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  1. #1
    Kami78 ist offline Stranger
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    Standard Warum muss man Lernen lernen?

    Muss man Lernen lernen, wirklich? Das ist eine Frage die mich schon des längeren umtreibt. Und die ich aus rein persönlichen Gründen eigentlich verneinen würde...

    Also, mal so ganz objektiv:
    Alle Kinder können lernen. Von Geburt an lernen sie: Laufen, sprechen, sich im sozialen Umfeld bewegen und noch vieles mehr. Glücklicherweise musste ihnen nie jemand beibringen wie man das tut. Das können sie alles ganz von allein. Warum sollten sie mit Eintritt in die Schule plötzlich verlernt haben wie man lernt?

    Oder mal etwas persönlicher:
    Wir alle waren in der Schule. Wir alle haben die Schule abgeschlossen. Früher, also ich kann da jetzt natürlich nur für mich sprechen, hat es niemand interessiert wie gelernt wurde. Warum auch? Manche Kinder waren besser andere schlechter in der Schule. Hm, das ist ja heute auch nicht anders. Als ich in der Grundschule war, war kein Elternteil irgendeines Schülers der Meinung die Kinder müssen zusätzlich zu Hause noch irgendetwas lernen (meinen Eltern war die Schule reichlich gleichgültig und ich komme aus einem sehr Bildungsaffinen Umfeld).
    In der weiterführenden Schule wars dann ja auch nicht anders.
    Als ich mit dem Studium angefangen habe, habe ich mir mal kurzfristig überlegt, ob ich nicht doch „anders“ lernen solle, so wie die Menschen in meinem Umfeld lernten...Dinge aufschreiben, Karteikarten benutzen, was weiss ich... Ich habe es sehr schnell wieder aufgegeben.
    Ich lerne anders. Ich habe eine deutliche Affinität zum geschriebenen und gesprochenen Wort. Wenn ich lernen will, lese ich ein Buch oder höre in der Vorlesung zu. Das ist vielleicht nicht der Lernpädagokik letzter Schrei, aber für mich gut. Ich habe nie gelernt zu lernen, warum auch. Lernen kann jeder, denke ich.

    Warum ist also dieses Lernen lernen so im Fokus? Nur weil manche Kinder Dinge schnell lernen heißt dass ja nicht, dass sie im Zweifelsfall nicht auch Anstrengungen in Kauf nehmen würden um sich Wissen anzueignen?

    Was verstehe ich nicht? Wo liege ich falsch?

    Liebe Grüße

    Kami

  2. #2
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)
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    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Meine Tochter (nicht hb) musste letztens statt 10 (wie jede Woche) 22 Wörter lernen, die in der Rechtschreibung relativ schwierig waren. Sie haben da so ein Online-tool, das einem die Wörter diktiert und man tippt es ein, dann wird es korrigiert. Das heißt, an SICH braucht das Kind keine Hilfe von Lehrer/Eltern, weil es sich ja selbst die Wörter aneignen kann. Das funktioniert auch für 10 Wörter, da sind dann halt 3-4 schwierige dabei und die diffundieren ins Hirn
    Aber bei 22 schwierigen Wörtern war meine Tochter überfordert. Sie schaute sich die korrekte Fassung an, fing immer wieder von vorne an und machte immer wieder die gleichen Fehler. Es war so eine ungewohnte Menge an Neuem, dass sie null Fortschritt machte. Sie hatte keinerlei Techniken gelernt, um sich das ganze aufzuteilen. Eselsbrücken zu machen. Es aufs Wesentliche zu reduzieren und ihre Fehler zu "analysieren". Sie starrte nur auf die korrigierte Fassung und klickte "start over". Ich hatte in der Woche wenig Zeit, mit ihr zu üben. Ich habe ihr aber erklärt, was eine Eselsbrücke ist, mir ihr zusammen welche gesucht, habe ihr rot markiert, was ihre typischen Fehler sind usw.
    Allmählich kommt sie mit Techniken selbst daher und erklärt mir, wie sie sich Dinge merken kann. Ich arbeite viel mit Wiederholung und frage sie die schwierigsten 3 Wörter mehrfach am Tag völlig aus dem Zusammenhang. Das hilft ihr am besten.

    Vielleicht ist das aber auche eine Frage der Begabung. Meine HB-Tochter, die jünger ist als da Kind mit den 22 Wörtern, ist da viel weiter. Sie erfasst die allermeisten Dinge beim ersten Mal und kommt gar nicht mehr in Gelegenheit. Es bleiben dann von der Liste nur noch 2-3 Wörter, die sie eben erst beim dritten Durchlauf beherrscht. Sie hat viele Ideen, wie sie vorgehen kann, um sich etwas zu merken, baut Assoziationsketten usw. Das bedeutet, sie hat die Lerntechniken schon mitgebracht, sie "reviewt" ihre Lernfortschritte und evaluiert, welches Vorgehen das beste ist. So verfeinert sie ihre Fähigkeiten sehr schnell UND hat eben diese schnelle Auffassungsgabe. Sie wird Lernen niemals lernen müssen - entweder sie braucht das Lernen eh nicht oder sie kann es schon.
    Ich war wie meine zweite Tochter. Ich habe niemals Lerntechniken gelernt, ich habe meine alle selbst "erfunden" und später erfahren, dass es für meine Kniffe Bezeichnungen gibt

    Insofern: JA, man muss lernen lernen - oder vielleicht besser "lernen üben". Aber manche können es auch von alleine - meistens die, die es eh nicht brauchen.
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
    .. und einem, der fehlt (05)

  3. #3
    Gast

    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Lernen lernen heißt für mich die Methode finden mit der ich mir am besten neues Wissen zu eigen mache.

    Bei ganz kleinen Kindern erfolgt es oft durch Wiederholung. Die versuchen zu krabbeln/zu stehen/zu laufen und tun es immer und immer wieder bist es klappt. Etwas später kommt Versuch und Irrtum dazu. Sie ärgern sich über Dinge die sie wollen aber nicht gehen (großen Ball in kleine Kiste stecken). Irgendwann begreifen sie, so macht es keinen Sinn es funktioniert nicht.

    Dann kommt der Punkt wo sie ihr Ziel mit üben erreichen (Schwimmen, Rad fahren , Schleifen binden, Lesen, Schreiben).

    Und so setzt sich es immer fort. Um weiteres Wissen anzueignen sind neue Methoden erforderlich mit denen es klappt. Sie lernen das Lernen.

    Wann für wenn ein Methodenwechsel ansteht ist von vielen Randbedingungen abhängig. Der eine braucht in der GS nicht lernen, der nächste auch noch icht an der weitertführenden Schule, noch ein anderer schafft es bis zum Studium.

    Das Lernen zu lernen (Methodenwechsel) glaube ich wird aber mit zunehmenden Alter schwerer, weil die Randbedingungen sich verändern. Man ist im Alter nicht mehr so flexibel, die Routinen sind eingeschliffen und lassen sich nur schwer umlenken.

    Lernen lernt jeder, nur für einige ist es nicht von Bedeutung sie tun es unbewußt. Andere müssen sich die Lerntechniken hart erarbeiten.
    Geändert von suche1 (20.06.2012 um 08:09 Uhr)

  4. #4
    Avatar von majathebookworm
    majathebookworm ist offline frohsinnig
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    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Meine völlig unwissenschaftliche Meinung zum Thema ist, dass manche Menschen (häufig hb) die Lerntechniken quasi eingebaut (factory installed) haben.

    So wie Du beschreibst: du hörst es Dir an, fertig.

    Ich bin auch ein akustischer Typ. Ich habe mir Vokabeln immer laut vorgelesen.
    Tochter1 ist wohl eher optisch: die liest sich einen Text 2-3 mal durch, fertig.
    Man kann dann gar nicht beschreiben, WIE man sich das merkt, es "passiert" quasi einfach.

    Wer das nicht hat, kommt natürlich auch ohne systematische Lerntechniken voran. Mit geht es aber besser, weil nicht jede Technik bei jedem gleich gut funktioniert. Insofern hat "Lernen lernen" den Sinn, die jeweils passende Methode zu finden.

    LG,
    Maja mit Mann und Technikerin1 (02/01), Technikerin2 (12/02), Sportler (03/05)
    Learn as if you were to live forever, live as if you were to die tomorrow.
    M.Gandhi.



    Sommerferien!!

  5. #5
    altbauer ist offline Stranger
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    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Weil viele der tradierten Lernmethoden schlicht ineffizient sind, was man auch daran sieht, dass von dem in der Schule Gelernten fast nichts hängenbleibt. Wenn Lehrer den Elchtest machen, also ein Jahr später den Stoff vom Vorjahr prüfen, dann kommt die große Ernüchterung! Eine solche falsche Lerntechnik ist etwa das wiederholte Lesen: Falsche Lernstrategie Nummer 1: Wiederholtes Lesen :: Fr Eltern, Grundlagen des Lernens, Lernorganisation, Lerntipps

  6. #6
    Avatar von Klopferline
    Klopferline ist gerade online Altlast
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    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Zitat Zitat von Kami78 Beitrag anzeigen
    Was verstehe ich nicht? Wo liege ich falsch?
    Wenn ich das für unsere Situation beantworten soll, dann liegst Du mit dem Vergleich Schule "früher" und heute falsch.

    Wenn am Gymnasium direkt zu Beginn mitgeteilt wird, daß Unterstützung von den Eltern erwartet wird, dann kann man so naiv da sitzen, wie ich das tat oder man kann skeptisch werden. In der Realität bedeutete das, das Unterichtsinhalte nach Hause verlagert wurden. Wie sollte man sich diese aneignen, wenn nicht durch lernen?

    Sowas kannte ich z.B. überhaupt nicht. Alles wurde im Unterricht besprochen/erklärt. Hausaufgaben waren Vertiefung.

    Ebenso ist es mit Vokabeln. Es macht einen riesigen Unterschied, ob Vokabeltests vor der entsprechenden Lektion oder nach der Lektion geschrieben werden. In letzterem Fall müßte mein Kind nie Vokabeln lernen, in ersterem sicher schon. Da macht es dann auch der Umfang.

    Insgesamt finde ich, hat sich gerade das Gymnasium zu einem Ort des auswendig erlernten Wissens verändert. Viele Themen werden nicht wirklich verstanden, sondern für die Klassenarbeit wird gelernt, "ausgekotzt", vergessen. Damit kann man sehr gute Noten erreichen und hat doch nichts begriffen. Lernintensiv aber erfolgreich?

    lg
    Katrin

  7. #7
    Gast

    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Zitat Zitat von altbauer Beitrag anzeigen
    Weil viele der tradierten Lernmethoden schlicht ineffizient sind, was man auch daran sieht, dass von dem in der Schule Gelernten fast nichts hängenbleibt. Wenn Lehrer den Elchtest machen, also ein Jahr später den Stoff vom Vorjahr prüfen, dann kommt die große Ernüchterung! Eine solche falsche Lerntechnik ist etwa das wiederholte Lesen: Falsche Lernstrategie Nummer 1: Wiederholtes Lesen :: Fr Eltern, Grundlagen des Lernens, Lernorganisation, Lerntipps
    Hallo,
    ich würde dem Inhalt des verlinkten Artikels einfach widersprechen wollen. Wer sagt, dass man nach Mehrfachlesen eines Textes nicht in der Lage sein soll, diesen mit eigenen Worten wiederzugeben?

    Sehr mysteriös wirklich. Wie soll ich sonst Inhalte erfassen?

    Leider nennt man dazu keine alternativen Lernmethoden, das finde ich jetzt schon ziemlich seltsam.
    Geändert von Wickiemum (20.06.2012 um 09:53 Uhr)

  8. #8
    Gast

    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Zitat Zitat von majathebookworm Beitrag anzeigen
    Meine völlig unwissenschaftliche Meinung zum Thema ist, dass manche Menschen (häufig hb) die Lerntechniken quasi eingebaut (factory installed) haben.

    So wie Du beschreibst: du hörst es Dir an, fertig.

    Ich bin auch ein akustischer Typ. Ich habe mir Vokabeln immer laut vorgelesen.
    Tochter1 ist wohl eher optisch: die liest sich einen Text 2-3 mal durch, fertig.
    Man kann dann gar nicht beschreiben, WIE man sich das merkt, es "passiert" quasi einfach.

    Wer das nicht hat, kommt natürlich auch ohne systematische Lerntechniken voran. Mit geht es aber besser, weil nicht jede Technik bei jedem gleich gut funktioniert. Insofern hat "Lernen lernen" den Sinn, die jeweils passende Methode zu finden.

    LG,
    So habe ich das bisher auch gemacht. Wenn der Lehrer es vernünftig rüber bringen konnte ging es.

    Doch jetzt sitze ich beim Onlineabi und muss mich umstellen. Da muss man zu hause vieles selbst erarbeiten, was dann im Unterricht oder in HA wiedergegeben werden muss und in Prüfungen präsent sein muss.

    Die Umstellung ist im Großen und Ganzen von mir zu machen. Nur in Mathe ist es etwas schwieriger, aber momentan auch noch machbar.

    Das Beispiel Vokabeln. Früher saßen die bei mir auch bei einmal durchlesen. Heute klappt das nicht mehr so gut. Aber die vielgerühmte Karteikartenmethode habe ich auch schon aufgegeben, schade ums Geld...

    Ich bin effektiver mit Vokabeltrainer auf dem Smartphone .

    @Kami So muss jeder eben seinen Weg und seine Lerntechnik finden. Es kann passieren, dass hb Kinder mit ihrem Stil nichts zu tun und alles on the flow aufzunehmen, sich irgendwann mal schwer tun, muss aber nicht.

  9. #9
    altbauer ist offline Stranger
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    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Zitat Zitat von Wickiemum Beitrag anzeigen
    Sehr mysteriös wirklich. Wie soll ich sonst Inhalte erfassen?
    Leider nennt man dazu keine alternativen Lernmethoden, das finde ich jetzt schon ziemlich seltsam.
    - Es geht ja bei dem Thread nicht um das Erfassen eines Lernstoffes, sondern um das Lernen, also dass man das, was man lernen soll, noch in einem Jahr weiß! Und dafür ist das wiederholte Lesen allein zuwenig!
    - Alternativen Lernmethoden findest du auf dieser Seite hunderte, vor allem auch aufder Hauptseite: Praktische Lerntipps für Schüler und SchülerInnen

  10. #10
    Avatar von majathebookworm
    majathebookworm ist offline frohsinnig
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    Standard Re: Warum muss man Lernen lernen?

    Zitat Zitat von Wickiemum Beitrag anzeigen
    Doch jetzt sitze ich beim Onlineabi und muss mich umstellen. Da muss man zu hause vieles selbst erarbeiten, was dann im Unterricht oder in HA wiedergegeben werden muss und in Prüfungen präsent sein muss.

    Das Beispiel Vokabeln. Früher saßen die bei mir auch bei einmal durchlesen. Heute klappt das nicht mehr so gut. Aber die vielgerühmte Karteikartenmethode habe ich auch schon aufgegeben, schade ums Geld...
    *hüstel* das kann auch am Alter liegen . . . ich hab auch vor einigen Jahren berufsbegleitend angefangen Spanisch und (ein bißchen) Italienisch zu studieren. Ich hatte beide Sprachen in der Schule als Freifach, so ein bißchen was war also noch da.

    So. Und nun musste ich mich mit meinen Ende Zwanzig (uralt, gell :D ) hinsetzen und Vokabeln lernen. Das ging um VIELES schwerer und langsamer als in der Schule.

    Ich merke das auch beim Tanzen. Ich hab in der Anfangszeit des Studiums viel getanzt (alles, von Standard-Latein, über Ballett, Jazz und Steptanz). Heute bin ich mit meinem Mann wieder im Tanzclub und ich merke mir jetzt neue Schritte VIEL, VIEL langsamer als früher. Ich brauche viel mehr Wiederholungen.

    Früher: einmal gesehen, einmal gemacht, sitzt.
    Heute:

    LG,
    Maja mit Mann und Technikerin1 (02/01), Technikerin2 (12/02), Sportler (03/05)
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