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  1. #1
    Avatar von Bubamara
    Bubamara ist offline addict
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    Standard Schuldgefühle....

    Hallo!

    Mein „Frühchen“ ist zwar mittlerweile schon 19 Monate alt aber mir brennt immer noch was auf der Seele.

    Seit Beginn der Schwangerschaft hatte ich zu hohen Blutdruck der auch mit Tabletten nicht richtig eingestellt werden konnte. Ich hab in der 30+5 SSW entbunden wegen schwerer Präeklampsie, Fieber über 40° C und schlechter werdenden Herztönen. Ich spüre immer noch das Gefühl als mich der Krampfanfall überrollte und ich den Schwesternruf nicht mehr tätigen konnte weil alles total steif wurde. Als ich im Kreissaal aufwachte, hab ich zuerst überhaupt nicht gewusst wo ich bin und hatte wahnsinnige Kopfschmerzen. Das war so um 4:00 Uhr früh. So gegen Mittag wurden dann die Herztöne immer schlechter und man entschloss sich für eine Not-Sectio. Als ich aus der Narkose aufwachte zeigte mein Mann mir ein Bild unseres kleinen Jungen. Er wog nur 1600 g und war 41 cm groß. Ich dachte nur: „Mein Gott ist das ein schönes Baby“. Anfangs ging es ihm gar nicht so schlecht, bis sich in der zweiten Nacht ein Pneumothorax entwickelte und er dann künstlich beatmet werden musste. Er bekam eine Thorax-Drainage, war eine Woche lang sediert und zu guter letzt hatte er auch noch eine Gehirnblutung. Gott sei Dank bildete sich die Blutung alleine wieder zurück und Benni musste nicht operiert werden. Nach einer Woche wurden die Medikamentendosen deutlich reduziert, nach und nach immer mehr Schläuche entfernt und mein Kleiner entwickelte sich prächtig. Nach nur 5 Wochen konnte er entlassen werden – ohne weitere „Auflagen“.
    Wir hatten also mächtig viel Glück – er entwickelte sich weiterhin völlig normal so wie jedes andere gleichaltrige Kind.

    Was mir wirklich zu schaffen macht, sind meine Gefühle die ich damals hatte. Mir tat das kleine Wesen im Brutkasten zwar unendlich leid, aber so richtige Muttergefühle hatte ich nicht. Jeder hat mir gratuliert – ich fand das einfach nur schrecklich! Wozu? Ich hatte ein krankes Kind das viel zu früh auf diese Welt geholt wurde (woran ja ich schuld war) und jeder gratuliert mir. Ich dachte immer der Kleine schafft das sowieso nicht, wozu soll ich mich da jetzt reinhängen, ich will ja sowieso kein krankes Kind. Bin auch nach 5 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden, weil ich einfach nur nach Hause wollte – niemand hat das verstanden, jeder sagte „bleib doch bei deinem Kind solange es geht“ – wollte ich nicht… Ich bin zwar jeden Tag hingefahren und vormittags bei Benni geblieben, hab auch Mumi abgepumpt usw, jeden Abend noch mal in der Klinik angerufen ob alles passt (KH ist 40 km entfernt), aber so richtig mit den berühmten Muttergefühlen war ich nicht dabei… Und dabei hatte ich mir das alles immer so schön vorgestellt… Diese ganze Zeit war einfach nur der reinste Horror. Heute liebe ich mein Kind natürlich über alles und kann ihm das auch zeigen. Ich würde alles für ihn tun und jeden noch so schweren Weg mit ihm gehen. Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen ihn allein gelassen zu haben. Aber es vergeht kein Tag an dem ich nicht an diese Zeit denke… Im Nachhinein denke ich, es waren postnatale Depressionen. Meine Schwester (die in dieser Zeit wahrscheinlich mehr gelitten und geweint hat, als ich) sprach unsere Frauenärztin darauf an und erklärte ihr die Situation etwas. Die Ärztin meinte, ich solle die Hebammen in der Klinik mal darauf ansprechen. Hab ich getan, mit dem Ergebnis dass die Hebi sagte (O-Ton): „Ach das sind die Heultage, da muss jede Frau durch“. Kann man eine Frühchen-Geburt mit einer normalen Geburt vergleichen?!

    Wir würden schon gerne noch ein zweites Kind haben aber ich hab so schreckliche Angst dass alles wieder so kommt… Gut, ich würde schon vieles anders machen. Hab z. B. mit dem Stillen aufgehört, weil ich lieber wissen wollte wie viel mein Kleiner trinkt, hab das auch monatelang genauestens dokumentiert und jeden Abend ausgerechnet ob es auch gereicht hatte. Dachte aber, ich bräuchte keine Hebamme mehr, was ein enormer Fehler war, die hätte mir mit Sicherheit meine Angst zu Hause nehmen können. Ich konnte wochenlang nachts nicht schlafen weil ich immer Angst hatte den Kleinen nicht zu hören. Wollte z. B. auch nie mit ihm alleine sein, weil ich Angst hatte, dass etwas passieren könnte, womit ich allein nicht klar komme. *kopfschüttel*

    Jetzt – wo ich die Sicherheit habe, mit einem Frühchen umgehen zu können – hasse ich mich dafür diese erste Zeit nicht besser genossen zu haben. Ich würde jetzt soviel anders machen aber ich kann die Zeit leider nicht zurück drehen…


    Gruß Simone

  2. #2
    Avatar von mikape
    mikape ist offline Veteran
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Liebe Simone,

    als ich ins Forum ging und deine Überschrift las (Schuldgefühle...) war mein erster Gedanke - ja, wir Frühchenmamas werden bei diesem Thema einfach allein gelassen und hier hat, wie jede Frühchenmama eine Frau wieder Sorgen deshalb!

    Du bist nicht allein mit diesen Gefühlen - glaub mir!

    Es werden bestimmt noch einige Mütter dir hier Antworten und dies bestätigen.

    Diese Antworten werden es dir leichter machen, deine Gefühle, die völlig normal in einer solchen Situation sind, zu "akzeptieren"

    Meine Tochter kam in der 31. SSW wg. vorzeitiger Wehen zur Welt und musste auch ein paar Tage beatmet werden.

    Diese Schuldgefühle - ich habe mich nicht genug geschont und deshalb ist mein Kind zu früh gekommen. Ich bin eine Frau, die nicht richtig schwanger war! Die Angst meinem Kind einen Namen zu geben...

    Deine "Abwehrreaktionen" sind doch völlig menschlich und normal gewesen.

    Und wie ist es jetzt...?

    Du liebst dein Kind so sehr, du machst dir Sorgen und kannst nicht vom Bett weichen! Das ist das andere extrem das dich auch auffrisst.

    Wie heisst dein Sohn und was macht er, was kann er schon? Schreib es mir mal und versuche dabei mehr und mehr zu erkennen, das du dir keine Sorgen mehr machen musst.

    Du bist eine sehr gute Mama! Ein Frühchen ist dir in den Schoss gelegt worden und du kümmerst dich und sprichst offen über deine Gefühle! Dein Kind kann es nicht besser treffen!

    Alle deine Entscheidungen (auch die mit dem Stillen!) sind richtig gewesen, weil sie für dein Kind gewesen sind!

    Hasse dich nicht für irgendwelche Entscheidungen! Du machst das alles klasse!!!!!!

    Du kannst mir bzw. uns hier im Forum gern immer von deinen Sorgen schreiben und tu das auch bitte, weil das erleichtert - andere haben dasselbe erlebt!

    Alles alles liebe
    Petra

  3. #3
    Avatar von Hannahmama
    Hannahmama ist offline Familienbild
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Auch ich kenne diese Art von Gefühlen. Bin auch davon überzeugt, bis auf wenige Ausnahmen, kennt sie hier jede Mama. Die Gründe mögen ein wenig verschieden sein. Aber egal.

    Hannah kam auch wegen meines Bluthochdrucks zu früh. Allerdings konnten wir den Zeitpunkt bzw haben wir den Zeitpunkt zu dem sie geholt werden sollte selbst bestimmt. Ich wollte lieber selbst die Entscheidung getroffen haben, als mir hinterher Vorwürfe zu machen nicht meinem Instinkt gefolt zu sein.

    Bin nach zwei Wochen entlassen worden, nach einer weiteren hab ich Hannah nach Hause geholt. Ich konnts nicht mehr ertragen, die Bevormundung durch die Schwestern, die Entfernung zu meinem Kind. Wieder mein Instinkt. Es ging alles gut. Trotzdem hatte ich Schuldgefühle, dass ich vorher nach Hause bin, dass es überhaupt dazukommen konnte und und und. Ich fühlte mich allein gelassen. Alle wollten das ich glücklich bin. Wir hatten ja so ein Glück. Ja wo denn? Ich machte mir doch Sorgen...

    Jeder geht anders damit um. Ich hatte von Anfang an eine starke Bindung zu meiner Tochter. Deshalb konnte ich die Situation im KH kaum ertragen. Vllt hat Dich Deine Distanz ein wenig vor der Belastung geschützt. Klar war es trotzdem schwer. Aber wer Distanz hat, ist nicht so verletzlich. Mein Mann hielt auch lieber Distanz zu unserer Tochter. zu groß war die Angst es könnte doch noch was passieren und er könnte es nicht ertragen. aber zu dem Zeitpunkt wo man sich mit Distanz schützt ist die Nähe, die Verbindung, Verletzlichkeit schon längst da.

    Wenn Du magst kannst du mir gern per PN schreiben. Du wirst hier sich ernoch mehr mit ähnlichen Erfahrungen treffen.

    Lieben Gruß
    :D Dark-Chocolate-Destruction-Sister von Sugarmice :D

    grds steht grundsätzlich ja unter Strafe

    may those who love me, love me, and those, who don´t, may god turn their hearts, and if he can´t may he turn their ankles, so I can see them by their limping (angelehnt an einen irischen Segensspruch (?))

  4. #4
    Avatar von Bubamara
    Bubamara ist offline addict
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Hallo!

    Danke für Deine lieben Worte. Das Problem ist ja, dass ich nicht Schuldgefühle gegenüber dem Kind hatte. Ich hab das Kind für meine Situation verantwortlich gemacht. Ich war ja nur eine Woche vor der Entbindung im Krankenhaus und hatte schon entsetzliches Heimweh und dachte mir, daran ist nur das Kind schuld. Warum wollte ich überhaupt eins? Jetzt tut es mir natürlich leid, damals so gedacht zu haben.

    Zurseit kommt die Furcht, was ist wenn es bei einem zweiten Kind genauso abläuft? Oder ich womöglich wochenlang im KH liege? Ich wünsche mir doch einfach nur eine ganz normale Schwangerschaft und eine normale natürliche Geburt. Aber würde ich dann das Kind mehr lieben als das Erste? Solche Gedanken beschäftigen mich, obwohl das Zweite noch gar nicht in „Arbeit“ ist - aber sehr wohl geplant.

    Jetzt geht es uns alles sehr gut mit unserem Benjamin. Er ist jetzt fast 19 Monate alt und ein richtiger Wirbelwind. Als er ca. 2 ½ Monate alt war sind wir 10 x zur Physiotherapie gegangen weil er ein bisschen unruhig war und von da ab entwickelte er sich prächtig. Mit 9 Monaten konnte er krabbeln, etwas später alleine aufstehen und mit 14 Monaten laufen. Er fängt jetzt an zu reden und jeden Tag spricht er neue Worte und entdeckt neue Dinge. Er klettert für sein Leben gern: am liebsten in der Küche auf die Fensterbank – wie gesagt er ist sehr aktiv. Manchmal treibt er mich in den Wahnsinn (was wahrscheinlich auch an meiner mangelnden Geduld liegt) weil er nur Unsinn macht.

    Was mir auffällt: als er so zwischen neun und zehn Monate alt war hab ich ihn – gemäß „Jedes Kind kann schlafen lernen“ - oft abends in seinem Bettchen schreien lassen, weil er nie alleine einschlafen wollte. Wir haben das dann auch ganz gut hinbekommen und konnten ihn ohne Probleme hinlegen. Seit einigen Wochen hat er wieder so eine Phase wo er nicht allein schlafen will. Nun sitzen ich oder mein Mann abends eine halbe Stunde neben seinem Bettchen und warten bis er einschläft und nachts hole ich ihn zu uns ins Bett (zuerst nur in ein zweites Bettchen neben meinem, reicht ihm aber jetzt auch nicht mehr *grins*). Wir genießen das alle Drei total! Ich könnte ihn nicht mehr allein weinen lassen… Vor allem mein Mann war schon immer dafür ihn in unser Bett zu legen, nur ich war dagegen. Manchmal beneide ich ihn um seine Einstellung. Er nimlmt das alles ganz leicht – für ihn war von Anfang an klar „Mein Sohn schafft das“.

    Am Meisten ärgert mich die Aussage der Hebamme. Ich bin sowieso nicht der Mensch der alles frei von der Leber erzählen kann und dann versuche ich ein Gespräch mit der ihr zu beginnen und sie blockt sofort ab. Danach hatte ich natürlich nicht mehr den Mut mit meiner FÄ darüber zu sprechen, denn ich dachte es sei ja normal. Vielleicht hätten mir aber damals bestimmte Hormone gut geholfen.

    So nun muss ich mich wieder um meinen Rabauken kümmern, sonst nimmt er mir die ganze Wohnung auseinander! :D

    Liebe Grüße
    Simone

  5. #5
    Tecumseh 2 ist offline mehrMeer
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Hi,

    meinst Du nicht, das Deine Anforderungen von Dir selbst an Dich etwas hoch sind?
    Erstes Kind und alles soll perfekt sein? Bilderbuchartig. Das gibt es wirklich selten, auch wenn es oft anders vermittelt wird.

    Ich habe vier Kinder und mein erstes Kind war kein Frühchen, aber die Geburt war für mich der Horror, 14 h Wehen, Entbindung mit Hebammenwechsel, danach Saugglocke und Dammschnitt, keine Narkose.

    Danach bekam ich zwei Frühchen mit Not-Sectio in der 31. und 29. SSW.

    Beim ersten Kind blieben auch die Muttergefühle aus, dnanch wußte ich, meine Kinder schaffen das, wie auch immer, ob behindert oder nicht, ich werde meine Knder lieben.

    Aber zugegeben, ich brauchte neun Jahre um die erste katastrophale Geburt zu überwinden, um mich für weitere Kinder zu entscheiden.
    Im Nachhinein habe ich diese Entscheidung nie bedauert.

    VG

  6. #6
    Milena22 ist offline enthusiast
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Hallo Simone,

    habe auch ein Frühchen (geboren in der 24+3 SSW), das heute schon 22 Monate ist und kann viele deine Schuldgefühle nachvollziehen.

    Nach dem vorzeitigen Blasensprung durfte ich nur noch liegen. Nach 2 Wochen Krankenhaus, lagen meine Nerven blank und ich wollte nur noch nach Hause.... 24 Stunden später haben mir die Ärzte mitgeteilt, dass das Baby nicht mehr im Bauch bleiben kann. Haben meine negativen Gedanken dazu beigetragen? Nach der Mitteilung der Ärzte habe ich mir Vorwürfe gemacht und war auch bereit die nächsten 3 Monaten nur zu liegen. Zu spät!

    So, ich bin Mama geworden und mein Kind liegt auf der Intensivstation in der Kinderklinik. Zum Glück hatte ich die Zimmernachbarin und später auch Freundin, die Ihre Zwillinge in der 28. SSW bekommen hat. Wir haben uns gegenseitig aufgemuntert! Eine frischgebackene Mama mit dem Kind im Zimmer hätte ich moralisch nicht ertragen können.

    Muttergefühle?!? Fehlanzeige!!! Kinderzimmer war eingerichtet, aber mein Kind war immer noch auf der Intensivstation. Und da sollen die Muttergefühle kommen? Nach 3 Monaten Intesivstation, kam unser Sonnenschein nach Hause und paar Wochen später habe ich mich auch als "richtige" Mama gefühlt.

    Dieses Jahr ist unser Tochter 1 Jahr geworden und für mich stand fest, ich möchte noch ein Kind (bin selbst Einzelkind). Ich möchte die Schwangerschaft bis zum Ende erleben und wenn möglich, auch normale Geburt. Und wenn es doch ein Frühchen wird?!? Dann kann man nichts ändern! Ich habe schon Erfahrung und das wird mir viel bringen!

    Ich versuche die Schwangerschaft zu genießen und achte auf die Zeichen meines Körpers! Ich bin mir ganz sicher, dass es diesmal ganz anders wird.....

    Damit möchte ich Dir auch Mut machen!!!

    Liebe Grüße

  7. #7
    Gast

    Standard Re: Schuldgefühle....

    Ich kann dich sehr gut verstehen. Mia kam bei 32+6, nachdem ich bereits in der 29 SSW einen Blasensprung hatte. Ich habe 5 Wochen ohne Bewegung im KH gelegen, durfte nicht mal auf Toilette.

    Jede Woche gab es eine neue Hiobsbotschaft - ich habe mir immer nur gewünscht, dass dem Ganzen endlich ein Ende gesetzt wird (ab der 31 SSW). Als dann aber die Not-Sectio kam habe ich mir hinterher totale Vorwürfe gemacht. Ich hatte versagt, ich hatte mein Kind nicht halten können. Mein KiA hat das ganze auch noch etwas "geschürt", indem er etwas von Frauen erzählte, die durch "negative" Gedanken das vorzeitige Ende herbeigeführt hätten :(

    Es hat etwas gedauert bis ich "echte" Muttergefühle entwicklelt habe. Das Kind war weg, ich nicht mehr schwanger. Alles unwirklich. Ich hatte die ersten Tage kein Gefühl Mutter zu sein. Das stellte sich erst ein als ich die Kleine auf den Arm nehmen konnte.

    Ich bin nach einer Woche nach Hause. Immerhin wartete da noch ein anderes Kind, das seine Mutter 7 Wochen kaum gesehen hatte. Ich hatte immer das Gefühl eine Rabenmutter zu sein, egal was ich auch tat. War ich zu Hause hatte ich Mia gegenüber ein schlechtes Gefühl (andere Mütter blieben im Schwesterwohnheim bei ihren Kindern), im KH dachte ich dann an Emily.

    Inzwischen hat sich alles "normalisiert", aber die ganze Geschichte und die Gefühle kommen immer wieder hoch. ich kann keinen Krankenwagen mit Blaulicht sehen - sofort steigen die Bilder hoch.

    lg
    Melanie

  8. #8
    Avatar von innamama
    innamama ist offline working mum
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    hallo simone,
    ich kann mich hier vielen geschriebenen worten nur anschließen. und muss energisch der hebamme widersprechen - eine frühchengeburt ist sicherlich nicht mit der "normalen" geburt gleichzusetzen.

    wie die anderen bereits geschildert haben: du bist mit diesen gefühlen nicht allein. wenngleich die situation sicher für jede anders ist. auch ich konnte auf knopfdruck keine mama sein, ich hatte ja auch eigentlich noch mehr als drei monate zeit und war bis dato mit der tatsache schwanger sein noch gar nicht so massiv beschäftigt. und plötzlich wurde ich von einer sekunde zur anderen mama. dass da kein hebel umgelegt werden kann, dazu braucht man glaube ich keinen psychologen. per notsectio haben sie jonathan geholt, wegen eines aktuen hellp wären wir beide fast gestorben. jona wog 789g und war 33cm groß. für ihn folgten elf wochen intensiv, für mich zwei. und ganz ehrlich gesagt war ich ersteinmal mit mir selber beschäftigt. alle haben auch erwartet, dass ich sofort zu dem baby will, wollte ich aber nicht.

    nach zwei tagen haben sie mich im bett runtergeschoben, mein mann hatte vorher schon einmal ein foto gebracht - auf dem der winzling aber irgendwie größer war. auf diese situation ist man einfach nicht vorbereitet. zu dem ganzen schlamassel kam bei uns noch, dass jona ohne linke hand geboren wurde, was wir erst mit der geburt erfahren haben. das war alles zu viel für mich. mein mann pendelte tapfer zwischen uns beiden und ich habe aber nie geglaubt, jona schaffe es nicht.

    glückwünsche habe ich aber ebenso abgelehnt wie du. und auch die genervten blicke der schwestern, wenn ich mich verabschiedete. ich habe mich bewusst dagegen entschieden, in der klinik 24 std zu leben. mir war egal, was sie dachten, ich wollte ein stückweit normalität. und es war gut so.

    heute ist jona gerade offiziell zwei geworden, ein riesenwirbelwind, der alle mit seinem charme becirct. und der gerade mächtig in der trotzphase ist. dass er ein frühchen ist, daran erinnert seine größe, ansonsten steckt er alle locker in die tasche. und dann bin ich mittlerweile doch stolze mama.

    du hast die entscheidungen sicherlich für dich richtig getroffen. und vieles lässt sich glaube ich nur von frühcheneltern nachvollziehen.

    liebe grüße, corinna

  9. #9
    Nicki6205 ist offline Poweruser
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Hallo....

    mein Frühchen ist jetzt bald 3 und kam mit 1460 g und 42 cm auf die Welt....hatte eine schwere Harnwegsinfektion von mir mitbekommen und im nachhinein dachten die Aerzte eigentlich nicht, dass es gutgeht....

    Soviel zur Vorgeschichte.....

    Nach der Sectio habe ich meinen kleinen gar nicht gesehen....dann als ich aus dem OP rauskam und in den Kreissaal geschoben wurde, hat man ihn mir ganz kurz im Brutkasten gezeigt...ich sah nur das Hinterköpfchen...

    Nach 12 Stunden konnte ich ihn auf der Intensiv besuchen.....als ich da reinkam ging es mir wie Dir...es war das schönste Würmchen überhaupt..zig Schläuche, zig Pips-Töne um mich rum usw. usw......

    Ich habe ihn stundenlang besucht...habe selbst nichts getrunken, gegessen oder irgendetwas für mich getan....
    Wenn Leute mich angerufen haben, dann habe ich die "spannende" Geschichte erzählt und kam mir irgendwie total umsorgt vor....

    Ich habe mehr Zeit sitzend am Brutkasten verbracht als früher in der Arbeit am Schreibtisch....ich habe alle 4 STunden Milch abgepumpt....habe die Pips-Töne studiert und gelernt sie zu interpretieren....

    ABER: Ich hatte immer das Gefühl, dass ich jetzt zwar ein Kind habe, wenn dieses aber von meiner Freundin wäre und diese bei der Geburt ums Leben gekommen wäre und ich mich jetzt um das Kind kümmern soll, dann hätte ich es genauso gemacht....

    Sebastian kam in der 31 +3 zur Welt und ich wollte die letzten Wochen das übliche Machen...Nest bauen...mich auf das Kind freuen und mich auch mental darauf voll einlassen...das fehlte....

    Ich bin ehrlich, auch wenn es schockiert....ich hatte anfänglich...sprich als der Kleine ein Säugling war null Probleme damit ihn abzugeben..sprich wenn ich mal in die Stadt fuhr...zum Arzt ging....oder sogar als ich wg. Gallenop im Krankenhaus lag fehlte er mir zwar, aber ich genoss es auch die Nächte für mich zu haben....

    Wenn man vom "richtigen" Muttergefühl sprechen kann, dann kam das glaube ich erst viel viel später bei mir...da war der Kleine bestimmt schon 1 1/2 oder 2 Jahre alt....

    Mein Muttergefühl und auch die damit verbundene Umstellung (Hausfrau statt Berufstätig.....Kindwagen schieben bei jedem Wetter anstatt gemütlich auf dem Sofa lümmeln usw. usw.) ist stetig gewachsen...so wie der Kleine...jetzt denke ich mir in manchen Augenblicken, wieviel Liebe kann man denn noch für so einen süssen Bengel empfinden....


    Hebamme hatte ich übrigens auch nicht und ich weiss auch nicht, ob die mir wirklich weiterhelfen hätte können....

    Das Gefühl, das 1. Jahr ist toal verloren gegangen, habe ich immer wieder mal....vor allem, wenn andere Mütter reden wie es bei Ihnen war und wie es gelaufen ist...oder was mir unheimlich nachhängt ist, dass ich nicht gestillt habe...einfach weil ich so fertig war und soviel um die Ohren hatte (Sebastian war noch mehrere Male im Krankenhaus und hatte zwei OP´s)....ich war im KKH usw usw....
    Jetzt wenn ich eine Mama sehe die stillt, kommt es mir immer mal wieder hoch....

    Selbstvorwürfe habe ich mir genügend gemacht...warum bin ich nicht eher zum Arzt...warum hab ich beruflich nicht kürzer getreten...warum habe ich nicht gleich die Hebi gewechselt , als ich merkte die ist nix für mich...warum bin ich nicht eher unter Leute usw usw....bringen tut´s nix...aber Fehler die man gemacht hat, waren vielleicht auch für irgendwas gut und ich weiss es nur noch nicht...
    Geändert von Nicki6205 (28.12.2007 um 20:22 Uhr)
    LG
    Nicki







  10. #10
    Avatar von Hexenmaus
    Hexenmaus ist offline journey (wo)man
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    Standard Re: Schuldgefühle....

    Tach,
    ich kann das alles sehr gut verstehen, mein Süßer kam in der 31 + 4. Woche auf die Welt mit 1700g und 39 cm. Und kein Mensch weiß, warum er zu früh kam.
    Ich hatte keine Präeklampsie (dafür einige andere Besonderheiten und Risikofaktoren, die aber laut Arzt nicht für die Frühgeburt verantwortlich waren...), keine Probleme mit dem Blutdruck, nichts.
    Aber nachdem man ja immer nach Gründen sucht dachte ich mir auch, daß ich an diesem Tag (Pfingstwochenende 07) vielleicht lieber weniger Stress gemacht hätte und bei der herrschenden Hitze nicht den ganzen Tag das Mittelalterlager vorbereitet, das Zelt eingerichtet hätte usw. Keine Ahnung, ob das der Auslöser war, aber mittlerweile ist mir das auch vollkommen egal. Ich hatte eine sehr spannende Geburt (fand ich zumindest), Gott sei Dank kein Kaiserschnitt.
    Flo war danach 6 Wochen stationär, hat alle Stationen von Intensiv über Frühgeborene und Neugeborene durchlaufen und danach war ich nochmal 4 Wochen mindestens einmal pro Woche im Krankenhaus zu Blutkontrollen und ähnlichem.
    Das Ganze hat mich auch total fertig gemacht, daß ich wegen Wochenbettdepression behandelt wurde. Meine größten Schuldgefühle habe ich mir damals gemacht, weil ich nur einmal täglich in der Klinik war (ebenfalls über 40 km entfernt) und weil das Stillen nicht geklappt hat. Und das war doch mein erklärtes Ziel! Mei, hab ich mich da mit der Pumperei unter Druck gesetzt! Und als ich dann die Medis wegen der Depression genommen habe musste ich ja abstillen und ich hätte vorher nie geglaubt, daß mich das so erleichtern würde.

    Mach dir wegen einer weiteren Schwangerschaft doch keine Sorgen,jede ist anders und du weißt ja jetzt Bescheid. Und wenn es deinem Kleinen jetzt gut geht, dann lass es dir auch endlich gut gehen! Ich weiß, ist leichter gesagt als getan, aber trotzdem...

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