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  1. #1
    erdbeerkaefer ist offline Member
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    Unglücklich ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Ich muss es aufschreiben, es tut so weh und hier ist man wenigstens etwas anonym. ich bin 32 Jahre alt und dachte ich könnte dasThema Tod noch das ein oder andere Jahrzehnt noch ausblenden. nein, nichts kommt plötzlicher und unerwarteter als der Tod.

    Es tut mir leid, dass ich die vorweihnachtliche STimmung, die ich bis heute ca. 14 Uhr auch noch hatte durchbreche.

    Denn da erhielt ich den bisher schlimmsten Anruf meines Lebens von meinem Bruder: Setz Dich, sagte er, ich rufe Dich an, weil ich Dein Bruder bin und ich muss Dir sagen, dass etwas passiert ist´: Papa ist tod .... stille, schweigen, entsetzen.

    Mein Papa hat sich heute morgen entschieden seinen weg zu beenden. meine Mama hat ihn gefunden.....

    Ich kann es nicht fassen, ich kann es nicht begreifen und es macht mich so unendlich traurig, dass ich keinen Papa mehr habe und mein Kind seinen Herzgeliebten Opa verloren hat, den sie doch in ein paar wochen wieder besuchen wollte.

    Klar, es gab eine Vorgeschichte: Burnout, Depression, Psychatrie, Reha......ein auf und ab aber in den letzten 1,5 bis 2 Jahren war alles wieder soweit ok. Vor 2 Wochen ging es wieder los....er wollte nicht mehr...aber mich macht es nur....sprachlos, einfach sprachlos.

    Was soll ich jetzt machen?? Ich bin über 500 km entfernt, mein Mann steckt mitten in einer extrem wichtigen Aus- und Fortbildung. meine Mutter verlangt nicht von mir sofort zu kommen, sie hat sich gefasst (sagt sie, sie wurde vom Psychologen meines Vaters schon mal auf eine solche Situation vorbereitet). Sie will mir nur nichts vorenthalten, wenn ich Trauerarbeit machen will, kann ich kommen, ich kann aber auch erst zur Beerdigung kommen. Sehen kann und will ich ihn ohnhin nicht mehr. Mag mein Kind aber auch nicht unnötig ein oder zwei wochen diesem traurigen Umfeld aussetzen. Sie war heute schon etwas verstört, weil ich soviel geweint habe (obwohl ich mich schon zusammengerissen habe). Was würdet ihr machen??? Mein Bruder ist zu meiner Mutter gefahren.

    Oh mann.....Danke für´s zuhören.

  2. #2
    Gast

    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    oh wow, es tut mir unglaublich leid das zu lesen und wünsche Dir alle Kraft der Welt für diese schwere und unerwartete Situation. Ich glaube, härter kann es einen kaum treffen als so unerwartet und ohne Möglichkeiten, sich vorher damit auseinander zu setzen, da wirst Du sicherlich einiges mit zu tun haben!

    Raten kann ich Dir sicherlich nix, aber wenn es mich betreffen würde, würde ich glaube ich erstmal hier bleiben und dann immer wieder in mich reinhören, wie es sich anfühlt. Ich denke, wenn es für Dich richtig wäre, zu Deiner Mama zu fahren, dann fühlst Du das auch. Egal ob Du wegen Deiner Mama, wegen Dir oder Deinem bruder fahren würdest - das merkt man, wenn es ein wunsch ist. Und in so einer situation würde ich den bauchgefühlen auch komplett nachgeben und nicht dem verstand. Sonst hängt man dem später immer wieder nach, dass es sich doch nicht richtig anfühlt oder so!

    Unabhängig davon weiß ich nicht, ob ich es richtig in erinnernung habe, aber wenn Deine Mutter in unserer Nähe wohnt und Du dort hin fährst, kannst Du Dich auch gerne bei uns melden, wenn Du mal nen Spielkameraden für E. brauchst, ne Auszeit von der Familientrauer oder was auch immer!

    Alles Gute für Euch!

    katja

  3. #3
    Avatar von Amelie83
    Amelie83 ist offline Carpal Tunnel
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Es tut mir unendlich leid!
    Ich glaube in so einer Situation ist es schwer die richtigen Worte zu finden, deshalb wünsche ich dir einfach nur viel Kraft für die bevorstehende Zeit. Fühl dich gedrückt...





  4. #4
    Uschi57518 ist offline Mama :D
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Das tut mir schrecklich leid! mein allerherzlichstes Beileid!
    sowas ist hart!
    ich weiß nicht- Folge deinem Herzen! man kann schlecht einen Rat geben in so einem Moment!
    Wenn du das Gefühl hast zu deiner Mama zu fahren dann tu das! wenn du erst mal in deinem zuhause dich sammeln musst und ein kleines wenig klarer denken willst- bitte versteh mich nicht falsch, ich meine nicht das deine trauer dadurch fortgeht- so bist du ja "alleine" und wenn du fährst bist du mit deiner Mama und dein Bruder!
    ich kann mich schlecht ausdrücken! tut mir leid!
    wenn du ein Gefühl in eine bestimmte Richtung hast dann Folge diesem! nichts lässt sich noch einmal machen und wenn du zu lange darüber nachdenkst und etwas aus vernunft und Rücksicht anders machst als es dein Herz will wirst du es dir vielleicht immer "vorhalten"

    ich wünsche dir und deiner Familie auf jeden Fall viel Kraft, geduld für sich selber und alles gute auf dem weg diesen Schmerz zu verarbeiten!




    Frühling 2011 Uschi WILL in die Berge!!!! (den echten Frühling)
    Binos:- Sterndl - Chewie







    Ich widerspreche den Eltern-AGB´s- Meine Bilder und Texte dürfen nicht einfach so irgendwo anders verwendet werden. Und auch von niemandem anderem...

  5. #5
    levraut ist offline Alle meine Hasen
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    das tut mir ganz schlimm leid fuer dich und deine familie. mein beileid!

    etwas zu raten ist schwer.
    ich wuerde mich den anderen anschliessen - lass den bauch entscheiden. ich denke, deine tochter bekommt auch zuhause mit, dass etwas schlimmes passiert ist, vielleicht koennte sie es vor ort bei deiner mutter besser zuuordnen?
    wir hatten vor wenigen wochen auch einen todesfall in der engen verwandtschaft meines mannes. wir haben mit unserer tochter darueber viel geredet und auch unsere traenen nicht versucht zu verbergen. sie ist damit sehr gut umgegangen und hat es, da bin ich mir sehr sicher, gut einzuordnen gewusst und auch gut verarbeitet.
    ich wuerde halt auf alle faelle schauen, falls du faehrst, dass sie nichts ueber die todesumstaende mitbekommt. aber trauer an sich, finde ich, ist nichts was man tabuisieren muss, es gehoert einfach zum leben dazu.

    ich wuensch dir ganz viel kraft fuer die naechste zeit!

  6. #6
    Avatar von christinamarcus
    christinamarcus ist offline Poweruser
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Ohje, das tut mir unendlich leid für Euch.

    ich wünsche Deiner ganzen Familei viel kraft das alles zu verarbeiten.
    Ich schließe mich auch den anderen an, hör auf Dein Bauchgefühl, denn ein allgemeines Richtig oder Falsch gibts es da nicht.

    Und ich denke auch vor Deiner Tochter kannst Du es eh nicht verbergen, die kleinen haben sehr feine Antennen und bekommt so oder so mit, dasss etwas schlimmes passiert ist. Erkläre ihr, dass ihr Opa nicht mehr kommt, nur die Umstände würde ich verschweigen, das versteht sie noch nicht.
    Christina
    (ss im 15.ÜZ nach ELS nach 22 ÜZ im Feb 2007)



    "Und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her."

    http://www.kekestraum.de

  7. #7
    StillLife ist offline enthusiast
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Ach Scheiße, Käfer, mein aufrichtiges Mitgefühl. Ich kann Deine Situation vielleicht "2xhalb" nachvollziehen, zum einen, weil ich meinen Vater viel zu früh verloren habe und zum anderen, weil ich leider, sowohl in der Familie, als auch im Freundeskreis, schon mehrere Suizide miterlebt habe und weiß, welches Gefühl damit einhergeht.
    Habe ich das richtig verstanden, Du bist jetzt allein und Dein Mann ist gar nicht da? Wie lange ist er weg?

    Am Anfang, wenn man noch geschockt ist, ist man irgendwie in einem komischen, aktivierten Zustand und man denkt, man kommt schon einigermaßen zurecht - ich würde Dir trotzdem empfehlen, Dir jede mögliche Unterstützung zu holen. Und vor allem, nicht allein zu sein.

    Wenn Du denkst, dass es Dir gut tun könnte, zu Deiner Mutter zu fahren: E. wird das wegstecken. Der Sohn meiner Freundin war, als damals das Baby starb, so in etwa im gleichen Alter und war mitten im Geschehen drin. Er hat sogar seine tote Schwester gesehen, er war wirklich nah dran und heute denke ich, dass er das Ganze genau dadurch so gut verarbeitet hat. Und bei ihm kann man wirklich von "verarbeitet" sprechen, vergessen hat er es nicht.

    Bei E. ist es natürlich so, dass der Opa für sie ein Verlust ist, während das beim Sohn meiner Freundin nicht der Fall war. Dennoch, dann erfährt sie von dem Verlust vielleicht in einem Rahmen, in dem Onkel und Oma noch da sind. Und ich glaube, dass die Anwesenheit eines Kindes die Trauernden sich ganz anders verhalten und Rücksicht nehmen lässt, vielleicht sogar gut tut.

    Und Du wärst nicht allein....

    Das wären meine Erwägungen, ich denke, ich würde fahren, wenn es sich organisieren lässt. Du musst Dich auch dann nicht in einem halb tranceartigen Zustand um Kind und Haushalt kümmern, sondern ihr helft euch gegenseitig.

    Lieber Käfer, ich drücke Dich ganz fest und wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft und ein gutes Netz, dass euch auffängt.

  8. #8
    StillLife ist offline enthusiast
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    P.S. Und: Es werden nicht die ganzen zwei Wochen alle dasitzen und weinen. Es verteilt sich irgendwann - und das beginnt schon am nächsten Tag - dass man mit Organsiation beschäftigt ist und weniger starr ist. Man kann sich immer mehr von seinem Schmerz distanzieren und ihn erst dann zulassen, wenn die Rahmenbedingungen passen - z. B. Kind im Bett. Wirst sehen, kein Tag ist wie der andere. Du wirst vielleicht manchmal staunen, wie gut ihr alle funktioniert. Und sollte es für die Kleine zu hart werden, kannst Du jederzeit wieder heimfahren.

  9. #9
    erdbeerkaefer ist offline Member
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Ich danke Euch für Euer Mitgefühl und ich bin froh, dass ich dieses Forum nie ganz verlassen habe! DANKE!

    Ich war nur gestern allein, mein Mann ist nebenberuflich DJ und er hatte gestern noch mit allen Mitteln versucht einen Ersatz für die Veranstaltung am Abend zu finden. Leider ohne Erfolg. Er musste in seinem Schockzustand (er stand meinem Vater auch sehr nahe) dann Gute Miene machen und die Leute in Gute Stimmung versetzen. Heute ist er wieder da und mit ein paar Stunden abstand zum Geschehenen und langen Gesprächen mit meiner Mutter und meinem Bruder via Telefon sind wir der Überzeugung, dass ich erstmal hierbleibe (morgen zum Arzt, ich lass mich erstmal krank schreiben, arbeiten kann ich im Moment eh nicht) und sobald die Pathologie meine Vater freigibt und feststeht wann die Beerdigung ist (vermutlich noch am Wochenende) werde ich spätestens am Donnerstag mit meinem Mann und Emily hinfahren. Meine Mutter möchte und muss erstmal ganz viel klären, beantragen etc. wobei ich ihr keine große hilfe wäre, weil ich mich dann ja um E. kümmern müsste. Mein Bruder hilft ihr. ich werde mich dann im Nachhinein um Danksagung etc. kümmern. So habe ich auch einen Beitrag geleistet und was schön ist, ich brauche kein schlechtes Gewissen zu haben, meine Mutter findet es für sich und uns am besten und ich auch. Ich habe erfahren, dass mein Vater auch mir einen Brief hinterlassen hat, das finde ich schön und macht mir wahrscheinlich vieles verständlicher. Ich werde ihn aber noch nicht lesen, ich warte bis alles zur Ruhe gekommen ist und nehme mir dann dafür eine Auszeit, so wird auch mein Bruder verfahren. Hierfür und auch für alles andere steht uns auch immer ein Seelsorger zur Verfügung. der war gestern auch dabei, als Polizei und Rettungwagen etc. gekommen sind. Mein Bruder war sehr froh, dass es dort jemanden gab der ihn und vorallem meine Mutter erstmal aufgefangen hat. Aber auch meine Mutter hat sich wieder etwas gefasst. Klar trauert sie, aber sie hat ihren Brief schon gelesen und ist dabei, ihm zu verzeihen.
    E. habe ich natürlich gestern schon gesagt, warum mama und papa so oft weinen und was los ist (für sitzt opa jetzt oben auf einer Wolke, das sagt sie jetzt auch immer mal wieder) und sie hat verstanden, dass er sie nicht mehr besuchen kommt. Ich werde sie mit zur Beerdigung nehmen, da werden noch ein paar andere Kinder von meinen Cousins sein, da werde ich ihr dann nochmal genau erklären, dass wir opa da dann immer besuchen können (also auf dem Friedhof), vielleicht mal sie ihm ja noch ein Bild, dass lass ich dann noch in den Sarg legen.
    Wir werden alle einen Trauerkranz auf´s Grab legen. meint ich könnte da die Worte "jetzt kommt die Sonne" raufschreiben????
    LG

  10. #10
    Luthienne ist offline die Optimistische
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    Standard Re: ...und wir dachten, wir hätten noch so viel Zeit

    Ich habe eben erst gelesen, welchen Schlag du und deine Familie gestern bekommen habt, ich wünsche euch, dass ihr trauern könnt. Wenn ich deine Worte von heute lese, habe ich aber das Gefühl, dass ihr dies macht und neben dem "funktionieren", welches in solchen Situationen fast immer klappt, auch den Raum habt, zu verstehen und zu trauern.

    An deiner Stelle würde ich machen, was sich gut für dich und deinen Mann anfühlt. Und wenn es "jetzt kommt die Sonne" ist, ist das gut!

    Ich hoffe, meine Worte sind recht zu verstehen, manchmal ist es schwer, Worte zu finden...


    Ich wünsche dir und euch viel Kraft!
    Viele Grüße von

    Luthienne


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