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  1. #1
    Avatar von Neroli
    Neroli ist gerade online mit ☆☆ und ✰ im ♡
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    Standard Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Hallo ihr Lieben,

    ich hoffe hier finden sich vielleicht ein paar Mädels zusammen die eine Todgeburt, oder eine (Früh)Geburt mit Verlust des Kindes erleben mussten
    und die - egal ob schon dabei, zeitnah oder irgendwann in fernerer Zukunft - den Wunsch nach einer Folgeschwangerschaft verspüren und den Mut dazu fassen oder auch erst noch sammeln müssen.

    Wie, wann und warum habt ihr eure Engel verloren und wie habt ihr die schwere Zeit nach dem Verlust erlebt? Was hat euch in eurer Trauer geholfen?
    Wann hat sich der Wunsch nach einer Folgeschwangerschaft eingestellt oder verspürt ihr vllt. (noch) gar keinen weiteren Kinderwunsch?
    Würdet ihr gerne den Mut fassen können aber traut euch nicht oder habt das Gefühl das ihr einfach noch nicht bereit seid?

    Alle die schon aktiv auf ein Folgewunder hoffen: Wie und wann habt ihr gemerkt das ihr wieder "bereit" seid?
    Wie geht ihr mit der Angst und anderen schwierigen Gefühlen um?

    Ich hoffe hier finden sich ein paar Sternenmamas (oder auch Sternenpapas) zusammen um sich auszutauschen, Mut zu machen und um vorallem Verständnis zu finden bei Leuten die das eigene Schicksal teilen.


    Ich mach mal einen vorsichtigen Anfang (und hoffe ich überfordere keinen)

    Wir hatten nach unserer 2. ICSI eine eigentlich vollkommen komplikationslose Schwangerschaft mit Zwillingen, bis Anfang der 23. ssw plötzlich viel zu früh die Geburt losging und nicht mehr aufzuhalten war.
    Der Grund steht nicht fest, es gibt Hinweise auf eine Infektion als Ursache evtl. im Zusammenspiel mit einer Gebärmutterhalsschwäche aber genau weiß man es nicht.
    Unsere Engel sind lebend geboren und wenige Minuten nach der Geburt zu den Sternen gezogen.

    In den ersten zwei Wochen nach der Geburt dachte ich, das ich ganz schnell wieder schwanger werden wollen würde...
    das hat sich anschließend aber irgendwie geändert.... ich kann weder sagen "ich bin bereit und offen dafür" noch "nein, es ist zu früh, ich bin noch nicht bereit" .....
    Wenn es bei uns auf spontanem Wege klappen würde (bzw. da realistische Chancen bestünden) würden wir einfach nicht verhüten und ich könnte mich sicher erstmal einige Monate mit dem Gedanken "Wenn mein Körper und meine Seele bereit sind wird es klappen" zurecht finden.

    Da wir aber auf medizinische Unterstützung angewiesen sind bringt uns "nicht verhüten, abwarten und versuchen guter Hoffnung zu sein" nichts.... wir müssen bewusst eine ganz aktive Entscheidung treffen wann wir uns wieder an eine Behandlung wagen die zeit-, nervenraubend und kostspielig ist und in die man natürlich auch sehr viel Hoffnung setzt...

    Mein Mann möchte eine Behandlung, will mich aber nicht drängen und die Entscheidung über das WANN mir überlassen.

    Ich bin also aktuell hin- und hergerissen... ich habe Angst mir zu früh zuviel zuzumuten... aber genauso Angst zu lange zu warten, sodass der Leidensdruck und die Sehnsucht wieder so groß werden das sie mein Leben wieder auf halt setzen und mich in eine Depression stürzen (wie es vor der Schwangerschaft lange Zeit der Fall war).

    Woran habt ihr gespürt das ihr bereit und offen für ein Folgewunder seid?
    War das ein Prozess aus Unsicherheit und Abwägen und irgendwann ein Durchringen zu einer Entscheidung?
    Oder hat es einfach irgendwann "Klick" gemacht und ihr wusstet mit intuitiver Sicherheit das jetzt der Zeitpunkt gekommen ist ab dem ihr bereit seid?

  2. #2
    Avatar von Vronli87
    Vronli87 ist offline Hopeless Drifter
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Liebe Neroli,
    Es tut mir unglaublich leid was euch widerfahren ist. Das Leben ist manchmal so ungerecht, erst klappt es nicht auf natürlichem Weg und dann werden euch auch noch eure beiden Wunder genommen... eine Erklärung oder einen Sinn wird es niemals geben! Ich denke ganz oft an dich seit
    Ich von der Geburt eurer Zwillinge gelesen habe...
    Wir haben ja unsere zweite Tochter fünf Tage nach der Geburt an einem schweren Herzfehler verloren. Mir war schon bevor es passierte klar, dass wir nicht warten wollen mit einem folgewunder. Aber wir haben es in der Hinsicht auch einfach leichter und ich weiß nicht wie es gewesen wäre, wenn wir
    Eben nicht das Schicksal
    Hätten entscheiden lassen können. Die folgeschwangerschaft war mit
    Vielen Ängsten und sorgen verbunden, auch wenn alle Untersuchungen immer gut waren, war die Angst dass nochmal etwas passiert einfach enorm. Aber es hat sich gelohnt... alle sorgen und Ängste lohnen sich, wenn am Ende ein munteres Baby rauskommt. Damit
    Will ich nicht sagen dass ich auch nur eine Sekunde mit
    Unserer verstorbenen Tochter missen möchte oder dass es sich nicht "gelohnt" hat sie neun Monate in meinem
    Bauch zu haben. Ich hoffe du weißt was ich meine.
    Ich kann mir kaum vorstellen dass diese Sehnsucht nach einem lebendigen Baby sich aufschieben lässt, oder dass es nach mehr vergangener Zeit leichter wird sich wieder darauf einzulassen. Andererseits sind zwei
    Schwangerschaften in folge für den Körper auch belastend und ich denk grad wenn man zusätzlich auch noch mit extra-Hormonen arbeiten muss (weiß nicht wie das bei dir ist?) ist das schon extrem anstrengend; nicht nur psychisch sondern auch körperlich.
    Ich kann nur sagen, dass unsere dritte Tochter viel zu unserem
    Seelenheil beigetragen hat.
    Ohne wenn und aber!








    ...und ein ganz kleines Sternchen im Herzen (11.SSW, 07/16)

  3. #3
    Avatar von Neroli
    Neroli ist gerade online mit ☆☆ und ✰ im ♡
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Hallo liebe Vronli,
    danke für deine Antwort

    Meinst du wirklich ihr habt es leichter gehabt?
    Ok, bei euch war der Zeitraum in dem ihr vom Herzfehler wusstet und Abschied nehmen konntet wahrscheinlich länger als bei uns, ihr konntet euch vermutlich früher darauf einstellen was euch erwartet aber dadurch wirds ja nicht unbedingt leichter...
    Ihr hattet ja vermutlich auch die "Wahl" zwischen hochriskanter OP ohne wirklich realistische Chancen und dem Schicksal seinen Lauf zu lassen richtig?
    Oder war Fri.das Herzfehler so schwer das eine OP von den Ärzten gar nicht erwägt wurde?
    Uns wurde ja die Entscheidung überlassen: Maximaltherapie ohne echte Chancen oder dem Schicksal seinen Lauf lassen... aber bei 22+1 war schnell klar das eine Maximaltherapie nur unnötige qualen bedeutet hätte.
    Was am meisten an mir nagt ist das die beiden Kerngesund waren, es war einfach nur zu früh für die Geburt und wir wissen nicht mal mit Sicherheit wieso es zum verfrühten Geburtsstart kam...

    Du bist dann ja auch ziemlich schnell mit eurer Kleinen wieder Schwanger geworden wenn ich mir die Geburtsdaten in deiner Signatur anschaue, das war mir vorher gar nicht so richtig bewusst.

    Wie gesagt, wenn wir auf spontanem Weg realistische Chancen hätten ... würden wir "einfach" nicht verhüten, abwarten und hoffen...

    Es würde zunächst mal mit Kryos weiter gehen, da ist die Hormonbelastung nicht ganz so hoch wie bei ner IVF/ICSI (wobei die Kryo im künstlichen Zyklus erfolgen würde, also Hormone gibts dann auch von ZT 1 bis ssw 12 (falls es klappt und hält)) aber ich glaube etwas moderater und dazu ja ohne Vollnarkose.... und Hormone steckt mein Körper gut weg, ich habe weder von den Stimus, noch von der Überstimu oder der Schwangerschaft hormonell doll was gemerkt.

    Die Sehnsucht nach einem weiteren Kind ist zur Zeit tatsächlich längst nicht so stark wie vor den Zwillis, aber auch deswegen denke ich mir das es vllt. gut ist doch eher früher wieder den Mut für einen neuen Versuch zu fassen.... bevor die Sehnsucht wieder so stark wird das es nicht mehr als "gesund" gilt....
    Meine Therapeutin hat mich heute gefragt ob ich mir denn auch ein Leben ohne weitere Kinder vorstellen könnte (weil ich erzählt hatte das ich überelge wanns weiter gehen könnte und das ich so unetschlossen bin weil ein Teil von mir schnell wieder starten möchte, der andere nicht), sie meint es ist ja schön wenn es klappt und gut geht, das man für Dinge eben die Arme offen lassen sollte aber nicht krampfhaft danach streben soll.... das hat sie mir schon vor der Schwangerschaft immer mal wieder gesagt, das es gut wäre wenn ich auch ein Leben ohne Kinder schön finden könnte.... fand ich damals schon ziemlich gemein.... heute war das noch härter... dieses " wenn man nicht bekommt was man sich wünscht kann man auch ohne glücklich werden" ... wenn ich jetzt hilfe bräuchte um mit dem Kiwu abzuschließen würde ich ja verstehen wenn man mir sowas auftischt... aber ausgerechnet jetzt noch so nachzutreten wo ich gerade versuche den Mut und die Zuversicht zu finden mich auf eine weitere Behandlung einzulassen bzw erstmal herauszufinden ob ich mich zeitnah auf eine Behandlung einlassen will...

    Schön das du sagen kannst das eure Kleine die Wunde die Fri.das Tod hinterlassen hat etwas weniger schmerzhaft gemacht hat.
    Und euer kleiner Os.kar trägt hoffentlich auch noch etwas dazu bei
    Ich hoffe dir gehts gut, du hast ja nur noch ca. 3 Wochen vor dir

    Fühl dich gedrückt

  4. #4
    Avatar von Vronli87
    Vronli87 ist offline Hopeless Drifter
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Naja, insofern leichter als dass wir wussten dass wir erstens gesunde Kinder bekommen können (haben ja schon eine "große" Tochter) und zweitens ich halt immer schnell schwanger geworden bin. Von fridas Herzfehler erfuhren wir bei 36+5, dass er so schwer war in den darauffolgenden Tagen. Ja wir hatten die Wahl. Aber niemand hat uns zu den Operationen geraten (außer ein kinderkardiologe, bei dem man emeritierte hat, dass diese herzfehlerkombination eine besonders aufregende und spannende Aufgabe für ihn wäre da sie so selten ist). Ob es "leichter" ist wenn man es früher weiß und sich darauf vorbereiten kann, ob es leichter ist wenn man eben nicht die Wahl gehabt hätte... keine Ahnung. Ich glaube nicht dass man das sagen kann. Das einzige womit wir leben müssen ist, dass wir uns gegebenenfalls rechtfertigen müssen (oder zumindest das Gefühl haben es zu müssen), dass wir unseren Kindern nicht die maximaltherapie gewährt haben.
    Wenn du dich bei deiner Therapeutin nicht wohl fühlst (was ich gut verstehen kann nach dem Spruch!) würde ich mich wohl langfristig nach einer neuen umsehen. Wenn du sogar das Gefühl haben musst dich vor ihr für deinen Kinderwunsch verteidigen zu müssen, ist das ja irgendwie keine gute Grundvoraussetzung.
    Ich weiß du wirst das wahrscheinlich schon oft gehört haben, aber das gute ist, dass du noch jung bist. Du kannst dir jetzt den "Luxus" leisten noch ein Jahr zu warten bevor ihr wieder durchstartet. Vielleicht in den Urlaub fahren, durchatmen und neuen mut fassen. Ich fand den Spruch immer doof aber er ist eben auch wahr. Der Gedanke daran dass ich immernoch jung genug bin um noch einen Haufen Kinder zu bekommen stimmt mich irgendwie milde. Ich kann mir gut vorstellen dass dieses ganze Thema unter Zeitdruck nochmal eine ganz andere Nummer ist...
    Das beste was du eigentlich machen kannst, sind Dinge, die dir und deinem Mann gut tun. Und über deine beiden Kinder reden. Ich weiß, irgendwann hat man alles gesagt, aber es hilft trotzdem über sie zu reden, immer. Ich freue mich immer wenn jemand im Freundeskreis nochmal genauer nachfragt, auch nach drei Jahren. Wenn ich Fridas Geschichte nochmal erzählen kann, es gedanklich nochmal
    Durchlebe dass sie wirklich da war, dass es sie gegeben hat. Vielleicht melden sich ja noch ein paar andere mit ähnlichen Schicksalen zu Wort, vielleicht hat die ein oder andere ja noch andere Tipps zum
    Thema Kinderwunsch "danach"...
    Ich finde es auf jeden Fall super dass du aktiv schaust dass du dich austauschen kannst!








    ...und ein ganz kleines Sternchen im Herzen (11.SSW, 07/16)

  5. #5
    Avatar von Lene86
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Hallo liebe Neroli,

    vielen Dank für deine Einladung hierher zu kommen

    Wir haben ja auch schon einiges geschrieben und du weißt, wie schrecklich ich auch dein Schicksal empfinde. Fühl dich nochmal feste gedrückt!

    Dass du dieses Thema eröffnet hast, finde ich eine wundervolle Idee! Hoffentlich finden noch weitere Sterneneltern den Weg hierher.

    Gerne erzähle auch ich etwas von unserer "Geschichte".

    Wir wurden im März 2016 schwanger - ungeplant. Sofort haben wir uns mächtig darüber gefreut ein Baby zu bekommen. Die Schwangerschaft verlief ganz normal - unsere Tochter war immer zeitgerecht entwickelt. Im September waren wir im Urlaub. In den letzten Tagen bemerkte ich dann keine Bewegungen, was ja auch mal vorkommen kann. Dann wurde es mir aber zu lange ohne Bewegungen und wir sind zu unserem FA.
    Dort war es dann sicher: das Herz unserer Maus hatte aufgehört zu schlagen.
    Wir sollten direkt ins Krankenhaus, wo die Geburt sofort eingeleitet wurde. Am nächsten Tag wurde unsere Tochter bei SSW 27+5 still geboren.
    Sie war vollkommen gesund. Die Plazenta und die Nabelschnur wurden untersucht. Dort stellte sich heraus, die Plazenta war zu 1/3 wegen Thrombosen nicht durchblutet. Damit könne ein Kind aber wohl durchaus noch ausreichend versorgt werden. Uns wurde gesagt, man könne die Ursache für das Geschehene nicht ausmachen. Wir hätten einfach großes Pech gehabt...

    Nach der Geburt sollten wir 3-6 Monate warten, bis wir uns erneut an dem Kinderwunsch versuchen. Ausgehalten haben wir es 2 Monate... In dem ersten und zweiten Versuch durfte ich schon einen positiven SST in den Händen halten. Leider konnten sich die beiden aber nicht halten.
    Daraufhin hat mein FA einen Blutgerinnungstest (6 Wochen Wartezeit auf den Termin) angeordnet. Wir sollten von dem Kinderwunsch pausieren, da eine Schwangerschaft wohl die Gerinnungswerte in die Höhe schießen lassen würde und dadurch der Gerinnungstest beeinflusst würde. Am Anfang fand ich die auferlegte Pause ganz gut - wie eine Erlösung: so brauchte ich keine Sorge vor einem positiven Test und dem darauffolgenden erneuten Verlust haben. Dann wiederum wollte ich gerne so schnell wie möglich wieder schwanger werden und war ganz und garnicht mit der Pause zufrieden. Ein Wechselbad der Gefühle: Kurz darauf spürte ich aber, dass mir die Pause wirklich guttat! Ich hatte etwas Abstand und plötzlich merkte ich, dass ich alles erst einmal aufarbeiten musste. Es war sehr schwer, das Ganze ohne eindeutige Diagnose akzeptieren zu können. Ich hatte dann auch ein paar Stunden bei einer Gesprächstherapie, die mir in Kombination mit dem gewonnenen Abstand sehr geholfen hat.

    Die Ergebnisse des Gerinnungstests (Ich habe keinerlei Störungen) kamen erst während des 3. "Pausenzyklus" Ende April. Seit diesem Zeitpunkt geht es mir wieder gut. Ich bin mit allem im Reinen. Nun befinden wir uns im 2. Zyklus nach der Pause - also insgesamt im 4. ÜZ.

    Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass ich direkt nach der Geburt sehr verkrampft war und ich so einen Druck hatte, dass die nächste Schwangerschaft ganz ganz schnell wieder sein muss. Jetzt im Moment bin ich grundsätzlich relativ entspannt und lasse es auf mich zukommen - es passiert, wenn es sein soll.


    So unterschiedlich unsere "Geschichten" und Erfahrungen sind, ist es doch das eine, was uns stark verbindet:
    Der Verlust unserer Kinder.
    Der Austausch untereinander, sich gegenseitig Halt geben und spüren, man ist nicht alleine mit einem so grausamen Schicksal, ist sehr wichtig.

    Auch ich hoffe, dass diejenigen, die nach dem Verlust ihres Kindes auf der Suche nach Antworten oder Gleichgesinnten sind, hierher finden und neuen Mut fassen können.




  6. #6
    Avatar von Lene86
    Lene86 ist offline old hand
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Neroli, hast du das deiner Therapeutin gesagt, dass du das so nicht in Ordnung fandest? Dass du dich dabei nicht wohl gefühlt hast... Fühlst du dich bei ihr grundsätzlich gut aufgehoben? Sich mal eben eine Neue zu suchen, ist ja doch nicht so leicht... Oder wäre das eine Option für dich?


    Vronli, vielen Dank für deine offenen Worte. Sie geben auch mir Mut für eine weitere Schwangerschaft. Die Angst, dass wieder etwas schlimmes passieren kann, sitzt sehr tief. Wie du schreibst, dass es sich allemal lohnt, glaube ich dir sofort. Das werden wir auch noch durchstehen und dann irgendwann unsere kleinen Wunder in den Armen halten!




  7. #7
    romina29 ist offline old hand
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Liebe Neroli,

    es tut mir leid, dass du ebenfalls eine Sternenmama bist.

    Mein Sohn Erik wurde 2013 nach einer unkomplizierten Schwangerschaft geboren. Allerdings gab es unter der Geburt Komplikation, so dass Erik nach 4 Wochen in unseren Armen eingeschlafen ist. Er hatte massiven Sauerstoffmangel aufgrund einer nicht entdeckten Fehlbildung meiner Nabelschnurgefäße. Ich hatte einen Notkaiserscherschnitt, aber trotzdem war es zu spät. Er musste nach der Geburt reanimiert werden, aber sein Gehirn war so in Mitleidenschaft gezogen, dass er schwerstbehindert war. Mein Freund und ich haben uns gegen eine Maximaltherapie entschieden, da seine Prognosen zu schlecht waren.
    Ich bin 5 Monate nach Eriks Tod wieder schwanger geworden. Die Schwangerschaft war von Ängsten durchwachsen. Ich habe aber auf dem Friedhof noch andere Mütter kennengelernt, mit denen habe ich mich regelmäßig getroffen und ausgetauscht. Das hat mir gut getan. Mein Kinderwunsch war von Anfang an da. Ich kann es schlecht in Worte fassen, aber selbst als Erik noch gelebt hat, war der Wunsch da.
    Ich habe 13 Monate nach Erik ein Geschwisterkind bekommen. Bevor wir nach Hause sind, sind wir auf dem Friedhof gefahren, um Erik seinen kleinen Bruder vorzustellen. Das war mir wichtig.
    Mein Folgekind ist für mich kein Ersatz, es hat mir aber geholfen über diesen Verlust zu kommen.
    Es vergeht kein Tag, wo ich nicht an Erik denke. Er ist irgendwie immer präsent.

    Wenn du noch Fragen hast, kannst du gern auf mich zukommen.

    Ich wünsche dir und deinem Mann alles alles Gute.

  8. #8
    Avatar von Neroli
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    @Vronli:
    Oh, dann habt ihr ja auch erst ziemlich spät von dem Herzfehler erfahren, da wägt man sich schon in Sicherheit so kurz vor der Geburt und dann stürzt die Welt auf den letzten Metern plötzlich ein
    Der Kinderkardiologe war ja .... *******
    Mit der Angst sich vllt. mal rechtfertigen zu müssen hast du vollkommen recht, wir sind uns sicher das wir die "richtige" Entscheidung getroffen haben, wir haben sie für unser(e) Kind(er) getroffen und rechtzeitig "losgelassen" um ihnen Leid und Schmerzen zu ersparen.
    Aber ich habe tatsächlich Angst davor das mir irgendjemand vllt. mal vorwerfen wird das wir uns gegen die Maximaltherapie entschieden haben, ob in mein Gesicht oder hinter meinem Rücken...
    Da ich aber eh nicht möchte das Außenstehende überhaupt genauer erfahren was passiert ist wissen auch nur sehr wenige Leute das man uns hat entscheiden lassen.

    Ob es leichter ist wenn man die Wahl hat? ... ich würde fast vermuten ja ... stelle es mir schrecklich vor wenn man z.B. bei 23+5 ist und die Ärzte sagen "vor 24+0 machen wir generell nix" so ein "egal was SIE wollen oder wünschen, wenn ihre Kinder vor diesem Punkt kommen lassen wir sie sterben" und auch umgekehrt, wenn man Fri.da zb gegen euren Willen operiert hätte und sie wäre im op gestorben statt in euren Armen.... die Hilflosigkeit und Machtlosigkeit würde wohl noch ein weiteres Trauma oben drauf setzen.
    Auch wenn einer Frau nach dem Tod des Babys im Bauch nicht die Wahl zw. KS und spontaner Geburt gelassen wird ... hab hier letztes Jahr einen Bericht von einer Betroffenen gelesen der eine spontane Geburt aufgezwungen und zusätzlich eine PDA verweigert wurde ... die war komplett am allerletzen Ende.

    Bei mir wars umgekehrt, ich hätte in meiner Situation einen KS absolut schrecklich gefunden weil ich überhaupt nix mitbekommen hätte aber da ist eben jeder unterschiedlich und da sollten die Ärzte gerade in Extremsituationen drauf eingehen. Auch wenn sicher vielen eine spontane Geburt beim Abschied nehmen und verarbeiten eher hilft als ein KS ist es ja nicht automatisch für alle der "bessere" Weg....

    So an sich fühle ich mich bei meiner Therapeutin wohl, aber warum sie ausgerechnet dieses mal der Meinung war sie müsste für "Reibung" sorgen verstehe ich nicht...das es mir in der Grübelphase mies ging und jetzt wo ich mich entschlossen habe doch eher zeitnah zu starten schlagartig besser geht zeigt mir eigentlich das es die richtige Entscheidung ist .... hab sie nie gefragt aber ich vermute sie hat selbst keine Kinder und sich bewusst für ein Leben ohne Kinder entschieden... aber bei Psychotherapeuten hat man ja wahnsinns Wartezeiten, insofern wärs auch echt schwer sich nach einer Neuen umzuschauen.

    Das wir noch ziemlich jung sind stimmt natürlich, aber ich spüre den Zeitdruck leider trotzdem weil das schwanger werden bei uns eben nur mit KB klappt und die Voraussetzungen ja mit den Jahren nicht besser werden...

    Oh ja, ich habe auch ganz schnell gemerkt das es wichtig ist Dinge zu machen auf die man Lust hat und die einem gut tun und unangenehme Dinge (soweit es denn möglich ist) von sich fern zu halten. Kann z.B. gerade nicht mit einer guten Bekannten interagieren die gleichweit war/ist wie ich, wenn es sie stört und verletzt und sie das gemein findet tut es mir leid, aber dann ist das so, ich kann nicht aus meiner Haut und mag mir das im Moment nicht antun, mit einer anderen Freundin die ebenfalls zeitgleich war/ist hab ich hingegen überhaupt keine Probleme, es liegt an Kleinigkeiten aber die sind emotional und wiegen gerade eine Tonne das Stück

    Auch das du dich freust wenn du nach Fri.das Geschichte gefragt wirst kann ich jetzt schon gut nachvollziehen, obwohl ich wirklich nur mit ganz engen Personen überhaupt drüber reden möchte sind mir diese Gespräche total wichtig und helfen beim verarbeiten, mein Mann mag leider überhaupt nicht drüber reden, ist schwer das wir so unterschiedlich damit umgehen. Er möchte lieber alleine für sich Trauern, dadurch bleibt mir auch nicht viel anderes übrig.

    Schön das auch nach drei Jahren immer nochmal wieder jemand nach Fri.da fragt

  9. #9
    Avatar von Neroli
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    @Lene

    Ich freue mich das du meiner Einladung gefolgt bist und eure Geschichte hier auch erzählt hast
    Und auch wenn wir ja auch über PN schreiben möchte ich hier nochmal sagen wie leid es mir tut das das Herz eures kleinen Engels aufgehört hat zu schlagen ....
    Und auch das du sie im Gegensatz zu uns nicht zumindest einmal kurz lebend im Arm halten konntest treibt mir die Tränen in die Augen

    Aber toll das du zur Zeit so entspannt und im inneren Gleichgewicht bist
    Und dein Folgewunder lässt bestimmt nicht mehr lange auf sich warten bzw. kuschelt sich gerade fest bei dir ein

    @Romina

    Es tut mir leid das auch euer Erik zu den Sternen ziehen musste...
    Irgendwie denkt man ja immer das man heutzutage sogut wie alles über den Ultraschall sehen und entdecken und dann auch beheben kann... deine und Vronlis Geschichte zeigen uns das dem leider nicht so ist....

    Ich hoffe das kommt jetzt nicht verkehrt rüber, aber es beruhigt mich ungemein zu hören das wir längst nicht die einzigen sind die sich gegen eine Maximaltherapie (finde das Wort mit jedem mal schrecklicher obwohl es ja meist was Gutes ist das eben auch viele Leben rettet) entschieden haben.

    Und auch das ihr recht schnell nach dem Verlust wieder an eine Folgeschwangerschaft gedacht habt, es auch nicht allzu lange gedauert hat und eure Folgewunder eure Seelen ein Stück weit geheilt haben macht mir Mut.

    Ich finde es schön das ihr auf dem Weg vom Krankenhaus zurück zum Friedhof gefahren seid um Erik seinen kleinen Bruder vorzustellen (bekomme direkt wieder feuchte Augen)



    Haben eure Engel einen eigenen Grabstein (oder ähnliches)?
    Wenn ja würde ich mich über Beschreibungen oder auch Fotos (per PN) sehr freuen.
    Ich habe schon bei ein paar Steinmetzen geschaut und auch die google Suche bemüht aber noch so gar nix gesehen was ich mir vorstellen kann.

    Ich fänds schön wenn auch ihr Sternenmamas mit Folgewunder "hier bleibt" und euch weiter mit uns austauschen mögt.

  10. #10
    romina29 ist offline old hand
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    Standard Re: Kinderwunsch nach Todgeburt / (Früh-)Geburt mit Verlust

    Hallo Neroli,

    Erik hat sein eigenens Grab auf einem sehr schönen Friedhof. Er ist im "Garten der Sternenkinder" begraben. Meine große Tochter, sie war damals 5 Jahre, hatte Eriks namen auf ein Blatt Papiergeschrieben und noch 2 kleine Bildchen gemalt (eine Blume und einen Schmetterling). Der Steinmetz hat auf unseren Wunsch die Schriftzüge auf den Grabstein übertragen. So haben wir den Grabstein gestaltet. Als wir den Friedhof und auch den Platz ausgesucht haben, war es ein kleiner Trost, dass es zwischen vielen anderen Kindern liegt und nicht alleine ist. Mittlerweile sind so viele andere Gräber dazu gekommen. Es ist unglaublich, so viele Tränen, so viel Schmerz...
    Unsere Tochter hat damals alles miterlebt. Sie hatte sich sehr darauf gefreut große Schwester zu werden. Nach der Geburt mussten wir ihr sagen, dass Erik sehr krank ist.Sie war fast jeden Tag im Krankenhaus, hat ihm vorgesungen, Bilder gemalt, ihn gestreichelt. Als wir ihr sagen mussten, dass er gestorben ist, werde ich nie vergessen, wie sie geschluchzt und geweint hat. Wir hatten die Möglichkeit, als Erik gestorben ist, ihn für 3 Tage in einem Kinderhospiz aufzubahren. Diese 3 Tage waren für uns sehr gut. Wir haben ihn gewaschen und konnten seine Kleidung ihm anziehen, wir haben seinen Sarg selbst gestaltet. Meine Tochter hat den Sarg mit Luftballons, Aufkleber, Fotos, selbst gebastelten Blumen geschmückt und ihm auch noch was gebacken. Meine Tochter war immer mit dabei. Wir hatten die 3 Tage inensiv genutzt und Abschied genommen. Die Zeit ist allerdings viel zu schnell vergangen.
    Als wir ihr gesagt haben, dass sie wieder große Schwester wird, hatte sie genaus so Angst wie wir. Jetzt ist sie eine super tolle große Schwester. Sie redet immer noch viel von Erik, er ist für sie sehr wichtig.
    Zu Eriks Geburtstag lassen wir immer einen Luftballon steigen und essen Kuchen am Grab. Zu Weihnachten fahren wir auch immer zum Grab, bevor wir zu hause Weihnachten feiern.
    Bei Kinder, die so alt sind, wie Erik jetzt wäre, frage ich mich immer, wie er wohl wäre. Bei Familien mit 3 Kindern möchte ich am liebsten schreien, ich habe auch 3 Kinder, aber man sieht nur zwei davon. Das setzt mir immer noch zu.
    In Erinnerung an Erik habe ich mir damals einen Kettenanhänger gestalten lassen. Diese Kette trage ich Tag und Nacht.
    Der Kleine weiß auch, dass er einen Bruder hat. Klar, er sieht die Fotos, geht mit uns auf den Friedhof. Er sgt dann immer, mein Bruder ist gestorben. Die meisten Leute, die das nicht wissen, sind ganz irritiert. Aber er ist noch zu klein, um letztendlich zu begreifen, was los ist.

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