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Baum-Darstellung

  1. #1
    maikehs2 ist offline KookaburraMUM
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    Standard We survived IME

    Hallo ihr Süßen

    Ich dachte ich erzähl mal wieder ein bißchen, womit wir hier in upside down neben Windelwechseln noch so unseren Tag aufregender gestalten. Wir sind ja immer noch im Visa-Verlängerungs-Marathon. Das ist ein lustiges kleines Käse-Ländle. Es ist ziemlich einfach, reinzukommen. Jeder, der schon mal Uluru-gucken gemacht hat, weiß das. Für ein Visum bei der australischen Botschaft in Berlin applyen, ein paar Wochen warten und aus die Maus. Schon hat man ein schickes Wappen mit Wombats und Kängurus im Reisepass und drüber steht: VISUM.
    Wenn man allerdings schon drin ist, und statt zum Bombenbauen in die unendlichen australischen Weiten abzutauchen pünktlich und ordentlich auf der Matte steht um sein Visum zu verlängern, dann nimmt einen die australische Bürokratie mit Haaren, Zähnen und unendlichen Tentakeln in den Würgegriff, dass einem schwindelig wird:
    Wir zum Beispiel leben trotz Höhenangst und mit drei Kindern seit vielen Wochen auf einer Hängebrücke, also einem BRIDGEVISA und wenn man da so sitzt und wartet und runterguckt in die Abgründe der Bürokratie wirds einem schon echt schwindelig...

    Gerade haben wir die IME, die Immigration Medication Examination überlebt. Soll heißen, dass wir, bei dem hiesigen lausigen und mächtig relaxten Gesundheitssystem gerade stolz die am besten medizinisch untersuchten Menschen des Kontinents sind.
    Sobald man nämlich mehr als ein Jahr bleiben will und schon im Lande ist, fragen sie sich, was sie eigentlich theoretisch gemacht hätten, wenn wir Typhus gehabt hätten, oder TBC oder Aids oder Hepatithis oder Tripper, oder.... Und weil die Frage auf einmal so dräuend gähnt, wurden wir als gesamte Familie an einem sonnigen Donnerstagmorgen zu einem Astronautencheckup in einen blitzenden Glasturm in Paramatta bestellt.

    Vor der Tür stellt Mami sich quer und will nicht rein: "Da steht IMMIGRATIONCENTRE drauf, ich will aber nicht immigrieren, wenn ich den Test besteh bürgern die mich ein bevor ich niesen kann und dann steh ich hier, nenene Du willst mich bloß austricksen Mann, ich hab dir gesagt ich bleib nicht... "(Mann schiebt sein protestierendes Weib in den Lift und das Unheil nimmt seinen Lauf).

    Neben unseren Reisepässen und verschiedenen anderen Dokumenten haben wir unübertrieben satte 31 Seiten Medizinische Fragebögen zu jeder Person ausgefüllt und mitgebracht. Erst einmal aber müssen wir uns auf einen klapprigen Stuhl neben der Rezeption setzen und werden in bester Verbrechermanier fotografiert, damit wir in den verschiedenene Abteilungen nicht mogeln und unsere gesunden australischen Freunde vorschicken können. Mit dem Foto auf dem Untersuchungsbogen setzen wir uns eingeschüchtert in den Wartesaal vor den Breitbandfernseher und ich gelobe. die giftgrüne Weltraumbratpfanne für 49 $ zu erwerben, wenn ich das hier Heil überstehe. Meine Mitdeliquenten starren ebenso gebannt auf die strahlende Fernsehverkäuferin. Ich kann ihren echt surfblonden Lockenkopf in auf ihren aufgerissenene Augen glänzen sehen und schaue hinunter auf den neuen Fragebogen, den sie uns in die Hand gedrückt haben.

    Unheilschwangere Fragen standen da drin: Hatten sie je eine Blasenentzündung? Ich mein, die sind echt tough hier. Mögen die vielleicht keine Leute mit Blasenentzündung? Ist das eine Fangfrage? Wenn ich "Ja" ankreuze, vielleicht unterstellen die mir dann, das ich davon was zurückbehalten habe, darum ständig aufs Klo muß und weil hier die schlimmste Trockenheit seit 90 Jahren herrscht und wir alle per Radio und Fernsehen zu rücksichtslosem Wassersparen aufgefordert werden (mind the draught) fangen die bei mir an: Pipnelken die öfter als zweimal täglich aufs Wc müssen, können sie sich nicht mehr leisten. Ich bekennne, ich entscheide mich zu einer Vorsichtslüge.

    Dann kommen wir zu einem streng aussehenden indischstämmigen Arzt, der mir Körperflüssigkeiten abnimmt, einen Seh und Höhrtest veranstaltet und mit mir diskutiert, warum ich vor zehn Jahren als Studentin geraucht habe. Ich gelobe, es nie wieder zu tun. Daraufhin werden wir von einer tiefverschleierten Australierin geröntgt. Ich bin froh, dass ich nicht stille.
    Schließlich erscheint unser Arzt in der Tür, ruft "Alexander Weiss und ....Meyci.. or whatever" und teilt uns mit, dass wir, soweit man erkennen kann, überraschenderweise nichts ansteckendes zu haben scheinen, was man aber in meinem Fall noch nicht abschließend ausschließen kann, weil mein Wochenfluß den Pipitest zunichte gemacht hat. Ich bin aufgefordert, mich sobald ich nicht mehr wöchele, umgehend wieder zum Piseln mit ihnen in Verbindung zu setzen, solange werden sie das Departement of Emigration verständigen, das wegen unzulänglichem Pipitest vorerst keine Entscheidung über unseren künftigen Verbleib getroffen werden kann und wir weiter auf der Brücke hocken müssen.

    Ich habe immer noch die brennende Frage auf den Lippen, warum sie diese ganzen Checks JETZT machen, nachdem wir ein Jahr Zeit gehabt haben, das gesamte Land und all unsere entzückenden Nachbarn anzustecken, zu verseuchen und auszurotten, aber ein Blick in seine Augen gibt mir die Antwort: es geht um WISSEN. sie wollen nach all der Zeit einfach nur WISSEN, was wir eingeschleppt haben, eine Liste unserer ansteckenden Krankheiten anfertigen und zwar eine vollständige, und darauf hat doch irgendwie jede aufgeklärte Nation ein Recht, das sehe ich ein.

    Ich sehe auf die Uhr als mein Mann strahlend: Aber immerhin alles in nur drei Stunden haucht und der Dame unsere abgemagerte Kreditkarte über den Thresen reicht, von der sie 579 $ abbucht, die uns keine Kasse ersetzt. Sie will wohl was Nettes sagen und tröstet uns. "Tja, das mit dem Wochenfluss kann ja noch ne Weile dauern, schon ärgerlich, aber machen sie sich nix draus, in der Zeit können sie ja dann den Charaktertest bestehen."

    Also habe ich den heutigen Vormittag vor 25 Seiten Fragebogen verbracht der folgenden Arbeitstitel trägt (schaut nach, kann man aus dem Netz runterladen) Australian Governement: departement of Immigration and Citizenship: CHARACTER ASSESSEMENT.
    Darin wollen sie unter anderem wissen, ob ich je Massenvernichtungswaffen vertrieben habe, welche Einstellung meine Schwester zur australischen Armee hat und ob ich vorhabe den Premierminister zu ermorden. Also wieder Fangfragen. und eine schwieriger als die andere...

    Falls manche meiner Antworten nicht zu vollster Zufriedenheit ausfallen, habe ich angefangen, Dokumente zu sammeln, die unsere Landesfreundlichkeit veranschaulichen sollen: Unbedenklichkeitsatteste von Nachbarn, ein australisches Fähnchen, das schon ganz abgegriffen ist weil meine Kinder gern damit winken, ein Foto von unseren 4 Burner Gas BBQ, eine Tonbandaufnahme auf der wir die australische Nationalhymne singen, was vor allem meine Sechsjährige ja mit Inbrunst tut.

    Ich denke manchmal, wieviel wir doch noch von den Australiern lernen können, im Umgang mit Ausländern. Plötzlich kreist in dieser ganzen Familie alles nur noch darum, wie toll unser Gastland doch ist, weil es ja so schwer ist zu bleiben und wir wissen ja alle, welchen Wert das Hartumkämpfte für uns gewinnt. Und mein Mann begrüßt mich Morgens nicht mit dem üblichen, verschlafenen: "Morgen Süße", sondern raunt konspirativ: "blutest du noch?"
    Geändert von maikehs2 (23.10.2008 um 07:19 Uhr)

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