine halbe Stunde später und ich begann zu hoffen, daß ich es noch bis zum Morgen schaffen würde, damit ich den beiden Großen noch selbst sagen konnte, daß das Baby kommt. Denn das es kommen würde, war mir da schon klar. Die Frage war nur noch wann.

    Um Viertel nach 5 wurde ich dann wieder von einer Wehe geweckt. Die kam mir nun doch recht stark vor, aber es war wieder mehr als eine halbe Stunde Abstand zur letzten Wehe. Als ich gerade wieder am Wegdösen war, kamen beide Kinder zu uns ins Schlafzimmer getappt. Ziemlich gleichzeichtig mit der nächsten Wehe. Die Abstände wurden jetzt rapide kürzer (knapp 5 Minuten), schlafen konnte ich jetzt nicht mehr und die Kinder bekamen auch mit, daß irgendetwas passierte. Also habe ich meinen Mann geweckt und ihn gebeten, seine Eltern anzurufen, damit die die Kinder abholen konnten. Dann habe ich meiner Hebamme angerufen und Bescheid gesagt, daß wir in der nächsten halben Stunde etwa Richtung Geburtshaus fahren würden. Den Kindern habe ich erklärt, daß das Baby jetzt raus kommen möchte und wir zusammen nach unten gehen, um auf Oma und Opa zu warten. Auf dem Weg durften sie dann noch meine Mama wecken, denn die wollte (wie bei den anderen beiden Geburten auch) mit dabei sein.
    Bis meine Schwiegereltern dann da waren, waren die Abstände bei drei bis einer Minute und ich fing teilweise schon mit Tönen an. Zwischendurch (manchmal auch während der Wehen) habe ich den Kindern erklärt, was jetzt passiert, den Großen beruhigt, der Angst hatte, daß wir los fahren, bevor seine Großeltern ankommen, ihm versichert, daß ich wirklich bald wieder daheim sein würde (er hatte immer Angst, daß ich, wie in seinen Büchern, doch ein paar Tage weg wäre), vielleicht sogar schon zum Mittagessen und meinen Mann daran erinnert, seinen Personalausweis mitzunehmen.

    Als wir um kurz nach 6 endlich los fahren konnten, war das Veratmen für mich richtig schwer. Ich war noch garnicht richtig bei der Geburt angekommen und hatte tausend andere Dinge im Kopf.

    Um kurz vor 7 waren wir dann endlich da und meine Hebamme hat erst einmal nach Herztönen und Muttermund gesehen. Die Herztöne waren perfekt, der Muttermund bei gut 3 Zentimetern. Mein erster Gedanke war: "Mist, ich hatte mit 5 gerechnet." der Zweite: " Das wird also noch dauern. Verdammt, wir sind niemals zum Mittagessen daheim. Hoffentlich geht das mit dem Großen gut."
    Inzwischen lief Wasser in die Wanne und ich fand langsam zu meinem Rythmus. Die Wehen waren unvermindert heftig, die Abstände kurz, aber alles war viel besser auszuhalten.
    In der Wanne wurde es dann noch entspannter. Meine Hebamme hat uns völlig in Ruhe gelassen, nur einmal zwischendrin nach den Herztönen gehorcht.
    Wie immer während der Geburt, war mein Zeitgefühl völlig weg - alles, was noch zählte war mein Rythmus von Wehe und Kraft schöpfen in den Pausen. Irgendwann merkte ich, daß die wehen nicht nur stärker wurden, ich fing auch an mitzuschieben. Ich war sicher, daß es dafür noch viel zu früh war. Außerdem war der Drang zu pressen noch nicht sehr stark. deswegen wollte ich, daß die Hebamme noch einmal nach dem Muttermund sieht. Ich wollte halbwegs einschätzen können, wie lange ich noch vor mir hatte.

    Bevor meine Mama die Hebamme holen konnte, war die schon da. "Schiebst du schon mit? Es klingt nämlich so." Dann tastete sie nach dem Muttermund. "7 Zentimeter." Scheiße - noch 3 Zentimeter und die Wehen wurden immer noch stärker. "Aber da ist alles weich - der Drang zu pressen ist okay." Gott sei Dank!

    Als hätte mein Körper nur auf das Okay der Hebamme gewartet, wurden die Wehen richtig heftig. Drei Wehen lang, schaffte ich es noch, nicht zu pressen, sondern nur sanft mitzuschieben. "Laß S. das machen. laß S. das machen." dachte ich immer während der Wehe, wenn der Drang zu pressen stärker wurde und gab mit meinem Schieben quasi nur die Richtung vor.

    Dann kam die erste richtige Presswehe und ich dachte, ich würde das alles nicht überleben. Ich presste wie von Sinnen und nach dieser Wehe, war S. Köpfchen schon ganz vorne. Ich wusste: Noch eine Wehe, dann ist er da. Ich weiß nicht mehr, was meine Hebamme in der Wehenpause zu mir gesagt hat, ich weiß nur noch, daß sie mit mir gesprochen und mich so weit aus den Schmerzen heraus geholt hat, daß ich wieder klar denken konnte. Kurz vor der nächsten Presswehe sagte sie dann: "Und jetzt ganz ruhig. Versuch' mal nicht zu pressen - atme dein Baby ganz sanft heraus."
    Dann kam die Wehe. Ich erinnere mich noch an drei Dinge: Den unglaublichen Schmerz, daran, daß ich anfing "nein, nein, nein" zu brüllen und an meine Hebamme. "Ganz ruhig jetzt. NICHT pressen. Atme dein Baby heraus. Atmen."
    Ich weiß nicht wie, aber es hat funktioniert. Ich wurde ruhig, hörte auf zu schreien und ich habe nicht gepresst, nur geatmet (aber nicht VERatmet) und das Köpfchen kam ganz sanft und liebevoll unter der Anleitung und Aufmunterung meiner Hebamme ("Ganz toll. Schön weiter atmen. Genau so. Jetzt kommt die dicke Stelle am Köpfchen. Gleich hast du es geschafft. Ganz wunderbar machst du das.") heraus.
    Eine weitere Wehe später schob ich langsam (aber leider nicht langsam genug - dabei ist dann der Damm etwas gerissen) die Schultern heraus und dann hielt ich meinen kleinen Spatz um 8:17, nicht einmal anderthalb Stunden nach unserer Ankunft im Gebrutshaus, im Arm.
    Wie immer war der Schmerz sofort völlig vergessen und ich konnte wieder einmal nur staunen, angesichts dieses kleinen Wunders, das ich in den Armen hielt.

    Dann ging es erst einmal zum ausführlichen Kuscheln ins Bett, wo auch mein Mann und meine Mama unser Würmchen ausgiebig bestaunen konnten.

    Während der U1 bekamen wir dann von der zweiten Hebamme (die es nicht mehr rechtzeitig zur Geburt geschafft hatte) Frühstück ans Bett gebracht. Dann teilte uns meine Hebamme S. stolze Maße (53 Zentimeter lang, 4300 Gramm schwer und 37 Zentimeter Kopfumfang) mit und wir haben noch ein Weilchen gekuschelt, bis ich dann unruhig wurde. Ich wollte wieder heim zu den beiden Großen. Wir packten also alles zusammen, verabschiedeten uns und brachten das neue Brüderchen püntkilich zum Mittagessen zu seinen beiden Geschwistern nach hause.
    Mit der Rasselbande: September '07, Mai '09 und Dezember '11

    Wenn nicht in Weisheit, so in Liebe geborgen und ich mach' mit Liebe alles falsch so gut ich kann.
    Reinhard Mey

  2. #2
    Avatar von Kruemelina07
    Kruemelina07 ist offline Glücklich!
    Registriert seit
    13.02.2009
    Beiträge
    491

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    :liebe: Immer wieder wunderbar und schön so eine Geburt nochmal indirekt mitzufühlen...! Herzlichen Glückwunsch und toll, dass alles so gut geklappt hat! Ich freue mich für Dich und Euch!

    Stillzeit: 2 Jahre, 6 Monate, 3 Wochen und 3 Tage


  3. #3
    Avatar von Gwennie
    Gwennie ist gerade online auf dem Weg zur Legende
    Registriert seit
    21.01.2010
    Beiträge
    9.836

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Das hast du schön geschrieben.
    Nochmal Herzlichen Glückwunsch.
    Und an die "tollen" Bilderbücher und die Panik beim Großen deswegen kann ich mich auch noch gut erinnern. Was hatte ich mich darüber geärgert.
    Junior *04/05, Liesemotte *05/09 und der Lütte *04/15
    Johannes im Herzen (11/13)


    "Ich bin perfekt, so wie ich bin!"
    Liese, Mai 2014


    Alles Meins! oder
    Texte und Bilder dürfen nicht kopiert, verwendet oder irgendwas werden...

  4. #4
    Estrella25 ist offline Pooh-Bah
    Registriert seit
    28.11.2008
    Beiträge
    1.917

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Oh, das ist aber ein sehr schöner Bericht! Und ich finde es sehr aufbauend, dass Du die Geburt trotz sehr properen Kerlchens so (relativ) gut überstanden hast. Mein Sohn wog nämlich auch viel, 4190 Gramm bei 57 cm, und ich hab jetzt doch mehr Angst vor der Geburt als bei meiner ersten bzw. zweiten...
    Was ich auch sehr interessant fand, ist Dein Gedanke "hoffentlich bin ich bis zum Mittagessen wieder daheim" - das finde ich total lieb! Wie haben es denn Deine Großen aufgenommen?
    (Ich bin da ganz anders, ich möchte auf keinen Fall eine ambulante Geburt, sondern mindestens 2 Tage in der Klinik bleiben, zum einen, weil ich nach den Geburten immer so stark blute, das will ich daheim auf keinen Fall, und zum anderen hätte ich daheim absolut keine Ruhe, auch wenn ich natürlich Helfer habe - aber Mama wird ja trotzdem gefordert und belagert. Aber meine Kinder sind auch sehr großelternbegeistert und werden das ohne mich (natürlich auch mit Papa) super schaffen, da bin ich sicher.)
    LG
    Julia





  5. #5
    MamavonJeremias ist offline Legende
    Registriert seit
    18.09.2008
    Beiträge
    10.174

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Ich kam ohne Baby ums Eck (der Kleine war im Co.si, den mein Mann getragen hat) und der erste Satz des Großen war - nach Blick auf meinen Bauch - "Mama, ist der S. doch noch drin?"

    Nein, die Großen sind ganz klasse. Der 07er hat den Kleinen anfangs nur abgenickt und ihm "hallo/tschüß" gesagt. Seit zwei, drei Tagen nimmt er ihn richtig wahr, holt ihm Bodys und Strampler, wenn er neue braucht (da ist er immer stolz wie Bolle :liebe:) und bringt Spielsachen.
    Madame betüddelt ihn von vorn bis hinten. "Darf ich den S. mal halten/braucht der S. eine neue Windel/darf ich dem S. mal Creme holen" usw. Wie sie reagieren wird, wenn er mal mobil wird, wird sicher spannend. Sie wollte anfangs auch mitgestillt werden (damit hatte ich aber gerechnet - sie ist sehr eifersüchtig, wenn es um "ihren" Mama-Zugang geht), was sie auch durfte. Mittlerweile hat sich das wieder ziemlich gelegt. Ab und an meldet sie noch Ansprüche an, aber wenn ich ihr sage, daß zuerst ihr Bruder trinken darf, dann hat sie es vergessen, bis er fertig ist.

    Ich hatte auch (wieder) ziemlich Respekt, als es dann los ging, aber es war wirklich eine tolle Geburt. 57 cm sind allerdings eine Ansage - bist du selber so groß? Madame hatte 4040 Gramm auf 50 cm, so extrem war die Steigerung also nicht mehr (Junior hatte 3240 Gramm, auch bei 50 cm), nur der Kopf war deutlich größer (die anderen hatten 35 cm). Aber auch das war ja gut machbar. Du packst das bestimmt! Und bei starken Blutungen nach der Geburt würde ich auch ins KH gehen, alles andere wäre mir zu riskant. Meiner Hebamme aber vermutlich auch. Und wenn deine Kinder gut ohne dich klar kommen, dann nutz die Ruhe auf jeden Fall aus.
    Mit der Rasselbande: September '07, Mai '09 und Dezember '11

    Wenn nicht in Weisheit, so in Liebe geborgen und ich mach' mit Liebe alles falsch so gut ich kann.
    Reinhard Mey

  6. #6
    Avatar von Nupsi2009
    Nupsi2009 ist offline Poweruser
    Registriert seit
    06.10.2008
    Beiträge
    7.104

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Der Bericht ist so wunderschön, da musste ich doch ein paar Tränchen verdrücken. Ich gratuliere ganz herzlich zu der tollen Geburt!
    ... mit Bub (05/09) und Bübchen (09/11) :liebe:

  7. #7
    Avatar von Mimi1805
    Mimi1805 ist offline Unser Schatz
    Registriert seit
    20.03.2007
    Beiträge
    4.461

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Geburt. Super das alles so toll gelaufen ist. Ich wünsche Euch eine wunderschöne Kennenlernzeit.
    LG Mimi





  8. #8
    Avatar von Vitamin
    Vitamin ist offline Legende
    Registriert seit
    01.03.2005
    Beiträge
    26.241

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Hi!

    Sehr schöner Bericht
    Und toll dass es noch geklappt hat mit dem gemeinsamen Mittagessen :)
    Und, wie ist das Wochenbett? Betonung liegt auf BETT? Bist Du brav und ruhst Dich aus?

    Dein Beckenboden wrid es Dir danken *gg*

    Wie schläft eigentl. Eure 09erin mittlerweile? Wird sie durchs Baby gestört?
    Kann Deine Mutter Dir im MOment mal die Großen noch abnehmen oder war die nur kurz bei Euch?

    Viel Spaß weiterhin zu fünft und im neuen Haus!
    Viele Grüße!

    Vitamin mit Floh (10/05) und Rennschnecke (05/09) und Wundertüte (02/13)


  9. #9
    Psychotante ist offline Zauberlehrling
    Registriert seit
    28.01.2009
    Beiträge
    2.427

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    Danke für den wunderschönen Geburtsbericht dieser Traumgeburt, hach!
    "Ich wünsch Dir Hoffnung-Hoffnung wie Unkraut-nicht kleinzukriegen-wächst wo sie will.
    Winzling zwischen Pflaster und Beton-mit kleinen Blüten in zarten Farben. Schon oft zertreten, weggeworfen-für kurze Zeit- wächst neu-an anderer Stelle-unberechenbar.
    Unkraut vergeht nicht.
    (Wolfgang Abendschön)

  10. #10
    Avatar von ostseewoelfin
    ostseewoelfin ist offline die 4 H´s
    Registriert seit
    11.08.2008
    Beiträge
    1.955

    Standard Re: Spät aber immerhin: Mein Geburtsbericht.

    man wird unweigerlich an die eigenen geburten erinnert und kriegt gänsehaut. schön :liebe: ich bin auch nach den geburten immer gleich nach hause. irre, was man damit eigentlich noch zusätzlich leistet...
    Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen. Gisela Rudolf

    Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als die ein Vorbild zu sein. Wenn es nicht anders geht - ein Abschreckendes. Albert Einstein

    Wort und Bild gehören mir!

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •