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  1. #1
    luna77 ist offline Pooh-Bah
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    Standard Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Robin wurde in der 36. SS-Woche geboren und gilt als Frühchen.
    Er wurde 14 Tage auf der Neonatologie / Kinderintensiv behandelt, da er die eine Lunge nicht vollständig ausgeklappt und zusätzlich eine Infektion und eine Lungenentzündung hatte. Ihm ist das Atmen sehr schwer gefallen - daher wurde er 5 Stunden nach der Geburt in ein Kinderkrankenhaus verlegt.

    Bis dahin hatte ich mein Kind nur kurz gesehen, noch nicht auf dem Arm gehalten.
    Auch auf der Intensiv konnte ich mein Kind nicht anfassen oder auf den Arm nehmen, da er 3 Tage in einem geschlossenen Inkubator an den Überwachungsgeräten inklusive Beatmung gelegen hat.
    Erst nach diesen 3 Tagen durfte ich mein Kind mal kurz streicheln, am darauffolgenden Tag sogar für 30Min. Känguruhen.....
    Ich habe mehrmals täglich Muttermilch abgepumpt und bin zwei Mal am Tag in die Kinderklinik gefahren um die Milch abzugeben. Er hat sie in den ersten Tagen über eine Sonde erhalten, später über die Flasche.....
    Nach 14 Tagen durfte ich ein gesundes Kind mit nach Hause nehmen.

    14 Tage später verschluckte sich Robin beim Stillen so heftig, dass er Milch in die Lunge bekam und mir fast erstickt wäre. Wir haben ihn als Notfall wieder in die Kinderklinik gebracht, wo wir erneut 6 Tage verbracht haben.


    Heute Mittag war ich jetzt zum ersten Mal mit Robin in einer Pekip-Gruppe und bei der Vorstellungsrunde sollte jeder so von seinem Geburtserlebnis und der bisherigen Zeit mit dem Kind erzählen. Als ich an der Reihe war, ist es mir fürchterlich schwer gefallen unsere Geschichte zu erzählen - ich hätte noch einmal heulen können, obwohl ich doch mittlerweile alles überstanden habe! Ich habe die Zeit, die Robin auf der Intensiv verbracht hat als sehr negative Zeit in Erinnerung und habe in dieser Zeit sehr sehr viele Tränen geweint....
    Ich habe das Gefühl, als fehlen mir etliche Tage mit meinem Kind und ich trauere diesen unheimlich nach. Es war für mich ein Schock, mein Kind hergeben zu müssen und selbst nicht mitverlegt zu werden um 24h bei meinem Kind sein zu dürfen.
    Wenn ich mir die ersten Bilder von Robin ansehe, schießen mir sofort wieder die Tränen in die Augen...

    Hattet ihr auch solche Situationen?
    Und wie seit ihr mit eurem Schock umgegangen?
    Wie denkt ihr über die fehlende Zeit, oder seht ihr sie nicht als fehlend an?

    Ich weiß, ich sollte eigentlich glücklich sein, ein gesundes Kind zu haben, ( bin ich auch!) aber irgendwie geht es mir noch nicht richtig gut wenn ich die letzten 7 Wochen zurückdenke......

    Viele liebe Grüße Luna77





















  2. #2
    Avatar von mikape
    mikape ist offline Veteran
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Hallo luna,

    ersteinmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt deines Sohnes!!!!

    Nach diesem Satz kann ich mir vorstellen (lebhaft) was du gerade denkt. Ja klar herzlichen Glückwunsch wofür, es hat doch alles nicht so geklappt, wie man es sich erträumt hat.

    ....

    Fühl dich von mir mal ganz doll gedrückt! Und glaub es mir, wir alle hier im Forum haben wie du diese Traurigkeit um die verlorene Zeit! du bist nicht allein!

    Meine Tochter kam in der 31. SSW und musste wie deiner in den ersten Tagen beatmet werden. Ich konnte sie auch nur streicheln und wie du langsam Schritt für Schritt känguruhen.

    Meine Tochter ist jetzt 4 Jahre und jetzt heilen allmählich die Wunden. Ich möchte dich natürlich nicht entmutigen aber es ist für Frühchenmamas einfach ein Schock und in der anfangszeit können wir unsere Gefühle bei anderen nicht ablassen - wir müssen funktionieren und für unser Kind dasein.

    Was mir sehr geholfen hat, war mit vielen anderen Frühchenmamas zu sprechen. Es gibt bei uns in der Nähe einen Verein (Hamburg).

    Das hat mir gut geholfen.

    Deine Gefühle sind völlig normal in deiner Situation. Verurteile dich nicht dafür, du hast ein Recht auf diese Gefühle!

    Tipp, vermeide zur Zeit Berichte über Geburten, ich weine jetzt noch jedesmal (wirklich!) wenn sie nach der Geburt das Kind im Arm halten. Das hatte ich nicht!

    Kannst mir immer eine PN schreiben, wenn du es brauchst
    Alles Liebe
    Petra

  3. #3
    Preussensepp ist offline Pooh-Bah
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Hallo Luna77,

    Herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines Sohnes! :)

    Ich kann gut nachvollziehen, wie es Dir geht. Uns ging es genau so. Fabian kam am ersten Tag vom Mutterschutz zur Welt (Plazentaablösung), war viel zu klein (42cm, 1780g) und man hat beim Kaiserschnitt das Fruchtwasser nicht aus der Lunge gebracht.
    Da er unter Sättigungsabfällen litt, wurde er auch in die Kinderklinik verlegt und ich konnte erst nach 3 Tagen nachverlegt werden.
    Mir fehlen auch die ersten Stunden, der ganze erste Tag mit meinem Kind. Wenigstens habe ich seinen ersten Schrei gehört im OP.

    Fabian war dann 3 Wochen und 2 Tage in der Klinik und ich war fast den ganzen Tag dort. Vormittags und über Mittag zum Kängurun, nachmittags kurz nach Hause, abends kam der Papa zum Kuscheln und ich mit dazu.

    Ich habe auch sehr lange darunter gelitten, daß es keine "normale" Geburt war und war irgendwann ganz froh, daß die Stillerei trotzdem geklappt hat. Habe erst fleissig abgepumpt und ihn dann umgestellt auf die Brust.
    Mittlerweile nehme ich diese ganze lange Zeit als Geburt an. Es war halt eine sehr lange Geburt, es war eine schwere Geburt und es war auch eine schöne Geburt, denn sie hat mir meinen Sohn geschenkt und er LEBT, ich lebe. Wir hätten beide sterben können.
    Ich habe bewußt immer wieder davon erzählt, ich habe geweint und ich habe versucht, mit Fabian viel zu kuscheln. Wir haben noch zu Hause ganz oft auf dem Sofa zusammen geschlafen, er schläft noch heute gerne auf meiner/Papas Brust.

    Ich habe noch keinen Frieden mit meinem tauben Bauch geschlossen, ich trauere der fehlenden Grenzerfahrung einer Geburt nach (wobei ich mir sicher bin, dass das, was Frühchenmütter durchmachen auch eine Grenzerfahrung ist) und ich glaube auch, daß manches vom Ur-Vertrauen der Mutter zum Kind viel schwerer aufzubauen ist.
    Ich fühle mich öfter mal als "schlechte" Mutter und kann das nicht so richtig einordnen, es ist halt ein komisches Gefühl und ich denke mir, vielleicht hängt das auch mit der Frühgeburt zusammen. Aber wer weiß das schon.

    Alles Gute für Euch!
    Preussensepp


  4. #4
    luna77 ist offline Pooh-Bah
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Vielen Dank für dein Angebot.

    Ich habe gelesen, dass es bei uns wohl auch einen Frühchen-Stammtisch gibt....
    Aber ehrlich gesagt habe ich Robin nie als wirkliches "Frühchen" gesehen! Er war schon 50cm groß und wog 3200g! Wenn ich mir so die anderen Winzlinge angesehen habe, die ab der 28.Woche geboren wurden...!

    Da hab ich das Gefühl nicht am richtigen Platz so sein, wenn ich diesen Stammtisch mal besuchen würde!


    Wie war oder wie ist denn ansonsten die Entwicklung deiner Tochter?
    Wie hat denn dein Umfeld reagiert? Hattest du Unterstützung?





















  5. #5
    Avatar von mikape
    mikape ist offline Veteran
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Hallo,

    Meine Tochter ist ja jetzt 4 Jahre alt und super entwickelt. Wir hatten gerade die U8 und KI sagt, man merkt überhaupt nichts mehr von den 9 Wochen! :)

    Katharina hatte von Anfang an Krankengymnastik und Frühförderung (gibt es die auch bei euch, asu welchen Bundesland bist du?) Sie hatte in der Entwicklung keinerlei Probleme. Trotz Atemnotsyndrom 2 bis 3 gab es keine Probleme danach.

    Besuch doch diesen Stammtisch einfach mal. Natürlich kann es passieren, dass es dort "Extremfrühchenmamas" gibt. Zu denen darf ich mich auch nicht zählen aber eines solltest du dir immer zu Herzen nehmen (auch wenn du mit "Normalgeborenen" Mamas sprichst: Jede Mama hat ihre Sorgen, sind sie klein oder groß!

    Beispiel: Am Anfang, als Katharina ein paar Monate alt war machte sich eine andere Mama Sorgen, weil ihr Kind hohes Fieber hatte. Es ist das falscheste zu sagen, es gibt schlimmere Sorgen, sieh mein Kind ist ein Frühchen!

    Nein, alle Sorgen sind ernst zu nehmen! Meine Tochter wog auch schon 2.100 g bei der Geburt, da lachen andere wahrscheinlich drüber. Aber ich hatte Angst, dass mein Kind es nicht schafft!

    Diese Angst haben wir alle geteilt! Auch du!

    Also, geh zum Stammtisch. Schau dir die Mädels dort mal an, vielleicht findest du dort jemanden oder mehere, mit denen du reden kannst!

    Schreib mir von deinen Besuch dort

    LG
    Petra

    P.S. Was macht dein Kleiner so? Wie geht es Dir?!

  6. #6
    luna77 ist offline Pooh-Bah
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Naja, ich überleg mir das ganze mal mit dem Stammtisch - aber ich denke eher, dass ich da nicht hingehen werde!

    Robin gehts soweit ganz gut.....
    Er ist eigentlich ein "pflegeleichtes" Kind, das kaum weint und eher einen zufriedenen Eindruck macht.
    Er ist sehr verschmust und brauch viel Körperkontakt.
    Den genießen wir natürlich beide!

    Ansonsten kann ich von mir nur sagen, dass ich bei jedem kleinsten komischen Geräusch schon aufschrecke das Robin von sich gibt.
    Ich bin sehr aufmerksam, wenn ich stille und schlafe auch nachts garantiert nicht dabei ein!!!
    Ehrlich gesagt, warte ich eigentlich immer wieder darauf, dass wieder so ein "Verschlucker" passiert..... :ups1: !

    Ich bin ziemlich genervt von meinem Großen, der sich gerade in der Trotzphase zu befinden scheint und einen sehr großen Eigenwillen entwickelt hat! Ich muß aufpassen, dass ich Robin jetzt nicht zu sehr bevorzuge!
    Irgendwie tut mir oft mein Verhalten zu meinem Großen leid, aber ich bemühe mich.....

    Wir kommen im übrigen aus dem Saarland.





















  7. #7
    Avatar von CarmenK
    CarmenK ist offline Stranger
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Deine Gefühle sind ganz normal, besonders, da alles noch so frisch in Erinnerung ist. Meine Isabella wird bald 4, kam 9 Wochen zu früh mit 1400g und 40cm wegen Plazentaablösung. Ich hatte Not-KS in Vollnarkose und konnte sie auch erst am nächsten Abend sehen. 2 Wochen Intensivstation, 4 Wochen normale Frühchenstation mit den üblichen Frühchenproblemen...das hinterlässt seine Spuren. Gabs/gibts in der Klinik bzw in Deiner Nähe psychologische Beratung? Bei uns gabs das, in der Klinik hab ichs zwar nicht in Anspruch genommen, doch daheim hab ich erst gemerkt, wie sehr ich das brauche. Wie mikape schon schreibt: mit anderen austauschen, reden, alles durchleben - das hilft zu verarbeiten. Aber lass Dir Zeit. Bei mir gehts seit ca. 1 Jahr besser, vorher war ich einfach traumatisiert. Das ist eine normale Reaktion! Und ärgere Dich nicht über Mitmenschen, die Dich vielleicht als hysterisch abtun: die haben keine Ahnung, was es bedeutet, um sein Kind zu bangen. Mir sagte mal wer: ein Frühchen? Ach süß! .... und Sorgen? Was hast Du denn schon für Sorgen? (Isabella lag da noch auf der Intensiv). Sei gewappnet, das wird Dir vielleicht noch passieren :-(

    Alles Gute
    Carmen

  8. #8
    Avatar von Missi
    Missi ist offline Member
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Hallo Luna :) Schön, dass es deinem Kleinen heute so gut geht, Aber das mit dem Frühchenstammtisch solltest du dir wirklich mal überlegen. Ich denke es kommt doch nicht so auf die Schwangerschaftswoche an, sondern um die ganzen Ängste und Sorgen die du durchlebt hast. Alle Eltern an diesem Stammtisch werden dich da bestimmt bestens verstehen. Dein Kämpfer hat ja wirklich auch viel mitgemacht.
    Ken wurde in der 26+4 geboren, hat alledings einen kompletten Durchmarsch hingelegt, ausser Probleme mit der Sättigung gab es keine, lag damals an der unreife seiner Lungen. Heute geht es ihm super :) Er fängt gerade an zu Laufen. Was meinst du, wäre ich dort richtig am Platz (kann leider kein Fragezeichen tippen, meine Tastatur spinnt sorry!) Also wie gesagt, ich denke es geht wirklich um unsere Gefühle, die sich sicherlich auch nach langer Zeit nicht abstellen, dafür war das Erlebte einfach zu schlimm.
    Lieben Gruss
    Michaela

  9. #9
    möhrchen ist offline Poweruser
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Meine Tochter wurde zwar regulär entbunden, mir aber nach einer Woche gemeinsamen KH-aufenthalt "weggenommen" und in ein KH mit Neantologie verlegt. Anfangs wußten wir nicht, was sie genau hat und wie ihr zu helfen ist. Uns hat keiner genau gesagt, was sie hat, wie schlimm es um sie steht und ob und wann ich mein Kind mit nach Hause nehmen kann. Sie lag noch 2 Wochen auf der Neantologie und wurde dann ambulant noch 10 Wochen weiter betreut, was tägliche Blutentnahmen und mehrere Bluttransfusionen bedeutete. Die Gefahr innerer Blutungen war sehr hoch und es war nicht sicher, ob sich nicht schon Hirnblutungen gehabt hat. Sie hat sich damals gewehrt wie verrückt und geschrien wie am Spieß, war ja ein gut ausgebildetes Neugeborenes. Es bedurfte mehrerer Personen, sie zu bändigen, dass man eine Flexüle setzen konnte oder dass sie sich diese nicht rauszerrte.

    Mich hat das sehr lange beschäftigt, die meisten wußten auch nicht damit umzugehen. Irgendwann hab ich mir abgewöhnt, über ihren schweren Start zu reden. Die Zeit heilt alle Wunden, aber das Bild, wo sie mir mein Kind wegrissen und in den Transportinkubator legten, "minimales Handling" (wg. der bestehenden Blutungsgefahr) drauf vermerkten, vergesse ich nie... die weit aufgerissenen braunen Augen. Mich hat man darüber hinaus ganz vergessen gehabt.

    Es gibt viele schwere Schicksale, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Ich wünsche Dir viel Kraft und eine schöne gemeinsame Zeit mit Deinem Sohn.

    Katrin mit Amelie (21.02.2005)
    Möhrchen mit Tochterkind 02/05

    „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ (Saint-Exupéry)

  10. #10
    tristan712 ist offline ermäßigt
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    Standard Re: Ich hab mal ne Frage an (ehemalige) Frühchenmamas...

    Hallo, wir haben dieselbe Geschichte...36.Woche,Verlegung auf Intensiv, Intubation und, und, und. Für uns war das auch eine sehr harte Zeit, weil nichts ist, wie man es sich vorstellt.
    Baby bei Mama, Baby an Brust, Baby mit eigenen Sachen im eigenen Bett...
    Man muss das Beste daraus machen, denn es ist nicht zu ändern.
    Ich fand die Beziehung zu meiner Tochter am Anfang schon "gestört". Aber wichtig ist, dass sie gesund ist und sich ganz normal entwickelt.Heute ist sie fast 4, clever, frech und wahnsinnig geliebt von uns beiden......
    lg
    meine treulosette
    Rachel78

    und meine
    großartiger-geht´s-nimmer-ette
    AnnaK

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